Statt Lehrer lieber Autor:

In Gedenken an Wolfgang Tilgner

Autor: Christian Reder

 

 

"Alles Glück ist nur ein Schatten
wenn Du nicht mehr bei mir bist.
Wenn von unser'n schönen Stunden
nur Erinnerung übrig ist."
 

Mit diesen Zeilen beginnt der Puhdys-Song "Erinnerung" aus dem Jahre 1977. Der Text stammt von Wolfgang Tilgner, und auch von ihm wird uns jetzt nur noch die Erinnerung bleiben. Am 30. Januar 2011 starb der Texter, Autor und Theaterwissenschaftler an den Folgen eines Infarktes.

Tilgner stammte aus einer Familie, die sich intensiv mit Kirchenmusik beschäftigte. Er war Schüler des legendären Thomas-Gymnasium in Leipzig, wo er 1951 sein Abitur baute. Eigentlich sollte er Lehrer werden, doch es kam anders. Er hat - was viele vielleicht gar nicht wissen - zu Lebzeiten nicht nur Musikstücken mit seinen Texten Leben eingehaucht. In einer langen Phase kreativen Schaffens hat er der Nachwelt großartige Werke hinterlassen, neben eben erwähnten Songtexten u.a. auch Bücher. Etwas, was bleibt...

Nach seiner Ausbildung folgte eine langjährige Tätigkeit als Dramaturg im Friedrichstadtpalast in Berlin, wo er zwischen 1962 und 1982 der zweite Mann hinter dem bekannten Intendanten Wolfgang E. Struck war. Dort lernte er auch seine Ehefrau, Hanna Maria Fischer, kennen, die dort Solo-Tänzerin war. Ihm verdankte sie beruflich sehr viel, denn Tilgner gab ihr ihre erste große Rolle am Friedrichstadtpalast. Und sie war es auch, die ihn später mit den Puhdys zusammenbrachte.

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Tilgners Anliegen war es stets - egal was er auch machte - seinen Werken und Arbeiten hohen Anspruch zu verleihen. Neben seiner Tätigkeit als Dramaturg war er Buchautor, verfasste Werke über Elvis Presley und das Open Air Rockspektakel "Woodstock", war Lektor beim „Verlag der Nationen“, schrieb Kunstkritiken und Texte für Rock-Songs der Puhdys. Schon allein bei eben erwähnten Texten, die er für die Puhdys schrieb, kann man herauslesen, wieviel Inhalt und Liebe zum Detail in ihnen stecken und mit welcher Hingabe Tilgner von ihm übernommene Aufgaben erledigte. Er gehörte noch zu der Art Texter die es schafften, Botschaften anspruchsvoll zu verpacken. Dies setzte er auch später fort, als seine Frau Hanna Maria Fischer ihre Karriere als Chanson-Sängerin begann. Auch für sie schrieb Tilgner Texte, die sie bis zu ihrem selbst gewählten Karriere-Ende im Jahre 2004 auch gesamtdeutsch erfolgreich zum Vortrag brachte.

Bis zuletzt lebte er zusammen mit seiner Frau in einem Haus in Hohen Neuendorf. Auch wenn er schon Jahre zuvor nicht mehr künstlerisch in Erscheinung trat, lieber den Lebensabend genoss und Zeit mit der Familie verbrachte, so erinnerten sich bis zuletzt Woche für Woche und Konzert für Konzert viele Puhdys-Fans (auch unbewusst) an ihn, denn viele der dort vorgetragenen Songs tragen seine Handschrift. Er hat sie betextet und mit Inhalt gefüllt. Tilgner genoss aber auch Respekt über die Grenzen der populären Musik hinaus. Nicht nur die Puhdys haben ihm viel zu verdanken! Er hat der Kultur in diesem Land sehr viel gegeben, und seine Leser und Hörer geben ihm vieles damit zurück, dass sie ihn und seine Werke nie vergessen werden. Auch in Zukunft wird der Name Wolfgang Tilgner sicher nicht verblassen, denn "Man kann sterben, doch die Welt hat man einst mitgebaut" ("Lied für Generationen", Text: Wolfgang Tilgner).

Machen Sie's gut, Herr Tilgner!

 


   
   
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