© Deutsche Mugge (2007 - 2026)

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Ein Kommentar von Roland Toplak. Foto oben Reinhard Baer (KI bearbeitet)



Bonnie Tyler ist tot. Die Nachricht erreichte mich gestern beim Telefonieren mit Frank Liebe, selbst Musiker und Autor, eigentlich ging es um seine Lesereise. Mitten im Gespräch dann sein Satz: "Hast du gehört? Bonnie Tyler ist tot!" Ich hatte es noch nicht gehört. Die Meldung lief gerade erst über die Ticker.

Für einen Moment war da nur Schweigen am Telefon. Dann erzählten wir. Über Platten, Konzerte, Partys. Wieder ein Star unserer Jugend, der geht. Ich habe etliche Bands, Sängerinnen und Sänger live erlebt. Es gibt nicht mehr viel, was auf meiner Liste fehlt. Bonnie Tyler indes nur einmal. 2013, im Rahmen der Rock-meets-Classic-Reihe von Mat Sinner in der Max-Schmeling-Halle. Sie war damals 62, ungefähr so alt wie ich heute. Ich erinnere mich genau an den Gedanken, der mir durch den Kopf ging, als sie die Bühne betrat: Kann sie das noch? Bekommt sie diese gigantische Stimme noch hin? Sie konnte. Und wie.

Ihr unverkennbares, rauchiges Organ war so kraftvoll, als hätte die Zeit ihr nichts anhaben können. Eine Naturgewalt auf der Bühne. Das Zusammenspiel aus ihrer reibeisigen Rock-Röhre und den weichen, klassischen Streichern des Bohemian Symphony Orchestra Prag war ein Paradebeispiel dafür, wie Crossover funktionieren kann. Als sie "Total Eclipse of the Heart" anstimmte, ging ein Schauer durch die Halle. Die Dramatik, die dieser Song ohnehin schon in sich trägt, wurde monumental verstärkt, fast feierlich inszeniert. Es war reine Nostalgie, eine Zeitkapsel, in der für ein paar Minuten die 80er wieder da waren. Und als sie zum Schluss noch "Holding Out for a Hero" ansetzte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Ein Vulkanausbruch. Ich habe sie nur dieses eine Mal erlebt. Und doch ist es mir geblieben, ganz fest. Manchmal ist weniger eben mehr.
 
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Dabei war ihr Weg zum vokalen Kraftpaket alles andere als selbstverständlich. Als Gaynor Hopkins im walisischen Skewen geboren, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, sang sie sich durch Clubs und Pubs, bis ein Talentsucher aus London sie entdeckte, der eigentlich jemand ganz anderen treffen wollte. Mit dem grandiosen Jim Steinman fand sie später den Produzenten, mit dem sie ihre größten Hymnen schuf. "Total Eclipse of the Heart" und "It's a Heartache" verkauften sich millionenfach, Tyler wurde zur Stimme einer ganzen Ära. Und sie blieb dieser Bühne treu, fast bis zuletzt. Für 2026 war sogar wieder eine große Europatournee geplant gewesen, mit fast 20 Konzerten allein in Deutschland. Nun ist sie 75-jährig in Portugal gestorben, nach wochenlangem Kampf im Krankenhaus. Und ich sitze hier und denke an diesen einen Abend in der Max-Schmeling-Halle zurück, an das Gänsehaut-Gefühl, an die Frage, die ich mir damals stellte, und an die Antwort, die sie mir mit jeder Note gab. Ich habe noch ein Tour-Shirt.

Langsam muss ich ob meiner gesammelten Leibchen aufpassen. Immer mehr bekommen inzwischen fast schon musealen Charakter. Was bleibt am Ende? Total Eclipse of the Heart. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie war wirklich ein Hero.



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