
Interview vom 18. April 2026
In der Leipziger Szene ist Ingo Paul ein bekannter Name. In den Achtzigern war er unter anderem Mitglied der Gruppen AKZENT, KON TIKI und ROCKZIPFEL. Musikfreunde, die die Gruppe FOUR ROSES schon einmal live gesehen haben oder einen unserer Konzertberichte auf dieser Seite gelesen haben, kennen den Mann mit der Lockenmähne aber auch bereits. Seit vielen Jahren hat er sich dem sogenannten Cover-Rock verschrieben und spielt in eben genannter Band den Bass. Die Leipziger Formation ist so erfolgreich, dass sie auch im Ausland gebucht wird. Jetzt veröffentlicht der Musiker sein erstes Soloalbum - für viele völlig unerwartet. Denn eigentlich ist er mit FOUR ROSES gut beschäftigt, weil diese ebenso gut gebucht ist. Auch mit anderen Bands steht er regelmäßig auf der Bühne. Dies scheint aber alles noch nicht zu reichen, weshalb "Ingo Paul und das Geheimnis" nun an den Start gebracht wurde. Unser Kollege Christian hatte Gelegenheit, mit Ingo Paul über sein neues Album, das bereits hinter sich gebrachte Record-Release-Konzert und seine Wurzeln zu plaudern..
Hallo Ingo, jetzt mal raus mit der Sprache: Was ist Dein Geheimnis?
Tja, mein Geheimnis sind eigentlich die Songs, die ich so in den Jahren ganz für mich, erst mal ohne Plan, geschrieben habe. Und die Band macht nun das Geheimnis öffentlich. Christian Schierwagen am Bass ist der Mann, der den musikalischen Überblick behält. Mein alter Four-Roses-Bandkumpel Heiko "Flecke" Flechsig an der E-Gitarre, Per Winker an Schlagzeug und Percussion, ich spiele akustische Gitarre und singe. Das ist das Grundgerüst. Je nach Möglichkeit spielt Ali Krause am Keyboard mit, Peter Schneider an Bassklarinette und Klarinette, Sandrino Scherbaum an der Bluesharp, Norbert Tunze an der Bratsche, Edmund Adler an der E-Gitarre, ein Bläsersatz mit Konrad Schreiter (Trompete, Flügelhorn), Simon Bodensiek (Altsaxophon), Henning Plankl (Tenorsaophon) und Matthias Büttner (Posaune). So wie auch auf dem Album.
Was hat es denn mit der Namensgebung auf sich? Wieso der Zusatz "& das Geheimnis"?
Es war am Anfang der Realisierung, bei der Aufnahme der Demos noch nicht klar, wer alles mitmacht, das war mir anfangs auch ein Rätsel, ein Geheimnis.

Ingo Paul bei einer Mugge in Döbeln (Foto: Gundolf Zimmermann)
Ich gebe zu, dass mir - bis auf den Namen Heiko Flechsig, den ich noch von FACTORY OF ART kenne und der auch lange bei FOUR ROSES war - auf den ersten Blick kaum ein anderer Name bekannt vorkommt. Sind das alles Kollegen aus der Leipziger Gegend, mit denen du dieses Album eingespielt hast?
Ja, das sind alles Profis aus der Leipziger Szene. Ich bin schon etwas stolz, dass ihnen meine Spinnereien gut gefallen haben und sie da mitgemacht haben. Bassist Christian Schierwagen war von Anfang an dabei und hat die Arrangements entwickelt und die Demos mit mir gemacht. Besonders freue ich mich über Peter Schneider, der ja weiß Gott durch seine Präsenz als Schauspieler kein Unbekannter ist und außerdem als Musiker z.B. mit Saitlinge und Singers, seinem Rio Reiser Programm, und vielen anderen Aktivitäten Zeit gefunden hat. Eine wunderbare Farbe bringt Norbert Tunze an der Bratsche ein, er ist hauptamtlich beim Gewandhausorcheser und hat dort eigentlich auch genug zu tun. Die Bläser, die auch alle Leipziger sind, hat Christian Schierwagen organisiert. Er hat auch die Arrangements der Songs geschrieben.
Du hast deine Band jetzt ebenso vorgestellt wie auch viele Gäste, die im Studio mit dabei waren. Es klingt nach einem Riesenaufwand und hohem Einsatz von Personal. Kurz gesagt: Es klingt so, als hättest du viel Geld in die Hand genommen, um ein eigenes Album an den Start zu bringen. Ist das so? Oder sind das alles Freundschaftsdienste?
Als erstes habe ich bei Startnext eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Da kamen über 4.000 EURO zusammen. Das hat mir Mut gemacht. Das Vertrauen der Leute in mein Projekt war da! Der gestellte Fördermittelantrag hat nix gebracht. Leider wird da sehr gespart. Hätte ich gut gebrauchen können, so einen Zuschuss. Aber zum Glück hat man ja Freunde. Natürlich war es ein immenser Aufwand, den ich am Anfang unterschätzt hatte. Ich dachte mir aber, ich hab ja sonst keine anderen Hobbies und was soll der Geiz (lacht). Ich habe also ganz schön reingebuttert.
Nun bist du ja schon ein paar Tage im Geschäft, spielst seit Ewigkeiten bei FOUR ROSES. Wie kommt man im fortgeschrittenen Alter plötzlich darauf, aus dem bequemen und sicheren Geschäft mit Coverrock in ein neues Abenteuer mit einem Soloalbum und eigenen Songs zu starten? Welche Idee steckt dahinter?
Das hat sich ganz natürlich entwickelt. Während der Corona-Zeit habe ich viel Gitarre gespielt und schon mal einen Song, den ich für Christians Frau zum Geburtstag gesungen habe, aufgenommen. Dabei merkte ich, dass ich mit Christian Schierwagen gut harmoniere. Ich hatte nicht das Bedürfnis, den Bass dabei selber einzuspielen, sondern überließ das ihm. Er hat einen sehr schönen Ton. Der passt viel besser zu den Songs als mein sehr harter Rockbass.
Inhaltlich und musikalisch ist dir da ein wirklich tolles Album gelungen. Wie sind die Songs entstanden? Und bis auf den Lindenberg-Song: Wo kamen die Ideen für die Inhalte her?
Etliche Ideen hatte ich in der Corona-Pause und wenn man mal im Flow ist, so ist es zumindest bei mir, geht es Schlag auf Schlag. Bei mir entstehen Text und Melodie auch immer gleichzeitig. Der Lindenberg-Song ist schon länger in meinem Duo Programm und der gefiel Christian Schierwagen schon immer gut, darum ist er auch auf dem Album gelandet.
Sind diese Lieder eigentlich alle für dieses Album entstanden - Sprich, innerhalb der letzten Zeit? Oder sind da auch ein paar "Jugendsünden" dabei, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und jetzt endlich "freigelassen" wurden?
Der erste Song, den ich bewusst für das Album geschrieben habe, war "Kroatischer Fusel". Der markiert sozusagen den Beginn des Ganzen. Nachdem ich auf meiner Geburtstagsparty mit meinem Sohn am Schlagzeug zwei Lieder vor den Gästen gespielt hatte, und Christian Schierwagen das hörte, lud er mich zu einem lockeren Abend ein. Mit Frauen. Da entstand dann die Idee, etwas aufzunehmen. Die anderen Songs waren eigentlich alle schon vor der Idee da, ein Album zu machen, außer "Amsterdam" und "Frieden". Die sind dann in der Demophase entstanden, wie von allein. Ja, und dann sind Songs dabei, die ich schon Anfang der achtziger in meiner damaligen Band live gespielt habe, z.B. "Hab 20 Schweine". "Wenn du weg bist" habe ich vor fünfzehn Jahren bei Flecke schon mal aufgenommen und damals meiner Frau zum Geburtstag geschenkt.
Wie würdest du persönlich einem Außenstehenden beschreiben, was du da in 14 Stücken aufgenommen und auf CD veröffentlicht hast?
Tja, eigentlich klimpere ich gerne für mich Blues-Nummern auf der Gitarre. Das mache ich ja außerdem auch mit Sandrino Scherbaum im Duo "Take the BLUE". Das macht mir sehr großen Spaß und kommt auch bei den Leuten gut an, da Sandrino eine wunderbare Bluesharp spielt. Ich habe aber auch festgestellt, vor allem wenn ich mit der wunderbaren Sängerin Sabine Schierwagen in meinem seit über zwanzig Jahren bestehenden Duo "Take It Naked" auftrete, dass die Leute bei deutschen Texten viel besser zuhören. Das fiel mir auch schon vorher bei meiner Zeit mit der französischen Sängerin Stephanie Guimard auf. Darum habe ich auf schon länger liegen gebliebenen Texten und Melodien aufgebaut. Neue Ideen habe ich immer im Hinterkopf. Die Gegenwart gibt ja genügend Stoff her. "Weißer Flieder" ist ein sehr persönliches Lied, einfach mal rückblickend festzustellen, dass doch eigentlich alles schön und im Lot ist. "Trauerspiel" ist ziemlich emotional, von mir bewusst in den traurigsten Farben gemalt. Auch die Bratsche war schon lange mein Plan. "Amsterdam" ging für mich nur als Reggae. Zumal der Bass auch hier wunderbar grummeln kann. Musikalisch ist das Album sehr abwechslungsreich, vielleicht auch in der Vermarktung ein Risiko. Schwer zu beschreiben, die Redaktion vom Musikmagazin musiX.de schrieb: "Klingt irgendwie etwas nach dem großen deutschen Liedermacher Klaus Hoffmann, jazzt und groovt aber mehr bzw. anders. Ingo Paul präsentiert starke deutschsprachige Songs mit inhaltlichem und klanglichen Anspruch. Chanson, Rock, Blues und Pop … Singer/Songwriterei der anderen und besonderen Art."
Wieso hat das Album eigentlich keinen eigenen Namen bekommen?
Ich dachte, dass es reicht, wenn es so heißt - Ingo Paul & das Geheimnis. Das nächste bekommt dann sicher einen Namen. Es haben nämlich nicht alle Lieder Platz auf dem Album gefunden und ich habe noch etliche Ideen. Wir basteln schon weiter.
Und was hat es mit diesem außergewöhnlichen Cover auf sich? Welche Bedeutung steckt dahinter? Wer hat es gemacht?
Ich wollte kein Foto. Ein Typ bot mir an, etwas für mich zu malen, nachdem er einige Demos gehört hatte. Doch dann entsann ich mich eines alten Freundes, den Tschetschenischen Kunstmaler Zamir Yushaew. Er malt so schöne stolze Gestalten, alles sehr surrealistisch. Ihn hatte ich schon früher oft in seinem Atelier besucht. Als ich ihn fragte, bot er mir einige Motive an und ich war sofort von einem Bild begeistert. Es heißt "Ein Mensch zwischen zwei Leben". Ein alter Mann steht am Rand seines Weges, den Stock fest in der Hand. Vor ihm liegt die Erinnerung an eine Liebe, verkörpert durch einen verdorrten Baum, an dem ein weißes Tuch im Wind lebt. Zwischen ihm und diesem Ziel klafft eine zerstörte Brücke, unüberwindbar und endgültig. Der Abendhimmel brennt im letzten Licht und macht sichtbar, was bleibt, wenn Zeit, Sehnsucht und Abschied aufeinandertreffen. Es hing sogar schon in London in einer Ausstellung. Es ist so schön rätselhaft, ganz viele Details erkennt man erst später.

Das Debut-Album "Ingo Paul & das Geheimnis"
Gerade bei den Inhalten der Songs vermisst man irgendwie die gängigen Themen, die unsere aktuellen Popstars oft bedienen - diese typischen Worthülsen, mit der Garantie, nicht anzuecken um bloß auch die Chance zu haben, im Radio gespielt zu werden. Ich korrigiere mich: Man vermisst sie eigentlich nicht, aber es fällt auf, dass sie bei dir nicht vorkommen. War das eine bewusste Entscheidung? Willst du damit gegen den Strom schwimmen? Und woher kommt dieses Näschen, mit Worten so gut umzugehen? Bist du da irgendwo in die Lehre gegangen, oder ist dir dieses Talent in die Wiege gelegt worden? Gibt es vielleicht auch Vorbilder?
Huch, ich bin halt eher so ein Spinner und mache auch nicht gern was von Anderen nach. Sehe viele Sachen sehr skeptisch und kann die Welt, so wie sie sich derzeit darstellt, nur mit Humor nehmen. Es ist ja unglaublich, was gegenwärtig den Menschen auf der Welt zugemutet wird. Bei meinen Liedern wird eben etwas direkt angesprochen, so wie in "Für Edmund", den es tatsächlich in etwas abgemildeter Form gibt. Oder es werden Phantasien gelebt, wie in "Wir machen nix". Das wär doch auch ein schöner Ansatz, wenn keiner mehr bei dem ganzen Irrsinn mitmachen würde, wie bei "Scharlatane". "Frieden" ist ja klar: der kleine Frieden und der große Frieden gehören zusammen. Ich habe mir schon immer die Booklets der Alben durchgelesen, freue mich z.B besonders über Texte von Peter Fox. Das ist in meiner Familie Konsens. Peter Fox ist der Beste. Es gibt aber auch viele andere gute Beispiele, so vielleicht "Verliebte Jungs" von Purple Schulz, "Herr Kommisar" von Fibel, oder "Wenn er nicht trinkt" von Sarah Lesch. Ich bin da ganz offen, was das Genre angeht.
Schreibst du die Musik zu deinen Texten oder passiert das bei dir umgekehrt? Also erst Musik, dann Inhalt?
Das passiert bei mir fast immer gleichzeitig. Ich habe ein Riff, einen Groove oder eine Melodie und mir fallen dann Worte und Sätze dazu ein. Nur einen Text vertont habe ich noch nie. Auf eine fertige Melodie einen Text geschrieben habe ich auch noch nicht. Wenn eine Melodie etwas schräg ist, muss der Text auch schräge Elemente haben, oder wie bei "Weißer Flieder" soll alles sehr versöhnlich klingen.
Dein Record Release Konzert fand ja bereits am 6. Februar im Leipziger Ring-Café statt. Erzähl doch mal bitte, wie ist es gelaufen? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?
Es war ein wunderbares Erlebnis. Es war rappelvoll und es sind Leute von weit her angereist, um das mitzuerleben. Und ich habe sie nicht enttäuscht, so wurde es mir jedenfalls gesagt und ich habe ganz viele Selfies machen müssen und habe auch viele CDs verkauft. Es waren auch fast alle Leute da, die mich in der Croudfunding-Phase unterstützt hatten. Das war wirklich ein ganz warmes Gefühl. Meine Familie war da, die Band fast komplett. Ich hoffe, dass ich es schaffe, noch mal mit so einem Ensemble auf der Bühne zu stehen. Die Bläser im Rücken, das war ein Genuss für mich.
Wie war denn das Feedback der Leute vor der Bühne, als sie das erste Mal die Songs von deinem Album gehört haben?
Sehr gut, die Leute waren mucksmäuschenstill bei den ruhigen Sachen und haben auch gut mitgemacht bei den heftigeren Nummern. Ich habe ja auch noch einige Nummern aus der Vergangenheit hervorgeholt, die mich schon immer begeisterten, "Da hilft kein Jammern" von Engerling, "Nach Haus" von Gundermann, "Schlüsselkind" von NO55 oder "Hilflos" von Renft. Ich habe auch viel erzählt.
Diese Gelegenheit möchte ich hier aber auch jetzt nutzen, um dich als Musiker und Menschen ein bisschen näher vorzustellen. Du bist Leipziger und ich nehme mal an, dass du auch dort geboren bist?
Ja, in der Leipziger Uni-Frauenklinik geboren, dann in Seehausen bei Leipzig aufgewachsen und seit 1975 wieder in Leipzig.
Wann und auf welchem Wege hat dich denn der Musikvirus erwischt? War es eher die klassische Musik oder die Populäre, die dich zu dieser Kunstform geführt hat?
Angefangen hat es tatsächlich mit klassischer Musik, meine Eltern gingen regelmäßig in Konzerte vom Gewandhausorchester, meine Mutter hörte im Radio fast immer nur klassische Musik. Sie animierte mich dann immer, mir etwas bei der Musik vorzustellen, z.B. wenn die Hörner im Vordergrund standen, stellte man sich vielleicht eine Jagd vor, oder so ähnlich. Ich liebte damals auch die Pauken, normal. (lacht) Meine Mutter spielte auch Akkordeon, was wir Jungs (mein Bruder und ich) dann allerdings kaputt gemacht hatten, weil wir wissen wollten, wie es wohl darin aussieht. Und dann erwischten mich die Beatles! Mit "She Loves You" und "I Want to Hold Your Hand" brach eine neue Zeit für mich an. Die Satzgesänge und der Rhythmus hatten mich gepackt. Dann kamen noch die ganzen anderen wilden Bands dazu. Ich liebe bis heute besonders auch die Rolling Stones mit ihrer freien Art, den Blues zu spielen, die Frechheit und der Freigeist lugen hinter jedem Ton hervor.
Es gibt ja zwei Arten von Musikern: die einen, die sich ihr Instrument selbst beibringen, und die anderen, die jahrelang zum Unterricht rennen und es später sogar studieren. Welche Art bist du?
Bei uns auf dem Dorf Seehausen hätte ich damals nur in der Feuerwehrkapelle Fuß fassen können, aber das wollte ich nicht, ich war ja schließlich schon ein Beatmusik-Fan. Und es gab auch keinen Menschen, der mir hätte etwas zeigen können. Also übte ich viele viele Stunden für mich alleine nach einem Heft, in dem die wichtigsten Griffe drin waren. Ich war eben infiziert und das ist bei mir bis heute nicht weggegangen. Später, als ich dann auf Bass umgestiegen bin, hatte ich mal kurze Zeit Privatunterricht, weil die damalige Einstufungskommission es verlangte. Das war es aber auch schon. Ansonsten, learning by doing.
Wie sah deine Jugend aus? Hast du dich nur mit Musik beschäftigt, oder gab's auch andere Hobbys? Und was hast du nach der Schule gemacht - eine Ausbildung?
Ich habe auch mal eine Zeit lang intensiv Sport gemacht, aber nicht aufgehört, auf meiner Gitarre rum zu klimpern. Während meiner Ausbildung zum Offsetdrucker in Leipzig lernte ich dann einige Jungs kennen, die auch Gitarre spielten und dann ging es ganz schnell, dass ich in einer Band war, darauf in der nächsten usw…

Gruppe Akzent
Welche Band war die erste, in der du gespielt hast? Wann genau war das, und welche Musik habt ihr gemacht?<br> Huch, das war in der Zeit meiner Ausbildung ab 1971. Es war eine Band nach der anderen, zuerst wohl DEW-Combo (Die Es Werden Wollen) hahaha. Bescheuerter Name. Aber wir hatten gleich Auftritte durch unseren überaus umtriebigen Bandchef. Dann ging es schnell weiter, PROMETHEUS, darauf die Band KONKRET bis zur Armeezeit. Wir hatten schnell viele Auftritte, spielten Rock-Cover und auch Eigenes, weil wir ja vor einer Kommission vorspielen mussten. Lustige Zeiten.
Gab es bis zu FOUR ROSES noch weitere Stationen, bei denen du dich ausprobieren konntest?
Na klar. Ein paar Jahre wechselte ich dann wieder zur Gitarre bei KON TIKI. Da bekamen wir die beste Einstufung für Amateure, die es gab. Also Sonderstufe mit Konzertberechtigung. Auch andere Auszeichnungen. Das war schon was. In der Zeit schrieb ich auch einige Titel, da wir ja die 60/40-Regel speziell bei der Einstufung einhalten mussten. Außerdem anspruchsvolle Nummern z.B. von Karat "Und ich liebe dich" mit Cello, was unser Schlagzeuger konnte. Auch viele Nummern von John Mayall gehörten damals zu unserem Repertoire. Dann wechselte ich in eine Band, in der ich wieder den Bass übernahm. Wir spielten sehr viel, später dann auch Barmusik und ich musste nicht mehr nebenbei arbeiten gehen. Ich hatte meinen ersten Soloauftritt bei Rock für den Frieden mit einem eigenen Lied. Kam gut an. Zwischendurch war ich auch noch bei PAUL's NEUE ROCK AG, da spielten wir nur eigenes Material im New Wave Stil. Wir waren auf vielen Festivals und aus unseren Titeln wurde ein Kindermusical gestrickt, mit deutschen Texten. Das führten wir auch einige Male in der Leipziger Kongresshalle auf. In der Zeit hatte ich auch meinen damals größten Auftritt vor 25.000 Leuten auf der AGRA in Markkleeberg. Mit der "Wende" brach alles zusammen und ich musste einige Jahre etwas Anderes machen. 1997 ging es wieder los mit der Band STEAM, wir spielten Hauptsächlich Bluesrock.
Der Name FOUR ROSES ist ja jetzt hier oft gefallen: Du bist Mitbegründer dieser Kapelle und, soweit ich informiert bin, auch das dienstälteste Mitglied. Wann genau ist die Band entstanden? Mit welcher Idee seid ihr an den Start gegangen, und wer gehörte damals zur ersten Besetzung?
Stimmt nicht ganz, das erste Vierteljahr habe ich nicht mitgespielt, weil ich einen besseren Schlagzeuger verlangt hatte. Aber wir kannten uns natürlich schon vorher und hatten sogar schon einen grandiosen Auftritt in der späteren FOUR ROSES-Besetzung auf dem Sachsenring zum Motorrad Grand Prix hingelegt. Unvergessen. Die Idee war damals, Rock zu spielen, den die Mehrheit der Leute liebt, aber ohne uns selbst zu verraten. Das hat auch wunderbar geklappt.

Take the BLUE (Foto: Vivien Paul)
Und dann gibt es ja noch dieses Projekt TAKE THE BLUE, das du vorhin schon erwähnt hast. Kannst du bitte kurz vor Ende dieses Interviews noch etwas darüber erzählen? Was ist das für eine Band und wer spielt dort alles mit?
Das Projekt startete während der Corona-Zeit. Meine Duett-Partnerin von Take It Naked, Sabine Schierwagen, bekam ein Kind (da schließt sich der Kreis, Christian Schierwagen ist der Vater) und konnte nicht mehr so viel auftreten. Übrigens gibt es dieses Projekt auch immer noch, wir spielen zum Leipziger Stadtfest am Sonntag, 7. Juni 2026 von 15.45 - 16.45 Uhr auf der Open Air Bühne, Burgplatz. Ich schaute mich also nach einer Alternative um und fand in Sandrino Scherbaum einen kongenialen Partner, der den Blues genauso liebt wie ich, und wir erarbeiteten ein Programm aus internationalen Nummern, aber auch immer mehr deutschen Titeln, so von Engerling, Hansi Biebl oder Jürgen Kerth. Dabei schmuggel ich auch immer mal einen eigenen Titel ins Programm. Funktioniert gut.
Kann man dich damit in diesem Jahr irgendwo sehen?
Ja klar. Nächster Auftritt beim Bikertreffen in Schöna am 22. Mai 2026 als Support von den Jailbreakers! Das wird spektakulär. Aber tatsächlich merken wir die derzeitige wirtschaftliche Situation auch sehr direkt, hatten früher schon mehr zu tun.
Die gleiche Frage auch noch mal für die Gruppe FOUR ROSES: Ist da in diesem Jahr etwas geplant? Seid ihr live unterwegs?
Bei FOUR ROSES läuft der Laden. Nächster Stopp Braunschweig am 25. April. Weitere Termine sind am 30. April im Volkshaus Pegau, am 2. Mai im Sachsenkeller-Club Meißen, am 9. Mai beim Motorradtreffen in Schwand, am 24. Mai beim Stadtfest in Magdeburg, am 26. Mai im Gambrinus Suhl und am 27. Mai im Piano Sömmerda. Weitere Termine auf unserer Homepage.
Und dann natürlich die Frage: Was sind die nächsten Termine mit deinem Solo-Projekt? Und nicht unwichtig auch: Wo können eventuell interessierte Veranstalter dich damit buchen?
Es sind Termine in Vorbereitung, allerdings nicht besonders viele. Ingo & das Geheimnis spielen zur Leipziger Marktmusike am 31. Juli und zum Altstadtfest in Gifhorn am 23. August, bei der Musikwerkstatt am 24. September im Bi-Ba-Bo in Leipzig Plagwitz. Letzteres ist sehr zu empfehlende, das ist eine neue Location! Wir freuen uns schon sehr darauf!

Ingo Paul & das Geheimnis
Damit sind wir auch schon am Ende und ich hoffe, ich habe dir keine Löcher in den Bauch gefragt ?? Möchtest du abschließend noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
Liebe Leute, geht zu den Live-Konzerten, auch in die kleinen Klubs, da seid ihr nah dran an den Künstlern und das Niveau ist oft absolut klasse. Die Atmosphäre bei einem Konzert ist oft unvergleichlich und der Ausflug in eine andere Welt lässt Euch glücklich zurück und wirkt noch lange nach!
Interview: Christian Reder
Fotos: Privatarchiv Ingo Paul, Vivien Paul, Gundolf Zimmermann
Hallo Ingo, jetzt mal raus mit der Sprache: Was ist Dein Geheimnis?
Tja, mein Geheimnis sind eigentlich die Songs, die ich so in den Jahren ganz für mich, erst mal ohne Plan, geschrieben habe. Und die Band macht nun das Geheimnis öffentlich. Christian Schierwagen am Bass ist der Mann, der den musikalischen Überblick behält. Mein alter Four-Roses-Bandkumpel Heiko "Flecke" Flechsig an der E-Gitarre, Per Winker an Schlagzeug und Percussion, ich spiele akustische Gitarre und singe. Das ist das Grundgerüst. Je nach Möglichkeit spielt Ali Krause am Keyboard mit, Peter Schneider an Bassklarinette und Klarinette, Sandrino Scherbaum an der Bluesharp, Norbert Tunze an der Bratsche, Edmund Adler an der E-Gitarre, ein Bläsersatz mit Konrad Schreiter (Trompete, Flügelhorn), Simon Bodensiek (Altsaxophon), Henning Plankl (Tenorsaophon) und Matthias Büttner (Posaune). So wie auch auf dem Album.
Was hat es denn mit der Namensgebung auf sich? Wieso der Zusatz "& das Geheimnis"?
Es war am Anfang der Realisierung, bei der Aufnahme der Demos noch nicht klar, wer alles mitmacht, das war mir anfangs auch ein Rätsel, ein Geheimnis.

Ingo Paul bei einer Mugge in Döbeln (Foto: Gundolf Zimmermann)
Ich gebe zu, dass mir - bis auf den Namen Heiko Flechsig, den ich noch von FACTORY OF ART kenne und der auch lange bei FOUR ROSES war - auf den ersten Blick kaum ein anderer Name bekannt vorkommt. Sind das alles Kollegen aus der Leipziger Gegend, mit denen du dieses Album eingespielt hast?
Ja, das sind alles Profis aus der Leipziger Szene. Ich bin schon etwas stolz, dass ihnen meine Spinnereien gut gefallen haben und sie da mitgemacht haben. Bassist Christian Schierwagen war von Anfang an dabei und hat die Arrangements entwickelt und die Demos mit mir gemacht. Besonders freue ich mich über Peter Schneider, der ja weiß Gott durch seine Präsenz als Schauspieler kein Unbekannter ist und außerdem als Musiker z.B. mit Saitlinge und Singers, seinem Rio Reiser Programm, und vielen anderen Aktivitäten Zeit gefunden hat. Eine wunderbare Farbe bringt Norbert Tunze an der Bratsche ein, er ist hauptamtlich beim Gewandhausorcheser und hat dort eigentlich auch genug zu tun. Die Bläser, die auch alle Leipziger sind, hat Christian Schierwagen organisiert. Er hat auch die Arrangements der Songs geschrieben.
Du hast deine Band jetzt ebenso vorgestellt wie auch viele Gäste, die im Studio mit dabei waren. Es klingt nach einem Riesenaufwand und hohem Einsatz von Personal. Kurz gesagt: Es klingt so, als hättest du viel Geld in die Hand genommen, um ein eigenes Album an den Start zu bringen. Ist das so? Oder sind das alles Freundschaftsdienste?
Als erstes habe ich bei Startnext eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Da kamen über 4.000 EURO zusammen. Das hat mir Mut gemacht. Das Vertrauen der Leute in mein Projekt war da! Der gestellte Fördermittelantrag hat nix gebracht. Leider wird da sehr gespart. Hätte ich gut gebrauchen können, so einen Zuschuss. Aber zum Glück hat man ja Freunde. Natürlich war es ein immenser Aufwand, den ich am Anfang unterschätzt hatte. Ich dachte mir aber, ich hab ja sonst keine anderen Hobbies und was soll der Geiz (lacht). Ich habe also ganz schön reingebuttert.
Nun bist du ja schon ein paar Tage im Geschäft, spielst seit Ewigkeiten bei FOUR ROSES. Wie kommt man im fortgeschrittenen Alter plötzlich darauf, aus dem bequemen und sicheren Geschäft mit Coverrock in ein neues Abenteuer mit einem Soloalbum und eigenen Songs zu starten? Welche Idee steckt dahinter?
Das hat sich ganz natürlich entwickelt. Während der Corona-Zeit habe ich viel Gitarre gespielt und schon mal einen Song, den ich für Christians Frau zum Geburtstag gesungen habe, aufgenommen. Dabei merkte ich, dass ich mit Christian Schierwagen gut harmoniere. Ich hatte nicht das Bedürfnis, den Bass dabei selber einzuspielen, sondern überließ das ihm. Er hat einen sehr schönen Ton. Der passt viel besser zu den Songs als mein sehr harter Rockbass.
Inhaltlich und musikalisch ist dir da ein wirklich tolles Album gelungen. Wie sind die Songs entstanden? Und bis auf den Lindenberg-Song: Wo kamen die Ideen für die Inhalte her?
Etliche Ideen hatte ich in der Corona-Pause und wenn man mal im Flow ist, so ist es zumindest bei mir, geht es Schlag auf Schlag. Bei mir entstehen Text und Melodie auch immer gleichzeitig. Der Lindenberg-Song ist schon länger in meinem Duo Programm und der gefiel Christian Schierwagen schon immer gut, darum ist er auch auf dem Album gelandet.

Sind diese Lieder eigentlich alle für dieses Album entstanden - Sprich, innerhalb der letzten Zeit? Oder sind da auch ein paar "Jugendsünden" dabei, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und jetzt endlich "freigelassen" wurden?
Der erste Song, den ich bewusst für das Album geschrieben habe, war "Kroatischer Fusel". Der markiert sozusagen den Beginn des Ganzen. Nachdem ich auf meiner Geburtstagsparty mit meinem Sohn am Schlagzeug zwei Lieder vor den Gästen gespielt hatte, und Christian Schierwagen das hörte, lud er mich zu einem lockeren Abend ein. Mit Frauen. Da entstand dann die Idee, etwas aufzunehmen. Die anderen Songs waren eigentlich alle schon vor der Idee da, ein Album zu machen, außer "Amsterdam" und "Frieden". Die sind dann in der Demophase entstanden, wie von allein. Ja, und dann sind Songs dabei, die ich schon Anfang der achtziger in meiner damaligen Band live gespielt habe, z.B. "Hab 20 Schweine". "Wenn du weg bist" habe ich vor fünfzehn Jahren bei Flecke schon mal aufgenommen und damals meiner Frau zum Geburtstag geschenkt.
Wie würdest du persönlich einem Außenstehenden beschreiben, was du da in 14 Stücken aufgenommen und auf CD veröffentlicht hast?
Tja, eigentlich klimpere ich gerne für mich Blues-Nummern auf der Gitarre. Das mache ich ja außerdem auch mit Sandrino Scherbaum im Duo "Take the BLUE". Das macht mir sehr großen Spaß und kommt auch bei den Leuten gut an, da Sandrino eine wunderbare Bluesharp spielt. Ich habe aber auch festgestellt, vor allem wenn ich mit der wunderbaren Sängerin Sabine Schierwagen in meinem seit über zwanzig Jahren bestehenden Duo "Take It Naked" auftrete, dass die Leute bei deutschen Texten viel besser zuhören. Das fiel mir auch schon vorher bei meiner Zeit mit der französischen Sängerin Stephanie Guimard auf. Darum habe ich auf schon länger liegen gebliebenen Texten und Melodien aufgebaut. Neue Ideen habe ich immer im Hinterkopf. Die Gegenwart gibt ja genügend Stoff her. "Weißer Flieder" ist ein sehr persönliches Lied, einfach mal rückblickend festzustellen, dass doch eigentlich alles schön und im Lot ist. "Trauerspiel" ist ziemlich emotional, von mir bewusst in den traurigsten Farben gemalt. Auch die Bratsche war schon lange mein Plan. "Amsterdam" ging für mich nur als Reggae. Zumal der Bass auch hier wunderbar grummeln kann. Musikalisch ist das Album sehr abwechslungsreich, vielleicht auch in der Vermarktung ein Risiko. Schwer zu beschreiben, die Redaktion vom Musikmagazin musiX.de schrieb: "Klingt irgendwie etwas nach dem großen deutschen Liedermacher Klaus Hoffmann, jazzt und groovt aber mehr bzw. anders. Ingo Paul präsentiert starke deutschsprachige Songs mit inhaltlichem und klanglichen Anspruch. Chanson, Rock, Blues und Pop … Singer/Songwriterei der anderen und besonderen Art."
Wieso hat das Album eigentlich keinen eigenen Namen bekommen?
Ich dachte, dass es reicht, wenn es so heißt - Ingo Paul & das Geheimnis. Das nächste bekommt dann sicher einen Namen. Es haben nämlich nicht alle Lieder Platz auf dem Album gefunden und ich habe noch etliche Ideen. Wir basteln schon weiter.
Und was hat es mit diesem außergewöhnlichen Cover auf sich? Welche Bedeutung steckt dahinter? Wer hat es gemacht?
Ich wollte kein Foto. Ein Typ bot mir an, etwas für mich zu malen, nachdem er einige Demos gehört hatte. Doch dann entsann ich mich eines alten Freundes, den Tschetschenischen Kunstmaler Zamir Yushaew. Er malt so schöne stolze Gestalten, alles sehr surrealistisch. Ihn hatte ich schon früher oft in seinem Atelier besucht. Als ich ihn fragte, bot er mir einige Motive an und ich war sofort von einem Bild begeistert. Es heißt "Ein Mensch zwischen zwei Leben". Ein alter Mann steht am Rand seines Weges, den Stock fest in der Hand. Vor ihm liegt die Erinnerung an eine Liebe, verkörpert durch einen verdorrten Baum, an dem ein weißes Tuch im Wind lebt. Zwischen ihm und diesem Ziel klafft eine zerstörte Brücke, unüberwindbar und endgültig. Der Abendhimmel brennt im letzten Licht und macht sichtbar, was bleibt, wenn Zeit, Sehnsucht und Abschied aufeinandertreffen. Es hing sogar schon in London in einer Ausstellung. Es ist so schön rätselhaft, ganz viele Details erkennt man erst später.

Das Debut-Album "Ingo Paul & das Geheimnis"
Gerade bei den Inhalten der Songs vermisst man irgendwie die gängigen Themen, die unsere aktuellen Popstars oft bedienen - diese typischen Worthülsen, mit der Garantie, nicht anzuecken um bloß auch die Chance zu haben, im Radio gespielt zu werden. Ich korrigiere mich: Man vermisst sie eigentlich nicht, aber es fällt auf, dass sie bei dir nicht vorkommen. War das eine bewusste Entscheidung? Willst du damit gegen den Strom schwimmen? Und woher kommt dieses Näschen, mit Worten so gut umzugehen? Bist du da irgendwo in die Lehre gegangen, oder ist dir dieses Talent in die Wiege gelegt worden? Gibt es vielleicht auch Vorbilder?
Huch, ich bin halt eher so ein Spinner und mache auch nicht gern was von Anderen nach. Sehe viele Sachen sehr skeptisch und kann die Welt, so wie sie sich derzeit darstellt, nur mit Humor nehmen. Es ist ja unglaublich, was gegenwärtig den Menschen auf der Welt zugemutet wird. Bei meinen Liedern wird eben etwas direkt angesprochen, so wie in "Für Edmund", den es tatsächlich in etwas abgemildeter Form gibt. Oder es werden Phantasien gelebt, wie in "Wir machen nix". Das wär doch auch ein schöner Ansatz, wenn keiner mehr bei dem ganzen Irrsinn mitmachen würde, wie bei "Scharlatane". "Frieden" ist ja klar: der kleine Frieden und der große Frieden gehören zusammen. Ich habe mir schon immer die Booklets der Alben durchgelesen, freue mich z.B besonders über Texte von Peter Fox. Das ist in meiner Familie Konsens. Peter Fox ist der Beste. Es gibt aber auch viele andere gute Beispiele, so vielleicht "Verliebte Jungs" von Purple Schulz, "Herr Kommisar" von Fibel, oder "Wenn er nicht trinkt" von Sarah Lesch. Ich bin da ganz offen, was das Genre angeht.
Schreibst du die Musik zu deinen Texten oder passiert das bei dir umgekehrt? Also erst Musik, dann Inhalt?
Das passiert bei mir fast immer gleichzeitig. Ich habe ein Riff, einen Groove oder eine Melodie und mir fallen dann Worte und Sätze dazu ein. Nur einen Text vertont habe ich noch nie. Auf eine fertige Melodie einen Text geschrieben habe ich auch noch nicht. Wenn eine Melodie etwas schräg ist, muss der Text auch schräge Elemente haben, oder wie bei "Weißer Flieder" soll alles sehr versöhnlich klingen.
Dein Record Release Konzert fand ja bereits am 6. Februar im Leipziger Ring-Café statt. Erzähl doch mal bitte, wie ist es gelaufen? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?
Es war ein wunderbares Erlebnis. Es war rappelvoll und es sind Leute von weit her angereist, um das mitzuerleben. Und ich habe sie nicht enttäuscht, so wurde es mir jedenfalls gesagt und ich habe ganz viele Selfies machen müssen und habe auch viele CDs verkauft. Es waren auch fast alle Leute da, die mich in der Croudfunding-Phase unterstützt hatten. Das war wirklich ein ganz warmes Gefühl. Meine Familie war da, die Band fast komplett. Ich hoffe, dass ich es schaffe, noch mal mit so einem Ensemble auf der Bühne zu stehen. Die Bläser im Rücken, das war ein Genuss für mich.
Wie war denn das Feedback der Leute vor der Bühne, als sie das erste Mal die Songs von deinem Album gehört haben?
Sehr gut, die Leute waren mucksmäuschenstill bei den ruhigen Sachen und haben auch gut mitgemacht bei den heftigeren Nummern. Ich habe ja auch noch einige Nummern aus der Vergangenheit hervorgeholt, die mich schon immer begeisterten, "Da hilft kein Jammern" von Engerling, "Nach Haus" von Gundermann, "Schlüsselkind" von NO55 oder "Hilflos" von Renft. Ich habe auch viel erzählt.

Diese Gelegenheit möchte ich hier aber auch jetzt nutzen, um dich als Musiker und Menschen ein bisschen näher vorzustellen. Du bist Leipziger und ich nehme mal an, dass du auch dort geboren bist?
Ja, in der Leipziger Uni-Frauenklinik geboren, dann in Seehausen bei Leipzig aufgewachsen und seit 1975 wieder in Leipzig.
Wann und auf welchem Wege hat dich denn der Musikvirus erwischt? War es eher die klassische Musik oder die Populäre, die dich zu dieser Kunstform geführt hat?
Angefangen hat es tatsächlich mit klassischer Musik, meine Eltern gingen regelmäßig in Konzerte vom Gewandhausorchester, meine Mutter hörte im Radio fast immer nur klassische Musik. Sie animierte mich dann immer, mir etwas bei der Musik vorzustellen, z.B. wenn die Hörner im Vordergrund standen, stellte man sich vielleicht eine Jagd vor, oder so ähnlich. Ich liebte damals auch die Pauken, normal. (lacht) Meine Mutter spielte auch Akkordeon, was wir Jungs (mein Bruder und ich) dann allerdings kaputt gemacht hatten, weil wir wissen wollten, wie es wohl darin aussieht. Und dann erwischten mich die Beatles! Mit "She Loves You" und "I Want to Hold Your Hand" brach eine neue Zeit für mich an. Die Satzgesänge und der Rhythmus hatten mich gepackt. Dann kamen noch die ganzen anderen wilden Bands dazu. Ich liebe bis heute besonders auch die Rolling Stones mit ihrer freien Art, den Blues zu spielen, die Frechheit und der Freigeist lugen hinter jedem Ton hervor.
Es gibt ja zwei Arten von Musikern: die einen, die sich ihr Instrument selbst beibringen, und die anderen, die jahrelang zum Unterricht rennen und es später sogar studieren. Welche Art bist du?
Bei uns auf dem Dorf Seehausen hätte ich damals nur in der Feuerwehrkapelle Fuß fassen können, aber das wollte ich nicht, ich war ja schließlich schon ein Beatmusik-Fan. Und es gab auch keinen Menschen, der mir hätte etwas zeigen können. Also übte ich viele viele Stunden für mich alleine nach einem Heft, in dem die wichtigsten Griffe drin waren. Ich war eben infiziert und das ist bei mir bis heute nicht weggegangen. Später, als ich dann auf Bass umgestiegen bin, hatte ich mal kurze Zeit Privatunterricht, weil die damalige Einstufungskommission es verlangte. Das war es aber auch schon. Ansonsten, learning by doing.
Wie sah deine Jugend aus? Hast du dich nur mit Musik beschäftigt, oder gab's auch andere Hobbys? Und was hast du nach der Schule gemacht - eine Ausbildung?
Ich habe auch mal eine Zeit lang intensiv Sport gemacht, aber nicht aufgehört, auf meiner Gitarre rum zu klimpern. Während meiner Ausbildung zum Offsetdrucker in Leipzig lernte ich dann einige Jungs kennen, die auch Gitarre spielten und dann ging es ganz schnell, dass ich in einer Band war, darauf in der nächsten usw…

Gruppe Akzent
Welche Band war die erste, in der du gespielt hast? Wann genau war das, und welche Musik habt ihr gemacht?<br> Huch, das war in der Zeit meiner Ausbildung ab 1971. Es war eine Band nach der anderen, zuerst wohl DEW-Combo (Die Es Werden Wollen) hahaha. Bescheuerter Name. Aber wir hatten gleich Auftritte durch unseren überaus umtriebigen Bandchef. Dann ging es schnell weiter, PROMETHEUS, darauf die Band KONKRET bis zur Armeezeit. Wir hatten schnell viele Auftritte, spielten Rock-Cover und auch Eigenes, weil wir ja vor einer Kommission vorspielen mussten. Lustige Zeiten.
Gab es bis zu FOUR ROSES noch weitere Stationen, bei denen du dich ausprobieren konntest?
Na klar. Ein paar Jahre wechselte ich dann wieder zur Gitarre bei KON TIKI. Da bekamen wir die beste Einstufung für Amateure, die es gab. Also Sonderstufe mit Konzertberechtigung. Auch andere Auszeichnungen. Das war schon was. In der Zeit schrieb ich auch einige Titel, da wir ja die 60/40-Regel speziell bei der Einstufung einhalten mussten. Außerdem anspruchsvolle Nummern z.B. von Karat "Und ich liebe dich" mit Cello, was unser Schlagzeuger konnte. Auch viele Nummern von John Mayall gehörten damals zu unserem Repertoire. Dann wechselte ich in eine Band, in der ich wieder den Bass übernahm. Wir spielten sehr viel, später dann auch Barmusik und ich musste nicht mehr nebenbei arbeiten gehen. Ich hatte meinen ersten Soloauftritt bei Rock für den Frieden mit einem eigenen Lied. Kam gut an. Zwischendurch war ich auch noch bei PAUL's NEUE ROCK AG, da spielten wir nur eigenes Material im New Wave Stil. Wir waren auf vielen Festivals und aus unseren Titeln wurde ein Kindermusical gestrickt, mit deutschen Texten. Das führten wir auch einige Male in der Leipziger Kongresshalle auf. In der Zeit hatte ich auch meinen damals größten Auftritt vor 25.000 Leuten auf der AGRA in Markkleeberg. Mit der "Wende" brach alles zusammen und ich musste einige Jahre etwas Anderes machen. 1997 ging es wieder los mit der Band STEAM, wir spielten Hauptsächlich Bluesrock.
Der Name FOUR ROSES ist ja jetzt hier oft gefallen: Du bist Mitbegründer dieser Kapelle und, soweit ich informiert bin, auch das dienstälteste Mitglied. Wann genau ist die Band entstanden? Mit welcher Idee seid ihr an den Start gegangen, und wer gehörte damals zur ersten Besetzung?
Stimmt nicht ganz, das erste Vierteljahr habe ich nicht mitgespielt, weil ich einen besseren Schlagzeuger verlangt hatte. Aber wir kannten uns natürlich schon vorher und hatten sogar schon einen grandiosen Auftritt in der späteren FOUR ROSES-Besetzung auf dem Sachsenring zum Motorrad Grand Prix hingelegt. Unvergessen. Die Idee war damals, Rock zu spielen, den die Mehrheit der Leute liebt, aber ohne uns selbst zu verraten. Das hat auch wunderbar geklappt.

Take the BLUE (Foto: Vivien Paul)
Und dann gibt es ja noch dieses Projekt TAKE THE BLUE, das du vorhin schon erwähnt hast. Kannst du bitte kurz vor Ende dieses Interviews noch etwas darüber erzählen? Was ist das für eine Band und wer spielt dort alles mit?
Das Projekt startete während der Corona-Zeit. Meine Duett-Partnerin von Take It Naked, Sabine Schierwagen, bekam ein Kind (da schließt sich der Kreis, Christian Schierwagen ist der Vater) und konnte nicht mehr so viel auftreten. Übrigens gibt es dieses Projekt auch immer noch, wir spielen zum Leipziger Stadtfest am Sonntag, 7. Juni 2026 von 15.45 - 16.45 Uhr auf der Open Air Bühne, Burgplatz. Ich schaute mich also nach einer Alternative um und fand in Sandrino Scherbaum einen kongenialen Partner, der den Blues genauso liebt wie ich, und wir erarbeiteten ein Programm aus internationalen Nummern, aber auch immer mehr deutschen Titeln, so von Engerling, Hansi Biebl oder Jürgen Kerth. Dabei schmuggel ich auch immer mal einen eigenen Titel ins Programm. Funktioniert gut.
Kann man dich damit in diesem Jahr irgendwo sehen?
Ja klar. Nächster Auftritt beim Bikertreffen in Schöna am 22. Mai 2026 als Support von den Jailbreakers! Das wird spektakulär. Aber tatsächlich merken wir die derzeitige wirtschaftliche Situation auch sehr direkt, hatten früher schon mehr zu tun.
Die gleiche Frage auch noch mal für die Gruppe FOUR ROSES: Ist da in diesem Jahr etwas geplant? Seid ihr live unterwegs?
Bei FOUR ROSES läuft der Laden. Nächster Stopp Braunschweig am 25. April. Weitere Termine sind am 30. April im Volkshaus Pegau, am 2. Mai im Sachsenkeller-Club Meißen, am 9. Mai beim Motorradtreffen in Schwand, am 24. Mai beim Stadtfest in Magdeburg, am 26. Mai im Gambrinus Suhl und am 27. Mai im Piano Sömmerda. Weitere Termine auf unserer Homepage.
Und dann natürlich die Frage: Was sind die nächsten Termine mit deinem Solo-Projekt? Und nicht unwichtig auch: Wo können eventuell interessierte Veranstalter dich damit buchen?
Es sind Termine in Vorbereitung, allerdings nicht besonders viele. Ingo & das Geheimnis spielen zur Leipziger Marktmusike am 31. Juli und zum Altstadtfest in Gifhorn am 23. August, bei der Musikwerkstatt am 24. September im Bi-Ba-Bo in Leipzig Plagwitz. Letzteres ist sehr zu empfehlende, das ist eine neue Location! Wir freuen uns schon sehr darauf!

Ingo Paul & das Geheimnis
Damit sind wir auch schon am Ende und ich hoffe, ich habe dir keine Löcher in den Bauch gefragt ?? Möchtest du abschließend noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
Liebe Leute, geht zu den Live-Konzerten, auch in die kleinen Klubs, da seid ihr nah dran an den Künstlern und das Niveau ist oft absolut klasse. Die Atmosphäre bei einem Konzert ist oft unvergleichlich und der Ausflug in eine andere Welt lässt Euch glücklich zurück und wirkt noch lange nach!
Interview: Christian Reder
Fotos: Privatarchiv Ingo Paul, Vivien Paul, Gundolf Zimmermann
