40 JAHRE PUHDYS - (m)eine lange Reise
Bernd hatte manchmal auch einen Fotoapparat mit und bei solch einer Gelegenheit fotografierte er die PUHDYS mit ihrem alten Wolga vor dem Kulturhaus Plessa: Udo Jakob, Peter Meyer, Herbert Dreilich und Harry Jeske. Beim nächsten Tanz mit der Gruppe ließ er sich das Foto signieren. Dies ist sicher eines der wenigen Fotos aus jener Zeit (mit Autogrammen plus Auto), das ein Fan gemacht hat. Es gibt wohl zwei oder drei Kopien. Das Foto entstand zu einer Zeit, als Dieter Birr noch bei den LUNICS spielte. Dieter Hertrampf, der eigentlich Gitarrist der PUHDYS war, spielte aus privaten Gründen bei der Berliner Band TEISCO. Man darf vermuten, daß die Auftritte von TEISCO auf den Berliner Raum beschränkt blieben. In jener Zeit habe ich die PUHDYS mehrmals und in wechselnden Besetzungen bei Tanzauftritten hier in Elsterwerda und Plessa erlebt, an Konzerte war noch nicht zu denken. Elsterwerda war damals, neben dem Zollhaus in Ruhland und anderen "Schuppen", so etwas wie eine heimliche Beat-Hochburg. Dort habe ich sie alle erlebt: Theo Schumann. Uve Schikora, die Sputniks, Stern-Combo Meissen, die Berolina Singers, Renft, Herfter, Kotowski, Modern Soul und eben auch die PUHDYS. Man spielte, was international aktuell war und was alle spielten. Manchmal auch die englischen Hits mit eigenen deutschen Texten. Uve Schikora spielte z.B. von den ZOMBIES "She's Not There" und Theo Schumann von den Stones "The Last Time" ("Das kann doch nicht wahr sein"). Nachdem Meinungsunterschiede in der Band immer größer wurden, stieg Udo Jakob bei den PUHDYS vom Schlagzeughocker und machte diesen für Gunther Wosylus frei. Der Weg des stets rastlosen Ex-Puhdy führte zur neu formierten Band PANTA RHEI, einem Schmelztiegel unterschiedlicher Talente - Swillms, Protzmann und Dreilich kamen von den ALEXANDERS, die Sängerin Veronika Fischer kam von FRED HERFTER bzw. der STERN COMBO MEISSEN. Bei PANTA RHEI saß Udo Jakob abwechselnd mit Frank Hille noch ab und an am Schlagzeug, fand aber letztlich seine Erfüllung als Manager, sprich organisatorischer Leiter. In dieser Eigenschaft trommelte er 1973 das einmalige Projekt ALL STAR BAND '73 für eine Konzertreise zusammen, lange ehe so etwas wie die GITARREROS möglich wurden. Die PUHDYS hatten im Frühjahr 1969 ihre Idealbesetzung gefunden, Hertrampf war zurück und Birr hinzu gekommen: Meyer, Jeske, Birr, Hertrampf & Wosylus. So formiert stand die Band am 19. November 1969 auf der Bühne des Freiberger TIVOLI. Dieser Tag gilt seither als ihre "Geburtsstunde" und das TIVOLI unter Fans als "Kreissaal" der PUHDYS. Der Rest ist bekannt und soundsoviel Mal beschrieben worden. Im Jahre 1973 kaufte ich mir die erste Single "Ikarus/Sommernacht", da war die "Tür zur Stadt" schon wieder zu und die ersten Hits im Rundfunk gelaufen. Als die erste LP 1974 kam, war sie weiter nichts, als eine Zusammenstellung dieser Rundfunkhits. 1978 habe ich aus einer Laune heraus an der Umfrage zum Interpretenpreis der Jugendzeitschrift NEUES LEBEN teilgenommen und gewonnen. Das besondere daran war, daß die Preisverleihung am meinem 29. Geburtstag in Berlin stattfand. Es kommt nicht so oft vor, an so einem Tag persönliche Widmungen auf Platten-Cover zu bekommen: PUHDYS, Vroni Fischer, Holger Biege, Engerling. In den Folgejahren konnte ich viele Bands der DDR für meine/unsere Konzertreihe ROCK-MIX in Elsterwerda und Plessa gewinnen und viele persönliche Wünsche, von BAYON, über LIFT bis zu KARUSSELL, sind dabei Wirklichkeit geworden. Ein Konzert mit den PUHDYS zu organisieren, blieb mir aus Termingründen stets verwehrt. Mein nächstes herausragendes Konzerterlebnis, nun bereits mit Klaus Scharfschwerdt von PRINZIP kommend als Drummer, erlebte ich am 21. Februar 1983 anläßlich der Werkstattwoche der Jugendtanzmusik in Suhl. Die LP "Computerkarriere" war erschienen und entsprechend war das Konzert ausgerichtet: "Computermann", "TV-Show" und das Wishful Thinking-Cover "Hiroshima". Damals natürlich auch im Programm Hits wie "Melanie" und "Alt wie ein Baum". Auffallend war allerdings die Professionalität, mit der die Show ablief und wie die sich kreuzenden "fliegenden Gitarren" bei anwesenden Musikerkollegen Staunen hinterließen. Im Suhler Musikantenklub wurde diese Nummer spätabends von POSSENSPIEL mit Gummigitarren parodiert, und nicht nur deswegen waren die Berliner Ulknudeln für mich die eigentliche Entdeckung der Suhler Werkstatt. Als die PUHDYS 1988 nach 20 Jahren öffentlich über ihren Rückzug nachdenken und sich "auflösen", ist die Geschichte der Band für mich in trockenen Tüchern, zumal die 86er LP "Ohne Schminke" eine farblose Plattenveröffentlichung war - die Luft schien offensichtlich raus! Die Wendemonate 1989/90 taten ihr übriges. Inzwischen hatte ich mich damit beschäftigt, meine Vinyl-Sammlung mit fehlenden internationalen Raritäten aufzufüllen. Kein Gedanke an Ostrock, an PUHDYS schon gar nicht. Als mir beim Stöbern irgendwann eine neue PUHDYS-LP in die Hände kam, war ich eher verwundert als erfreut. Weil der Preis stimmte, hab' ich das Vinyl mitgenommen. Die LP "Wie ein Engel" gilt für mich im Nachhinein, als die letzte wirklich gelungene und in sich geschlossene Einspielung der Band. Das mag an der Ruhepause und auch an den Zeiten gelegen haben, die voller Anregungen und Widersprüche waren. Genau das macht noch einmal den Reiz der Scheibe in Text und Musik aus und zeigt, welches Potential in der Gruppe steckte. Diese LP-Produktion ist mit "Keine Angst" von CITY durchaus vergleichbar, genau so frech und bissig sowie ohne Modeschnörkel. In dieser Zeit erlebte ich die PUHDYS noch einmal live zum Inselfest im benachbarten Frauenhain. Nach dem Konzert bin ich enttäuscht nach Hause gefahren, neue PUHDYS-CD's ließ ich in den Regalen stehen. Mitte der 90er hatte ich meinen persönlichen Schlußpunkt gesetzt und alles, was mir danach von ehemaligen DDR-Bands zu Ohren kam, hat mich, von Ausnahmen mal abgesehen (z.B. die CD "SACHSENDREIER" von 1999), viele Jahre nicht wirklich berühren können - "Aus und vorbei" ! Selbst Harry Jeske hatte inzwischen seinen Baß in die Ecke gestellt und sein Alters-Zelt auf den Philippinen aufgeschlagen. Peter "Bimbo" Rasym, ehemals STERN-COMBO MEISSEN, hatte das Zupfen der vier Saiten übernommen. Aber wie schon Altmeister Bob Dylan sang: "The Times They Are A-Changing" - Zeiten ändern sich! Seit knapp drei Jahren bin ich nicht nur dabei, sondern aufgrund einiger Zufälle wieder mittendrin. Die Musik meiner Jugend ist inzwischen d i e eigentliche Entdeckung für mich und offensichtlich für viele andere auch. Ihr Wert liegt noch immer im hohen Identifikationspotential. Da blieb es nicht aus, auch wieder vor einer Live-Rampe der alten Herren um "Maschine" Birr zu stehen. So geschehen im Sommer des Jahres 2008 in Großkoschen. Wenn man sich dabei nicht ständig den verkrampften Vergleich zu Queen und Co. selbst vor die Nase hält und meint, Zwiebeln mit Bananen vergleichen zu müssen, kann man sich auch über ein gelungenes PUHDYS-Konzert freuen. Der gemeinsame Spaß zählt! Ich meine, man muß nicht zwingend PUHDYS-Fan sein, um "Alt wie ein Baum" oder "Das Buch" zu verstehen und zu mögen. Diese und andere Songs haben die Jahrzehnte überdauert und sind, wie andere Lieder aus jenem Land auch, brandaktuell, ehrlich und von besonderem Reiz. Wer noch immer mit seiner Musik Hunderte in seine Konzerte lockt und nicht ständig nach den Verlockungen des Business schielt, sollte Achtung verdient haben. Die "Spielregeln" sind heute andere, sicher, dennoch kann man ein Konzertpublikum und CD-Käufer auf Dauer nicht mit schaler Kost etwas vorgaukeln. Jeder, der 2009 auf 60 Lebensjahre und mehr zurückblicken kann, weiß, daß 40 Jahre davon ein gutes Stück Arbeit und bewältigte Leistung sind. Da fällt mir nur ein, aufrichtig und ehrlichen Herzens GLÜCKWUNSCH zu sagen. Auch in meinem Leben ist nicht alles glatt gelaufen und mein Weg bis hierher war alles andere, als eine einzige Zielgerade! Und wer weiß, vielleicht kaufe ich mir ja auch mal wieder eine neue PUHDYS-CD, der "Wilde Frieden" steht inzwischen schon im Regal. Für ein weiteres neues "ABENTEUER" bin ich auch mit knapp 60 noch lange nicht zu alt, es sei denn, meine Träume würden sterben. Erinnerungen im Bild: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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