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Ein Bericht von Fred Heiduk mit Fotos von Sebastian & Matthias Ziegert




Eingeweihten muss man nichts zum Thema erklären. "Semper fidelis" um den Drei Königstag im Leipziger "Anker" ist eine Institution seit mehr als einem Jahrzehnt. Am 6. Januar 2024 war es nach längerer Pause von fünf Jahren wieder soweit. Geburtstagsparty für "Cäsar" Peter Gläser zu dessen 75. Leider (oder auch nicht) kam dieser Geburtstag für seine ehemaligen Bands RENFT und KARUSSELL wohl doch etwas überraschend, so dass zumindest keiner aus dieser Zeit mit auf der Bühne stand. Vielleicht war es aber auch gut so, denn so stand letztlich "Cäsar" ohne Wenn und Aber im Mittelpunkt.


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Dass es auch eine Hommage zum nunmehr 15. Todestag dieses begnadeten Musikers und außergewöhnlichen Menschen war, den so viele Facetten ausmachten - von Abgründen über menschliche Größe zu unglaublichen Stärken und großen Gefühlen - gehört auch erwähnt. Doch ganz in der Art "Cäsars", den sicher einige der im "Anker" Anwesenden mehr oder weniger gut persönlich kannten, war es ein Abend voller Freude und guter Laune, umrahmt von fabelhafter Musik, die "Cäsar" in seinem Musikantendasein hinterlassen hat. Organisatorisch gestaltet wurde das Konzert zu aller erst (behaupte ich) von seiner Frau Simone Dake. Inhaltlich musikalisch zeichnen die ehemaligen Mitstreiter "Cäsars", allen voran wohl Volkmar Große, verantwortlich. Ganz gewiss hatten aber auch "Cäsars" alte Weggefährten aus der Nach-RENFT-Zeit, Jürgen Schötz, Conny Plänitz, Mario Ferraro und Till Uhlmann, nicht nur musikalisch ihren Anteil am Werden und Wachsen des Abends.

Womit der Bogen zur Musik geschlagen wäre. Die Band des Abends waren "Cäsars" ehemaligen Bandmitglieder, verstärkt durch zwei weitere Musiker: Henning Plankel und Martin Weigel, zwei großartige Meister ihrer Instrumente. DIE SPIELER machten den Auftakt, spielten in einigen Übergängen zwischen den Gästen und begleitete alle Stücke. Wie wohl von allen Anwesenden durchaus erwartet, brillierten sie dabei. So manches Mal durfte über die Virtuosität der SPIELER gestaunt werden. Gleich ob Marios Gitarre, Volkmars Bass, Connys Parts von Geige über Saxophon bis Trommeln, Tills Geige und Drehleier, und natürlich Jügens souveränes Schlagzeug-Spiel. Es war ein Genuss den SPIELERN zuzuhören und sie live voller Spielfreude und Klasse zu erleben. Man hatte durchaus das Gefühl, die Band spielt häufig zusammen. Es passte einfach. Und so war es sicher auch für die durchaus namhaften Gäste ein Vergnügen, "Cäsars" Musik zu spielen und vor allem zu interpretieren.


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Jede Einzelheit aufzuzählen sprengt den Rahmen, wäre aber durchaus der Erwähnung wert, denn es reihte sich Höhepunkt an Höhepunkt, so dass jede Minute das Publikum fesselte. Den Anfang machte die mir völlig unbekannte (ich gebe zu - eine musikalische Bildungslücke) Francis Tobolsky. Was für eine Power?! Nach wenigen Zeilen war der Saal wach. Die kleinen Fehler, die hier und da nicht ganz passenden Einsätze etc. einiger der auftretenden Musiker … ich bin sicher, es störte letztlich niemanden. Alle Gastmusiker brachten vollen Einsatz, feierten in gewisser Weise "Cäsars" Musik und machten den Abend so zu einem großen Familienfest - "Cäsars" 75. Geburtstag eben. Jeden einzelnen Titel vermag ich nicht zu nennen. Letztlich auch nicht so wichtig, denn es war ein Hit-Potpourri quer durch "Cäsars" musikalische Stationen und die unterschiedlichsten Stile, die er bediente (Setlist siehe unten). Dass viele Songs vom Publikum mehr oder weniger laut mitgesungen wurde, muss im Grunde nicht wirklich erwähnt werden. Das Groß war durchaus textsicher. André Herzberg brachte das auf den Punkt, als er sagte, "Ich kann mir so lange, komplizierte Texte nur schlecht merken und muss sie deshalb ablesen. Wenn ich rauskomme, macht das aber ja nichts, weil ihr kennt die Texte ja eh …" Wie wahr, wie wahr … Aber zurück zum Konzert an sich.


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Einige klangvolle Namen adelten die Geburtstagsparty in gewisser Weise besonders. Der erste Große, war ein ganz Großer der Wendezeit und der Leipziger Musikszene. Irgendwie ein "Cäsar" der neuen Bands - Makarios von DIE ART. Wie gesagt - eine Leipziger Musikinstitution. Nach seinem Auftritt wussten auch die, die DIE ART vielleicht nicht kannten, warum es so ist. Ganz unprätentiös verpasste Makarios seinen "Cäsar"-Titeln einen leichten Punk-Touch. Ich hatte den Eindruck, das fand Anklang. Zugleich zeigte Makarios, wie weit interpretierbar "Cäsars" Musik ist, ohne sie zu entstellen.
Es folgte der Grande des Ost-Blues, Boddi Bodag, mit dem "Cäsar" das Projekt VÄTER UND SÖHNE betrieb. Er zeigte, wie Blues, den "Cäsar" ja irgendwie im Blut hatte, grooven muss. Großes Kino - wie immer wenn Boddi in die Tasten greift und seine unverkennbare Stimme erklingt. Ich bin sicher, das hätte Cäsar gefallen.

Dann Norbert Leisegang - wow … Er war sicher vorab von den Gästen am weitesten von den "Cäsar"-Titeln entfernt, die er singen sollte. Was er aber draus machte - es wäre eines Mitschnitts würdig gewesen. Komplett eigene Interpretationen ohne den Ursprung unkenntlich zu machen. Das war überaus gelungen. Wie weit er in "Cäsars" Musik eintauchte, zeigte sicher auch die Art und Weise, wie er über die Bühne tanzte, schwebte, von der Musik getragen wurde.
Lutz Kerschowski musste leider absagen, so dass die SPIELER eine musikalische Extrarunde drehen mussten und so einen selbst versierten "Cäsar"-Fans weitgehend unbekannten Titel aufführten. Andächtigem Zuhören folgte tosender Applaus der zeigte, wie gut selbst unbekanntere Titel des Altmeisters sind.
Schließlich kam wohl für nicht Wenige der Höhepunkt des Abends - André Herzberg betrat die Bühne. Und er war gut aufgelegt, prächtig bei Stimme und rockte den Saal. Was soll man sagen? Es war einfach stimmig. Sowohl sein Mundi-Part, als auch sein Statement zu Freiheit bevor er die "Rose" sang. Seine Fassung - zum niederknien schön und leider nach wie vor wahr aber nicht erreicht - " … das wird sein, wenn's sein wird …"


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Einen Gastauftritt hab ich bisher unterschlagen - Felix Meyer und Norman Dassler. Und der war für mich der beste des Abends. Vermutlich, weil die beiden im Zusammenspiel mit den Spielern "ihren Cäsar-Songs" ein ganz neues Kleid in der Folk-Richtung verpassten. Die für mich mit Abstand beste Interpretation eines Titels war der "Wandersmann" in ihrer Folkbearbeitung. Ein unglaubliches Potential. Schade, dass es den Song nicht als Aufnahme gibt - ich würde was dafür bezahlen. Dass Felix Meyer eine Stimme der Extraklasse hat, zeigte er mehrfach am Abend. Über welch feine, saubere Technik Norman Dassler als Gitarrist verfügt, wurde auch schnell klar, aber im Zusammenspiel mit den SPIELERN war der "Wandersmann" einfach grandios. Gerade weil nicht in seiner Ursprungsfassung. Wenn "Cäsar" etwas an diesem Abend besonders gefallen hätte, dann wohl dieser Song, denn er war erfrischend neu und anders.

Sicher hätte "Cäsar" auch der Abschluss-Chor der 1.000 gefallen. Knapp so viel Menschen waren zur Party gekommen. Und mit allen Mitwirkenden sang das Publikum den "Apfeltraum". So falsch und laut gesungen wurde, so schön war der Moment. Das Finale eines großen Festes für die Musik, aber auch für das friedliche Miteinander, für die Liebe und das Verständnis zwischen den Menschen. Einen Abend wie er, so kann ich mir vorstellen, hätte "Cäsar" Peter Gläser gut gefallen.



Setlist
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