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POND: "Planetenwind 2" (Album)

lp17 0 20260326 1701962542VÖ: 09.01.2026; Label: PONDerosa Records; Katalognummer: ohne, Musiker: Wolfgang Fuchs alias Paule Pond (Keyboard, Synthesizer, Glocke), Manfred Hennig (Keyboard), Harald Wittkowski (Keyboard), Brandenburger Symphoniker; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erschienen. 2 CDs im aufklappbaren Digipak, inklusive Booklet mit Abdruck von Bildern, Liner Notes und zusammengefasster Bandgeschichte;

Titel:
CD 1: [POND live in Löbau 1984] "Sturmglocke", "Zeitmaschine", "Cassiopeia", "Jumbo", "Inferno und Hoffnung", "Plantenwind"
CD 2: [Planetenwind 2] "Also sprach Zarathustra", "CassioRunner", "Am Fenster vs. Planetenwind", "Der blaue Planet vs. Jumbo", "Das Buch vs. Sturmglocke", "Planetenwind 2", "Jerusalem (Hymne)", "Roboterliebe", "Das Mädchen auf der Treppe", "Rendezvous 2", "Radioaktivität/Wir sind die Roboter", "GlockenOpus (Im Namen Gottes)", "Planetenwind (Orchesterfassung)"


Rezension:


Ein neues POND-Album ist raus und es trägt den Titel "Planetenwind 2". Entstanden ist es bereits im letzten Jahr, und offiziell erhältlich ist es seit Anfang dieses Jahres. Mit dem Planetenwind fing bei dem Berliner Ensemble mal alles an, und mit dem Planetenwind wird es wahrscheinlich auch irgendwann mal enden. Was das neue Album für die Hörer mitbringt und was der Chef, Paule Pond, wieder Feines auf in runde Scheiben gepresstem Kunststoff verewigt hat, wollen wir uns hier mal näher anschauen.

Es ist unglaublich, was für Schätze in den Archiven - egal ob beim Rundfunk oder privat - noch so alles schlummern. Einige Plattenlabel haben es sich in der letzten Zeit zur Aufgabe gemacht, diese seltenen Tonaufnahmen zu restaurieren und auf Platte oder CD zu veröffentlichen. Fast alles überhaupt zum ersten Mal. Wir haben hier schon so einige Platten und CDs vorgestellt, und jetzt veröffentlicht auch Wolfgang Fuchs alias Paule Pond auf seinem Label Ponderosa Records den Mitschnitt eines Konzerts der Gruppe POND in Löbau aus dem Jahre 1984 auf CD.

Dass es dazu kommen konnte, verdanken wir dem Fan Torsten Jänsch, der damals - so wie es scheint - einen Mitschnitt dieser Mugge über das Mischpult machen konnte und ihn über 40 Jahre auf einer Kassette bei sich aufgehoben hat. Und so kommt man nach all den Jahren in den Genuss, Songs wie die "Sturmglocke", "Zeitmaschine", "Jumbo" oder auch den größten Hit der Kapelle, "Planetenwind", in Live-Versionen genießen zu können.

Nun ist es gerade bei Elektronik-Bands eine doofe Aufgabe, ein Livealbum zu bewerten. Auf der Bühne kommen schließlich keine anderen Instrumente zum Einsatz als die, die auch im Studio bei den Aufnahmen verwendet wurden. Und was will man bei Instrumentalversionen, die im Original einen strikten Ablauf verfolgen, in der Live-Fassung verändern? Genau - eigentlich nichts, oder zumindest nicht viel. Und so klingt auch diese Live-Platte nicht großartig anders als das Ursprungsmaterial, das man schon auf den Alben beziehungsweise auch auf Kopplungen finden kann. Auch der Live-Charakter kommt hier nicht zum Tragen, weil - wie ich weiter oben schon schrieb - der Mitschnitt vermutlich direkt vom Pult gezogen wurde. Das heißt, Applaus des Publikums, Jubelrufe, Pfiffe oder andere "Wortmeldungen" der Konzertgäste wurden nicht mit eingefangen. Es ist quasi der sterile Sound von dem, was auf der Bühne live gespielt wurde. Ohne irgendwelche Nebengeräusche, die für manch einen Fan von Live-Aufnahmen mit das Salz in der Suppe einer solchen Veröffentlichung sind.

Positiv zu erwähnen ist definitiv der gute Klang. Es gibt aus den Achtzigern private Mitschnitte von Konzerten, da stellt es einem die Fußnägel auf. Das ist hier nicht der Fall. Hier ist bei der Nachbearbeitung gute Arbeit geleistet worden, und so macht das Album, auch wenn es keine Überraschungen beinhaltet, beim Anhören viel Spaß.

Teilweise ganz neues Material bringt einem dann die zweite CD zu Gehör. Der Klassiker "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauß gehört natürlich nicht dazu. Es ist, wie gesagt, ein Klassiker, den Paule Pond in den typischen elektronischen Sound seiner Band gepackt hat. Mit dieser klassischen Bearbeitung eröffnet er den Reigen und lässt mit "CassioRunner", einem Stück, das ursprünglich von Vangelis stammt und von ihm veredelt wurde, gleich die nächste Nummer folgen.

Und dann wird es wild und kunterbunt. Das folgende "Am Fenster vs. Planetenwind" kennen wir noch aus dem Jahre 2013, als es eine kurze Reunion von POND in der Besetzung mit Paule Pond und Manfred Hennig gegeben hat. Hennig, der in den Achtzigern bei POND ausstieg, um zu City zu wechseln, und POND-Chef Paule kreierten damals dieses Medley aus den beiden bekannten Songs der Gruppen. Und hier dachte sich Paule wohl, da knüpfen wir mal an und machen Gleiches mit anderen Klassikern aus dem Bereich Ostrock in Verbindung mit Hits aus seiner Feder.

So werden wir dann Ohrenzeuge der Verbindung von KARATs "Der Blaue Planet" mit PONDs "Jumbo". Beide Stücke sind durch ihren "arabisch" anmutenden Einschlag irgendwie auch verwandt, sodass es am Ende auch passt. Und dann hat Paule auch noch "Das Buch" von den Puhdys mit seiner "Sturmglocke" verbunden. Was beim CITY-Klassiker und beim KARAT-Hit noch ganz gut funktionierte, will bei der Liaison mit den Puhdys nicht wirklich zünden. Die Nummer klingt eher wie Fahrstuhlmusik oder als wenn Onkel Rudi bei der goldenen Hochzeit seiner Cousine als Alleinunterhalter auftritt. Das klingt für meine Ohren leider nicht cool. Die Puhdys-Nummer lässt sich irgendwie nicht in elektronische Musik umwandeln, ohne dass es eben so klingt, wie hier beschrieben.

Das komplette Gegenteil davon ist das folgende "Jerusalem", das in der Klammerbemerkung völlig zu Recht das Wort "Hymne" trägt. Diese ruhig dahingleitende Nummer ist dermaßen charmant arrangiert, dass diese Bezeichnung mehr als zutreffend ist. Die Fortsetzung des Mega-Hits "Planetenwind" schließt da nahtlos an. Hier ist es Wolfgang Fuchs gelungen, den Faden von 1982 wieder aufzunehmen und ihn einige Jahre später weiterzuspinnen. Klingt gut, fühlt sich gut an - Volltreffer.

Wieso das folgende "Roboterliebe" "Roboterliebe" heißt, ist mir nicht bekannt. Das Stück klingt wie ein Kirchenlied, hat auch eine Orgel im Arrangement und die entsprechende Dramatik in sich, um als solches durchzugehen. Ein herrlich entspannendes Stück Musik, das dem DDR-Elektronikpionier hier gelungen ist. Dann ist es mal wieder Zeit für eine weitere Verbeugung, diesmal vor der Gruppe Tangerine Dream, deren Song "Das Mädchen auf der Rolltreppe" er sich ausgeliehen und bearbeitet hat. Einst als Soundtrack zur ARD-Reihe "Tatort" entstanden, hat Paule es für sein neues Album entstaubt und ins Heute übertragen. Ebenfalls eine tiefe Verbeugung macht der Musiker aus Panketal vor dem Franzosen Jean-Michel Jarre. Dessen Stück "Rendezvous 2" bekam ebenfalls seine Handschrift verpasst.

Und Gleiches gilt auch für zwei Songs der Gruppe Kraftwerk, nämlich "Radioaktivität" und "Wir sind die Roboter", die hier in einem Pond'schen Medley zu hören sind. Leider muss ich auch hier schreiben, dass mir diese Bearbeitung gar nicht gefallen will. Kraftwerk zu covern stelle ich mir nicht einfach vor, die Fallhöhe ist groß. Und so leid es mir tut, das sagen zu müssen: An den Nummern hat sich Paule verhoben. Aber es war ihm sicherlich ein Herzenswunsch, seinen Helden ein eigenes Denkmal zu setzen. Von daher hat die Nummer am Ende doch ihre Daseinsberechtigung, auch wenn sie mir nicht gefällt - dafür vielleicht anderen. Mit dem "Glockenopus", einer weiteren neuen Nummer aus Paules Feder, und der Orchesterfassung vom "Planetenwind" endet dann das Programm, zu dem auch noch ein paar andere Titel zählen, die ich jetzt hier nicht genannt und näher beschrieben habe.

Wer ein POND-Album kauft, bekommt auch ein POND-Album. Paule lässt sich nicht verbiegen - nicht vom Zeitgeist, nicht von irgendwelchen nicht passen wollenden Einflüssen, nicht von irgendwelchen Must-haves, die einem aktuelle Produzenten-Könige diktieren wollen. POND ist und bleibt POND. Und wieder wird die Musik in einem kleinen Kunstwerk verpackt, das beim Hören der Musik für weitere Unterhaltung sorgt: ein aufklappbares Digipak mit ausführlichem Booklet das Geschriebenes und Bilder zum Schmökern und Anschauen mitbringt. Ein Ausschnitt der Bandgeschichte, die es in ausführlicher Form natürlich auch in dem Buch gibt, das fast zeitgleich erschienen ist, ist hier ebenso abgedruckt wie Liner Notes zu dem, was es zu hören gibt. Das neue Doppelalbum von POND ist rundum gelungen. Mit nicht allem kann ich mich anfreunden, aber Paule macht ja nicht nur Musik für mich alleine. Und als Fazit kann ich nur das wiederholen, was ich eingangs dieses Absatzes schon geschrieben habe: Wer POND kauft, bekommt POND. Meine absolute Empfehlung
(Christian Reder)





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