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Amor & die Kids: "The Bockwurst returns" (Album)

lp04 0 20260618 1140377543VÖ: 20.06.2026; Label: ROKKfilm Records; Katalognummer: n.n.b.; Musiker: Frank "Amor" Schüller (voc, key), Mario Rostenbeck (g, voc), Dirk Posner (bg, voc), Falk Kindermann (sax, kl, key), Tobias Künzel (dr, voc); Bemerkung: Ausschließlich auf Schallplatte erschienen. Die ersten 100 Platten werden als limitierte. Fan-Edition angeboten, denen ein 60x60 Zentimeter großes Poster, auf dem das Cover in vierfacher Größe abgebildet ist, beiliegt. Jedes dieser Poster ist von Crow handnummeriert und handsigniert. Die reguläre Version ohne Poster erscheint als auf 200 Stück limitierte Version;

Titel:
Seite A: "Intro/Wir heizen den Ofen", "Container King", "Ganz dringend", "Ich bin blank", "Komm doch mit", "Amor und die Kids"
Seite B: "Ofentüre", "Kinder, ich bin nicht der Sandmann", "Wir fahren alle einmal ab", "Alles schon mal da gewesen", "Wer hat mir mein Bier geklaut"




Die Prinzen sind tot -
Es leben Amor & die Kids


AMOR & DIE KIDS gehören zu den markantesten Rockbands der späten DDR. Gegründet Mitte der 1980er Jahre in Leipzig, erlangte die Gruppe mit ihren frechen, alltagsnahen Texten, eingängigen Rocksongs und ihrem schrillen Bühnenauftritt schnell Kultstatus. Bereits 1986 wurden erste eigene Titel vom Rundfunk der DDR produziert und landesweit ausgestrahlt. Mit dem Amiga-Debütalbum "No More Bockwurst" (1988) erreichte die Band ihren ersten Höhepunkt. Zur Besetzung gehörte damals auch Tobias Künzel, der später mit Die Prinzen große Erfolge feierte. Nach der politischen Wende Anfang der 1990er Jahre folgten weitere Projekte und Veröffentlichungen, darunter das Album "Amoralisch" (1997). Fast vier Jahrzehnte nach ihrem LP-Debüt kehren AMOR & DIE KIDS in Originalbesetzung zurück. Mit dem neuen, bei ROKKfilm ausschließlich auf Vinyl gepressten Album "The Bockwurst Returns" knüpft die Band an ihre legendäre Vergangenheit an und präsentiert zugleich bisher ungehörtes historisches Material. Und gleichzeitig ist es die Rückkehr von Tobias Künzel, dessen langjährige Haupt-Band Die Prinzen derzeit auf Abschiedstournee ist, und sich anschließend auflösen wird. Jetzt will er nur noch das tun, worauf er Bock hat und was ihm Spaß macht … Und Amor & die Kids klingt nach einer Menge davon!

Die A-Seite der hier vorliegenden Platte dokumentiert eine energiegeladene Live-Performance von Amor & die Kids aus dem Herbst 1987 in Dresden. Bereits das Intro und "Wir heizen den Ofen" machen deutlich, dass die Band weniger auf Perfektion als auf unmittelbare Bühnenwirkung setzt. Die Mitschnitte besitzen den typischen Charakter vieler DDR-Liveaufnahmen jener Zeit: rau, direkt und mit einer spürbaren Nähe zwischen Band und Publikum.

Musikalisch bewegt sich die Gruppe im Bereich eines rockigen, stellenweise punkig angehauchten Deutschrocks. Das alles hat viel mehr mit Punk zu tun als die Toten Hosen nach einem Fässchen Altbier und bringt viel mehr Wortwitz mit, als die Ärzte im Gepäck haben. Die Songs werden von treibenden Gitarren, einem geradlinigen Schlagzeug und einem präsenten Gesang getragen. Besonders auffällig ist die hohe Spielfreude der Musiker, die sich durch sämtliche Titel zieht.

Die einzelnen Titel

"Intro / Wir heizen den Ofen"
Ein stimmungsvoller Auftakt, der das Publikum unmittelbar ins Konzert hineinzieht. Der Titel wirkt wie eine programmatische Eröffnung und vermittelt von Beginn an Konzertatmosphäre. Hierbei handelt es sich um ein Lied über Aufbruchstimmung und freigewordene Energie.

"Container King"
Ein Lied über manch Nützliches, das man im Müll finden kann (Sogar eine Braut), natürlich überspitzt gezeichnet, und zugleich einer der dynamischeren Titel des Mitschnitts sowie außerdem eine Rarität. Außer auf den Konzerten damals ist der Song auf dieser Platte erstmals zu hören. Straff gespielt und mit einem markanten Rhythmus ausgestattet, gehört er zu den stärkeren Momenten der Aufnahme.

"Ganz dringend"
Hier geht es inhaltlich um die schlechtesten Momente im Leben, in denen plötzlich die Natur ruft und man mal austreten muss. Kompakt und druckvoll. Der Song lebt von seinem Vorwärtsdrang und zeigt die Band von ihrer direkten, unkomplizierten Seite. Zudem gibt es ohne Ende Schmunzelmomente.

"Ich bin blank"
Ein Titel, der den ungünstigen Fall, keine Kohle mehr zu haben, beschreibt und der mit einem eingängigen Charakter ausgestattet ist. Die Liveversion wirkt authentisch und transportiert den Charme der damaligen Szene besonders gut.

"Komm doch mit"
Mit rund sechs Minuten der längste Beitrag der A-Seite und gleichzeitig wohl auch der bekannteste Titel der Kapelle, der eine Einladung zum Ausbruch aus dem Alltag und zu einer gemeinsamen Erfahrung darstellt. Hier bekommt die Band mehr Raum zur Entfaltung. Der Titel entwickelt sich abwechslungsreicher als die übrigen Stücke und wirkt dadurch wie ein kleiner Höhepunkt der Aufnahme.

"Amor und die Kids"
Zu guter Letzt die zu Musik gewordene Bandbiografie. Der Namenssong beziehungsweise die Selbstvorstellung der Formation bildet einen passenden Abschluss der aufliegenden Plattenseite und fasst die Identität der Gruppe gut zusammen.

Klangqualität
Für einen Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1987 ist die Aufnahme erstaunlich ordentlich erhalten. Großen Anteil daran hat hier wieder einmal Jörg-Rainer Friede, der das Ausgangsmaterial auf dem Schreibtisch hatte und - wie alle ROKKfilm-Produktionen - mit seiner Kunst des Masterns heller erstrahlen lässt. Natürlich sind Publikum, Raumhall und die begrenzten technischen Möglichkeiten der Zeit hörbar. Gerade diese Unmittelbarkeit macht jedoch einen großen Teil des Reizes aus. Wer will beim Punk und dreckigem Rock denn schon verspielte Feinheiten und irgendwelche technischen Fisimatenten hören? Die Instrumente bleiben überwiegend nachvollziehbar, während die Liveatmosphäre nie verloren geht.

Dieser Live-Mitschnitt ist weniger ein perfekt produziertes Livealbum als vielmehr ein authentisches Zeitdokument der DDR-Rockszene der späten 1980er Jahre. Wer historische Konzertmitschnitte, regionale Rockgeschichte und den unverfälschten Charme von Liveaufnahmen schätzt, findet hier eine interessante Momentaufnahme einer Band, die mit viel Energie und Leidenschaft auftritt.

Die andere Seite
Auf der B-Seite der LP befindet sich ein Mix aus historischen Aufnahmen und brandneuen Titeln. Hier verbindet sich musikalische Archäologie mit aktuellem Zeitkommentar und zeigt mehr als deutlich, wie zeitlos die Musik der Dresdner Rockformation geblieben ist.

Eins der Stücke ist das Kammerorchestermedley einiger Amor-&-die-Kids-Songs namens "Ofentüre", das als verschollen galt und nur noch in klanglich problematischen Fassungen vorlag. Dank der sorgfältigen Bearbeitung durch Jörg-Rainer Friede präsentiert sich dieses ungewöhnliche Dokument nun in einer Qualität, die den musikalischen Ideenreichtum der Vorlage erstmals wieder voll zur Geltung bringt. Die Verwandlung von Rockmaterial in kammermusikalische Klänge wirkt dabei keineswegs wie eine Kuriosität, sondern eröffnet einen völlig neuen Blick auf das Schaffen der Band.

Mit "Kinder, ich bin nicht der Sandmann" folgt eine Hommage an die legendäre Gruppe Renft. Die 1989 entstandene Aufnahme zeigt, wie selbstverständlich Amor & die Kids klassische DDR-Rocktraditionen aufgreifen und zugleich ihren eigenen Stil einbringen konnten. Die Interpretation bewahrt den Geist des Originals und verleiht ihm dennoch eine eigene Note.

Noch ein echtes Highlight der Veröffentlichung ist zweifellos "Wir fahren alle einmal ab". Der Titel aus den Jahren 1986/87 wurde bisher nur ein einziges Mal, nämlich 2003 auf dem vielleicht nicht jedermann bekannten Sampler "Die Notenbude Vol. 1" des kleinen Labels Choice of Music, veröffentlicht (Danke für den Hinweis, Uwe Faber), und besitzt jene rohe Energie und Unbekümmertheit, die viele Produktionen der Band auszeichneten. Umso erstaunlicher erscheint es, dass dieses Stück über Jahrzehnte im Archiv schlummerte. Der Song zeigt dem Hörer ganz deutlich, welches kreative Potenzial damals vorhanden war und wo der Frosch die Locken hat.

Den Abschluss bilden "Alles schon mal da gewesen" und "Wer hat mir mein Bier geklaut", zwei ganz neue Titel, die den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Mit scharfem Blick und viel Ironie setzt sich die Band in "Alles schon mal da gewesen" mit aktuellen politischen Entwicklungen auseinander und zieht Parallelen zu Zuständen, die viele längst überwunden glaubten. Dabei verfällt der Song weder in Nostalgie noch in platte Parolen, sondern regt zum Nachdenken an und zeigt, dass Amor & die Kids auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung nichts von ihrer gesellschaftlichen Wachsamkeit verloren haben. Und wie Tobias Künzel in unserem Interview deutlich zum Ausdruck brachte, macht man sich über die Gegebenheiten der Zeit einfach nur lustig.

Die Verpackung
Das Cover stammt vom Coverkünstler Crow, der schon das Artwork für die LPs von Telefonie und TBA Combo angefertigt hat und die Bandmitglieder studierte, um ein detailreiches Bild zu erschaffen. Es ist ein wahres Kunstwerk geworden, das sofort ins Auge sticht und neugierig macht. Das Album steckt in einem Klappcover mit eben beschriebenen Motiv, das ein 20-seitiges Booklet mit der Story der Band, alten Fotos und allen Texten beinhaltet.

Die ersten 100 Platten werden als limitierte Fan-Edition offeriert und bieten als zusätzlichen Gimmick ein 60 × 60 Zentimeter großes Poster, auf dem das Cover in vierfacher Größe abgebildet ist. Jedes dieser Poster ist von Crow handnummeriert und handsigniert. Die reguläre Version ohne Poster ist noch einmal auf 200 Stück limitiert.

Fazit:
Insgesamt vereint diese Veröffentlichung seltene Archivschätze, historische Dokumente und aktuelle Musik zu einem stimmigen Ganzen. Für Freunde des DDR-Rocks ist sie eine spannende Entdeckungsreise, für langjährige Anhänger der Band ein weiteres wichtiges Kapitel ihrer Geschichte. Kaufen!
(Christian Reder)





Seh- und Hör-Bar:





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