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Ein Bericht mit Fotos von Christian Reder




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... oder den Weg zu CITY suchen. Und letzteres empfehle ich gleich zu Anfang meines Berichts ganz nachdrücklich, denn was die 45-jährige und höchst attraktive Dame aus Berlin am Samstagabend in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt angestellt hat, kann man nur als Brandstiftung bezeichnen. Eine Tat, die im Falle CITY keine Straftat ist, und die man als Zeuge unbedingt gesehen haben sollte!

Seit nunmehr 15 Jahren wird aus Düsseldorf einmal im Jahr "Japandorf". Dies geschieht entweder im Mai oder im Juni und das Düsseldorfer Rheinufer ist dann komplett in Händen feiernder Menschen. Der "Japan-Tag", wie dieser Tag genannt wird, ist ein deutsch-japanisches Begegnungsfest, das regelmäßig mehr als eine halbe Million Besucher anlockt.a 20170521 1436481457 Für dieses Jahr rechnete man sogar mit 700.000 Gästen! Was hat das mit CITY zu tun und warum erzähle ich Euch das? Weil der "Japan-Tag" in diesem Jahr auf den 20. Mai fiel und nur einen Steinwurf vom Theater Capitol gefeiert wurde, in das die Gruppe CITY ihr Kommen schon Anfang des Jahres angekündigt hatte. Das bedeutete zum einen viel Geduld bei der Parkplatzsuche oder der Anreise mit Bus und Bahn, und zum anderen große Konkurrenz für eine Band, die auf den ersten Blick eher in anderen Regionen des Landes Erfolge feiert. So unkte dann auch einer der Pressevertreter am Treffpunkt, dass der Japan-Tag und die gleichzeitig in Dortmund stattfindende und zum dritten Mal ausverkaufte Veranstaltung der Kelly Family bei den Menschen wohl höhere Priorität habe, und dass sich das negativ auf die Zuschauerzahlen hier auswirken könnte. Soviel sei an dieser Stelle schon verraten: Der gute Mann irrte sich gewaltig!

Um Viertel vor acht ertönte eine Ansage die uns mitteilte, dass die Veranstaltung um 20:00 Uhr beginnen würde, und dass die Karteninhaber so langsam ihre Plätze einnehmen mögen. Und so strömten die Menschen in Scharen auf die beiden Eingänge zum Theater-Saal. Es bildeten sich zwei lange Schlangen. Langsam füllte sich der Saal und die freien Sessel wurden immer weniger, bis am Ende nur ein paar Sessel unbesetzt blieben. Das versetzte mich an diesem Abend das erste Mal in Staunen: CITY in Düsseldorf und die Bude ist fast voll? Wow! Da ist man in meiner Gegend eigentlich ganz anderes gewöhnt. CITY hatte mit einer geschickten PR-Aktion hier in Düsseldorf einige Tage vorher auf sich aufmerksam gemacht. Bei einer "City-Tour" mit dem Bus durch Düsseldorf ließen sich Fritz Puppel und Toni Krahl von Vertretern der Presse bereits unter die Lupe nehmen, stellten dabei sich und vor allen Dingen das Thema ihrer Tournee vor. Diese steht ganz im Zeichen eines Jubiläums. Nicht etwa 45 Jahre CITY, was man in diesem Jahr auch feiern könnte, sondern "40 Jahre Am Fenster". Sie feiern den 40. Geburtstag ihres bisher größten Hits, der auch international durch die Decke ging. Diese PR-Aktion ging auch über die Stadtgrenzen von Düsseldorf hinaus.b 20170521 1072209064 Möglicherweise sorgte ja das für dieses große Interesse der Leute an diesem Konzert?! Vielleicht lag es aber auch an der guten Vorarbeit, die die Band - allerdings ohne ihren damals erkrankten Sänger Toni Krahl - im letzten Jahr im Zuge der Rock-Legenden-Tour ein paar hundert Meter weiter schon geleistet hatte. Aber vielleicht liegt es auch ganz einfach an der Qualität dieser Band, die sich inzwischen auch bis in den letzten Winkel des Landes herumgesprochen haben dürfte. Warum auch immer: Der Anblick der vollen Sitzreihen im "Capitol" war für die Band sicher ein erfreulicher Erfolg.

Pünktlich um "achte" betrat zuerst Kai Suttner die Bühne, der vor und nach dem Konzert im Eingangsbereich den Fanartikel-Verkauf leitete. Er begrüßte das Publikum und wies auf das neue Album der Band hin, das man u.a. auch bei ihm am Fanartikelstand im Foyer auf CD und Schallplatte käuflich erwerben konnte. Außerdem ließ er das Auditorium wissen, dass die Band eine große Überraschung für sie vorbereitet hätte: Nach der Show würden Toni, Fritz, Manne, Joro und Klaus eben diese Platte (und andere Dinge) bei einer Autogrammstunde signieren und für Fotos oder Gespräche bereit stehen. Sprachs und räumte den Platz für CITY, auf die man hier schon gespannt wartete. Das Licht ging aus, ein Intro wurde eingespielt und ein erster Applaus brandete auf, als sich die Silhouetten der Musiker auf der Bühne bewegten. Als das Licht wieder angeschaltet wurde, begann der Konzertabend mit "Marias Worte", einem Song aus dem neuen Studioalbum "Das Blut so laut". Die Lieder dieses Albums stehen zusammen mit dem Geburtstagskind "Am Fenster" im Zentrum des aktuellen Live-Programms, und da müsse das Publikum jetzt eben durch, wie Toni später augenzwinkernd anmerkte. "Marias Worte", das auch das Album eröffnet, stellte sich als gute Wahl für einen Opener heraus. Das Publikum war jedenfalls ruck zuck auf Betriebstemperatur und mitten drin in einem Konzert, das sich in den folgenden 120 Minuten von seiner Intensität, Tiefe und zahlreichen Überraschungsmomenten immer weiter steigerte. Der zweite Song "Sommerherzen" setzte fort, was der Opener schon angezettelt hatte und für den endgültigen "Durchbruch" sorgte das nahtlos übergehende "Am Fenster", bei dessen ersten Tönen die Düsseldorfer umgehend in Jubel ausbrachen. Ein weiteres Mal staunte ich, denn CITY setzte ihren Megahit gleich an den Anfang ihrer Mugge. "Wir haben uns heute hier versammelt, um genau dieses Lied zu feiern", merkte Toni in seiner Ansage an. "Das Lied wurde direkt an den Anfang gestellt, dann ist das gleich abgearbeitet", fügte er grinsend hinzu.c 20170521 1469567829 So toll die Nummer auch von der Band vorgetragen wurde, fehlte mir am Ende aber doch etwas. Es war nicht die Version, die ich von CITY-Konzerten kannte. Eher kurz gehalten und anschließend auch gleich abgelöst von einem weiteren Song des neuen Albums, vermisste ich z.B. Joros ausladendes Geigen-Solo. Offenbar schien es sich um eine neue und abgeänderte Fassung zu handeln, denn Toni stellte stattdessen während des Titels zum ersten Mal seine Mitstreiter vor.

Besonders spannend am neuen Programm ist der Wechsel zwischen den neuen Liedern und den Klassikern und wie es der Kapelle gelingt, alles so zu platzieren und arrangieren, dass es keine Brüche gibt. Durch die neuen Stücke gibt es also wieder viel Neues zu entdecken. Die Scheibe "Das Blut so laut" birgt allerdings auch wahre Schätze, die man seit ihrem Erscheinen im April schon daheim an der Anlage heben konnte. Nun also live im Konzert. Insgesamt ist es ein weiteres Album der Band, das mich nicht enttäuscht hat und stattdessen wieder mal überraschen konnte. Auf CITY ist echt Verlass und ihnen und ihren Autoren scheinen die guten Ideen wohl nie auszugehen! Wie auf jeder ihrer Langrillen gibt es auch hier wieder großartige Hymnen und Lieder, die sich sofort ins Ohr brennen. Die liefert die Band 2017 u.a. mit dem von Ulrich Pexa geschriebenen "Heya (immer geradeaus)" und vor allen Dingen mit dem von Toni und Fritz erschaffenen "Kinder der Erde". Zwei Songs, die nicht nur treibend sind, sondern einem auch inhaltlich noch was mit auf den Weg geben, z.B. dass wir "Kinder der Erde" eigentlich alle gleich sind, die gleichen Probleme, Ängste, Freuden und Merkmale haben. Apropos Inhalt: Besonders angefasst war ich von "Die Sonne, die Sterne". In der von Haus- und Hoftexter Alfred Roesler-Kleint erschaffenen Geschichte geht es um eine Autofahrt, bei der Toni einen Anhalter mitnimmt. Dieser entpuppt sich im Verlauf der gemeinsamen Reise als verurteilter Mörder, der gerade seine Haftstrafe abgesessen hat und auf dem Weg zu seinen Kindern ist. Ein Lied über Vorbehalte, die man automatisch hat, überraschende Parallelen und auch Hemmungen, und mit der Botschaft verknüpft, niemanden pauschal zu verurteilen ("... lass liegen den Stein"). In Szene gesetzt wird diese Geschichte ganz schlicht, denn Toni steht während des Vortrags im Scheinwerferkegel und wird nur von Manne am Klavier begleitet. Die Gänsehaut zieht sich einmal von unten nach oben, und will dann auch irgendwie nicht mehr weggehen.d 20170521 1756952769 Das Stück setzt gleichzeitig auch den einzigen Ruhepunkt in einer insgesamt von Tempo und Druck getragenen "Rock'n'Roll-Show". Noch erwähnen möchte ich "Im Fliederbusch", das auch aus der Feder von Alfred Roesler-Kleint stammt. In dieser Geschichte geht es um die ersten, fast noch unschuldigen Erfahrungen mit einem Mädel, das man später aus den Augen verloren hat und jetzt im Alter bei einem Spaziergang wiedertraf. Allein wie diese Geschichte in Worte und anschließend in Musik gekleidet wurde begeistert auf ganzer Linie.

Dazwischen platziert die Band ältere Lieder wobei auffällt, dass der Anteil der Songs aus der Zeit vor '89 inzwischen eher klein ist und eine Vielzahl der bekannten und beliebten Nummern aus den letzten 20 Jahren stammen. "Immer noch Sommer" ist z.B. eine dieser eben schon erwähnten Hymnen, die man auf jedem CITY-Album finden kann, und die aus der jüngeren Vergangenheit stammt. Dieses und auch viele andere Lieder von CITY sind Hits, ohne in den Charts gewesen zu sein. Man kennt sie, liebt sie und würde sie vermissen, wenn sie bei einem Konzert nicht in der Setlist stünden. Dies ist ein Phänomen, das CITY als Ost-Band - mal abgesehen von SILLY - fast exklusiv hat, denn viele andere Formationen können da nicht mithalten und leben fast überwiegend von ihren alten Liedern! Weitere Songs dieser Güteklasse sind "Vater glaubte", "Lieben und lieben lassen", "Flieg ich durch die Welt" oder "Sind so kleine Hände", das sich CITY bei der Kollegin Bettina Wegener ausgeliehen und neu arrangiert hat. Die 80er, in denen die Band "ohne Bass und ohne Haare" durch Länder und Medien zog, arbeitet man konzertant inzwischen mit einem Medley ab. Darin verpackt sind "Wand an Wand", "Mir wird kalt dabei" und "Pfefferminzhimmel" ... "Casablanca", "z.B. Susann" und "Glastraum" (mit der bekannten Plastikplanen-Einlage von Toni) hingegen MÜSSEN - wie eigentlich auch "Am Fenster" - in voller Länge vorgetragen werden, denn sonst wäre Fan möglicherweise knatschig.

Präsentiert wird dem Publikum diese äußerst schmackhafte Deutschrock-Mischung in altbewährter Besetzung aus zwei Gitarren (Fritz Puppel und bei Bedarf Toni Krahl), Schlagzeug (Klaus Selmke), Bass (Georgi "Joro" Gogow), Keyboards (Manfred Hennig) und Geige (ebenfalls Georgi "Joro" Gogow). Im besonderen Moment packt Toni sogar die Mundharmonika aus. Für die Tour hat sich das Quintett außerdem einen sechsten Mann dazu geholt,e 20170521 2010099687 nämlich Jorows Sohnemann Nicolai Gogow, der regulär bei KNORKATOR mitwirkt und während der CITY-Tour bei einer Reihe von Songs am zweiten Schlagzeug sitzt. Dies sorgt für noch mehr Druck und Wumms, als die Band eh schon von den Live-Bühnen in die Säle feuert. Zusätzlich wird das Geschehen auf der Bühne durch eine tolle Licht-Choreographie unterstrichen, die zusätzlich noch Gefühle und Stimmungen steigert.

Ein weiteres dickes Plus der Show ist, dass Toni Krahl nicht nur Sänger von CITY ist, sondern auch ein guter Lenker. Er übernimmt die Ansagen zwischen den Songs und macht dies mit viel Witz und Charme. Egal ob humorvoll oder ernst, seine Botschaften finden ihr Ziel und er erntete am Samstagabend ein ums andere Mal Applaus für seine Statements. Mal ist es der Wunsch des Sängers nach einer besseren Welt, ein anderes Mal ist es eine lustige Anekdote aus der Bandgeschichte. Zum Beispiel die über ein Ereignis vor der Wende, als CITY ein "lockeres Brett" in der Mauer fand und zu einem Konzert in den Westen reisen durfte. In Hamburg angekommen, besuchte man natürlich auch die "sündige Meile" Reeperbahn und kam über höchst interessante Umwege dazu, eine "Autogrammstunde im Puff" geben zu müssen. Die ganze Geschichte erzählte er so spannend und amüsant, dass man sie so gar nicht wiedergeben kann. Für weitere Lacher sorgte er auch beim Abschied, als er um Verständnis dafür bat, dass man das Konzert nun beenden müsse: "Guckt uns doch mal an, wir müssen zurück ins Heim. Wir brauchen unsere Tabletten".

Zum Ende hin saßen übrigens nur noch wenige Leute in ihren Sesseln. CITY hatte den Leuten förmlich die Sessel angezündet (um nicht "Feuer unterm A... gemacht" zu sagen). Man stand - auch in den Gängen - und bewegte sich zur Musik. Klatschen, Tanzen, Jubeln ... da war nicht nur Feuer unterm Sessel, sondern auch unterm Dach! Und immer wenn man meinte, noch heißer kann es nicht werden, goss die Kapelle weiter Brandbeschleuniger in den Saal. Das Ende des regulären Sets bildete der Klassiker "Casablanca", bei dem sich Toni anfangs allein mit der Akustik-Gitarre begleitete, ehe zum Finale nochmal alle Musiker mit einstiegen. Die Stimmung im Theater war unbeschreiblich ... Den nun folgenden Jubelsturm und die lauten Rufe nach Zugaben erntete die Band auch völlig zurecht. In den 110 Minuten zuvor haben die fünf CITY-Musiker und ihr Gast am Schlagzeug das "Capitol" förmlich in Brand gesteckt, so dass das um 23:00 Uhr beim "Japan-Tag" abgebrannte Höhenfeuerwerk nur noch ein müder Furz war. So hätte das Konzert gut und gerne auch nochmal von vorne beginnen können. Ich glaube, niemand wäre gegangen und alle hätten die Wiederholung nochmals mitgenommen. Aber das ist ja leider nicht möglich .. wir erinnern uns: Das Heim rief ja bereits.f 20170521 1502845338 Aber die sechs Herren kamen noch für zwei Zugaben zurück und überschritten damit die 2-Stunden-Grenze (gespielt wurde übrigens OHNE Pause). Die eine Zugabe war ein Geigensolo von Joro und die Zweite lieferte mir das, was ich am Anfang des Konzertes vermisst hatte: Die komplette und mir bekannte Version von "Am Fenster". Hier zog die Band nochmals alle Register und auch Joros schweißtreibendes Geigen-Solo gab es in voller Länge. Ein zweites Mal nutzte Toni die Gelegenheit, seine Kollegen vorzustellen. "Kommt gut nach Hause", meinte er noch, "und grüßt daheim schön von CITY". Er verabschiedete sich dann endgültig vom Düsseldorfer Publikum und die Band spielte den Song zu Ende. Ein letztes Mal Gänsehaut, der endgültige Abgang der Gruppe von der Bühne und die persönliche Entscheidung, schnellstens wieder ein CITY-Konzert besuchen zu müssen. Das schreit nach einer Wiederholung. Das macht süchtig!

Ich habe schon oft begeistert über Konzerte berichtet und Bands in den höchsten Tönen gelobt. Das war immer ehrlich, so gemeint wie geschrieben und auch nicht übertrieben. Aber was CITY in Düsseldorf geboten hat, war das ganz hohe "C". Die Zusammenstellung der Setlist bzw. Auswahl der Lieder, die Präsentation eben dieser, der Sound, das Licht und das ganze Drumherum haben aus einem Konzert ein unvergessliches Erlebnis gemacht. Die Gruppe CITY gehört meiner Meinung nach zum Besten, was die Deutschrockszene derzeit zu bieten hat und sie ist eines der besten Beispiele dafür, dass man gute Musik nicht von Chart-Platzierungen ausmachen kann und darf. Man kann sich eine Menge Zeug auf die Bühne stellen, Firlefanz über große LED-Leinwände abspielen und mit einer Horde Tänzern und Tänzerinnen vom Wesentlichen ablenken ... oder man macht es wie CITY: Instrumente nehmen, loslegen, und "Brandstiften".




Setlist
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Termine:
• 26.05.2017 - Zwickau - Konzerthaus Neue Welt
• 27.05.2017 - Berlin - Max-Schmeling-Halle
• 09.06.2017 - Hannover - Theater am Aegi
• 10.06.2017 - Leipzig - Haus Auensee

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der CITY-Homepage



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von CITY: www.city-internet.de
• Portrait über CITY bei Deutsche Mugge: HIER




 
 
 
 
 
 
 

   
   
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