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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki




a 20210623 1958142543RAY WILSON, weltweit bekannt geworden als Sänger der britischen Rockband GENESIS (1997 - 1999), sollte bereits 2020 mit seiner eigenen Band in Rostock gastieren. Doch wie wir alle wissen, ließ die Corona-Pandemie dies nicht zu. Überhaupt... Wer hätte noch vor vier Wochen, im Mai, daran geglaubt, dass Mitte Juni wieder Konzerte stattfinden würden? Auch ich gehörte eher zu den Skeptikern. Doch sinkende Infektionszahlen in Deutschland sorgten für vorsichtige Öffnungsschritte in vielen Bereichen. Open-Air-Konzerte sind unter bestimmten Voraussetzungen also wieder möglich, wie der Konzertabend in Warnemünde beweisen sollte.

Der lokale Radiosender Ostseewelle HIT-RADIO Mecklenburg-Vorpommern präsentierte gemeinsam mit der Goliath Show & Promotion GmbH das Konzert mit RAY WILSON & Band. Lautsprecherdurchsagen und Moderator Uwe Worlitzer wiesen vor Konzertbeginn immer wieder auf die Sicherheitsvorkehrungen hin. Die Gäste sollten möglichst ihre Plätze nicht verlassen, während des Konzertes nicht tanzen und - wenn überhaupt - nur den eigenen Partner oder die eigene Partnerin küssen. Die Gäste, angereist aus ganz Deutschland - Düsseldorf, Bremen, Berlin und, und, und - zeigten sich diszipliniert. So konnte das erste Konzert nach 479 Tagen ohne Live-Musik (laut Ostseewelle) bei herrlichem Sommerwetter im Warnemünder Kurhausgarten pünktlich starten.

Gut gelaunt eröffneten RAY WILSON und seine Band ihr Konzert mit den Stücken 'No Son Of Mine' und 'That's All' von GENESIS. Beides sind Songs, die im Original von PHIL COLLINS gesungen wurden. Bekanntlich sang WILSON lediglich das letzte Studioalbum ‚Calling All Stations' (1997) von GENESIS ein. Ein Album, das für mich musikalisch und inhaltlich deutlich gehaltvoller ist als das vorherige Studiowerk 'We Can't Dance' (1991). 'Calling All Stations' verkaufte sich in Europa ordentlich, in den USA kann man eher von einem kommerziellen Misserfolg sprechen.b 20210623 1587365845 Da sich auch die auf das Album folgende Tour eher ein Misserfolg für GENESIS darstellte, beschlossen die verbliebenen GENESIS-Mitbegründer MIKE RUTHERFORD und TONY BANKS im Jahr 1999, das Projekt GENESIS (vorerst) zu beenden. Die Hits von GENESIS bleiben im Ohr derer, die mit dieser Musik erwachsen geworden sind. Das merkte man auch an den begeisterten Reaktionen des Publikums in Warnemünde.

Auch wenn RAY WILSON nur kurzzeitig als Sänger von GENESIS in Erscheinung trat, steigerte dies seinen Bekanntheitsgrad auf der ganzen Welt ungemein. Doch feierte er auch schon vor GENESIS mit seiner Band STILTSKIN große Erfolge, wie danach auch als Solist. Gekonnt mischte WILSON Welthits von GENESIS, von PHIL COLLINS, MIKE & THE MECHANICS und PETER GABRIEL mit eigenen Stücken. Nach meinem Geschmack hätten es noch mehr eigene Songs sein dürfen. Durch eine geschickte Instrumentierung und eigene Arrangements gerieten die bekannten Stücke nicht nur zu bloßen Coverversionen, sondern zu Songs, denen RAY WILSON und seine Band durch ihre Interpretationen ein eigenes Gesicht verliehen. Die Band ist gegenüber anderen Konzerten, die ich mit ihr erleben durfte, inzwischen etwas ‚abgespeckt', doch immer noch hochkarätig besetzt. Neben Bruder STEVE WILSON (Gitarren, Hintergrundgesang) gehören ihr KOOL LYCZEK (Keyboards) MARIO KOSZEL (Schlagzeug), MARCIN KAJPER (Bass, Saxofon, Flöte) und ALICJA CHRZASZCZ (Violine) an. Die langjährigen Bandmitglieder ALI FERGUSON (Gitarren) und LAWRIE MACMILLAN (Bass, Hintergrundgesang) waren in Warnemünde nicht dabei. Ob das an den Corona bedingten Einreisebestimmungen oder am Brexit liegt, vermag ich nicht zu sagen. Außer STEVE WILSON leben alle anderen Musiker in Polen, und dass STEVE seine Probleme mit dem Brexit hat, ließ RAY WILSON durchklingen.

Im ersten Teil des Konzertes sorgten Stücke wie 'Another Cup Of Coffee' oder 'Another Day In Paradise' für Wohlfühlmomente, der GENESIS-Klassiker 'Carpet Crawlers', mit gefühlvoller Gitarrenarbeit von STEVE WILSON, gar für Gänsehaut. Aber auch die STILTSKIN- bzw. eigenen Songs 'Take It Slow' und 'Lemmon Yellow Sun' wussten zu gefallen. Nach einer knappen Stunde verabschiedete sich RAY WILSON mit dem GENESIS-Hit 'Home By The Sea' in eine kurze Pause. Er hätte "Bratwürst mit Senf" vermisst und den Jägermeister. Für uns gab es leider nur alkoholfreie Getränke während des Konzertes zu erstehen.

Verzerrte Gitarrenklänge leiteten den zweiten Teil der Show ein. 'Calling All Stations', Titelsong des GENESIS-Albums mit WILSON als Sänger, wurde gefolgt von dem Stück 'Dividing Line' vom gleichen Album. Hier hatte vor allem Schlagzeuger MARIO KOSZEL sein Können unter Beweis zu stellen. Sein kurzes aber gekonnt gespieltes Solo wurde mit heftigem Szenenapplaus bedacht.c 20210623 1888630810 Der GENESIS-Klassiker 'Land Of Confusion' ermutigte dann doch die ersten Fans, sich von ihren Plätzen zu erheben und rhythmisch mitzuklatschen oder zu tanzen. Bei PHIL COLLINS 'In The Air Tonight' zog wieder etwas Ruhe ein, ebenso bei der wunderschönen Ballade 'Alone', bei der die Brüder WILSON beim Refrain mit zweistimmigem Gesang einen Wohlklang erzeugten. Violinistin ALICJA CHRZASZCZ hatte bei 'Follow You, Follow Me' ihren eindrucksvollen Solo-Part, indem sie die Synthesizer-Passage im Schlussteil auf ihrer Violine spielte. MARCIN KAJPER, der aus meiner Sicht an diesem Abend Schwerstarbeit leistete - am Bass, an der Querflöte und am Saxofon - wechselte bei dem letzten regulären Song 'Solsbury Hill' von PETER GABRIEL wieder an die Flöte. Schon vorher begeisterte er mich mit beeindruckenden Soli auf seinem Saxofon. 'Solsbury Hill', bei dem es keinen mehr auf den Sitzen hielt, konnte natürlich nicht der letzte Song des Abends gewesen sein. Das Publikum forderte Zugaben.

Die Stimmung in Warnemünde hatte sich so gesteigert, dass RAY WILSON von seiner geplanten Setlist abwich, zur Akustik-Gitarre griff und mit dem BRUCE SPRINGSTEEN-Cover 'I'm On Fire' sowie dem BOB DYLAN-Klassiker 'Blowing In The Wind' bei untergehender Sonne so etwas wie Lagerfeuer-Romantik aufkommen ließ. Das Publikum zeigte sich textsicher und begeistert. Die Stücke gingen nahtlos über in 'Knockin' On Heaven's Door', ebenfalls ein Klassiker von DYLAN. Als die Band mit einsetzte, spielte sie dieses Stück im Reggae-Rhythmus, bestens geeignet, mitzuschunkeln. Ein dankbares Publikum wurde von vor Freude strahlenden Musikern in die laue Sommernacht entlassen. Bleibt zu hoffen, dass wir diese Momente längst vermisster Realität nun wieder häufiger erleben dürfen.



Setlist:
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Termine:
• 26.06.2021 - Bad Rappenau - Bonfeld
• 03.07.2021 - Treuenbrietzen - Waldbühne Tiefenbrunnen
• 09.07.2021 - Dortmund - JunkYard Open Air
• 17.07.2021 - Wilhelmshaven - Kulturzentrum Pumpwerk
• 22.07.2021 - Vilshofen/Donau - Flugplatz

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos auf Rays Homepage


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Ray Wilson: www.raywilson.net
• Homepage des Veranstalters: www.goliath-show.de






   
   
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