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Ein Bericht von Matthias Ziegert unter Mithilfe von
Christian Reder mit Fotos von Matthias Ziegert



stateHier erfüllt sich gerade einer der letzten Wünsche von Carsten "Beathoven" Mohren, dem Keyboarder der Gruppe ROCKHAUS. Vor einigen Tagen ging der Musiker mit seiner Krankengeschichte an die Öffentlichkeit. Er erzählte in einem Interview von seiner Erkrankung und der Prognose seiner Ärzte, dass der Krebs ihm nur noch ein halbes Jahr Zeit lasse. Diese Nachricht erhielt er bereits im September und mit dem Interview dann auch der Rest der Welt. Es gibt viele Möglichkeiten für Betroffene, damit umzugehen. Und auch wirklich NUR die Betroffenen können diese Situation wirklich begreifen und nachvollziehen. Man könnte sich nun ins heimische Wohnzimmer setzen, auf sein Leben zurückblicken und auf die Dinge warten, die da unausweichlich auf einen zukommen. Krebs im Endstadium ist schließlich keine Diagnose, mit der man noch große Pläne schmiedet.a 20161205 1343896674 Oder etwa doch? Beathoven geht einen anderen Weg, denn er will noch einmal ganz intensiv dem nachgehen, was er in seinem Leben am liebsten getan hat: Mit den Kumpels von ROCKHAUS auf eine allerletzte Tournee gehen und das Leben "LAUT" feiern! Mit seinen Freunden aus der Band und den Fans vor der Bühne gemeinsam. "Laut, mit Rockmusik, möchte ich mich verabschieden", lautete der Satz, der sich wohl wie kaum ein anderer aus dem eben schon erwähnten Interview ins Gedächtnis der Leute eingebrannt hat und zig-fach überall in Presse und Netz zitiert wurde. Was Beathovens offensiver Umgang mit seinem Schicksal bei manchen Leuten, denen es genauso oder ähnlich geht wie ihm, ausgelöst hat, hat er wohl selbst nicht geahnt: Sein Entschluss und sein Mitwirken an der am Sonntag in Berlin zu Ende gegangenen Tour lösten einen Denkanstoß, ja vielleicht sogar ein Umdenken bei vielen Menschen aus: "Steh auf und genieße den Rest des Lebens - egal, was es Dir gerade eingeschenkt hat", könnte die Botschaft lauten. Und das hat Beathoven in den letzten Tagen getan. Aufrecht stehend, mit Würde und mit dieser ungebrochenen Lust an seinem Beruf und der großen Liebe zu seiner Band ROCKHAUS.

Der 30. November ist in diesem Jahr ein Mittwoch. In der Wachsmuthstraße 1 im Leipziger Stadtteil Plagwitz stehen wir in einem verklinkerten ehemaligen Industriegebäude, in dem seit längerer Zeit schon nichts mehr hergestellt wird, dafür aber Konzerte gespielt werden, und warten auf den Beginn des sechsten von insgesamt zehn Muggen der "Therapie"-Verlängerung. Draußen kündigt sich der Winter mit den entsprechenden Temperaturen an, hier drinnen ist es aber warm - nicht nur von den Temperaturen her. Es sind so viele Leute gekommen, dass der Saal am Ende des Tages ausverkauft ist. Den Heimvorteil nutzend sind auch die Kollegen Jane Sakel (ehemals P16) und Tobias Künzel (Die Prinzen, bekennender ROCKHAUS-Fan) hier, um die Gruppe ROCKHAUS zu sehen und auch, um ihrem Keyboarder den eingangs schon näher beschriebenen Wunsch zu erfüllen. Sie wollen "LAUT" sein.b 20161205 1922658786 Dabei wissen viele noch nicht, ob sie dies mit Freude oder Trauer, die manch eine(r) nicht verstecken kann, tun sollen. Oder vielleicht mit beiden Gefühlen gleichzeitig im Leibe? Lassen sich beide Gefühle überhaupt verbinden? Passt das zusammen? Trauern und laut sein? Egal, mit welchen Gedanken im Kopf und mit wie viel Pudding in den Beinen sie hier stehen und warten, sie vereint eine gemeinsame Mission, und das wärmt zusätzlich.

Richtig gut aufgewärmt zeigen sich dann auch die fünf Musiker der Band, die pünktlich zur angekündigten Stunde zu einem Intro ihre Plätze auf der Bühne einnehmen und mit "Du tust mir gut" ihren Auftritt eröffnen. Gut tut es offensichtlich auch dem Mann, über den seit einigen Tagen so viele Menschen reden: Beathoven. Er sitzt im Bühnenhintergrund auf einem Stuhl an seinem Keyboard und ist gleich mitten drin im Konzert. Das bestätigt auch Mike Kilian, Frontmann der Formation, als er nach seiner Begrüßung des Publikums die Worte, "Ihr tut uns gut ... Hallo Leipzig!", folgen lässt. Die Band ist von der ersten Minute an bemüht, gar keine Traurigkeit aufkommen zu lassen. Dies gelingt ihr auch. Es wird viel gelacht und die Freude am Spiel ist sicht- und hörbar. Vor der Bühne herrscht zu Beginn jedoch eine gemischte Stimmung. Es fühlt sich ruhiger an als sonst, wenn das Quintett aus Berlin zu spielen beginnt. Es dauert insgesamt gefühlt etwa zwei oder drei Songs, bis sich diese teils gedrückte ... oder sagen wir besser "zurückhaltende" Stimmung komplett aufgelöst und in die gewohnte Rock'n'Roll-Stimmung verwandelt hat. Dann brennt die Hütte aber und sowohl Band als auch Publikum sind stimmungsmäßig auf einem Level, nämlich dem Höchsten!

Sänger Mike Kilian geizt wieder einmal nicht mit flotten Sprüchen. So kommentiert er den großen Jubel nach dem Song "Hier und wir" z.B. mit den Worten, "... immer wieder gut, in den ersten zwei Reihen vorher fünf Euro zu verteilen". Das Programm auf der Bühne besteht u.a. aus allen Songs, die auch auf dem zuletzt erschienenen ersten Live-Album von ROCKHAUS, "Therapie - Live in Berlin", erschienen sind. Wäre auch komisch wenn nicht, denn die Tour jetzt im November und Dezember firmiert ja unter dem Zusatz "Verlängerung" der "Therapie". Aber es gibt sieben weitere Songs, die nicht auf dem Silberling verewigt sind, und die die Band für die Konzerte ausgewählt hat, u.a. der schon genannte Opener "Du tust mir gut", "Träume", "Hör zu" und "Mit jeder Träne".c 20161205 1096667823 So kann das Auditorium in knapp 130 Minuten ganze 24 Lieder in ROCKHAUS-typischen Live-Fassungen genießen. Ein besonderer Höhepunkt dürfte der Song "Parties" sein, den Kilian und Beathoven allein vortragen und an deren Ende lang anhaltender Applaus und lauter Jubel im Saal stehen. Ein unbeschreiblicher Moment ...

Kilian nimmt das Publikum während des Konzerts als Conférencier immer wieder an die Hand und bezieht es ins Live-Geschehen ein. Mal fordert er es zum Mitklatschen auf, dann auch zum "lauter werden" ("Beathoven wollte es laut, da machen wir es auch laut!") und an anderer Stelle formiert er aus den Leuten im Saal einen großen Publikumschor, der die Band unter seiner Regie kräftig unterstützt. Und die "Täubchen" im "Thal" unterstützen ihn und die Band tatsächlich nach Kräften, sowohl gesanglich als auch von der Textsicherheit her. Eine starke Leistung der Leipziger, die auch die fünf Herren auf dem Podium durch verschiedene Gesten zu würdigen wissen.

Nach "Kaleidoskop" soll dann Schluss sein. Es folgt der Dank ans Publikum am Ende des Stücks und grenzenloser Jubel. Rufe nach Zugaben lassen nicht lange auf sich warten und werden lauter. Und die gibt es mit "Chaos" und "Rettung" dann auch, aber auch das ist noch lange nicht genug. Schließlich fehlen ja noch zwei Klopper aus dem eigenen Repertoire, die bei keiner ROCKHAUS-Mugge fehlen dürfen. So weiß der eingefleischte Fan natürlich, dass da auf jeden Fall noch was kommen muss. Und so ist es auch, und mit besagten Kloppern "Mit jeder Träne" und "I.L.D." geht es in eine weitere und letzte Verlängerung des Konzerts. Danach bedankt sich Mike Kilian nochmals bei den Fans, die Band stellt sich zum Abschlussbild auf und verlässt die Bühne. Und plötzlich ist sie wieder da ... diese komische Stimmung, die gerade für knapp zwei Stunden völlig verflogen zu sein schien.d 20161205 1439820027 Abschied, Traurigkeit, Beklemmung. Aber auch Dankbarkeit, dass man bei Beathovens persönlichem Abschiedskonzert hier in Leipzig dabei sein und Tschüss sagen durfte. Einige Minuten später trifft man sich zur Autogrammstunde, zu der die Band gut gelaunt erscheint und bei der sie für jeden einzelnen Konzertbesucher Zeit und persönliche Worte übrig hat. Es dürfte auch für sie alle nicht nur wegen der gezeigten Spielfreude und Leidenschaft auf der Bühne ein immenser Kraftakt sein, hier noch aufzutauchen und für die Fans da zu sein. Es hätte wohl jeder im "Täubchenthal" verstanden, wenn das nicht stattgefunden hätte. Respekt habe ich vor Beathoven, der sich das trotz seines Gesundheitszustandes nochmal angetan hat und auch vor seinen Kollegen, die für ihren Keyboarder in knapp zwei Wochen und bei zehn Konzerten sowas wie Normalität ins Leben zurückholen und bei der Wunscherfüllung tatkräftig mit anfassen. Was in dieser Zeit, auch hier in Leipzig, passiert ist, wird den Männern erst in Berlin so richtig bewusst werden, wo sich die Trauer nach dem letzten Konzert bei Kilian, HeinzAngel, Maxs und Herr Petereit Bahn brechen soll. Doch zu diesem Zeitpunkt hier in Leipzig stehen noch vier weitere Konzerte auf dem Plan, bei denen Stärke gefragt ist ...

e 20161205 2002393522Es dürfte die vorerst letzte Tour der ROCKHAUS-Kapelle gewesen sein und damit auch der vorerst letzte Besuch in Leipzig. Dieser Abschied schmerzt besonders weil jeder hier weiß, dass die Band in dieser Besetzung nie wieder hier auftreten wird. Wenn sie wiederkommen sollte, wird in ihrer Reihe einer fehlen. Es ist ein sehr seltsames Gefühl zu wissen, dass man den blonden Keyboarder wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen wird und zu wissen, dass er bald schon nicht mehr unter uns sein wird. Auch er weiß das, und hat trotzdem immer wieder ein Lächeln im Gesicht. Laut und rockig haben sie es werden lassen, so wie es gewollt war. Beathovens Wunsch ging in Erfüllung. Sollten da noch weitere in ihm schlummern, mögen sie bitte ebenfalls für ihn wahr werden. Soviel Zeit MUSS sein! Das wünschen wir ihm alle von Herzen!


Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Rockhaus: www.rockhaus.net
• Portrait über Rockhaus bei Deutsche Mugge: HIER klicken




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