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JOE COCKER in Dresden - "KEINE GEWALT!" - eine AUSSTELLUNG, 21.7.2009
Am 23. November 2008 habe ich im "Puhdys-Forum" und bei der "Deutschen Mugge" einen Beitrag veröffentlicht und betitelte ihn mit "Woodstock war in Dresden". Darin beschrieb ich meine Erinnerungen an jenes legendäre Konzert, das Joe Cocker am 2. Juni 1988 vor rund 85.000 begeisterten Fans im "Großen Garten" von Dresden gab. Reichlich 20 Jahre waren seither vergangen, Grund genug für mich, meine Erinnerungen in Worte zu fassen und sie mit ein paar Fotos und Belegen von damals garniert zu veröffentlichen. So etwas wie "friedliche Revolution" oder "Wende" hatte ich beim Schreiben nicht im Hinterkopf. Mir ging's um den einmaligen und schönen Moment, den ich mit Freunden erleben durfte, und um ein Konzert, das so nicht zu erwarten war. Eine politische Dimension wurden mir erst danach bewußt, denn so ein Konzert war zu DDR-Zeiten kein normales Ereignis, schon gar nicht in dieser Größenordnung. Da mußten schon gravierende Dinge passiert sein, wenn FDJ- und Staatsführung in den letzten Monaten der Jahre 1988/89 plötzlich Dinge zuließen, die sie bis dahin als westlich dekadent verteufelt hatten. Irgendwann zum Ende des vergangenes Jahres bimmelte mein Telefon und eine freundliche Frauenstimme fragte mich, ob ich derjenige wäre, der das geschrieben hätte. Ich war mir keiner Schuld bewußt und bestätigte die Anfrage positiv. Die Frauenstimme erklärte mir, sie würde im Stadtmuseum Dresden arbeiten und dort wäre eine Ausstellung zum Thema Wende, friedliche Revolution in Dresden und einiger Ereignisse im Umfeld in Vorbereitung. Dieses Konzert im "Großen Garten" würde man in diesem Zusammenhang sehen, und die Frauenstimme fragte mich, ob ich bereit wäre, die Originale dafür zu Verfügung zu stellen. Oups! So viel zum Thema Internet, Google und Beiträge, die man so schreibt. Was vielleicht keiner glaubt, ich war sehr skeptisch, eigentlich sogar ablehnend. Wir haben ausgiebig telefoniert und schließlich bin ich am 12. Januar dieses Jahres zu einem Treffen nach Dresden gefahren, um mir ein Bild der Frauenstimme und einen Eindruck vom Konzept der Ausstellung zu machen. Die möglichen Exponate hatte ich zur Besichtigung mit und bin danach wieder mit ihnen nach Hause gefahren. Skeptisch war ich danach noch immer und wollte mich aufgrund gemachter Erfahrungen, für welchen Zweck auch immer, nicht mehr "vereinnahmen" lassen. Es gibt auch weniger schöne Erinnerungen von früher, über die ich nicht gern spreche.
Gestern, am 21. Juli, war nun die Eröffnung der Ausstellung und jeder wird sich vorstellen können, daß ich neugierig, aber auch mit gemischten Gefühlen kurz vor 19.00 Uhr vor dem Haupteingang des Stadtmuseums stand. Dort, wo ich beim Vortrag von KUNO zum Thema "Parallelwelten & Nischen in der DDR" noch den Seiteneingang benutzen mußte. Was würde mich erwarten? Wie würde ich das Cocker-Konzert und die Exponate präsentiert vorfinden? Wie würde das alles auf mich (und andere) wirken? Zunächst einmal fanden wir uns im riesigen Foyer, das sich über zwei Stockwerke nach oben zieht und schon gut gefüllt war, wieder. Möglichweise waren es 300 geladene Gäste, die unten im Foyer sitzend und bis in den zweiten Stock auf den beiden Treppen stehend, die Eröffnung erwarteten. Auch einige durchaus prominent zu nennende Gesichter konnte man entdecken. Die Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden, Helma Orosz, war die erste, die sich an die Anwesenden wandte. Danach wurde ein Grußwort von Vaclav Havel, dem Tschechischen Staatspräsidenten a.D. verlesen und Dr. Holger Starke, Kurator des Museums, gab als letzter Redner eine kurze Einführung zum Ereignis. Danach gingen auch wir nach oben, um uns das Ergebnis der monatelangen Vorbereitungen anzusehen. Was man dann dort zwischen engen symbolhaften Mauerwänden, in die viele Exponate gekonnt eingearbeitet sind, und bei zumeist düsterem Schummerlicht zu sehen bekommt, löst Aha-Effekte und Rückbesinnung aus. Es ist aber auch Beklemmung, die einen leise beschleicht, wenn man sich bewußt wird, wo und wie wir vor 20 Jahren und mehr gelebt haben, fröhliche und angenehme Erinnerungen, glückliche Momente und ein freundliches Umfeld eingeschlossen. Manchmal kam mir ein leises Lächeln, wie bei Honni's Pelzmütze, aber auch Ernüchterung bei dem Blick auf Exponate, die auch weniger angenehme Erinnerungen weckten. Diese eigenartige Beklemmung war meist allgegenwärtig und machte auch vor dem eigenen Exponat nicht halt. Die kleine Glasvitrine, in der ich dann einen Teil meiner Cocker-Erinnerungen fand, empfinde ich natürlich als besonderes Kleinod und ein wenig Stolz kann ich auch nicht verleugnen. Im Umfeld der Ausstellung, zwischen Mauerattrappen und im düsteren Licht, gehen die Gedanken zumeist einen Schritt über das eigene Erlebnis und die eigene Erfahrung von damals hinaus, nicht nur beim Cocker-Konzert. Den detaillierten Blick in die äußerst gelungene Exposition verkneife ich mir an dieser Stelle und empfehle dem geneigten Leser statt dessen den Gang durch die Räumlichkeiten im Dresdener Stadtmuseum am Pirnaischen Platz. Der eine wird sich in vielen Details wieder finden und ein anderer, jüngerer vielleicht, wird staunend davor stehen und auch möglicherweise ungläubig den Kopf schütteln. Erinnerungen an Vergangenes sind wichtig, um sich im Heute verantwortungsvoll bewegen zu können. Ich selbst hatte in der DDR eine zumeist glückliche und sorgendfreie Kindheit und Jugend, Dank meiner Eltern und Dank eines angenehmen sozialen Umfeldes. Die Unzulänglichkeiten, Eingrenzungen und auch Einschüchterungen, die man zuweilen vergessen hatte, waren gestern wieder da und diese Erfahrungen gehören natürlich auch zu meinem Leben, ungeachtet aller schönen Momente und Erinnerungen. Ein großes Dankeschön all jenen, die die Ausstellung erarbeitet haben und sicher einen hohen Aufwand betrieben. Mein ganz persönlicher Dank gilt Constanze Treue, der freundlichen Stimme, die nicht locker ließ und so letztlich mein persönliches Deja Vu in Form einer Cocker-Vitrine wahr werden ließ. Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere aus diesem Forum sowie Besucher unserer Seiten den Weg in das Stadtmuseum und in die Ausstellung finden würde. Es lohnt, denn diese Exposition ist derzeit einzigartig in Deutschland, und vielleicht sind auch ganz persönliche Erinnerungen zu entdecken, die kleine Vitrine mit den Erinnerungsstücken an JOE COCKER 1988 in Dresden natürlich eingeschlossen. Foto Impressionen: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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