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Ein Bericht mit Fotos von Bodo Kubatzki und Carsten Klick (Pressefoto)



Da schreibt Dirk Zöllner am 5. Dezember 2016, einen Tag nach dem Abschlusskonzert der "Therapie Tour" der Band ROCKHAUS in ihrer Heimatstadt Berlin, Folgendes in einem Facebook Post: "Ich war mein Leben lang bei Rockhauskonzerten. Dieses war das berührendste! Vielen Dank! Vielen Dank, Carsten Beathoven Mohren!!!" Bei dem Berliner Konzert bin ich zwar nicht dabei gewesen, konnte ROCKHAUS jedoch einen Tag zuvor in Schwerin erleben. Und dieses Konzert berührte mich gleichermaßen.a 20161210 1568361216 Ich selbst habe die Band während ihrer langen Karriere nur bei drei Konzerten gesehen. Beim ersten Mal - irgendwann Ende der 80er Jahre in Mirow - stand ich als Bassist der Vorband von ROCKHAUS quasi mit ihnen auf der gleichen Bühne. Das anschließende Konzert der damals noch jungen Band faszinierte mich total. Irgendwie schien in Berlin ein frischer Wind zu wehen, der ordentlich Staub aufwirbelte in der Riege der "gestandenen" Ostbands. Ähnliches hatte ich kurz zuvor mit Dirk Zöllner und seiner Band CHICORÉE auch schon erlebt. Da stand eine neue Generation von Musikern auf der Bühne, die von damals aktuellen Trends wie Funk, New Wave/Neue Deutsche Welle oder Punk beeinflusst war. Auch deren Aussehen mit hoch toupierten Haaren und flippigen bunten Klamotten war anders.

ROCKAUS hatte ich seit Beginn der 90er Jahre aus den Augen verloren. Zwar besuchte ich vor drei oder vier Jahren noch eines ihrer Konzerte in Bad Doberan, doch veranlasste mich dieses nicht, mich mit dem aktuellen Schaffen der Band näher auseinanderzusetzen. Dann kam die Anfrage von Deutsche Mugge, ob ich bereit wäre, über das Konzert der Band am 3. Dezember 2016 im Schweriner Speicher zu berichten. Dazu kamen die Medienberichte über Carsten 'Beathoven' Mohren und seine Krebserkrankung. Dass Carsten den Wunsch hatte, noch einmal mit seiner Band auf Tour gehen zu wollen, ja einfach weiterzuleben, mit allem was dazu gehört, das kann ich verstehen. Als selbst von dieser Krankheit betroffener wollte ich jedoch sehen, wie seine Musikerkollegen mit ihm und der Tatsache umgehen, dass dies wohl die letzte gemeinsame Tour für die Band sein wird. Und - Hut ab ROCKHAUS - euer Konzert hat mich tief berührt.

b 20161210 1643922744Der Schweriner Speicher war gut besucht, und wie ich an den Gesprächen der Leute gleich merkte, gab es viele ROCKHAUS-Fans im Publikum. Pünktlich um 21:00 Uhr stand die Band auf der Bühne und legte los. "Du tust mir gut" zeigte von Anfang an, wofür ROCKHAUS immer noch stehen, nämlich für eingängige Songs mit Texten, die aus dem Leben gegriffen sind. Das Ganze ist verpackt in einen straighten, gitarrenlastigen Rocksound. Sänger Mike Kilian mit seiner markanten Stimme gab den 'Macher' auf der Bühne. Mit seiner sympathischen Art und hin und wieder ein paar markigen Sprüchen hatte er das Publikum sofort auf seiner Seite. Die erste Textzeile des zweiten Songs "Gegenverkehr" könnte als Motto des gesamten Abends gelten: "Lass uns leben und nicht an morgen denken ..." Hier in Schwerin sollte Party gefeiert und gerockt werden. Der Spaß an der Musik, den die Band ausstrahlte übertrug sich schnell auf die Anwesenden im Saal. Die Songs hatten hin und wieder etwas Melancholisches, was Kilian mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem immer noch gigantischen Tonumfang, gut zu transportieren wusste. Wirkliche Melancholie kam jedoch nie auf. Dafür sorgten rockige Gitarrenriffs und Refrains, die sich immer wieder in die Gehörgänge fraßen und zum Mitsingen animierten. Die Songs "Hier und wir" und "Warum" belegten dies beispielhaft. Die ersten fünf Stücke des Abends stammen alle vom aktuellen Studioalbum "Therapie", welches offensichtlich starkes Material enthält. Das nächste Lied "Wir waren nicht dabei" beeindruckte mich mit seinem anspruchsvollen Text, bei dem es vor allem darum geht, wie man aufrecht durchs Leben kommt, ohne sich verbiegen zu lassen. Auch hier gelang der Spagat zwischen eingängigem Refrain und anspruchsvollem Inhalt. Das Stück stammt vom Album "Treibstoff", dem sechsten aus dem Jahre 2012, ebenso das Folgende: "Leben".

Wie bei fast allen Songs zeigte sich gerade bei "Leben", dass der ROCKHAUS-Sound neben Mike Kilians Stimme vor allem vom Gitarrenspiel des "Herrn" Petereit geprägt ist. Egal ob brachiale Riffs oder bluesige Soli, mit traumwandlerischer Sicherheit bespielte er seine diversen Gitarren. Auch der Einsatz diverser Effektgeräte kam nicht zu kurz. Bei "Leben" hatte sich Petereit dermaßen ins Zeug gelegt, dass ihm nach dem Song fast der Hut weggeflogen ist.

Irgendwann kamen dann natürlich die Hits, die die Band in den 80er Jahren bekannt gemacht haben. "Träume, Träume" wurde lauthals mitgesungen. Mike Kilian gab dabei eine beeindruckende Gesangseinlage à la Freddie Mercury und forderte zum Mitmachen auf, was von den Leuten gern angenommen wurde. Bei "Wohin" hatte Drummer Heinz Angel seinen großen Auftritt. Nach seinem schweißtreibenden Schlagzeugsolo wurde er mit "Heinz, Heinz-Rufen" ordentlich gefeiert. c 20161210 1214084098Die ersten emotionalen Höhepunkte gab es bei der Ballade "Ein Wunder" und dem Song "Parties". Beim letztgenannten setzte sich Kilian zu 'Beathoven' neben die Keyboards. Es war beeindruckend zu erleben, mit wieviel Gefühl beide diesen Song interpretierten und wie glücklich gerade Carten 'Beathoven' Mohren dabei zu sein schien. Nicht enden wollender Beifall zollte insbesondere Cartsen Anerkennung und Respekt.

Nach Hits wie "Mich zu lieben" oder "Bleib cool" wollte sich ROCKHAUS mit der neuen, sehr eingängigen Nummer "Kaleidoskop" verabschieden. Dass die Jungs nicht ohne Zugaben von der Schweriner Bühne kamen, war klar. ROCKHAUS ließ sich nicht lumpen und spielte gleich vier Songs im Zugabenteil. Das Konzert wurde natürlich mit dem größten ROCKHAUS Hit "I.L.D." beendet. Eingeleitet durch Reinhardt Repkes Bassfigur im Fretless-Sound mündete der Song in das Keyboardsolo von Carsten Mohren. Der hatte dabei alle Spots auf sich gerichtet, und seine Musikerkollegen und -freunde zollten ihm Dank und Anerkennung, indem sie sich vor ihm an den Bühnenrand knieten. Damit fand ein wirklich tolles, vorletztes Konzert der "Therapie Tour" einen würdigen Abschluss. Ich schließe mich hier der Äußerung von Dirk Zöllner an: "Vielen Dank ROCKHAUS, Danke Carsten 'Beathoven' Mohren!" Eure Musik hat wieder zu mir gefunden und wird mich weiter begleiten.


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Rockhaus: www.rockhaus.net
• Portrait über Rockhaus bei Deutsche Mugge: HIER klicken




Fotostrecke:




 
 
 



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