000 20121124 1742352015

 

Text: Hartmut Helms (05.09.2012)
Fotos: Hartmut Helms, Pressematerial

Rothstein ist eine kleine Gemeinde nahe der Kurstadt Bad Liebenwerda. Eigentlich sollte der kleine Ort völlig unbekannt sein, aber es gibt mindestens zwei Gründe, weshalb Rothstein weit über die Grenzen der Elbe-Elster-Region hinaus bekannt ist.
Nur einige hundert Meter südlich des Ortes, mitten in einem Waldstück gelegen, ragt ein großer Fels aus Grauwacke aus dem Waldoden. Der Rothsteiner Felsen entstand vor mehreren hundert Millionen Jahren auf dem Meeresgrund aus Ablagerungen und Sedimenten. Aufgrund seiner rötlichen Färbung erhielt irgendwann im Laufe der Geschichte auch die Siedlung in seiner Nähe ihren Namen: Rothstein. Heute ist der Fels ein Flächennaturdenkmal und außerdem ein beliebter Kletterplatz für Groß und Klein.
a 20121124 1792781723

Jeweils am zweiten Wochenende im Juli jeden Jahres beginnt rund um die Naturbühne, die am Felsen inzwischen gebaut wurde, ein fröhlich buntes Treiben und lautes Musizieren. Die Gemeinde, der Verein und seine Gäste feiern das Rothsteiner Felsenfest, das sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Besuchermagneten in der Region entwickelt hat. In diesem Jahr 2012 übrigens zum 60. Mal. Das Werden und der Erfolg dieses Volksfestes ist eng mit dem Namen des langjährigen Bürgermeisters PAUL BERTHOLD, genannt "Fliegen-Paul", weil er stets eine Fliege trug, verbunden. Während meiner Kulturtätigkeit in Bad Liebenwerda durfte ich diesen Mann und sein Engagement für sein Volksfest hautnah erleben, und noch heute bin ich von diesem Original, der seine Idee liebte und lebte, rundum begeistert.

Nun stehe ich wieder einmal vor dem Felsen und es ist Anfang September. Grund ist ein Treffen mit RUE LASCAR und dem Film- und Aufnahmeteam, die sich diesen romantischen Drehort an einem lauen Herbsttag auserwählt haben, um die Band mit ihrer Musik in Szene zu setzen. Das Roadmovie hat sich inzwischen vom Kulturhaus Plessa in den Wald begeben.
Es ist später Nachmittag und die Sonne blinzelt mit ihrem goldgelben Licht durch die Bäume, während die Techniker wieder einmal mit Kabeln, Steckern, Ständern und anderen Gerätschaften zwischen dem LKW und der Bühne unterwegs sind. Genug Zeit, selbst einmal wieder den Felsbuckel bis zum Gipfel zu besteigen und von oben herab zu sehen. Doch nach so vielen Jahren versperren die Baumwipfel die Sicht auf die nähere Umgebung, die man vor 30 Jahren noch gut sehen konnte. Mein Blick gleitet über ein nahes Dach aus Blättern und von da wieder nach unten zu den "Miniaturmenschen" auf der Bühne. Was auf den ersten Blick wie ein romantisches Biwak aussieht, ist, wieder unten angekommen, der nun fertig eingerichtete Set unter dem Felsgestein.

Im Licht der Abendsonne, die hinter dem Felsen in die Baumkronen eintaucht, beginnen jetzt wieder die Dreharbeiten. Für alle Unbeteiligten ist nun Lautlosigkeit verordnet und der Bewegungsradius eingeschränkt. Die Natur spielt ebenfalls mit und so verläuft zunächst alles völlig normal und beinahe wie gewohnt. Inzwischen sind mir einige der Lieder quasi ans Herz gewachsen oder sie haben sich bei mir im Ohr eingenistet, und so summe ich die Melodien leise mit: "White Cat, Black Cat", "Latin Quarter Swing" oder von Serge Gainsbourg diese wunderschöne "Le Poinconneur des Lilas". Es macht Spaß, die Lieder immer wieder neu an verschiedenen Orten zu erleben.
In der Abendstunde zerreißt ein nahe lautes Knattern die Stille am Drehort. Die örtliche Feuerwehr ist zu ihrer wöchentlichen Übungsstunde ausgerückt. Keine 200 Meter weiter, unterhalb des Felsens auf einem Feld, werden in diesen Minuten die Pumpen für das Löschwasser auf ihre Tauglichkeit geprüft.
Das Geräusch passt so ganz und gar nicht zur Aufnahme und deshalb bittet jemand aus dem Team die freundlichen Kameraden, ihre Übung zu verkürzen. Nur ein paar Minuten später ist wieder Ruhe und die Band hat ein paar Zuschauer, die vom Hügel gegenüber der Bühne das Geschehen neugierig verfolgen. Die Kameras laufen und die Musiker spielen, bis zum Sonnenuntergang.

b 20121124 1991399790

Zu später Abendstunde haben sich alle Beteiligten mit einer Pizza gestärkt. Inzwischen ist es dunkel geworden. Nur das grelle Licht eines Scheinwerfers taucht die Szenerie am Felsen in gespenstisch helles Licht. Es ist die Stunde der Spezialisten, die mit ihren Spots und Scheinwerfern die Bühne für den Dreh eines Clips bei Nacht herrichten. Die Spots strahlen den Fels und die Bäume an und ich beobachte, am Rand auf einem Stein sitzend, die Schattenspiele, die nun an dem kahlen Felsgestein bizarre Formen entstehen lassen. Es hat etwas von Walpurgisnacht und mancher Schatten könnte vielleicht auch der eines Kobolds oder Hexe sein. Wer weiß.

Inzwischen haben die Zeiger 22:00 Uhr hinter sich gelassen. Das Licht ist abgestimmt und die Musiker haben ihre Plätze eingenommen. Matthieu greift in die Saiten seiner Gitarre und die Kamera fährt dicht an sein Gesicht heran - Großaufnahme bei Nacht. Vom Mixer wird eine Ballade eingespielt, die RUE LASCAR tags zuvor im Kulturhaus Plessa aufgenommen hatten. Drei verschiedene Kameras fangen auf unterschiedlichen Positionen die Band ein und ein wenig ahne ich, wie das später im Clip aussehen könnte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Rothsteiner Felsen selbst nach 60 Volksfesten in all den Jahrzehnten so eine Inszenierung noch nicht erlebt hat und ein wenig bedauere ich, dass es zu dieser späten Stunde nicht einmal ein paar Zaungäste aus dem Ort oder der Umgebung gibt, die später staunend von dem geheimnisvollen Geschehen am Felsen von Rothstein, aus denen früher Mythen und Legenden gesponnen wurden, berichten könnten. Doch morgen ist ein neuer Tag, ein anderer Ort und auch eine neue Chance. Es bleibt noch immer spannend.


Bitte beachtet auch:
- Einleitung zur Reise von RUE LASCAR: HIER klicken
- Teil 1 dieser Serie: HIER klicken
- Teil 2 dieser Serie: HIER klicken
- Off. Facebook-Seite von RUE LASCAR: HIER klicken
- Homepage von Showcase Potsdam: www.showcasepotsdam.de


 
Fotos:
 

001 20121124 2073157207

002 20121124 1195756816

003 20121124 1606069217

004 20121124 1681932703

005 20121124 2093288692

006 20121124 1838900172

007 20121124 1726311481

008 20121124 2098724175

009 20121124 1890521122

010 20121124 1740085959

011h 20121124 1777285927 012h 20121124 1414571812

 

013h 20121124 1553448406 014h 20121124 1788675564

 

015h 20121124 1214002712 016h 20121124 1980264903


017 20121124 1438330340

018 20121124 1116725774

 


   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2021)

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.