Bryan Ferry
 
Leipzig | Haus Auensee | 26. Mai 2017

Ein Bericht mit Fotos von Matthias Ziegert



Es gibt auf der Welt einen immer kleiner werdenden Kreis von Musikern, die man unbedingt einmal live erlebt haben sollte, wenn man sich für Rock- und Popmusik interessiert. Einer davon ist die Stilikone und Grandseigneur des British-Pop BRYAN FERRY. Angeregt durch die Musik von Scott Fitzgerald, Velvet Underground und Bill Haley gründete Ferry im Jahre 1970 die Band ROXY MUSIC, die heute zu den Glam-Pionieren zählt. Die Gruppe fiel in erster Linie mit ihrer äußerst auffälligen Kostümierung und ihrer eigenwilligen, anspruchsvollen Musik mit viel Theatralik auf. Gemeinsam mit Brian Eno, Steve Mackay, Phil Manzanera und Paul Thompson bildete Ferry die Gruppe ROXY MUSIC, und mit der Single "Virginia Plain" hatten sie im Jahr 1972 den ersten Hit.a 20170531 2038657278 Die in den Folgejahren erschienenen neun Alben wurden mit zahlreichen Gold- und Platin-Awards ausgezeichnet. Einer der Hauptgründe für den Erfolg von ROXY MUSIC ist zweifelsohne Ferrys "vibratolastiger Staccato-Gesang", der schnell zum Markenzeichen der Band wurde. Außerdem sorgte er für das Kostüm-Design und machte aus ROXY MUSIC so die ersten eleganten Rockstars, die anstatt Lederklamotten zu tragen im schmal geschnittenen Anzug und mit weißem Hemd auftraten. Diesen eleganten, ein wenig versnobten Stil hat sich BRYAN FERRY bis heute erhalten.

Neben seiner Karriere mit ROXY MUSIC startete der Sänger im Jahre 1973 parallel eine überaus erfolgreiche Solokarriere, die bis zum heutigen Tage andauert. Dabei beschäftigte er sich unter anderem mit Rock, Pop und Jazz gleichermaßen und erschuf sogar Neuinterpretationen herausragender Songs der amerikanischen Unterhaltungsmusik aus den Jahren von 1930 bis 1960. Mittlerweile hat er als Solist 15 Studioalben veröffentlicht, von denen über 30 Millionen Stück verkauft wurden. Im Rahmen seiner diesjährigen "Avonmore"-Tour, die den Künstler quer durch Europa und auch nach Amerika führt, machte er dank MAWI-Concerts am 26. Mai 2017 zum ersten Mal auch in Leipzig Station. Da der Termin der einzige in Mitteldeutschland war, strömten Fans aus der gesamten Region nach Leipzig, um ihr Idol live zu erleben. Es dürften wohl über 3.000 Besucher gewesen sein, die an diesem Abend das Haus Auensee ordentlich füllten.

Als Support trat in Leipzig an diesem Abend die US-amerikanische Sängerin EARL mit ihren beiden Kollegen auf, die sie mit Keyboard und Kontrabass sowie gesanglich begleiteten. Die aus dem Bundesstaat Alaska kommende KATE PEARL startete bereits im Jahre 2004 als Singer-Songwriter ihre Karriere. Vor einiger Zeit entdeckte sie ihre Liebe zum Jazz und beteiligte sich im Jahre 2015 mit zwei Songs erfolgreich beim BBC Introducing-Programm.b 20170531 1021118276 Dafür erhielt sie einen Auftritt auf der "Newcomerbühne" der BBC beim Londoner Hyde-Park-Festival und einen Vertrag bei BMG. Dort erscheint im Juni ihre CD "Tongue Tied", aus der die charmante Blondine an diesem Abend einige Hörproben präsentierte. Die Jazz-Nummern im Stil der dreißiger Jahre kamen beim Publikum gut an. Schon nach zwanzig Minuten sang und klatschte der ganze Saal mit. Mit viel Applaus verabschiedete das Publikum nach dem etwa dreißig Minuten dauernden Set die selbst sichtlich begeisterte Künstlerin.

Nach kurzem Umbau auf der Bühne war es dann um 21:00 Uhr endlich soweit. BRYAN FERRY und seine neunköpfige Begleitband betraten die Bühne im alterswürdigen Haus Auesee. Zu Ferrys Begleitband gehören Jorja Chalmers am Saxofon und Keyboard, Chris Spedding und Jacob Quistgaard an den Gitarren, Christian Gulino am Keyboard, Neil Jason am Bass, Luke Bullen am Schlagzeug, Marina Moore an der Violine, sowie Fonzi Thornton und Bobbie Gordon als Background-Sänger. Schon bei der Begrüßung gab es reichlich Applaus und begeisterte Rufe, schließlich hat man ja auch nicht jeden Tag einen von der Queen persönlich ernannten "Commander of the British Empire" hier zu Gast. Der Applaus brandete also schon zu Beginn des Auftritts begeistert auf und sollte sich später noch frenetisch steigern. Nachdem alle direkt am Programm beteiligten Künstler ihre Plätze eingenommen hatten, konnten sich Musiker und Publikum gemeinsam auf die Reise machen und all die großen Stationen von Ferrys einmaliger Karriere noch einmal Revue passieren lassen. Wie angekündigt hatte der große Gentleman der Popmusik, der an diesem Abend wie von ihm gewohnt auch mit seinem eleganten, stilvollen Outfit glänzte, jede Menge Klassiker aus seiner schon über vierzig Jahre andauernden Karriere im Gepäck - Klassiker, die die Zeit überdauern und auch in einigen Jahren noch immer nichts an Glanz eingebüßt haben werden.

Der Mann im eleganten Anzug ist Sänger, Musiker und Entertainer in stilsicherer Vollendung, was der inzwischen schon 72-jährige BRYAN FERRY auch am Freitag zum Konzert im ausverkauften Haus Auensee wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte. Das Konzert wurde mit dem 1982er Song "The Main Thing" der Gruppe ROXY MUSIC eröffnet, womit er gleich zu Beginn schon deutlich machte, dass er es überhaupt nicht nötig hat, nur auf allseits Bekanntes zu setzen. Warum auch?! Immerhin kann er aus dem vollen Topf mit Liedgut aus zig Solo- und Band-Platten zurückgreifen.c 20170531 1639285364 Doch schon mit dem anschließend präsentierten Welthit "Slave To Love" signalisierte er als cleverer Stratege, dass er dem Publikum natürlich die großen Hits dennoch nicht vorenthalten würde. Auf "More Than This" und "Sign of the Times" musste der Konzertgast da ebenso wenig verzichten, wie auf "Avalon", "Jealous Guy" oder "Love Is A Drug", für die der eine oder andere Fan sicher eigens angereist war. Und natürlich hörte man gerade bei diesen schon so oft gehörten Titeln, dass sich über die Jahre auf Ferrys markanter Stimme eine gewisse Patina gelegt hat, was den von ihm gesungenen Liedern allerdings mindestens so gut steht, wie ihm seine Maßanzüge. Ferry ist zudem dafür bekannt, dass er Songs anderer Künstler auf seine eigene Art covert. Auch hier lässt sich wieder ein Vergleich zu seinem Outfit ziehen, denn sowohl seine Kleidung, als auch die Arrangements zu diesen "Fremdtiteln" sind maßgenau auf seinen Leib geschneidert. Fans von Neil Young ("Like A Hurricane") und Bob Dylan ("Simple Twist Of Fate") mögen das vielleicht anders sehen, für meinen Geschmack sind die von BRYAN FERRY gewählten Titel in seinen Versionen echte Aufwertungen des Ursprungsmaterials. Beide Titel befanden sich im Set des Leipziger Konzerts und zählen zu meinen persönlichen Highlights der Show. Dies gilt übrigens auch für den schon erwähnten Titel "Jealous Guy", der aus John Lennons Feder stammt, und den Ferry als Schlusspunkt für seinen Auftritt wählte.

Und so wurde die Rundfahrt durch das Ferry-Land der eigenen und "geliehenen" Lieder zum wahren Abenteuer. Dass das Konzert am Ende ein voller Erfolg wurde, und das Publikum - wie eingangs schon erwähnt - am Ende schier aus dem Häuschen war, verdankt BRYAN FERRY allerdings auch seiner formidablen Live-Band, die eine wunderbare Mischung aus Chanson, Pop und Glam Rock mit New-Wave- und Cool-Jazz-Partikeln (die Betonung liegt hier ganz klar auf "Cool") ablieferte, und die stellenweise auch die ROXY MUSIC-typischen Klang-Details mit vielen überraschenden Ideen zum ganz eigenen Sound perfektionierte.d 20170531 1174385990 Mal rockig-ruppig, mal symphonisch-filigran arbeitete sich das Musiker-Kollektiv durch den Backkatalog Ferrys und dem der Gruppe ROXY MUSIC. Zu einigen Stücken setzte sich der Brite sogar selbst an die Tasten und wurde Teil seiner eigenen Begleitband. Und es war eben diese Mischung aus teilweise (mir zumindest) unbekannten Nummern und diesen unkaputtbaren Klassikern, die das Leipziger Konzert so überraschend wie abwechslungsreich hat ausfallen lassen. Da sieht man dann auch mal großzügig über den nicht immer so perfekten Sound hinweg, der bei den lauteren Stücken ein ziemlich verwaschenes und unsauberes Klangbild lieferte.

Als Fazit kann hier nur stehen, dass ein Konzert von und mit BRYAN FERRY etwas ganz besonderes ist. Es ist bei Ferry dieses Phänomen zu beobachten, dass sich die Raumtemperatur verändert, wenn er die Bühne betritt. Seine Performance und seine Stimme sorgen für viele Momente, in denen einem ein wohliger Schauer über den Körper läuft. Die großartigen Kompositionen der eigenen und die gelungene Auswahl von Liedern anderer Kollegen sorgen für den Rest. Leider ist die Tour in Deutschland gelaufen. Wer demnächst aber in Österreich, Schweiz, Belgien oder Frankreich zu tun hat, sollte vorher kurz den Terminplan Ferrys studieren. Vielleicht ergibt sich ja dort noch eine Gelegenheit ...




 
Setlist
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Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von Bryan Ferry: www.bryanferry.com
• Homepage des Veranstalters MAWI Concert: www.mawi-concert.de




Fotostrecke:

 
 
Vorprogramm Earl
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

   
   
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