

Ein Konzwerbericht mit Fotos von Philip Trottenberg
Die Fotos in der Textillustration sind KI-bearbeitet
Bestes Sommerwetter, ein nahezu ausverkauftes Amphitheater und ein Publikum, das vom ersten bis zum letzten Ton bestens aufgelegt war: Alice Cooper bewies einmal mehr, warum er seit über fünf Jahrzehnten zu den größten Entertainern der Rockgeschichte zählt. Der inzwischen 78-jährige Schock-Rock-Veteran präsentierte mit seiner aktuellen „Alice's Attic“-Tour eine rund 90-minütige Show, die weit mehr war als ein Rockkonzert – sie war eine perfekt inszenierte Theateraufführung voller Überraschungen, Humor und natürlich jeder Menge Horror-Elemente.
Den Abend eröffnete pünktlich um 20:00 Uhr das britische Indie-Rock-Duo The Howlers, das in einer halben Stunde das Publikum auf Betriebstemperatur brachte. Um 21:00 Uhr wurde es dann dunkel im Amphitheater – und Alice Cooper betrat mit einem Samurai-Schwert bewaffnet die Bühne. Bereits wenige Minuten später flog der Gehstock ins Publikum, ehe sich der Musiker ganz in seiner Rolle als Meister des makabren Rocktheaters verlor.
Den Abend eröffnete pünktlich um 20:00 Uhr das britische Indie-Rock-Duo The Howlers, das in einer halben Stunde das Publikum auf Betriebstemperatur brachte. Um 21:00 Uhr wurde es dann dunkel im Amphitheater – und Alice Cooper betrat mit einem Samurai-Schwert bewaffnet die Bühne. Bereits wenige Minuten später flog der Gehstock ins Publikum, ehe sich der Musiker ganz in seiner Rolle als Meister des makabren Rocktheaters verlor.
Musikalisch ließ Cooper kaum Wünsche offen. Klassiker wie „No More Mr. Nice Guy“, „I'm Eighteen“, „Feed My Frankenstein“ oder „Poison“ sorgten von Beginn an für ausgelassene Stimmung. Spätestens als gegen 21.45 Uhr die ersten Takte von „Poison“ erklangen, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Doch Alice Cooper wäre nicht Alice Cooper, wenn sich seine Shows nur auf die Musik beschränken würden. Während „Feed My Frankenstein“ rollte eine überdimensionale Alice-Cooper-Figur auf die Bühne, später wechselte der Frontmann mehrfach seine Kostüme. Mal trat er mit Dracula-Umhang auf, mal kämpfte er mit Degen oder Messer gegen imaginäre Gegner. Besonders eindrucksvoll war erneut die berühmte Zwangsjacken-Szene, die Cooper teilweise kniend absolvierte.
Zu den Höhepunkten gehörte auch die aufwendig inszenierte Horror-Theatralik: Eine leblose Puppe wurde von Cooper durch einen Kuss scheinbar wieder zum Leben erweckt, ehe sie sich mit Hilfe maskierter Gestalten gegen ihren Schöpfer wandte. Es folgte die legendäre Guillotinenszene, bei der Alice Cooper enthauptet wurde. Die Puppe tanzte anschließend mit seinem abgeschlagenen Kopf über die Bühne, bevor der Schock-Rocker – ganz standesgemäß – seine eigene Hinrichtung überlebte und wieder auferstand.
Auch personell gab es eine kleine Veränderung. Stammgitarristin Nita Strauss pausiert derzeit nach der Geburt ihres Kindes. Für sie steht die erst 22-jährige Anna Cara mit auf der Bühne. Die von Gitarrist Tommy Henriksen entdeckte Nachwuchsmusikerin überzeugte mit beeindruckender Technik, jeder Menge Spielfreude und einem starken Solo, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Sie fügte sich nahtlos in die bestens eingespielte Band mit Chuck Garric, Ryan Roxie, Tommy Henriksen und Glen Sobel ein. Das Bühnenbild überzeugte mit riesiger LED-Wand, aufwendigen Requisiten und den für Alice Cooper typischen Horror-Inszenierungen. Sämtliche Showelemente waren auch auf den hinteren Rängen hervorragend zu verfolgen und machten den Auftritt zu einem Gesamterlebnis.
Um 22.20 Uhr folgte schließlich der unvermeidliche Höhepunkt des Abends: „School's Out“ – passend, so kurz vor Beginn der Sommerferien – verwandelte das Amphitheater endgültig in eine riesige Party. Riesige Luftballons flogen über die Zuschauer hinweg, während Alice Cooper sie mit seinem Samurai-Schwert zum Platzen brachte. Das in das Stück eingebaute Zitat aus Pink Floyds „Another Brick in the Wall“ war zum Zunge schnalzen. Fan-Herz, was willste mehr? Auf jeden Fall noch ein bisschen mehr, denn wer nun mit dem Ende des Konzerts gerechnet hatte, wurde überrascht. Als Zugabe zollte Alice Cooper einer der bedeutendsten Rockbands der Neunziger Tribut und interpretierte Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“. Ein mutiger Abschluss, der jedoch hervorragend funktionierte und vom Publikum begeistert gefeiert wurde.
Alice Cooper bewies in Gelsenkirchen spielend leicht, dass seine Konzerte auch 2026 weit mehr als nostalgische Rückblicke sind. Die „Alice's Attic“-Tour verbindet legendäre Rockklassiker mit neuen Ideen, spektakulärer Bühnenshow und einer Spielfreude, die bei einem 78-jährigen Musiker alles andere als selbstverständlich ist. Rock'n'Roll, Horror-Theater und erstklassiges Entertainment – Alice Cooper bleibt eine feste Größe der internationalen Rockgeschichte und bewies im Gelsenkirchener Amphitheater, dass er auch nach mehr als fünf Jahrzehnten auf der Bühne noch immer zur absoluten Spitzenklasse gehört.
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