TRANSIT
Eberswalde am 1. Mai 2011
Bericht: Peter Vogel
Fotos: www.gruppe-transit.de
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Heute möchte ich mich mal darin versuchen, für Euch als Konzertberichterstatter tätig zu sein. Ich lese hier auf www.deutsche-mugge.de immer die tollen Beiträge der vielen Konzertgänger. Was Ihr da für uns Fans macht, die selbst nicht bei allen Konzerten dabei sein können, ist unbezahlbar! Darum möchte ich mich heute diesen Leuten anschließen, und Euch auch einmal von einer Mugge aus meiner Nachbarschaft berichten.
Ich selbst habe das bisher noch nie gemacht, wurde aber von Christian Reder von Deutsche Mugge dazu ermutigt, es ruhig einmal zu versuchen. Er bot mir für den Fall, dass ich Probleme mit dem Schreiben hätte, seine Hilfe an, für die ich mich an dieser Stelle gleich auch bedanken möchte. Danke für den "Fallschirm" :-)
In der Aprilsendung von Deutsche Mugge am vergangenen Dienstag hörte ich ein Interview mit Andreas Hähle, der dort seine eigene Radiosendung für den 1. Mai bewarb. U.a. war dort zu vernehmen, dass er sich die Gruppe TRANIST ins Studio eingeladen hatte. Interessanterweise hatte sich die Gruppe um Egon Linde für den gleichen Tag - allerdings vormittags - für einen Auftritt bei einer Mai-Kundgebung in Eberswalde angekündigt. Das liegt bei mir um die Ecke, also nichts wie hin... Fast hätte ich das Konzert verpasst! Für die Mai-Kundgebung selbst wurde fleißig geworben, für den Auftritt von Transit allerdings nicht oder nur im Nebensatz (zumindest erfuhr ich davon erst spät von einem der Organisatoren). Das war vielleicht auch der Grund, warum sich kaum Leute an den Ort des Geschehens verirrt hatten. Ich war jedenfalls pünktlich zur Stelle um mir eine der Bands anzusehen und anzuhören, die neben anderen Gruppen für das musikalische Rahmenprogramm meiner Jugend gesorgt haben.
Um 11:00 Uhr ging sie dann los, die Mugge der TRANSIT-Rocker. Das Publikum war nicht wirklich eines, was man auf einer Rock-Mugge vermuten würde. Vielmehr waren sehr viele ältere Menschen zu dieser "frühen Stunde" anzutreffen. Aber auch Anhänger der Küstenrocker waren gekommen. Die weiteste Anfahrt dürften wohl die Fans aus Aachen in Nordrhein-Westfalen gehabt haben. Leider waren es viel zu wenig Leute, die sich vor der Bühne zu diesem Konzert eingefunden hatten. Davon ließen sich die Musiker von TRANSIT aber nicht entmutigen oder beeinflussen. Ganz im Gegenteil: Was ab 11:00 Uhr auf der Bühne passierte, war höchst professionell und erste Klasse - so, als stünden da Tausende vor der Bühne. Klasse!
Mit einem neuen Lied wurde das Konzert eröffnet. Es trägt den Namen "Back again", und wie's der Titel schon verrät, ist es die Hymne zum Transit-Comeback im Jahre 2009. Dem "Türöffner" folgte ein Klassiker aus der 1982er Langspielplatte "Bernsteinhexe", nämlich der Song "Ein Musiker". Texter Sigi Scholz beschrieb damals sehr schön die Geschichte der populären Musik und bewies mit der Textzeile,
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"Bis zum Jahr Zweitausend ändert sich noch viel,
er ahnt schon etwas von dem neuen Stil,
vielleicht kann er dann auf Computertasten
den kosmischen Hyper Rock'n'Roll einrasten"
Weitblick, denn so ist es ja bekanntlich auch gekommen - heute kommt vieles aus dem Computer. Selbst Rockmusik. Und wenn man schon beim Rock'n Roll ist, sollte man da auch bleiben. Das taten die Musiker um Egon Linde auch und präsentierten mit "Rock'n'Roll Zigeuner" einen ganz neuen Song, der wohl auf dem kommenden Album zu finden sind wird. Soviel sei verraten: Man darf sich schon richtig auf das neue Werk freuen, wenn die anderen Lieder in der gleichen Machart wie dieser sein werden!
Ein Transit-Konzert ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Songs, so wie man das an manch anderer Stelle auch schonmal recht einfallslos präsentiert bekommt. Vielmehr wird ein "roter Faden" eingewebt und verfolgt. Nach dem Rock'n Roll Zigeuner begab sich die Band nämlich auf und an das Meer! Der "mediterrane" Teil der Mugge wurde mit dem Lied "Die Insel" eröffnet. Auch in diesem Lied spricht uns der Texter Sigi Scholz aus dem Herzen und den eigenen Gedanken. Wie oft möchte man dem Alltagstrott einfach mal entfliehen und "auf eine Insel" flüchten?! In dem Lied heißt es,
"Heut' werd' ich wieder mal zur Insel fahrn.
Raus aus dem Stress, das muss man irgendwann.
Dann lieg` ich in der Heide und träume vor mich hin..."
Schön wär' es, wenn man das so einfach könnte. Passend zur Insel saß dann anschließend der berühmte "Junge am Ufer" und stellte fest, dass das "Meer ganz anders ist". Mit "Vorbei an Dänemark", "Sao Vicente", "Blaue Lagune" und "Vineta" folgten gleich vier neue Songs am Stück, die aus der aktuellen Transit CD "Über's Meer" entnommen wurden. Diese CD hatte ich schon nach dem ersten Hören im Januar ins Herz geschlossen - schön, diese Titel nun auch live hören zu können. Spannend ist für mich, der die Lieder von der CD her schon kennt, zu erleben, wie die Gruppe Transit diese neuen Stücke live spielt und welche Unterschiede es dort zu entdecken gibt. Überhaupt fehlte - glaube ich - nur ein einziges Lied aus "Über's Meer", das am Sonntag nicht gespielt wurde. Auch die dann folgenden Lieder "Sturmflut" und "Ich fahr an die Küste" hatten das Meer und alles was damit zu tun hat zum Thema. Mit ihnen wurde dieser Teil des Konzerts dann aber abgeschlossen, und es folgten im nächsten Programmteil dann die Lieder über Geschichte, Sagen und Mythen. Zu dem Thema dürfte wohl das Lied "Bernsteinhexe" vom gleichnamigen Album eins der bekanntesten sein, und das machte auch den Anfang. Auch zu diesem Thema fand Sigi Scholz vor Jahren die passenden Worte. Er verband Historie mit zeitgenössischer Musik und blies damit den Staub vom Geschichtsbuch. Mit den Zeilen:
"Maria war ein schönes Kind,
sie hatte heimlich einen Liebsten.
Doch da war noch ein anderer,
der wollte sie auch besitzen.
Sie sagte nein, und aus Rache dann
ließ schlechten Leumund er über sie kommen.
Als Hexe war sie bald verschrien.
Das Unheil hat seinen Lauf genommen."
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beschrieb er kurz aber sehr anschaulich, wie's damals zuging, im Jahre 1630... Von der gleichen Schallplatte wurden danach die Lieder "Jona" und "Hildebrandslied" vorgetragen. Weitere Live-Versionen bekannter und neuer Songs folgten, z.B. die "Wanderdünen" und "Wandlungen" aus der neuen CD, aber auch Klassiker wie "Schulzeit", "Aus meiner Haut komm ich nur selten raus" oder "Ein Mädchen wie Du".
Immer wenn's am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören. So war's auch am Sonntag. Die Gruppe Transit spielte zum Abschluss noch ein weiteres ganz neues Lied, das bisher noch auf keiner Schallplatte oder CD zu finden ist, nämlich "Dörfchen". Es ging viel zu schnell vorbei, und was uns die Gruppe TRANSIT am Tag der Arbeit da von der Rampe schubste, war erstklassige Rockmusik mit Tiefgang! Schade, dass sich dieses Ereignis nur so wenig Leute gegönnt haben. Vielleicht lag's an der eingangs erwähnten, schlechten Werbung. Vielleicht lag's an dem allgemein rückläufigen Interesse an solchen "Arbeiterveranstaltungen" der Gewerkschaften. Vielleicht lag's an dem schönen Wetter, das viele Familien für andere Aktivitäten im Freien genutzt haben. Wo auch immer die Gründe liegen: Wenn man eine Band wie TRANSIT in seiner Nähe hat, sollte man die Gelegenheit nutzen, diese Band live zu sehen und zu hören. Grillen kann man auch noch an einem anderen Tag! Mag man auch von einigen "Altherren-Kapellen" und ihrem Einheitsprogramm, das sich seit Jahren nur in Kleinigkeiten verändert, enttäuscht sein, so machen Egon Linde und seine Kollegen einiges wieder gut. Jedes TRANSIT-Konzert ist anders! Hier bekommt man noch etwas geboten und die Musiker haben auch immer noch eine Überraschung im Gepäck. Wie uns Egon im Nachgang zu diesem Konzert erzählt hat, spielen TRANSIT immer wieder auch ganz neue Titel, die live ihre Premiere haben noch bevor sie auf CD zu haben sind. So war's hier in Eberswalde, und so wird es - wie er uns neugierig machend erzählte - auch am 14. Mai auf der Parkbühne Biesdorf in Berlin sein. Dort wird TRANSIT ein gemeinsames Konzert mit einer anderen Kultband spielen, nämlich KARUSSELL. Leute, geht hin!
Zurück zu Hause gab's erstmal ein ordentliches Feiertagsmenü. Ich hatte mir den Appetit nicht mit Bratwurst oder anderen Leckereien vom Grill verdorben, mir aber in Sachen Live-Musik so richtig den Bauch vollgeschlagen. Am Abend hörte ich mir dann die neue Sendung von Deutsche Mugge an, und da gab es ein schnelles Wiedersehen mit TRANSIT. Wie eingangs erwähnt waren Egon und Kollegen dort als Interviewgäste und aus der Konserve mit "Das Meer ist ganz anders" zu hören. Der 1. Mai war damit also nicht der "Tag der Arbeit" sondern der "Tag mit TRANSIT". Danke!



