WENZEL & Band
Neuruppin | BODONI-Vielseithof | 6. September 2025
Ein Bericht mit Fotos von Dajana Prosser-Gehn
Der BODONI -Vielseithof ist mehr als nur ein Veranstaltungsort – er ist eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart des Druckhandwerks. Hier vereinen sich historische Techniken, modernes Verlagswesen und kulturelle Bildungsarbeit zu einem einzigartigen Raum, in dem Kreativität frei gedeihen kann. Die Räume atmen Geschichte, doch sie öffnen sich stetig neuen Ideen, Projekten und Formaten, die das Handwerk sichtbar und zugänglich machen.
Als Zentrum für historische und zeitgenössische Druckkultur bietet der Hof eine inspirierende Bühne für Experimente und Lernen gleichermaßen. Hier finden sich Werkstätten, Ausstellungen und Gesprächsrunden, die sowohl Fachleute als auch Neugierige ansprechen. Die Umgebung lädt dazu ein, Prozesse des Druckens, Publizierens und Gestaltens zu erleben – vom historischen Buchblock bis zu modernen Drucktechniken und digitalen Ansätzen.
Der Verein Buchwerk BODONI e.V. setzt dieses Erleben in regelmäßige Veranstaltungen um. Kurse, Lesungen, Konzerte und Buchvorstellungen finden hier statt und ziehen Besucher jeden Alters an. Alle finden im Bodoni-Vielseithof einen Ort der Begegnung, des Austauschs und der gemeinsamen Entdeckungen. Am 6. September 2025 präsentierte der BODONI Vielseithof das Konzert von Wenzel und Band. Bereits beim Eintreten spürte man die Vorfreude: Die Veranstaltungsstätte BODONI Vielseithof war prall gefüllt, und die Menschen strömten in Massen herein. Alle Plätze waren restlos besetzt, und wer keinen Platz mehr ergatterte, stellte sich geduldig in der Nähe auf oder fand in den hintersten Reihen einen Platz auf Zeit.
Schon vor dem ersten Ton erzählten sich die Gäste begeistert, woher sie Wenzel kannten und wie dieser Künstler in ihr Leben kam. Ein Mann berichtete gar, dass er nach 35 Jahren erstmals wieder zu Wenzel zurückgefunden habe – eine Liebeserklärung an die Langzeitwirkung eines Künstlers, der offenbar mehrere Generationen anspricht. Wenzel wird von vielen für seine offene Art geschätzt. Er kommuniziert seine Haltung deutlich, teils sarkastisch verpackt, aber stets ehrlich. In Gesprächen betont er die Bedeutung des Dialogs, auch und gerade mit Menschen, die andere Meinungen vertreten. Man solle zuhören, statt zu streiten, hieß es oft als gelebte Maxime seines künstlerischen Imperativs.
Die Wenzel-Gemeinschaft, die sich wie eine große, freundliche Familie anfühlt, wirkte an diesem Abend besonders spürbar: friedlich, herzlich, ungezwungen. Die Atmosphäre ist kein starres Konzerterlebnis, sondern ein sozialer Ort des Austauschs, an dem Musik und zwischenmenschliche Begegnungen Hand in Hand gehen. Musikalisch bietet Wenzel eine Mischung aus ironischen Tönen und scharfer Gesellschaftskritik. Die Texte tragen einen oftmals nachdenklichen Kern, der die Zuhörer zum Reflektieren anregt, während die Melodien sich als angenehm tanzbar erweisen. Die Band sorgt dafür, dass dieser Spannungsbogen getragen wird: Die Songs wechseln zwischen mitsingbaren Refrains und komplexeren Passagen, in denen der Text in den Vordergrund rückt, die Musik aber keineswegs den Groove verliert. Die orchestrale Leichtigkeit einzelner Passagen kontrastiert mit pointierten, energischen Momenten – ein Zusammenspiel, das das Publikum zur Begeisterung treibt.
Besonders auffällig war der Kontrast zwischen Textinhalt und Tanzlust der Zuhörerschaft. Während der Liedertexte oft ernst, reflektierend oder gar nachdenklich gestimmt klangen, dominierte der Drang zum Tanzen. Man spürt, dass die Musik hier nicht nur unterhielt und zum Nachdenken anregte, sondern auch ein Gefühl der Zugehörigkeit erzeugte. Wenzels Haltung – offen, zugänglich, dialogbereit – wirkte wie ein Leitmotiv, das das Publikum zum Mitdenken anregte, ohne belehrend zu wirken.
Die Songauswahl scheint eine persönliche Reise, inhaltlich gefüllt mit Erlebnissen, Beobachtungen und Anekdoten zu sein, die zu einer gemeinsamen Erzählung werden. Zwischenrufe und Applaus fügten sich nahtlos in den Abend hinein: Das Publikum würdigte pointierte Zeilen, lachte über ironische Spitzen, goutierte aber auch über die Offenheit, unterschiedliche Perspektiven zuzulassen.
Fazit: Der Abend mit Wenzel und Band im BODONI Vielseithof war mehr als eine Konzertnacht. Es war eine Erfahrung von Zugehörigkeit und gemeinsamer Freude am Tanz – getragen von textlich scharfsinniger, dennoch zugänglicher Musik. Wer sich auf Wenzels Charme einlässt, erlebt eine Verbindung von Humor, Kritik und Wärme, die noch lange nachhallt.
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