Für den Träumer in uns - für John Lennon




Die Tränen sind noch lange nicht getrocknet, auch nicht meine, und jener 8. Dezember vor 30 Jahren im Jahre 1980 ist auch nicht vergessen. Als ich die Nachricht damals im Radio hörte, habe ich geweint, wie selten in meinem Leben, denn JOHN LENNON war gerade erschossen worden.

Wer dieser JOHN LENNON war, kann ich nicht sagen. Er ist mir nie begegnet, ich habe nie mit ihm gesprochen und ihm nie die Hand gereicht. Auch ein Live-Konzert zu besuchen war mir, dank politisch motivierter Grenzen und Mauern, nie vergönnt.
Aber dieser LENNON hat zu mir gesprochen. Er tat dies seit Mitte der 60er Jahre bis zu seinem Tod. Jeden Tag und so manche Nacht. Er sagte mir Sätze wie "Ich möchte deine Hand halten" oder "Leben ist leicht, wenn du die Augen schließt" ("Strawberry Fields Forever") und er sprach mir aus der Seele mit den Worten "Vielleicht bin ich ein Träumer, aber ich bin nicht der einzige" ("Imagine"). Darin fühlte ich mich aufgehoben, beschützt und vereint mit vielen anderen. So etwas hatte bei mir vorher keiner geschafft.

Zusammen mit Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr nannte er sich THE BEATLES, und von da an war keine geografische oder politische Grenze, keine ideologische Maurer und kein jugendliches Hirn mehr vor den vier Pilzköpfen sicher. Für Momente glaubten wir, die Weltrevolution hätte begonnen und wir wussten, ein musikalischer Umbruch war gerade im vollen Gange - mit uns mittendrin. Nichts konnte uns aufhalten, kein Lehrer, nicht die Eltern, kein Friseur und auch nicht Walter Ulbricht. Es war einfach passiert und man konnte es akzeptieren oder nicht. Die Beat-Musik war trotzdem da und die BEATLES waren allgegenwärtig.

Später, als es die BEATLES als Band nicht mehr gab, sangen wir mit JOHN LENNON und seiner PLASTIC ONO BAND gemeinsam "Gebt dem Frieden eine Chance" und gleichzeitig wussten wir, dass es so nicht gehen würde. Indem JOHN uns von seinem Leben erzählte, fand so mancher Antworten für sein eigenes. Songs wie "Imagine" sprachen mir aus dem Herzen und mit "Mother" hat er meine Seele berührt. Obgleich er sicher ein Träumer war und diese Träume auch besang, schaffte er es immer wieder, unseren Blick für die nackte Realität überall auf der Welt zu schärfen. Vielleicht ist "Sometimes In New York City" sein Meisterwerk, aber auf jeden Fall ist "Luck Of The Irish" einer meiner Lieblingssongs.

Was war ich glücklich, als 1980 "Double Fantasy" erschien und statt einer schwermütigen Glocke, wie noch beim langen Ausklang von "Mother", ein leicht beschwingtes Glöckchen am Beginn von "(Just Like) Starting Over" erklang. LENNON war wieder da und hatte uns ein wunderschönes Album mitgebracht. Meine Musikwelt hätte nicht schöner sein können!

Am Abend es 8. Dezember 1980 war auch meine Welt eine andere und ein Traum von "Love & Peace" ausgeträumt. Spätestens damals wurde mir bewusst, dass manchmal auch Träume sterben würden, wenn man sie nicht weiter lebt - und deshalb bin auch ich ein Träumer geworden und einer geblieben. Ein Träumer von einer besseren Welt und einer "Brotherhood Of Men" darin. Genau wie JOHN LENNON "but I'm not the only one" sang, weiß auch ich mich mit vielen anderen in diesen Träumen eins und verbunden.

JOHN LENNON ist tot, aber seine Träume leben weiter. In mir, in dir, in meinen Kindern und unseren Kindern und in uns allen, wenn wir es nur wollen. Dann, so hoffe ich, wird auch "Imagine" kein Traum mehr sein.





Singles "Made in GDR"


"Ain't She Sweet" (Vers. 1) - 1965

"Ain't She Sweet" (Vers. 2) - 1965


"Sweet Georgia Brown" - 1965

"It Won't Be Long" - 1965


e.p. "Elton John & John Lennon"
(Amiga Quartett) - 1981