Am Samstag Abend schaue ich - wenn im Programm - sehr gerne Krimis. Vor zwei Wochen sollte um 20.15 Uhr im ZDF auch ein Krimi laufen, aber durch die Ereignisse im japanischen Fukushima verschob sich das alles um 15 oder 20 Minuten. Nicht dass mir diese Ereignisse nicht nahe gehen, aber ich höre mehrmals am Tag Nachrichten, schaue mir außerdem auch Nachrichtensendungen im Fernsehen an und mein Bedarf an Informationen an diesem Tag war gedeckt. Ich schaltete also die Fernsehprogramme durch und im RBB-Fernsehen lief eine Schlagershow. Moderiert wurde sie von Madelaine Wehle und Carlo von Tiedemann. Nicole sang gerade "Ein bisschen Frieden", und danach zeigten die beiden Moderatoren ein Plattencover, auf welchem fünf Kopfe mit irgendwelchen Tiermasken zu sehen waren. Auf der Rückseite waren dann die tatsächlichen Gesichter derjenigen zu sehen, welche sich hinter den Masken verbargen, fünf dunkelhäutige Männer, die Anfang der 70er Jahre mit einigen Titeln in den Hitparaden vertreten waren.
Die Band heißt Soulful Dynamics und ihr erster großer Hit im Jahre 1970 hieß "Mademoiselle Ninette". Ich kann mich an diesen Hit noch sehr gut erinnern. Damals war ich bei der Fahne und Westfernsehen war mir auf Grund der Lage meines damaligen Wohnortes ohnehin nicht möglich (es gab nicht nur
ein "Tal der Ahnungslosen"). Ich glaubte, bei Soulful Dynamics handelt es sich um irgendeine Band aus England oder den USA, wahrscheinlich Typen mit langen Haaren, wie es damals üblich war. Jahre später sah ich in einer Jugendsendung des DDR-Fernsehens (ich glaube, das war schon "Rund") die Soulful Dynamics und stellte fest: Die sind ja schwarz! Außerdem trugen sie lange afrikanische Gewänder und sangen "Coconuts from Congoville". Man erfuhr dann auch, dass die Gruppe aus Liberia stammt. Sie kamen 1970 nach Hamburg, wo sich der Rattles-Bassist Herbert Hildebrand ihrer annahm, sie produzierte und ihnen Titel schrieb. Wenig später nach dem Auftritt im DDR-Fernsehen gingen die damals vier Musiker sogar auf Tour durch die DDR.
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So hatte ich die Möglichkeit, diese Band einmal live zu erleben. Es muss 1973 oder '74 gewesen sein, da gastierten sie im damaligen Kulturhaus der Neptunwerft in Rostock. Wie gesagt, es waren nur vier Musiker, auf besagter LP waren fünf zu sehen, und in der Fernsehsendung neulich waren es - glaube ich - sogar sechs oder sieben. An die Vornamen erinnere ich mich auch noch, die lauteten Andy, Manfred, Benjamin und Emanuel. Ich glaube, Andy spielte Bass und sang, Manfred spielte Gitarre und bei einigen Titeln Bass, Benjamin saß am Schlagzeug und Emanuel an der Hammondorgel. Das Programm der Gruppe bestand natürlich auch aus ihren bekannten Titeln "Mademoiselle Ninette", "Birdie", "Saah-Saah-Kumba-Kumba" und "Coconuts from Congoville", sowie anderen Titeln im gleichen oder ähnlichen Stil. Das Konzept der Band lautet ja wohl - lustige Popsongs vom schwarzen Kontinent. Es gab keine langen Solis, trotzdem konnte jeder Musiker mal zeigen, was er so kann. Eine ausgeklügelte Lichtshow mit Stroboskop-Effekten u.ä. unterstrich das Ganze und überhaupt, es sprudelte jede Menge afrikanisches Temperament aus den vier Musikern. So war es auch selbstverständlich, dass am Ende noch Zugaben gefordert wurden.
Wenige Wochen nach diesem Act sah man dann Soulful Dynamics im "Kessel Buntes" des DDR-Fernsehens. Dort ließ man sie neben "Mademoiselle Ninette" noch "Paloma Blanca" singen, einem damaligen Gassenhauer der holländischen George-Baker-Selection. Dieser Titel mit den Soulfuls im Kessel empfand ich als echten Flop - hätte man sie doch noch einen ihrer eigenen Hits spielen lassen. Später hörte man kaum noch etwas von Soulful Dynamics, um so erstaunter war ich, dass es die Band auch heute noch gibt.