lp18 20170103 1116642188 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"Aufruhr in den Augen reloaded"
PANKOW
BuschFunk
6. Januar 2017

CD 1:
1. Aufruhr in den Augen
2. Einsam
3. Langeweile
4. Straßenlärm
5. Marylin
6. Gib mir 'n Zeichen
7. Ich bin ich
8. Der Ausreißer
9. Du kriegst mich nicht
10. Ich bin bei Dir
11. Wieder auf der Straße

CD 2:
1. Neuer Tag in Pankow
2. Ich mach 'ne Liste
3. Ich wart' heut Nacht
4. Stille
5. Es gibt keine besseren Zeiten
6. Freitag
7. Die wundersame Geschichte von Gabi
8. Rock'n Roll im Stadtpark
9. Outro
10. Wetten, Du willst
11. Langeweile
12. Inge Pawelczyk
13. Komm, Karlineken, komm





Als man 1988 das Album "Aufruhr in den Augen" der DDR-Rockband PANKOW hörte, fragte sich selbst der im Westen geborene Musikfreund, wie so eine Platte produziert werden konnte. Dabei war nicht von der musikalischen Qualität die Rede, mit der die Scheibe natürlich auch besticht, sondern eher von den Inhalten. Zu dieser Zeit war man in der BRD vom deutschen Pop und Rock schon nicht mehr ganz so gefordert, es sei denn, man hörte Mitteregger oder Reiser. Ansonsten gab es eine ganze Menge Kuschel-Wuschel-Kram, mit dem der frisch geföhnte und gegelte Popstar West nirgendwo richtig aneckte. Diese Erscheinungen der Zeit gab es auch in der DDR-Musikszene. Und dann entdeckt man einen Song wie "Langeweile", mit dem die Kapelle in der Sendung "3 nach 9" im West-Fernsehen auftrat, und der in seinem Inhalt so offenkundig viele Stellen hat, an denen sich die Polit-Größen des damals noch existierenden Arbeiter- und Bauernstaats die Köpfe stoßen konnten, und die hier gut verpackt sind aber dennoch deutlich hervorstechen. Wie war das möglich, dass den Zensoren sowas durchgerutscht war? Gerade der Auftritt bei "3 nach 9" hatte Folgen, nachdem sich Herzberg auf die Interview-Frage, wer denn da mit den im Text des Songs auftauchenden alten Männern gemeint sei, nicht klar positionierte. Allerdings entpuppten sich die Folgen damals wohl eher als laues Lüftchen als einschneidende Konsequenzen. Das Album insgesamt ist ein fettes Brett und für meinen Geschmack eins der geilsten Alben aus dem Bereich Deutschrock. Musikalisch klingt es widerborstig, melancholisch, bewegt, aufwühlend, sogar poppig und ein Stück weit auch pathetisch, aber allen voran absolut zeitlos. Lieder wie "Straßenlärm", "Wieder auf der Straße" oder "Gib mir 'n Zeichen" sind waschechte Rocksongs, bei denen man schon ziemlich taub oder weit weg von irgendwelchen Gemütsbewegungen sein muss, sollten sie einen nicht erreichen und kräftig durchschütteln. Die Herren Herzberg, Ehle und Dohanetz, die damals schon bei den Aufnahmen des Albums zu PANKOW gehörten, hatten knapp 30 Jahre später eine spannende Idee, nämlich die Platte aus heutiger Sicht nochmals und ohne Stecker, also akustisch, neu aufzunehmen. Ohne dabei perfekt sein zu wollen und mit dem Antrieb, die Seele der Lieder durch die akustische Spielweise offen zu legen. Darum tat man dies im November 2016 bei zwei Konzerten in Berlin - LIVE!

Zum Konzert und dazu, wie die Lieder in der neuen Fassung klingen, muss und möchte ich an dieser Stelle gar nicht viel schreiben, denn das hat mein Kollege und Kumpel Torsten Meyer schon sehr gut in seinem Konzertbericht gemacht. Diesen findet Ihr HIER. Wohl möchte ich aber etwas zum Sound der Doppel-CD sagen, der sehr ansprechend und ausgesprochen gelungen aus den Boxen der Anlage weht. Jörg Surrey, der den Mix und das Mastering für das Album übernommen hat, hat hier ganze Arbeit geleistet. Die eingefangene Live-Musik auf der Scheibe klingt satt und warm. Die Songs haben allesamt einen ordentlichen Bumms und einen glasklaren Klang. Einzelne Nuancen innerhalb der Stücke und auch Herzbergs oder Ehles Gesang (incl. dem Background-Gesang) sind problemlos zu verstehen. Das Album ist - wie auch schon die beiden Konzerte - in zwei Teile getrennt. Während uns auf der ersten CD das eingangs erwähnte Album "Aufruhr in den Augen" im neuen Klanggewand präsentiert wird, befindet sich auf dem zweiten Silberling der rockige und "eingestöpselte" Teil der Berliner Muggen. Hier spielen die Herren von PANKOW mit ihren Gästen Boddi Bodag und André Drechsler eine Mischung aus Klassikern und Songs des aktuellen Studioalbums "Neuer Tag in Pankow" - auch hier macht der perfekte Sound beim Hören eine Menge Spaß. Verpackt ist das Ganze in einem aufklappbaren Digipak mit Zeichnungen, die an das Original-Album von 1988 anknüpfen. Im beiliegenden Booklet gibt es noch einen erklärenden Text zum Werk und diverse Fotos, u.a. von meinem Deutsche-Mugge-Kollegen Thorsten Murr. Ein rundherum gelungenes Gesamtpaket, auch wenn in der Titelliste ein unübersehbarer Fehler steckt.

Es gibt nicht viele Rockbands aus unserem Land, in der soviel Blues und Seele steckt, wie bei den Berlinern. Gerade auf dieser Live-Doppel-CD kann man das ganz wunderbar heraushören, was PANKOW gerade jungen Bands voraus hat und was sie - trotz kommerzieller Erfolge des Nachwuchses - um Klassen besser sein lässt. Das neue Jahr fängt richtig gut an, nämlich mit dieser Veröffentlichung.
(Christian Reder)




   
   

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