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Text: Hartmut Helms (11.12.2012)
Fotos: Pressematerial






Er ist schon längst Rentner, denn mit dem heutigen Tag ist er 70 geworden. Doch wenn man weiß, dass es im folgenden um FRANK SCHÖBEL geht, dem diese Glückwünsche gelten, wollen sich Assoziationen zu einem Rentnerdasein nicht wirklich einstellen, denn schließlich schreibe ich über unseren Frankie-Boy. Der steht zwar, so wie die Rolling Stones, Cliff Richard oder OMEGA nunmehr seit 50 Jahren auf den Bühnenbrettern, aber ein Rentner? Niemals! Das hat er mit den Vorgenannten gemeinsam.

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So etwas wie Allüren als erfolgreicher (Schlager)Sänger oder Star, kennt man von ihm nicht. FRANK ist der Kumpel von nebenan, dem man seine Natürlichkeit abnimmt, denn sie ist so echt wie sein immer noch jugendliches Aussehen und unwillkürlich fragt man sich, wie der das nur macht, und wahrscheinlich ist es so, dass FRANK SCHÖBEL liebt, was er macht - für seine Fans zu singen.

Noch gut kann ich mich erinnern, wie er - damals im TV noch in schwarz und weiß - sein "Looky Looky" sang oder den "Party-Twist" schmetterte. Gern gebe ich zu, das war nicht so weit von meinem Geschmack entfernt und auch nicht, als er sich mit dem TEAM 4 von Thomas Natschinski "(Ich sage dir die ganze) Wahrheit (ins Gesicht)" als früher Beat-Shouter in der DDR versuchte. Die Single habe ich noch immer und noch immer klingt sie geil!
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Überhaupt war es sein Bemühen, stets nah am musikalischen Zeitgeist zu sein, was ihn als Künstler stets innovativ und neu bleiben ließ. Gleich, ob er "Darauf steh' ich", "Gib' nicht auf" oder "Gabriele", alle schon 1966 (!) sang, oder später im Duett mit seiner damaligen Frau CHRIS DOERK "Lieb' mich so, wie dein Herz es mag" intonierte. Letzterer war ein Klasse-Song und imponierte außerdem beim Auftritt durch den Partner-Look im Zwei-Reiher-Anzug- bzw. Rock. Das war modisch dem Outfit von Dave Dee & Co. und den Tremeloes nachempfunden und außerdem trug auch ich damals ein solches modisches Gewand. Später machte er mit einer Rockband auf der Bühne Musik, denn aus der UVE SCHIKORA COMBO wurde mit ihm als Frontmann die Gruppe ETC. Ich fand es damals jammerschade, wie sich Schikora und seine Band wandelten, für FRANK SCHÖBEL jedoch war es ein Gewinn. Für Schikora übrigens auch, öffneten sich doch dadurch für ihn noch ganz andere Türen zu größeren Projekten, auch wenn sie im Westen waren.

Eines seiner Konzert habe ich nie besucht, jedoch konnte ich ihn mehrfach hautnah, zum Beispiel bei der "Werkstattwoche Jugendtanzmusik", erleben und da war er stets einer von vielen. Sein Umgang mit Musikern oder Besuchern hob sich stets wohltuend von dem so manchem seiner Kolleginnen oder anderen "Stars" ab, obgleich er schon damals "Wie ein Stern" in andere Dimensionen vorgestoßen war.
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Andere Dimensionen eröffnete er sich auch als singender Schauspieler im legendären DEFA-Film "Heißer Sommer", der damals im Jahre 1968 Tausende in die Kinos lockte. Das hatte er zuvor mit "Reise ins Ehebett" (1966) auch schon geschafft und 1972 mit "Nicht schummeln, Liebling" noch einmal wiederholt.

So etwas wie eine "sichere" Schublade a la Rex Gildo & Co. gab und gibt es für FRANK SCHÖBEL nicht, oder wo hätte man eine Nummer wie "Nur im Böhmerwald" einordnen sollen und wie ist das, wenn er mit einem Besenstil bewaffnet "Mit mir könn' ses ja machen" zum Besten gab? Ganz zu schweigen von meinem heimlichen Favoriten "Oh sweet Kriemhilde (mein Herz sehnt sich nach dir)", die Nummer, die er als "zahnloser Gustav" im Rundfunk sang und die leider nie in eine Plattenrillen gelangte. Das Teil suche ich noch immer!!

In den zurückliegenden 50 Jahren schaffte es FRANK SCHÖBEL, rund 300 eigene Lieder zu schreiben und mehr als ein halbes Tausend zu singen. Darunter auch überaus gelungene Cover-Versionen von Cliff Richard wie "Gut, dass es Freunde gibt" ("Power To All Our Friends") oder seine Version des "perlenhaarigen Mädchens" von OMEGA ("Schreib' es mir in den Sand").
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Zum 70. Geburtstag beschenkt er sich nun selbst mit seiner 50. Plattenveröffentlichung! Man muss nicht zwingend ein Schöbel-Fan sein, um vor dieser Lebensleistung den Hut zu ziehen. Nur, dass er die "Goldene Henne" dafür trotzdem angenommen hat, stinkt mir. Die hätte er angesichts der inflationären Verteilung dieses Federviehs lieber verweigern sollen, hätte ich mir gewünscht, und das hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem immer noch süffisanten Ost-West-Vergleich, wie ihn die Medien, Verlage und Label praktizieren, zu tun. Diese Art "Würdigung" würdigt seine Leistung einfach nur herab, wenn ich mir vorstelle, wer den "Goldbroiler" außerdem noch im Schrank zu stehen hat.

Man kann FRANK SCHÖBEL nicht zum Vorwurf machen, in der DDR geboren zu sein, hier gelebt und eine Karriere als Musiker gestaltet zu haben. Noch dazu erfolgreich. Und dieser ständige Vergleich, dieses Nachfragen, was denn geworden wäre, wenn das alles im Westen ... neulich hatte er darauf sinngemäß geantwortet, dass er bei einer offiziellen Gala zum Tag der deutschen Einheit der einzige Vorzeige-Ossi gewesen sei. So ein Fazit wirkt ernüchternd und ein wenig frustrierend auch, denn er trifft nicht nur den Frankie-Boy, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, sondern quasi gefühlt jeden, der hierzulande "Wie ein Stern" gelebt hat und "Gold in seinen Augen", oder vielleicht auch andere Ideale, hatte. Irgendwie sind wir alle wieder in den Nischen und in der Nebensächlichkeit angekommen. Da macht es eben doch Sinn, schon aus Trotz zu sagen, ich bin ein Schöbel-Fan. Und deshalb, herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag, lieber Frank, und bitte, mach' einfach weiter!


   
   
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