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Text: Hartmut Helms (27.07.2012)
Fotos: Hartmut Helms, Pressematerial

Eine Gruppe junger Musiker begibt sich auf eine Reise. Die Band RUE LASCAR packt ihre Instrumente ein, setzt sich in ihr Auto und ab geht es bis zum äußersten südlichen Rand des Landes Brandenburg, in die Region Elbe-Elster. Ziel ist das Kulturhaus in Plessa, denn hier sollen im nahenden September die Aufnahmen für die neue CD gemacht werden. Auf ihrer Fahrt quer durch die Region machen sie an ganz unterschiedlichen Orten einen Halt und der "Mitfahrer und Zuschauer" lernt Orte des Landes kennen, die er vielleicht noch nie gesehen hat, und deshalb stellt sich Neugier ein. So die Idee hinter dem Projekt und die Botschaft heißt, der Süden Brandenburgs ist mehr als nur die Schwarze Elster, Braunkohletagebaulöcher, Gewerbegebiete, die Schradenberge und still gelegte Industrieschornsteine. Nein, hier leben Menschen und hier versuchen sie, ihr Leben zu gestalten und zu diesem Leben gehört eben auch schon immer ein Kulturhaus, das inzwischen längst die 50 überschritten hat ...
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Es war im Januar 2010, da gab es in der Öffentlichkeit hier in der Elbe-Elster-Provinz eine Menge Trubel um das Kulturhaus in Plessa und ein emsig aktiver Verein hatte mit vielen Aktivitäten dafür gesorgt, dass dies auch registriert werden musste. Die Ambitionen einiger, die alte Hütte am liebsten dem Vergessen zu überlassen, stellten sich immer mehr aktive Bürger in den Weg, die mit dem Haus auch 50 und älter geworden waren. In einem Beitrag zu diesem Ereignis formulierte ich damals sinngemäß, "wenn das Haus und die Kultur eine Lobby hätten", wäre wahrscheinlich viel mehr möglich. Dann könnte man wieder in diesem Kulturhaus Veranstaltungen organisieren, es könnte wieder Mittel- und Ausgangspunkt von kulturell-künstlerischen Aktionen sein und man würde überhaupt wieder richtig Leben in die Bude zu bekommen. Doch wie das heute manchmal so ist, tut so mancher sich schwer mit alten Mauern. Viel Überzeugungsarbeit und viel persönlicher Einsatz waren nötig, um Vorurteile zu überwinden, Klischees über Bord zu werfen und sich auch selbst einzubringen.

Nun ist es eben nicht so, dass man in der Gesellschaft der Freiheit und des haufenweise vorhandenen Kapitals - wenn auch äußerst ungleich verteilt - mal eben so einen Antrag stellt und dann hat man einen oder zwei oder mehrere Geldgeber, sprich Lobbyisten, die welche kennen, die Geld haben und Gutes damit tun möchten. So weit ist diese Gesellschaft in ihrer Entwicklung (noch?) nicht und bis das jemals erreicht wird, möchten viele nicht mehr abwarten. Die eigene Lebenszeit reicht dafür nicht aus. Da bleibt so manchem engagierten Bürger weiter nichts, als eigene Ideen zu entwickeln und manchmal auch mit dem Kopf gegen Wände zu rennen. Genau auf diese Weise hatte das Wuseln und Agieren um das Kulturhaus Aufmerksamkeit erzeugt. Ein Kulturverein und dessen Mitgliedern sei Dank, aber natürlich gibt es auch Unternehmer und Führungspersönlichkeiten, die sich, jeder mit seinen ganz eigenen Möglichkeiten, für den Erhalt des Hauses engagierten und es auch weiter tun werden. Sogar ein namhafter Trompetenvirtuose aus dem Sächsischen Dresden, der viele persönliche Erfahrungen einbringen konnte, ließ es sich nicht nehmen, das Vorhaben mit einem besonderen Konzert zu unterstützen. Die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Kulturhauses waren deshalb verdienter Lohn und sie wurden letztlich in einem stolzen und würdigen Rahmen begangen. Darauf können alle beteiligten Macher wirklich sehr stolz sein.

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Bei einer dieser Veranstaltungen war ich Gast und lernte, neben vielen anderen engagierten Bürgern, das Projekt ZWEIUNTERHALTER kennen und damit den Musiker und Produzenten JÖRG ZINKE aus Potsdam. Der Mann hat nicht nur Musik im Blut, sondern, was noch viel wichtiger ist, eine Menge Ideen im Kopf und die Power, sie auch zu realisieren. Da war es nur folgerichtig, dass ein Jahr später im September 2011, quasi als Untermauerung einer Machbarkeitsstudie für das Haus, der Potsdamer Künstler RUBEN WITTCHOW mit seiner Band die tolle Akustik des großen Saales für die Aufnahmen zu seiner neuen CD nutzte. Daran anschließend gab er als Dankeschön für alle Beteiligten ein Konzert, das mir, seiner lockeren und fröhlichen Atmosphäre wegen, noch lange in Erinnerung bleiben wird und die Erkenntnis blieb: Alles wird Plessa werden!

Inzwischen ist eine Menge geschehen, viele gesellschaftliche und öffentliche Hebel wurden bewegt, und die Konturen für den zukünftigen Erhalt des Hauses zeichnen sich allmählich ab. Auch aus dem Hause SHOWCASE POTSDAM, das vom Produzententeam JÖRG ZINKE und ROBERT CARSTENS sehr engagiert betrieben wird, kam eine Idee von einem weiteren Projekt an die Öffentlichkeit. Wieder wird eine Band ihre Technik im Saal des Kulturhauses aufbauen und Jörg Zinke die Studiotechnik dazu stellen, um ein neues Album aufzunehmen. Die Idee jedoch, wie es dazu kommen wird, ist der eigentliche Aufhänger und bestens geeignet, die Band, die Region, die Menschen und letztlich auch das Haus einer größeren Öffentlichkeit nahe zu bringen.

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Eine Band ist auf der Reise zum Aufnahmestudio, durch die Lausitz und durch den Elbe-Elster-Kreis, und weil sie dabei ein Filmteam begleitet, wird diese Reise zu einer Werbetour für eine ganze Region. Weit weg von Berlin und auch weit weg von der Landeshauptstadt Potsdam, ganz am südlichen Rande Brandenburgs gelegen, ist der Landkreis Elbe-Elster nicht gerade das Zielgebiet der Planer in den Schaltzentralen und bei den großen Investoren. Da tut es gut, wenn so manch Unwissender etwas mehr über Land, Leute und die Lebensmöglichkeiten hier erfährt und natürlich auch mit der Musik von RUE LASCAR in Berührung kommt.

Die fünf Musiker von RUE LASCAR um den Franzosen Matthieu de Harp kamen vor vier Jahren in einer Szenekneipe Berlins auf die Idee, gemeinsam Musik zu machen. Diese Idee haben sicher viele, aber es ist schon etwas besonderes, wenn in einer Band ein Franzose, ein Russe, ein Pole, ein Ami und auch ein Deutscher ihre kulturellen Zutaten in einem musikalischen Schmelztiegel anrichten. Matthieu aus Frankreich hatte eine singende Tante in seiner Familie, der junge Dietmar Roth versuchte schon früh, der Geige seiner Mutter Töne zu entlocken und Boris Kontorowski, Sohn eines russischen Musik-Professors, entdeckte irgendwann seine Leidenschaft für fremden Jazz. Nebenan in Polen rockte Witek Niedziejko in einer Punk-Band und in den USA tourte Lenjes Robinson schon mal mit Bo Diddlley durch die Lande. In so einer Band treffen deutsche Liedtradition auf amerikanischen Delta-Blues, Swing trifft Chanson und Musette vermengt sich mit den Gansterliedern, die man in Odessa singt und wer weiß, was noch so alles in dieser Mixtuer zum Schwingen und Klingen gebracht werden kann. Da soll sich jeder selbst beim Hören überraschen, denke ich, oder auch live bei einem Konzert von RUE LASCAR überraschen lassen.

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Im Stil eines Roadmovies werden die Musiker durch unsere ländliche Region bis nach Plessa begleitet. Ziel der Dreharbeiten ist ein Image- und Dokumentarfilm, der die Lausitz mal aus einer anderen und nicht alltäglichen Perspektive, aus dem Blickwinkel junger Musiker zeigen soll, und natürlich, so ganz und gar nicht nebenbei, auch das Kulturhaus in Plessa wieder neu im Bewusstsein einer neuen und jüngeren Generation verankern kann. Dabei soll ein visuelles Netzwerk vor den Augen der Betrachter entstehen. Vielleicht zeigt dann diese filmische Dokumentation über die Reise einer Gruppe von Musikern, wie nah doch die liebenswerten Orte in diesem Landstrich beieinander liegen und was eine riesige alte Förderbrücke bei Lichterfelde, ein heimischer Künstler in seinem Atelier oder ein seltenes Felsgestein bei Rothstein mit einem alten Kulturhaus gemeinsam haben. Es sind die Menschen, die sich um den Erhalt all dessen bemühen, die in ihrer Heimat leben, sie gestalten und die wollen, dass all das an die nächste Generation weiter gegeben werden kann.

So etwas ist nicht umsonst zu haben und auch dieses Filmprojekt kostet Geld. Viele Gespräche sind dazu geführt worden, viele Menschen engagieren sich für dieses Projekt, nutzen ihre Freizeit und ihre Möglichkeiten, um - siehe oben - Sponsoren zu finden. Sollte ein Konzertgänger, Musikliebhaber sowie Unternehmer in einer Person aus meiner Heimat diese Zeilen lesen und sich anschließend für die Idee und das Projekt einsetzen wollen, dann möge er sich melden. Gemeinsam, so die feste Überzeugung vieler, die sich einbringen, können wir für unsere Region zwischen Spreewald und dem Schradenland eine Menge stemmen!
So ein Image würde gut tun, denn zu viele haben diesen Landstrich bereits verlassen, weil sie hier keine Zukunft mehr sahen. Zukunft aber kann nur dort sein, wo Menschen Arbeit finden und auch die Möglichkeiten erkennen, sich selbst zu verwirklichen. Die Kirche im eigenen Ort ist da ebenso wichtig, wie das Erlebnisbad nebenan oder eben das schöne alte Kulturhaus in Plessa. Dafür alle Kräfte zu bündeln, sollte sich lohnen und wenn dann am Ende aller Mühen der Erfolg in Form eines tollen Werbe- und Imagefilms für die Region und einer hörenswerten neuen CD, entstanden in der Region, steht, dann sind wir alle wieder einen Schritt weiter und um ein Stück gemeinsamer Erfahrung reicher.

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Als Schüler habe ich im Kulturhaus Plessa die Aufführungen der Landesbühnen Sachen verfolgt und Konzerte des Staatlichen Orchesters Senftenberg erlebt. Im gleichen Saal habe ich zur Musik der Uve Schikora Combo, der Berolina Singers und der Klosterbrüder getanzt. Jahre später hatte ich das Glück, gemeinsam mit Freunden selbst Rock-Konzerte in diesem Haus durchführen zu können. Hansi Biebl, die Stern-Combo Meißen, Neumis Rockzirkus, Prinzip, Pankow, die Lütte und andere holten wir auf diese Bühne, und dabei konnten wir immer auch auf die Hilfe von Walter Kotte, den langjährigen Kulturhausleiter, bauen.

Wenn demnächst die Band RUE LASCAR filmisch auf ihrem Weg nach Plessa begleitet wird, um dort ihre Songs im großen Saal des Kulturhauses aufzunehmen, schließt sich auch für mich ein Stück Lebenskreis, der unheimlich viel mit Rockmusik im besonderen und Kultur im allgemeinen zu tun hat. Deshalb werde ich versuchen, einige Facetten der Reise von RUE LASCAR durch die heimatliche Lausitz einzufangen sowie das Entstehen einer neuen CD als stiller und genießender Beobachter zu begleiten.
Im September wird es dann, wenn alle Tracks im Kasten sind, wieder ein kleines Konzert im Saal des Kulturhauses Plessa geben, so wie es Ruben Wittchow und Band vor zwei Jahren mit ihrem Poesie-Pop auch taten, und darauf freue ich mich jetzt schon. Es wird spannend werden, hoffe ich, und interessant sicher auch, einen Blick aus anderer Perspektive auf das Entstehen von Musik zu riskieren, die ein gutes Stück weg vom Mainstream und Bla-Bla-Radio lebendig ist. Das alles wird nicht der Abschluss vieler Aktivitäten im Kulturhaus Plessa sein, sondern, wie viele sicher hoffen, einer von zahlreichen Höhepunkten und auch ein neuer Beginn mit neuen Inhalten in einer anderen Zeit - und immer wieder ist auch Musik dabei, weil sie unser aller Leben reicher macht!


Bitte beachtet auch:
- Off. Facebook-Seite von RUE LASCAR: HIER klicken
- Homepage von Showcase Potsdam: www.showcasepotsdam.de


 
Video-Clips
 
 



 


   
   
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