000 20210310 1941463708

 

In Deutschlands Konzert- und Even-Hallen herrscht schon seit einem Jahr quälende Stille. Der Kultur- Konzert- und Event-Betrieb hat neben dem Gastronomiegewerbe ganz besonders unter den Corona-Lockdowns und Einschränkungen zu leisten. Viele Betriebe können sich mit den staatlichen Corona-Hilfen gerade noch so über Wasser halten. Zehntausende Künstler dagegen mussten Hartz 4 anmelden oder sich einen anderen Job suchen, damit sie halbwegs über die Runden kommen. Bislang ist auch noch nicht abzusehen, wann der Kunst- und Kulturbetrieb wieder normal arbeiten kann. In 2021 jedenfalls wird es - so wie es aktuell aussieht - mit den fortschreitenden Impfungen zwar vielleicht doch noch Live-Konzerte geben, wenngleich jedoch erhebliche Einschränkungen wie Abstandsregeln und Maskenpflicht sowie Nichtmitsingen zu erwarten sind. Vor allem weniger bekannte Künstler, die sonst als Vorband oder in Bars aufgetreten sind, fühlen sich vom Staat im Stich gelassen, da sie im Gegensatz zu den großen Event-Betrieben so gut wie keine Corona-Hilfen bekommen haben.

Konzerte im Stream sind auf Dauer keine Lösung
Schon seit dem Beginn des ersten Lockdowns haben sich viele Künstler entschlossen, ihre Musik in Live-Konzerten per Stream über Twitch, YouTube oder andere Kanäle darzubieten. Das kommt zwar insgesamt gut an, jedoch können die Streaming-Konzerte echte Live-Konzerte nicht annähernd ersetzen. Die Streams reihen sich ein, zwischen Home-Office, Netflix oder online im Echtgeld-Casino spielen. Die prickelnde Atmosphäre und das Gefühl, das einem durch die Haut fährt, wenn die Bass- und Gitarrenklänge aus den Boxen kommen und die Dynamik des bei normalen Konzerten vorhandenen Publikums kommen nicht herüber. Sich ein Konzert zu Hause allein oder maximal zu zweit anzuschauen ist also ein sehr schwacher Trost, zumal auch die Möglichkeit öffentlich mitzusingen fehlt.

Was sehen die Öffnungsschritte der Bundesregierung vor?
Konzert- und Live-Musikfans, die sich die geplanten Öffnungsschritte der Bundesregierung genauer anschauen, werden derzeit und wahrscheinlich auch noch das nächste halbe Jahr vergeblich nach einem Termin oder Zeitfenster suchen, wann sie wieder zu Großveranstaltungen gehen können. Öffnungen für Freizeitveranstaltungen kommen erst im fünften Öffnungsschritt, wenn die 7-Tage-Inzidenz mindestens 7 Tage unter 50 liegt und stabil bleibt. Für diesen Fall sind dann jedoch auch erst Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen im Freien vorgesehen.

Mit der Beschränkung der Anzahl von 50 Personen lässt sich wohl unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum ein Live-Konzert mit einer Bühne und allem Drum und Dran organisieren, wenn auch noch Sicherheits- und Servicekräfte vorhanden sein müssen. Von Großveranstaltungen wie Live-Konzerten ist dagegen überhaupt noch keine Rede. Kein Wunder, dass viele Künstler sauer sind und Frust schieben. Sie fühlen sich von der Regierung unter den Tisch gekehrt und allein gelassen.

Die Öffnungsstrategie der Bundesregierung wird jedoch nicht nur von Künstlern kritisiert, sondern von vielen anderen Interessengruppen ebenfalls in Frage gestellt, da die Inzidenzzahlen weitgehend aus der Luft gegriffen wirken und der Plan auch sonst eher wie blinder Aktionismus wirkt und völlig an Volk und Parlament durchregiert wird.

Wird es je wieder wie früher?
Ob die vor Corona erlebte Konzert- und Kulturwelt genauso wieder zurückkommt und wenn ja wann, ist eine Frage, die sich derzeit viele Künstler und Fans stellen. Klar ist, dass es wahrscheinlich immer gute und schlechte Musik geben wird, was jedoch auch im Ohr und am Geschmack des Hörers liegt. Weniger wahrscheinlich ist jedoch, dass es so schnell wieder zu aneinander geschmiegten Massen in den Konzerthallen kommt wo sich durchgeschwitzte Körper beim Tanzen und Mitsingen gegenseitig nahe kommen. So gesehen wird Corona, selbst wenn alle geimpft sind und die Konzerthallen wieder geöffnet werden, noch sehr lange nachwirken.

Hoffnung könnten indes die fortschreitenden Impfungen und ein Impfpass geben. In einigen anderen Ländern wie Israel, die bereits einen großen Teil der Bevölkerung geimpft haben, sind wieder Open-Air-Veranstaltungen zugelassen. So gab es in Tel-Aviv bereits erste Live-Konzerte unter freiem Himmel mit 500 Zuschauern.

Einzige Bedingung für die Besucher ist dort, dass sie einen Impfpass vorweisen können. Masken mussten ebenfalls getragen und die Mindestabstände eingehalten werden. Das kulturelle Leben kann also Schritt für Schritt wieder zurückkommen. Die Erfahrungen aus Israel und anderen Ländern bleiben jedoch zunächst abzuwarten, da das Virus nun auch mutiert und die verabreichten Impfungen möglicherweise nicht bei allen Varianten gleich gut wirken.

Aber auch hinsichtlich des elektronischen Impfpasses gibt es hierzulande große Probleme. Dieser soll erst im Jahr 2022 kommen. Bis dahin soll es eine Zwischenlösung geben, von der jedoch derzeit noch keiner genau sagen kann, wie diese aussehen soll, geschweige denn, wann sie kommen soll.

Bis Juni sind die Hilfen zugesichert
Langsam wird es auch eng, was die Hilfen der Bundesregierung angeht. Diese sind nur bis zum Juni 2021 gesichert. Neue Vorschläge und Beschlüsse gibt es noch nicht. Hinzu kommt, dass die Auszahlung zum Teil nur mit erheblicher Verspätung erfolgt. Somit wird es also erstmal weiter gehen mit der finanziell prekären Situation im Kulturbereich. Appelle, dass auch Kunst und Musik systemrelevant sind, verhallen zunehmend und nutzen sich ab.

Hinzu kommt die immer weiter steigende Verschuldung des Bundes und der Länder, die sich zuletzt nur mit Mühe und Not darauf einigen konnten, dass die Schnelltests, die zweimal die Woche durchgeführt werden sollen, bezahlt werden. Vielen Künstlern, denen keine Zuschüsse zustehen, wird darüber hinaus auch weiterhin nur übrigbleiben, Hartz 4 zu beantragen oder sich einen anderen Job zu suchen.




   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2021)

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.