|
Bei den Dreharbeiten zu den Videos der Band "Heilig" (Regisseur Hanns Christian Müller)
Nicht gerade zaghaft geht Müller in dem Video zu "Apfelbam" mit der Geistlichkeit um: "Gott" löst sich sang- und klanglos in Rauch auf, sobald er nach seiner Existenz gefragt wird, und der "Papst" hat zwar keinen Pferdefuß aber dafür rote Stilettos unter seinem Gewand. "Kann es wirklich sein, dass Gott so kleinlich war, Adam und Eva nur wegen des einen Apfels aus dem Paradies zu vertreiben?", so der Text. "Apfelbam" ist eines der fünf Videos, das Müller mit der Band in und um München gedreht hat. Die Musiker und der Regisseur sind füreinander keine Unbekannten: Vor einigen Jahren produzierte Müller bereits das buchstäblich bissige Video zu "Pit", einem sarkastischen Song über Kampfhunde und ihre Besitzer. Jetzt geht es um fünf Titel der neuen CD, "Kapitel drei". Unterschiedlicher könnten die gar nicht sein - behandelt werden existenzielle Fragen, rasende Eifersucht, der ganz normale Wahnsinn und der "Herz-Schmerz", wenn man sich sehnsüchtig nach dem geliebten Objekt verzehrt.
Beim Drehen hat Hanns Christian Müller die Sprunghaftigkeit eines Schachtelteufels. Er sitzt oder steht keine Minute still, geht mal mitten in die Szene hinein, zeigt dem "Papst" - Gast-Musiker Ron Evans - wie er die Gitarre halten soll oder in welcher Formation die Band-Mitglieder auf der Bühne stehen müssen. Ein anderes Mal betrachtet er die Szenerie, wie in Großaufnahme von weitem, um sich ihr dann im Laufschritt und wild gestikulierend wieder zu nähern. Durch die Kamera schauen so profilierte Fachmänner wie James Jacobs und Wolfgang Seibert. Falls es in einem Musikvideo so etwas wie eine Hauptrolle gibt, hat sie Sänger Pauli Paulitsch. Um ihn herum sind die Geschichten aufgebaut, er ist Mittelpunkt sämtlicher Clips. Schon nach ein paar Minuten staunt man, wie gefühlvoll der Österreicher aus der Steiermark die Texte darstellerisch umsetzt. Bei "Wos host g'macht", einem Song über einen betrogenen Liebhaber, möchte man ihm lieber nicht als die Schuldige gegenüber stehen: Die Augen funkeln wie einem blind-wütigen Dämon, man hat den Eindruck, er explodiere gleich. Ganz anders wirkt Paulitsch in dem Liebessong "Herzschmerz". Mit traurig-verlorenem Blick irrt er durch Schwabinger Kneipen, leere Parks und in U-Bahn-Schächte - immer auf der Suche nach der Geliebten, deren Namen er nicht einmal kennt. Und bei "Des liegt net an mir", einem ironischen Stück über einen selbstmitleidigen Typ, der ständig zu spät kommt und den deshalb das Leben bestraft, überkommt ihn auf Regie-Anweisung ganz einfach der Wahnsinn - er wird in eine Zwangsjacke gesteckt.
Ein Happyend gibt es nicht in allen der fünf Clips: In einem braust die Freundin dem Sänger im knallroten Nobel-Sportwagen mit dem Gitarristen Wiggi davon, und in "Mama" ist die Mutter nicht gerade begeistert davon, dass der verlassene Sohnemann mit dem Koffer vor der Tür steht. Aber in "Herzschmerz" wird die Geduld und ausdauernde Suche nach der Geliebten schließlich belohnt: Sie gibt dem sehnsüchtig Wartenden ihre Telefonnummer. Von der Band "Heilig" bisher erschienen sind die CDs "Die Erste" und "Scheinheilig". "Kapitel drei" ist kürzlich auf den Markt gekommen. Als DVD darauf zu sehen sind die fünf Video-Clips. (Astrid Dornbrach) Bitte beachtet auch: - Die offizielle Homepage der Band: HIER klicken - Plattenbesprechung zu "Kapitel III": HIER klicken. |