Die BeeGees 1968 in Hamburg

 

Bericht: Robert Günther
Fotos: Robert Günther

 

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Bonbonwerfen mit den Bee Gees

Stimmen wie Eunuchen, Frisuren wie Sturzhelme und trotzdem Sexsymbole: Als die BeeGees 1968 nach Hamburg kamen, war Fotografenlehrling Robby Günther ganz dicht dran. Er durfte sogar auf die Bühne - und machte Bilder, die die Stars ganz ungekünstelt zeigen.

Die BeeGees - das war eigentlich nicht so richtig meine Musik. Ich stand damals mehr auf die Beatles und die Stones und auf Hendrix; die Eunuchenstimmen der Gebrüder Gibb rockten nicht gerade besonders. Aber als ich sie dann im Januar 1968 kennenlernte, war das aber doch eine ziemlich aufregende Sache.
Ich war Fotografenlehrling bei einer Hamburger Presseagentur, gerade 18 Jahre alt. Die Agentur hatte ihre Räume im Pressehaus am Domplatz in Hamburg, in dem die meisten Hamburger Blätter residierten, damals auch noch der SPIEGEL. Dort saß auch die Redaktion der "Hamburger Morgenpost", die die BeeGee-Tournee wohl sponserte oder sonst irgendwie beteiligt war. Jedenfalls sollte damals, Anfang 1968, in den "MoPo"-Räumen eine Pressekonferenz mit den Popstars stattfinden.
Viele kennen die BeeGees hauptsächlich aus der Zeit von "Saturday Night Fever", als sie für den Soundtrack des gleichnamigen Kinohits von '78 mit John Travolta ein paar Songs beisteuerten, die zu absoluten Superhits wurden: "Stayin' Alive", "Night fever" oder "How Deep is Your Love". Dabei waren Robin, Maurice und Barry da schon seit über zehn Jahren Weltstars - ihr Schmusehit "Massachussetts" war Ende 1967 auf Platz 1 der britischen wie der US-Charts geschossen.

Blumen für die BeeGees, Bonbons für die Fans

Kurz darauf, am 21. Januar 1968, kamen die drei Brüder nach Hamburg. Ein Konzert gaben sie da nicht, es sollte nur eine Signierstunde in den Räumen der "MoPo" stattfinden. Tausende von Jugendlichen drängten sich also am Nachmittag auf dem Domplatz, um ein Autogramm oder wenigstens einen Blick auf ihre Stars zu erhaschen. Natürlich ging ich auch die paar Treppen von der Fotoagentur runter zum MoPo-Foyer, um mir das anzusehen. Meine Kamera nahm ich mit, klar.
Für heutige Verhältnisse lief alles ziemlich geordnet ab. Die BeeGees standen hinter einem langen Tisch und kritzelten ihre Unterschriften auf Poster, Karten oder Plattencover. Robin, schon damals der Liebling der weiblichen Fans, bekam von zwei Mädchen langstielige Rosen überreicht. Sicherheitsleute gab es nicht, die berühmten Popstars und ihre Fans standen sich direkt gegenüber, getrennt nur durch einen schmalen Tisch.
Wie es so ist im jugendlichen Leichtsinn, spielte ich mich in den Vordergrund um vielleicht die Aufmerksamkeit der Stargäste zu erregen - was bestens klappte. Die BeeGees signierten gerade einen Stapel von Tageszeitungen, Maurice hatte dabei lässig eine Zigarette aus dem Mund hängen. "Hello" rief ich, und schon schaute Robin in meine Leica-Kamera. Ich drückte natürlich sofort auf den Auslöser. Dann standen da Bonbontüten, die verschenkt werden sollten. Ich hab mir wohl mindestens ein Kilo in die Taschen gestopft; es war damals ärmlich, meine Mutter kam aus dem Schwarzwald und hatte nicht viel. Dann warf ich Bonbons unter die Fans. Da war dann mächtig was los, ich hatte die Aufmerksamkeit für mich.

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Vom Winde verwehte Autogrammkarten

Nachdem die Gibbs ein paar Autogramme gegeben hatten, machten sie sich mit zwei anderen Männern, ich glaube es waren MoPo-Redakteuren, auf in den zweiten Stock. Und ich hängte mich mit meiner Kamera einfach dran, was problemlos klappte. Vielleicht dachten die BeeGees, ich gehöre auch zur Zeitung, und die Herren hielten mich nach meinem Auftritt mit den Bonsches vielleicht für ein Mitglied der BeeGees-Entourage. Genau weiß ich es nicht.
Aus der zweiten Etage warfen Maurice, Robin und Barry den wartenden Fans dann Autogrammkarten hinunter, worauf überwiegend die Mädels kreischten, fast schon so wie bei den Beatles. Außerdem schmissen sie auch Bonbons; ich weiß nicht, ob meine Aktion sie dazu inspiriert hatte. Jedenfalls war es keine schlechte Idee, denn die meisten Autogrammkarten, die aus sehr dünnem Papier waren, wurden vom Wind weit über die Köpfe der Wartenden hinweggetragen. So hatten die Fans wenigstens eine kleine, aber Süße Erinnerung an ihre Lieblinge.
Einen Monat später, am 27. Februar 1968, gab die Gruppe dann ein Konzert in der Hamburger Musikhalle. Leider wollte mich mein Arbeitgeber nicht zum Fotografieren schicken, also ging ich auf eigene Faust. Bei dem Versuch, mit meinem Lehrlings-Presseausweis umsonst reinzukommen, gab es ein bisschen Stress, aber dann klappte es doch. Und durch das persönliche Kennenlernen im Pressehaus gut vier Wochen zuvor, gelang mir ein echter kleiner Scoop: Trotz Fotoverbot durfte ich auf die Bühne klettern und Aufnahmen machen - der Hammer!

Fans stürmen fast die Bühne

Es gab damals keine Bühnendekoration oder großartige Lichtshow - die BeeGees standen in ziemlich normale Klamotten mitsamt ihren Instrumenten auf den Holzdielen der niedrigen Bühne, hinter sich die neobarocken Schnitzereien der Musikhalle. Direkt an der Rampe drängten sich die Fans - kein Absperrgitter, kein trennender Zwischenraum mit Bodyguards, nur ein paar Ordner in zweireihigen Anzügen, die ab und an einen übermütigen Fan zurück ins Publikum beförderten, wenn er (oder eigentlich immer sie) versuchte, auf die Bühne zu klettern.
Ich half einigen Ordnern sogar dabei, den Fans unten im Gedränge Platz zu schaffen, weil es schon einige Blessuren gab und wir weitere Vorfälle dieser Art unterbinden wollten. Der Hype um die BeeGees war zur der Zeit wahnsinnig groß, ich wüsste nur die Beatles und Rolling Stones als Vergleich, oder in unseren Tagen Tokio Hotel. Das Konzert war damals ein ziemlich stressiges Erlebnis, aber im Nachhinein der pure Wahnsinn
So richtig toll finde ich die Simmerstimmen der BeeGees immer noch nicht, aber ich habe trotzdem elf ihrer LPs, alles Vinyl natürlich. Im Fernsehen hat Günther Jauch in "Wer wird Millionär?" mal die Frage gestellt, welche beiden der drei BeeGees Zwillinge waren. Ich habe nur gelacht. Natürlich sind Maurice und Robin die Zwillingsbrüder, Barry ist viel älter. Der Kandidat konnte die Frage nicht beantworten. Ich wusste das schon seit Anfang 1968.

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Anmerkung:
Robert Günther, Hamburg, war bis 31. Dezember 1969 Fotograf im Starclub zu Hamburg. Er ist ferner Seiteninhaber der einzigen deutschen Original-Homepage www.starclub-hamburg.com