
Triumphale Rückkehr einer Ostrock-Legende:
Amor & die Kids feiern umjubeltes Konzert
Ein Bericht mit Fotos von Matthias und Sebastian Ziegert
Seit mehreren Jahren gehe ich schon nicht mehr zu Klassentreffen, weil man da heute nur alte Leute treffen kann, und meist die, die man schon früher nicht leiden konnte. Ganz zu schweigen von den inzwischen verstorbenen Lehrern, die man gerne wiedersehen möchte, aber nicht kann ... Durch einen glücklichen Zufall hörte ich dann vom "Klassentreffen der Ostmusik" in Neuruppin.
Neben vielen interessanten Bands aus dem Osten, die noch immer aktiv sind, sollte es dort auch die Reunion einer meiner Lieblingsbands aus DDR-Zeiten geben. Es handelt sich um das von mir lange erwartete Comeback von Amor & die Kids. Für mich als Fan das Ereignis des Jahres und ein Grund, mit einem Extra-Bericht den meines Kollegen Bodo über das gesamte Treffen (siehe HIER) zu ergänzen. Da es zu dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens vom Comeback noch keine anderen Termine im Angebot gab, haben wir für Neuruppin schon vor Monaten "Early Bird" Tickets gekauft, obwohl ich diesen Vogel nicht mag. Bei der Gelegenheit habe ich mir bei eBay gleich noch die erste LP von Amor & die Kids auf Vinyl gekauft, die ich bis dahin nur als CD hatte.
Neben vielen interessanten Bands aus dem Osten, die noch immer aktiv sind, sollte es dort auch die Reunion einer meiner Lieblingsbands aus DDR-Zeiten geben. Es handelt sich um das von mir lange erwartete Comeback von Amor & die Kids. Für mich als Fan das Ereignis des Jahres und ein Grund, mit einem Extra-Bericht den meines Kollegen Bodo über das gesamte Treffen (siehe HIER) zu ergänzen. Da es zu dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens vom Comeback noch keine anderen Termine im Angebot gab, haben wir für Neuruppin schon vor Monaten "Early Bird" Tickets gekauft, obwohl ich diesen Vogel nicht mag. Bei der Gelegenheit habe ich mir bei eBay gleich noch die erste LP von Amor & die Kids auf Vinyl gekauft, die ich bis dahin nur als CD hatte.
Foto vom Jubiläum vor 20 Jahren im Tonelli mmit Ralf Kruse (re)In den letzten Jahren war es still um die Formation geworden. Der letzte reguläre Auftritt in Originalbesetzung fand noch vor der politischen Kehre 1989 statt. Zwar gab es vor rund 20 Jahren ein einmaliges Jubiläumskonzert im Tonelli in der Elsterstraße in Leipzig (siehe Foto oben), doch an eine echte Wiedervereinigung wollte bei meiner Nachfrage damals niemand ernsthaft nachdenken. Um so erfreulicher ist es nun, dass sich die Musiker wieder zusammengefunden haben und das mit dem klaren Ziel, erneut gemeinsam auf der Bühne zu stehen und viel Spaß zu haben. Dabei können die vier Kids und ihr „ein wenig älterer“ Frontmann auf eine beachtliche musikalische Schatzkammer zurückgreifen - mehrere Rundfunkproduktionen und zwei vollständige Alben liefern genug Songs. Tolles Material, das nun wieder live erlebbar wird.
Zum Einstand für das Comeback präsentierten Amor & die Kids zudem ihre neue Single "Alles schon mal dagewesen" - ein gesellschaftskritischer Titel, der augenzwinkernd das aktuelle Geschehen in der Welt sowie in Deutschland kommentiert. Dazu gibt es auch ein lustiges Video, in dem sich die Musiker selbst auf die Schippe nehmen. In den vergangenen Monaten hatte sich die Band intensiv im eigenen Studio vorbereitet. In der Originalbesetzung mit Mario Rostenbeck (Gitarre), Falk Kindermann (Saxophon, Keyboard, Klarinette), Dirk Posner (Bass), Sänger Frank "Amor" Schüller sowie Tobias Künzel - bekannt als Mitglied der sich nächstes Jahr auflösenden Prinzen - am Schlagzeug. Man wollte sich ja nicht vor dem Publikum und den Kollegen blamieren. Nach dem eigentlichen Reunion-Tour-Auftakt in Jolys Live Music Bar, für den wir kurzfristig noch Tickets käuflich erwerben konnten, war das Konzert in Neuruppin die erste Mugge vor einem größeren Publikum und vor allem auf der großen Bühne des Festivals.
Pünktlich um 17.00 Uhr enterten Amor & die Kids als sechster Act des Tages die große Bühne am Hangar 312. Wobei entern zumindest für Amor übertrieben ist. Er ließ sich als Alter Rocker von Falk Kindermann, der einen weißen Kittel trug, in einem Rollstuhl auf die Bühne fahren. Dazu erklang über die PA die eingespielte "Ofentüre in der Festivalfassung" (das Stück ist in voller Pracht auch auf der LP zu finden, das dieser Tage beim Label ROKKfilm erschienen ist). Als die Mannschaft auf der Bühne komplett war, schwang sich Amor aus seinem AOK-Ferrari und startete die ca. einstündige Show mit "Alter Rocker". Mit "Ich bin blank", einem meiner Favoriten der Band, ging es weiter. Immer wieder schön zu hören ist der Schluss mit der Titelmelodie der unvergessenen Olsenbande - perfekt von Falk Kindermann auf der Klarinette intoniert. Kindermann blies an diesem Abend wieder wie der Teufel auf seinen Instrumenten. Mit der Naturistenhymne "Wir machen es im Wald" ging es zünftig weiter. Auch hier setzte Kindermann noch eins drauf. Mit Jägerhut und Saxophon bewaffnet beendete er das Lied mit einem Zitat aus dem Jägerchor des Freischütz. Der Song ist ein Wahnsinnsstilmix aus Rockmusik, A-Capella und Klassik.
Bei "Sie sind doch der" übernahm Kindermann, der im richtigen Leben inzwischen eine Musikschule leitet, den Volkspolizisten, der kontrolliert. Bei "Wer hat mir mein Bier geklaut", der bis jetzt nur auf einem Sampler in den 90ern erschienen war, hätte ich mir auch wegen der heißen Temperaturen eine Runde Freibier vom Veranstalter gewünscht. Stattdessen füllte sich der Standtisch, der neben Amor platziert wurde, mit auserlesenen alkoholischen Getränken, wie zum Beispiel einer Flasche Amor, die dem Künstler aufgrund seiner Vorliebe für diesen Wermutwein den Spitznamen einbrachte. Aber auch der berühmte "Blauer Würger", von Kindermann serviert, wurde musikalisch gewürdigt. Der Text ist einfach super und voller Ironie. Im Andenkenladen der Band gibt es jetzt übrigens dafür eine limitierte Edition in Form eines blauen T-Shirts.
Als siebten Song präsentierte die Band den eingangs schon erwähnten neuen Titel, "Alles schon mal dagewesen", der, wenn es eine entsprechende Hitparade gäbe, dort sicher erfolgreich laufen würde. Aber sowas gibt es ja im Bezahlfernsehen nicht mehr und in Floris Schlagerzirkus gibt es für solche Songs keine Chance für einen Einsatz. Aber auch "Die tote Stadt", die es früher wegen Mangel an Lebensmitteln gab, durfte nicht fehlen. Heute gibt es alles, aber dafür haben wir heute andere Probleme, z. B. wie man sein Auto noch betankt und bewegt bekommt. Der 80er Klassiker "Wir heizen den Ofen" passte an diesem 20. Juni nun gar nicht zu den fast tropischen Temperaturen. An den Song muss ich immer denken, wenn bei einem Konzert jemand eher geht. Natürlich darf der Klassiker "Wunderkind" in so einem Programm nicht fehlen, denn es gibt auch heute noch Wunderkinder, die so manche in die Jahre gekommene Band mit ihrer Kreativität nebenbei am Leben erhalten. Da möchte ich aber keine Namen nennen. Zu den für DDR-Verhältnisse ziemlich rebellischen "Ich mache sowieso nur, was ich will" erzählte Amor, dass man ihn damals für das Video bei "Stop! Rock" so alt zurecht gemacht hat, wie er heute in Wirklichkeit aussieht. Auch ein grandioser Text, der heute sicher nicht mehr so machbar wäre.
Und gewissermaßen als musikalischer Höhepunkt des Abends kam der Überhit an sich an die Reihe: "Komm doch mit", der in der Mitte zwecks Vorstellung der Bandmitglieder kurz unterbrochen wurde. Diese Textzeile konnte sich eine Moderatorin im Nachmittagsprogramm des MDR nicht vorstellen. Es ging dabei um ein Musikquiz, bei dem Toni Krahl raten sollte. Der wusste natürlich besser Bescheid. Und um alle noch mal zu erinnern, welches musikalische Highlight sie gerade erlebt hatten, endete das Set mit dem eigentlich als Opener verwendeten Song "Amor & die Kids", der richtig für Stimmung sorgte, da die Band nochmal ordentlich losrockte und alles gab. Nach großem Jubel und Applaus und Rufen nach Zugabe musste die Band leider die Bühne räumen, da der Zeitplan des Festivals schon in Gefahr war. Die Festivalbesucher, die zum Teil wie wir extra aus Sachsen angereist waren, zeigten sich begeistert und beglückt vom Auftritt ihrer verschollen geglaubten Idole.
Während die meisten der Angereisten der Ü50-Generation angehörten, bewiesen auch zahlreiche jüngere Besucher vor Ort große Textsicherheit bei den überwiegend fast 40 Jahre alten Texten. Selbst mein Sohn Sebastian war bei Erscheinen der ersten LP noch gar nicht geboren, und er kennt sie auch aus dem Eff Eff. Wir alle feierten gemeinsam die Rückkehr einer Band, die für viele längst Kultstatus erreicht hat. Der Hüter des Erbes von Amiga, Jörg Stempel, war auch extra wegen Amor & die Kids in die brandenburgische Provinz gereist und war wie Wolfgang Martin vom Auftritt der Band begeistert. Ob der Auftritt auch Petra Schwarz begeisterte, die einst zu DDR-Zeiten die Platte verriss, ist hier nicht bekannt. Aber sie moderierte an beiden Tagen ja noch mehr Gruppen an, die sie in den 80ern in ihren Rezensionen nicht gut aussehen ließ. Warum ausgerechnet auf sie die Wahl fiel, einen der Moderatorenposten zu übernehmen, erschließt sich nicht nur mir in keiner Weise.
Leider konnten in der knappen Stunde nicht alle musikalischen Wünsche erfüllt werden. Deshalb kann sich der echte Fan mit hier im Text schon erwähnten limitierten LP des Labels ROKKfilm trösten, das am Tag des Konzertes erschien und vor Ort verkauft und signiert wurde. Auf weitere Live-Termine darf man nun ebenso hoffen, wie auf ein neues Album, das sicher kommen wird. So pfiffen es die Vögel in Neuruppin schon vom Dach.
Fotostrecke:
