000 20130124 1228209879

Text: Reinhard Fißler (24.01.2013)
Fotos: Edmund Thielow, Reinhard Fißler
Bericht über ein tolles Meeting...

Hallo, ich grüße die Leser von deutsche-mugge.de mit einem besonderen Rückblick. Ich möchte Euch heute von einer Reise und einem anrührenden, musikantischen Treffen von Freunden des Beat Archivs in Glauchau (Sachsen) berichten, von einer speziellen

"MAGICAL MYSTERY TOUR"

Zu Ehren des 20-jährigen Jubiläums des besagten Beat Archivs Glauchau, zu dem ich Anfang Oktober vom Gründer und Eigentümer, Edmund Thielow, freundlich eingeladen wurde.

a 20130124 1897992467

Ein paar einleitende Worte und Gedanken
Natürlich habe ich mir in der Zwischenzeit überlegt, "Was ist denn im Zusammenhang zu so einem erlebten Tag, nachhaltiges erwähnenswert?" So habe ich also nicht vor, hier einfach mal in Abfolge des Abends von diesem schönen Anlass zu erzählen. Mir scheint es viel wichtiger und lesenswerter, gerade sehr persönliche, etwas tiefere Gedanken, Hintergründe und Einblicke zu vermitteln, die im Zusammenhang zur Jubiläumsfete "20 Jahre Beat Archiv Glauchau" stehen. Um Missverständnissen von Anfang an vorzubeugen, möchte ich hier klar sagen, dieses Jubiläum war ein rein privates Treffen eines Fan- und Freundeskreises. Es war keine öffentliche Veranstaltung, keine Live-Mugge, verbunden mit üblichen Kosten, wie z. B. Werbungs- und Honorarkosten oder Einnahmen über Eintritt. Es war also ein privates Treffen ohne anfallende GEMA-Gebühren. (Da werden "GEMA-TAXMAN" möglicherweise gleich mal hellhörig). Es fielen also keine Gebühren dieser Art an, auch wenn Musikdarbietungen diese private Feier besonders belebten. Möglicherweise lauschte ja draußen auf'm Parkplatz doch jemand mit Richtmikrofon durch die Wände, um zu belegen, dass es sich wohl doch um eine öffentliche Veranstaltung handeln musste, denn er habe ja draußen "Flöhe hustend" deutlich Musik gehört, ja er habe sogar eine Liste vernehmbarer Lieder mit Uhrzeit usw. erstellt! Ja, ja! Ist ja heutzutage durchaus denkbar, oder? Na da hoffe ich mal, seine Trommelfelle sind NICHT geplatzt, wenn am anderen Ende des Parkplatzes mal leise ein PKW einparkte!!! Nicht ganz am Rande sei hier erwähnt, alle anfallenden Kosten wurden von Edmund Thielow, vom Beat Archiv und von Sponsoren aus dem Freundeskreis erbracht. Für Eingeweihte und Interessierte und für die, die Verständnis haben für so manchen steinigen Weg, den eine ambitionierte Einrichtung zu gehen hat, wenn sie existieren will: Der Beatles-Fanclub war 15 Jahre lang ein gemeinnütziger Verein und ist jetzt wieder ein Fanclub, er war natürlich auch immer Gast im BEAT ARCHIV. Alles klar? Es war eben alles nicht so easy. Dieses großartige, szenisch und zugleich private, freundschaftliche Treffen symbolisiert übrigens geradezu eine Hauptmotivation des Vereins Beat Archiv, nämlich in nicht unbeträchtlichem Maße auch nicht kommerzielle Events zu realisieren und das in erster Linie basierend auf Gemeinnützigkeit. Es sollte wirklich nicht verkannt werden: Diese Uneigennützigkeit und der nicht kommerzielle Background an diesem Jubiläumstag wirkte als Motor und Impulsgeber auf das besondere, einzigartig hohe Niveau der unbeschwerten Begegnung der geladenen Freunde und insbesondere auf die Qualität der künstlerischen Darbietungen am Abend der Jubiläumsfete. Sollte bei dem einen oder anderen deutsche-mugge-Leser im Verlauf meines folgenden Berichts Interesse geweckt werden, näheres über diese - und ich sage nicht ohne Grund - einmalige Einrichtung zu erfahren, (z. B. über besagte musikmotivierte Aktivitäten, über Benefiz-Projekte, über die Geschichte des Beat Archivs, über den Freundeskreis und genaueres vom Verlauf des Treffens…), dann verweise ich interessierte Leser am Ende dieses Beitrags gern auf einen Link des Beat Archivs.

Nun erst einmal

Meine "Befangenheiten" gegenüber
dieser großartigen Einrichtung

Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich hier mitteile, dass sich "Beat Archiv" vor allem versteht als ein Freundeskreis von Beatles-Fans, auch als ein Kreis von Musikern, z. B. mit Leidenschaft für möglichst originalgetreu zelebrierte Beatles-Songs, aber auch für sehr lebendige Versionen interessanter, individuell geprägter Versionen dieser genialen Lieder der vier Jungs aus Liverpool. Zu den Freunden des Beat Archivs Glauchau, die der Einladung gefolgt sind, zählten auch ziemlich bekannte Künstler, wie Rod Davis und Tony Sheridan, die die Kenner der Beatles-Geschichte kaum vergessen haben und welche Musikliebhaber auch mit Sicherheit nie vergessen werden. Ich meine, Künstler mit legendären Namen der Beat-Geschichte, mit prägenden Identitäten der früheren Jahre der Beatles-Ära. Es sind zudem einfach mal Freunde mit beeindruckender Treue und Verbundenheit zum Kreis, die für die Freunde des Beat Archivs zu wichtigen Anlässen inzwischen selbstverständlich geladene Gäste sind und als solche geradezu symbolisch für einen "Beatles-Fanclub" stehen.

b 20130124 1853752647

Auch hier noch mal zur Orientierung für Interessierte und nicht ganz am Rande erwähnt: Edmund Thielows ursprünglich genanntes Museum "Beatles-Museum" musste vor längerer Zeit umbenannt werden und ist ja nun seit Jahren auch schon längst bekannt unter dem Namen "Beat Archiv". Der Beibehaltung des ursprünglichen Namens standen nämlich Paragraphen und Absatz sowieso des Beatles-Urheberrechts im Weg. Auch das kann man ja mal kurz erfahren.

Zurück zu den Prominenten. Es mögen einige wirklich kaum glauben:
Zum Freundeskreis des Beat Archivs gehören gegenwärtig tatsächlich ehemalige Mitglieder der Beatles aus den Gründerzeiten, auch Freunde der Beatles heutiger Zeit gehören dazu. Beispielsweise der am Abend anwesende Hans-Walther Braun (Icke), Freund von Paul McCartney, dessen Beziehung zu Paul McCartney auch aktuell besteht.
Und wie bereits erwähnt, am Abend anwesend waren keine geringeren, als (ich zitiere hier kurz aus Edmund Thielows Berichten zu "20 Jahre Beat Archiv"):

- Tony Sheridan. Er spielte zur Eröffnung des Beat Archivs in Glauchau und es gab zahlreiche gemeinsame Projekte (z. B. das Buch "Tony Sheridan-Biographie/Discographie", ISBN 3-9804452-1-6) und Veranstaltungen vom Beat Archiv in Glauchau. Er war mehrmals Gast im Beat Archiv. Die Beatles waren seine Begleitband bei den Aufnahmen zur legendären LP "My Bonnie" und ich, ziemlich frech, erlaube mir hier mal einen kleinen Vorausblick: Mit Tony Sheridan hatte ich dann im Verlauf des Abends übrigens sogar ein kleines musikantisches Intermezzo "mit Augenzwinkern", aber das war natürlich der absolute Hammer für mich persönlich.

Ich zitiere weiter aus dem Bericht von Edmund Thielow:

- Rod Davis, Mitglied der ersten Band von John Lennons "The Quarrymen". Er war dreimal Gast im Beat Archiv (zweimal solo und einmal mit der Band). Er unterstützte das Fanbuch "John Lennons Quarrymen - Yesterday and Today" von Edmund Thielow.

- Hans-Walther Braun (Icke) und Ehefrau , Freund der Beatles aus Hamburger Tagen. Er war einmal Gast im Beat Archiv sowie Gast der Veranstaltungen "40 Jahre My Bonnie" in Glauchau und "50 Jahre My Bonnie" in HH/Harburg. Auch er unterstützte das Fanbuch "John Lennons Quarrymen - Yesterday and Today" von Edmund Thielow.

Darüber hinaus habe ich wohl die große Freude, während dieses Anlasses auch einige mir gut bekannter, ambitionierter Musikerkollegen in Sachen Beatles zu begegnen, so z. B. die Jungs der Beatles-Cover-Band aus Berlin (Zitat aus Edmund Thielows Bericht) "Frankie goes to Liverpool". Axel Stammberger, Lutz R. Forstbauer, beide waren z. B. maßgeblich an der Produktion der Benefiz-CD "All you need is love" mit in Aktion, ebenfalls in dieser Band dabei, Eugen Braumann und Gerald Zaczyk. Außerdem in Aktion mit individuell gestalteten Bearbeitungen von Beatles-Songs, der Solist Andreas Geffarth und nicht zu vergessen der Sänger und Gitarrist Lothar Becker der Band "Die Strawberries".

Rod Davis ist übrigens gegenwärtig weiterhin weltweit mit Konzerten unterwegs. Er pflegt gemeinsam mit den inzwischen anderen älteren Herren dieser ehemaligen Schülerband aus Liverpool auf sehr lebendige und kommunikative Weise u. a. den ursprünglichen Mersey-Beat als "John Lennon's Quarrymen".

Durch die langjährige Freundschaft mit Edmund Thielow (Beat Archiv) nahm ich an vielen Aktionen des Beat Archivs teil. So hatte ich im Herbst 1999 die großartige Gelegenheit, bei einem Treffen im Beat Archiv (Autogrammstunde) den ersten Drummer der Beatles, Pete Best, kurz persönlich zu begegnen. Pete Best, ein feiner englischer Gentleman, wie er "im Buche steht", wurde damals von Edmund Thielow nach Glauchau eingeladen und war sich nicht zu fein, tatsächlich nach Sachsen zu reisen, um die Beatles-Fans und Freunde des Beat Archivs zu besuchen, was ja nun wirklich eine besondere Ehre für die Freunde in Glauchau und deren Gäste war.

Durch häufiger werdende Begegnungen und Aktivitäten - ich wurde oft zu Veranstaltungen eingeladen - wuchs eine gute Bekanntschaft zur Freundschaft mit Edmund Thielow. Darüber hinaus auch zu anderen Freunden und Gästen des Beat Archivs, Undine und Günter Queck. Ich bin ständig angeschlossen und über die Aktivitäten des Vereins bestens informiert (Besuch von Konzerten der Quarrymen in Deutschland, Events in Sachen Beatles Fan-Konvention). Auch bin ich ständig auf dem Laufenden z. B. über neue DVDs der letzten zwei Jahre, in denen besonders George Harrison und John Lennon gewürdigt wurden. Auch andere sehr Beatles-pfündige DVDs und CDs finden sich inzwischen in meinen zünftigen Regalen, meist Geschenke meiner Freunde aus Glauchau. Ich konnte mich außerdem durch sachkundige Recherchen des kundigen Edmund Thielow in Beatles-Belangen mal schlau machen, welchen Wert inzwischen meine gute alte Beatles-Plattensammlung, eine spezielle Originalkollektion aller erschienenen LPs, hat. Wegen solch toller, sehr kompetenter und anderer schöner kleiner Geschichten und immer wieder neuer sehr interessanter Aktivitäten des Vereins und des Beat Archivs war es u. a. auch deshalb ein großes Bedürfnis für mich, der Einladung von Edmund Thielow zu folgen und dem Anlass "20 Jahre Beat Archiv" beizuwohnen und mich sogar künstlerisch mit einzubringen, soweit es mir möglich ist.

Es sei mir an dieser Stelle noch kurz gestattet, einen Blick in Edmund Thielows Beat Archiv-Fundus zu werfen, auf ein, zwei besonders erwähnenswerte Aktivitäten bzw. Projekte, worauf sich meine Befangenheit und Verbundenheit zum Beatarchiv gründet, hinzuweisen. Ich zitiere noch einmal auszugsweise aus Edmund Thielows Berichten:

- Ebenfalls sollte das Benefiz-CD-Projekt "All you need is love - artist children aid" Beachtung finden, welche 7.500,00 DM + 131,00 EUR an Spendengeldern für ein Kinderhaus in der rumänischen Partnerstadt der Stadt Glauchau einspielte. Die Benefiz-CD war ein Projekt des "Sgt. peppers club - e. V." Projektmanager war Edmund Thielow.

- Auch die Gedenksingle für John Lennon "One Minute Silence" sollte man nicht vergessen. Der Erlös des Singleverkaufs von 210,00 DM ging an den gemeinnützigen Beatles-Fanclub "Sgt. peppers club - e. V."

- Am 29.11.1997 stiftete Edmund Thielow eine Gedenktafel aus Anlass der Produktion der Schallplatte "My Bonnie" von den Beatles und Tony Sheridan an ihrem Aufnahmeort in der Aula des Friedrich-Ebert-Gymnasiums in Hamburg/Harburg.

- Im September 2001 wird die CD-Single "Historical Moments" - Rod Davis and Tony Sheridan - veröffentlicht.

Hoffentlich haben diese Notizen bei den deutsche-mugge-Leserinnen und Lesern Interesse geweckt, weiteres und näheres über das Beat Archiv zu erfahren.

Aber nun der Reihe nach, mein Bericht über das tolle Treffen Anfang Oktober, 2012:

Ein erfrischendes, musikantisch-erwärmendes
Treffen von Freunden des Beat Archivs Glauchau,
am Tag anlässlich seines 20-jährigen Bestehens

Ich komme, wie immer, wenn ich mal auf Reisen bin, in Begleitung von ambitionierten Begleitern, also meinem Freund, Fahrer und Assistenten in vielen Dingen, Sigi Tieke, einer Pflegerin und einem Pfleger (mit Pflegebett, Rollstuhl, Beatmung, Pflegeutensilien usw.). Ich komme also nach etwa drei Stunden Fahrt aus Berlin Bohnsdorf an - und zwar im "Wettiner Hof", einem lauschigen Plätzchen in Glauchau, Sachsen. Endlich da!

c 20130124 1951087174

Voller Erwartung und ziemlich erregt, wegen der nicht zu unterdrückenden Wiedersehensfreude zu einigen Freunden des Vereins und des Beat Archivs. Diesmal bin ich übrigens auch in Begleitung von Tochter Vivien, die des Öfteren ihre Gitarre dabei hat, um aber nun zu diesem besonderen Anlass möglicherweise das eine oder andere selbst bearbeitete Lied der Beatles zu zelebrieren. Ich teile ihr noch mit, dass ich ganz bestimmt mehr "Lampenfieber" habe, als sie selbst. Dann nehmen die Dinge der allgemeinen Vorbereitung ihren Lauf. Spontane Begrüßung durch die Autoscheibe mit Edmund Thielow, dem Organisator des Geschehens zum Anlass und - wie sollte es anders sein - mit meinen Freunden aus Glauchau, Undine und Günter Queck, Ich vernehme etwas aus der Ferne, den Soundcheck im kleinen Saal des Hauses, erkenne bekannte Gesichter aus früheren Zeiten, sehe freundlich leuchtende Augen. Die Leute sind ziemlich aufgeregt - ich nehme wahr, wie einige Freunde mit sichtlicher Hingabe vertieft sind in ihren Vorbereitungen, zum Gelingen dieses Meetings. Und das durchzieht alle Räume. Alle sind inzwischen davon spürbar infiziert. Edmund Thielow, der gute Gründer des Vereins begrüßt mich, etwas in Eile, sehr herzlich, mit ziemlich errötetem Gesicht, "Es sind noch nicht alle eingetroffen, wir wollen doch pünktlich 16.00 Uhr das Begrüßungsfoto machen" und schon ist er wieder weg. Was für eine Beflissenheit, geht mir so durch den Kopf. Mich durchströmt trotz diesem ganzen Treiben auf einmal eine geradezu beruhigende Wärme, langsam spüre ich sehr deutlich, es gibt da wohl einen gravierenden Unterschied zu einigen mir schon oft begegneten prägenden Momenten des Live-Geschehens der professionellen Szene: Es bedrängt mich im Unterschied zu ziemlich oft Erlebtem in keiner Weise irgendeine Hektik, es herrscht - bei allem Geschehen vor Ort - kein Chaos, wie z. B. auch oft bei einem Soundcheck vor einem wichtigen Konzert-Event, das zu gelingen hat. Es langweilt mich auch keine oft erlebte, längst abgeklärte, ich sage mal professionell abgefuckte Gelassenheit vor einem perfekt durchgestylten Event, bei dem es eigentlich an nichts fehlt, außer dann vielleicht an spürbarer musikantischer Leidenschaft! Sowas habe ich leider alles schon selbst erlebt. Ich frage mich nun erneut, wieso erlebe ich heute im Unterschied zu solchen und ähnlich allzu bekannten "professionellen" Begleitmomenten nun auf sehr wohltuende Weise eine, ich glaube - manchmal schon völlig vergessene, oft längst verloren gegangene - unvoreingenommene, offene, ursprüngliche Art von Begegnungen zwischen Kollegen. Damit meine ich Erlebnisse wie, sich einfach normal treffen zu können, frei von Eitelkeiten, frei von oft spürbarem Neid oder Argwohn anderen Kollegen gegenüber, unbeschwert von arrogant erscheinenden Allüren und Konkurrenzgebaren. Ich spüre keinerlei Strategie in Gesprächen, möglicherweise geprägt von überzogenen Erwartungen oder vom Druck hintergründiger, nötigender, manchmal auch verlogener Ambitionen usw. Ich erlebe und genieße geradezu dieses unbeschwerte Erlebnis von wegen "einfach hallo sagen können" und dabei Freuden in die Augen sehen, Begegnungen mit spontanem Interesse für den anderen "na, wie geht es dir, was machst du gerade? Erzähl doch mal!". Im Gegensatz zu anderen häufig erlebten, ziemlich distanzierten Begegnungen, komme ich heute ganz locker und völlig unkompliziert ins Gespräch. Langsam werde ich immer ruhiger und zuversichtlicher, trotz aller ringsum herrschenden Unruhe und anfänglicher Anspannung, auch wegen meiner eigenen Vorbereitungen zu diesem Treffen und ich spüre: Es kann heute überhaupt nichts schief gehen, egal welche Panne auch passiert! So etwas habe ich leider viel zu selten erlebt. Irgendwas schwebt in der Luft, etwas ungemein angenehmes, erfrischendes, liebevolles. Keine Ahnung, was es ist, ich muss es unbedingt rauskriegen. Axel Stammberger kommt auf mich zu, "Also machen wir heute unser spezielles 'If I fell' wie neulich - OK?" Ich erfahre noch, wann unsere Version des Songs im Rahmen des "Frankie goes to Liverpool"-Konzertes kommen soll und spüre, alles wird gut.

d-long 20130124 1107750332

Rod Davis kommt kurz an meinem Pflegebett vorbei."Hallo, how are you - it's nice to - 'Come together' -, nice to meet you again, hope ev'rything is going right" - usw. Ich zeige ihm noch mein T-Shirt, welches ich trage. Rod: "Oh! What a surprise! Hey, it's looking good!" Es ist mein Quarrymen-T-Shirt, welches ich vor drei Jahren von Rod als Erinnerung an eine persönliche Begegnung geschenkt bekam, dann lass' ich mir noch eine Quarrymen-Krawatte umbinden (ebenfalls ein Geschenk von vor drei Jahren), wir haben einen Riesenspaß. Ich teile Rod noch mit "If you´re interested, I will send you an E-Mail next time, I´d give you some informations about my new projects - and I´d like to know, something about you, and - naturaly - something about the Quarrymen, I´d like to know, - where will you have some gigs next time...

Dann kommt Edmund Thielow noch mal vorbei und bietet mir an: "Reinhard, vielleicht kannst Du ja mit ein paar Worten am Anfang des Meetings die Freunde begrüßen und persönliches über das Beat Archiv mitteilen." Ich fühle mich sehr geehrt und denke, ich werde wohl ein paar nette, würdige Worte aus meinen persönlichen Erlebnissen mit dem Verein zum heutigen Anlass finden. Was soll ich da noch sagen? Ich fühlte mich auf sehr erwärmte Weise einbezogen - ich fühle mich zu Hause unter Freunden des Beat Archivs zu Glauchau!

Und nun ein paar

persönliche Erlebnisse und Gedanken zu der dann folgenden
Fete selbst - auszugweise - aus dem Geschehen zum
20-jährigen Bestehen des Beat Archivs zu Glauchau

Edmund Thielow ruft die geladenen Freunde zusammen. Es wurde eine Fotografin engagiert, um ein Erinnerungsfoto, gemeinsam mit allen Anwesenden, zu machen, wovon noch am selben Abend für jeden Gast ein repräsentativer Abzug angefertigt werden soll, auch geeignet, um von jedem Freund auf dem Foto gleich am selben Abend ein Autogramm zu bekommen. Es wurde wohl an alles gedacht. Alle Leute kommen gern in die Mitte des kleinen Saals und stellen sich gutwillig "im Halbkreis" auf, wie man so schön sagt. Die Freunde nehmen mich mit meinem Rollstuhl in die Mitte. Ich denke mir, so gelingt sicherlich ein gut gestelltes Foto, ein vortrefflich repräsentatives Dokument des "Beat Archiv-Sanatoriums anno 2012". Na ja, wir hatten unseren Spaß - und was soll all die Eitelkeit! :-)

e 20130124 1172610665

Es wurde, wie könnte es würdiger zu diesem Anlass sein, eine große Tafel vorbereitet. Edmund lädt alle Freunde zum deftigen Abendessen ein. Natürlich gibt es zu Bier, Wein und andere feine "Schmackes"-Getränke, in etwa vielleicht unter dem Motto:"Take a drink from his special cup - 'Doctor Robert'". Ich bevorzuge meinen trockenen Rotwein, obwohl inzwischen ein Gerücht kursiert: Der Fißler trinkt keinen Rotwein mehr. Wie gesagt, es ist eben nur ein Gerücht, also warum sollte man ihn sich nicht gönnen - 'A taste of honey'. Überall vernehme ich angeregte Konversation, offensichtlich gibt es viel zu berichten. Es herrscht eine angenehme Stimmung im Saal. Aus gewisser Entfernung am großen Tisch winkt mir Tony Sheridan zu. "Hallo!" Das besonders Schöne, was ich in dieser großen Runde wahrnehme, ist: Niemand an der Tafel ist allein oder einsam, jeder sucht mit seinem Nachbarn, sichtlich interessiert, ein Gespräch. Es herrscht von Anfang an einfach Wärme zwischen den Leuten. Auch unter solchen, die sich noch gar nicht kennen! Auch diesbezüglich habe ich schon ganz andere Meetings erlebt, so auch bei elitären Feten, "belebt" durch Gespräche mit spürbarer Distanz, oft unverbindlich, dafür strategisch und einfach mal cool. Gespräche ohne wirkliche Nähe und Offenheit, bezeichnender Weise zwischen Leuten, die sich sehr wohl kennen! In diesem Punkt spüre ich erneut den Unterschied zu dem, was heute beim Meeting der Freude des Beat Archivs abgeht. Ich frage mich schon wieder, wer ist eigentlich "Schuld" an diesem Wohlfühl-Narkotikum, mit dem hier offensichtlich alle Freunde geimpft wurden?

Es geht los, ich habe also die große Ehre, ziemlich am Anfang der offiziellen Eröffnung des Treffens, die Freunde und Gäste zu "20 Jahre Beat Archiv" zu begrüßen und finde wohl ein paar würdige, persönliche Worte aus meinem Erinnerungsschatz der Begegnungen mit den Freunden des Beat Archivs. Edmund lässt darauf die Aufnahme meiner Demo-Produktion einer speziellen, eigenen Version des John Lennon-Songs "Imagine" abspielen. Zu meiner großen Freude wird diese Version von den Gästen mit Aufmerksamkeit angenommen. Dann werden Blumen und Geschenke überreicht und Glückwünsche zum "Zwanzigsten" ausgesprochen. Gläser klingen, alles verläuft ziemlich locker musikzünftig, partymäßig und durchaus feierlich. Man prostet sich zu, es wird ausgelassener, die Gespräche gehen weiter, Freude geht um, es wird auch mal etwas lauter...

Edmund Thielow eröffnet das Live-Konzert und begrüßt nun im Verlauf des Abends die Musiker, Künstler, Bands, die speziellen Live-Musik-Projekte sowie alle Session-Wütigen, "bewaffnet" mit Mundharmonika, Schellenring, Waschbrett… Er bittet alle Akteure, zur Feier des Anlasses vornehmlich Beatles-Songs zu zelebrieren.

Es ist mir nicht möglich im Folgenden, auf jeden geschätzten Künstler und noch weniger auf jeden Song des ergiebigen Programms im einzelnen und in Gänze einzugehen. Auch hier verweise ich lieber erneut auf den Link am Schluss meines Beitrages (siehe Anhang), unter welchem u. a. der gesamte Programmverlauf des Abends abrufbar ist. Ich beziehe mich in folgenden Auszügen aus dem ganzen Happening auf für mich besonders markante Geschehnisse, die nach meinem Gefühl wohl bei den Freunden des Vereins auch nachhaltige Spuren hinterlassen werden. (NACHHALTIG, welch oft und gern missbrauchtes Wörtchen, ich weiß.) Dazu im Ausblick am Schluss noch ein Gedanke. Grundsätzlich sei zum folgenden Live-Geschehen gesagt:

Beatles-Songs live darzubieten, ist
an niemanden exklusiv verpachtet.

Jeder, auch angehende Künstler, haben das Recht, Beatles zu spielen (nachzuspielen, zu covern, zu bearbeiten…). Selbstverständlich sollte bei jeder Veröffentlichung entsprechendes Beatles-Urheberrecht beachtet werden und ich meine, verdientermaßen. Wie oben schon mal klar dargelegt, war das Freundestreffen "20 Jahre Beat Archiv" eine private Feier, eine nicht öffentliche Veranstaltung. Wesentlich bleibt selbstverständlich seitens der Künstler aus meiner Sicht, etwas gebührende Demut gegenüber den Beatles spürbar zu machen, um die es ja bei den musikalischen Darbietungen des Abends hauptsächlich ging:

Der respektvolle, liebevolle Umgang mit Beatles-Songs.

Hier spielen eigene Gedanken und Kriterien hinein, zur Bewertung von Güte und Qualitäten, z. B. über Versionen von Beatles-Songs (Cover-Versionen, Originalversionen usw.) aus meiner Sicht, auf Grund des eigenen praktischen Umgangs mit Beatles-Songs als Musiker und alter Beatles-Fan.

f 20130124 1449283464

Und damit komme ich zurück mitten ins Live-Geschehen der Jubiläum Fete des Beat Archivs zu Glauchau. Genau das soeben Gemeinte kann ich den ganzen Abend hindurch mit Freude erleben und ich kann sogar live mit dabei sein. Lothar Becker eröffnet spartanisch, nur mit Gitarre begleitet, das Live-Geschehen. Ich erfreue mich an seiner persönlich verinnerlichten Darbietung von "Yesterday" und "Norwegian Wood". Andreas Geffarth berührt mich mit seinen sehr individuell gestalteten Coverversionen mit Gitarre und Gesang, z. B. mit seinem "Michelle". Besonders erwärmend ist für mich, bei all seiner individuellen Bearbeitung der bekannten Songs, seine Treue zur charakteristischen kompositorischen Struktur der Musik der vier Jungs aus Liverpool, die man zur Kennung eines Beatles-Songs wohl auch erwartet und sei es, um dann auch gleich mitzusummen oder laut mitzusingen. So gehört, so gesehen erlebe ich Andreas' Leidenschaft auf der Gitarre und gleichzeitig von ihm sanft berührt, die Beatles.

Toll fand ich dann auch seine kollegiale und musikantische Reaktion, die Unterstützung beim Auftritt von Vivien (schnell Mikro justieren, Gitarrenkabel anschließen und spontan mit seiner Gitarre auserlesene Töne mitspielen) bei ihren ebenfalls speziellen eigenen Versionen z. B. von "Eleanor Rigby". Ich spüre erneut, niemand wird heute allein gelassen, es macht hier eben nicht jeder egoistisch sein eigenes Ding, sondern jeder geht wohl gern ohne irgendwelche Konkurrenzgedanken im Hinterkopf auf den anderen freundlich und kollegial zu. Ähnliches setzt sich über den ganzen Abend fort. Der Bassist der Band "Frankie goes to Liverpool", Eugen Braumann z. B., assistiert am Mixer auf der Bühne jede mitwirkende Künstlerin, jeden Künstler - schnell, unkompliziert und kaum spürbar bei der Bewältigung und dem Handling der Technik, wie es bei einem professionell eingespielten Stage-Team einer Road-Crew eben abläuft, zugegeben nicht mit einem derart komplexen technischen Anspruch und Aufwand - von wegen vier oder sechs Keyboards, zwei Schlagzeugen im Wechseleinsatz, individueller Monitor im Bühnenbereich usw. Dafür aber Mikro hier hin, da hin, ebenso Gitarrenkabel schnell gelegt, Pegel hoch, runter, etwas am Klang reguliert. Die Verständigung erfolgt über kurze Zeichen und Blickkontakt, dabei gibt es keine Affekte, keine bösen Blicke, es läuft so ab, als ob es schon seit langem täglich funktioniert. Und es funktioniert! Weil offensichtlich jeder weiß, worum es heute geht und weil sich jeder gern dafür einbringt. Ja, und es geht heute natürlich weiterhin um Beatles-Musik, die wohl alle Freunde des Beat Archivs seit langer Zeit verzaubert und heue zusammen gebracht hat.

Langsam wird mir immer klarer, welches Geheimnis hinter allem steckt, weshalb dieser Abend auf diese Weise so wunderschön verläuft, mit dieser Selbstverständlichkeit und Gelassenheit, mit dieser Magie.

Die Berliner Beatles-Coverband "Frankie goes to Liverpool" zelebriert nun weiter Beatles-Songs auf sehr originalgetreue Art. Und mir wird wieder einmal klar, dass die alte Beatles-Musik (ich meine sowohl die frühen, als auch die späteren Lieder der vier Jungs aus Liverpool), so wie von "Frankie goes to Liverpool" eben, sehr originalgetreu dargeboten, auch heute an Kraft und Frische nichts verloren hat. Auch hier beeindruckt allein die Pflege der schönen Strukturen der Original-Musik, die die Beatles damals geschaffen haben, z. B. die einprägsamen Melodien, Harmonien usw. "Frankie goes to Liverpool" realisieren für mich auch sehr ansprechend z. B. die anspruchsvollen, charakteristischen (teilweise vierstimmigen) Satzgesänge, ebenso die unkompliziert daherkommenden und wie ich noch weiß, trotzdem überhaupt nicht einfach zu spielenden Originalarrangements, dann die Gitarrensoli (nicht unbedingt mit dem permanenten Ehrgeiz mit Original Harrison-Sounds zu brillieren, dafür aber z. B. mit den Chorus-Melodie Strukturen). "Frankie goes to Liverpool" vernachlässigt auch keinesfalls die markanten Basspassagen, auf die ich natürlich warte und seien es hier eben mal die Tonleitersequenz-Schlussläufe bei "Across the Universe". Bassist Eugen Braumann greift dabei sympathischer Weise beherzt in die Saiten des McCartney-legendären Höfner-Basses. Ich freue mich auch darüber, dass die Solo Gesänge authentisch von den "Frankie goes to Liverpool"-Sängern mit ihren eigenen Stimmen zelebriert werden und nicht etwa mit einer verzweifelten Imitation z. B. der Lennon- oder McCartney-Stimmcharakteristik. So erfüllt sich für mich an diesem Abend mit "Frankie goes to Liverpool" ein erfrischend originalgetreues, zugleich auch eigen-authentisches, also rundum Beatles-würdiges Konzert, versehen mit den guten Erinnerungen, vorgetragenen mit Lebendigkeit und Zeitgeist. Ich bin mit dieser Freude wohl nicht allein, sagen mir Aufmerksamkeit und Reaktionen (Applaus) der anwesenden Freunde. Der liebevolle, respektvolle, spürbar verinnerlichte, zugleich aber ungestüme, ungebremste Umgang mit den Beatles-Songs (das gehört meiner Meinung alles zur Demut gegenüber der guten alten, unvergessenen Authentizität der vier Jungs aus Liverpool) ist einfach mal ansteckend und belebt alle im Saal.

Ich fühle so etwas, wie eine Beatles-Spiritualität. Es ist nicht die früher gefühlte, erlebte, stark erotisierende Wahrnehmung der Beatles-Hits, die ja anfangs erfreulicher Weise sogar im Ost-Radio nicht zu überhören war oder mal vom Tonband eines befreundeten Freaks der Beatmusik. Es ist natürlich auch schon lange nicht mehr das Blitzlicht der damals aus der Ferne wahrgenommenen Beatles-Manie. Ich empfinde und meine mit "Beatles-Spiritualität" ein nicht mehr so schock-erotisches Gefühl, wie zu meiner Jugendzeit. Ich meine ein verändertes, aber permanent warmes Gefühl, welches ich in mir trage, möglicherweise wegen dem nachfolgend intensiveren Hören der Beatles-Songs und wegen der Beschäftigung mit dieser Musik und zwar von möglichst allen nunmehr greifbaren LPs und Veröffentlichungen der vier Jungs. Ich trage in mir nunmehr ein Gefühl, was aber heute viel tiefer sitzt, als damals. Das besonders Schöne und mir an diesem Abend bei den anwesenden Freunden dieser Party Auffällige ist, zu spüren: Es ist wohl ein gemeinsam innewohnendes Gefühl, ich sage einfach mal, eine inzwischen gewachsene, vielerorts und von vielen Menschen und Musikern getragene, infizierte Beatles-Spiritualität. Es ist ein erwärmendes Gefühl einer Gemeinsamkeit...

h 20130124 1073230321

Die Party geht weiter. "Frankie goes to Liverpool" ist ja gerade erst mittendrin in ihrem Konzert und bedient jetzt leisere Töne und blumigere Akkorde in Harrison's "Here comes the sun". Axel Stammberger singt es auf eigene, sensible Weise (eben nicht auf Harrison's Stimme dressiert), passend zum Lied und bringt mit seiner akustischen Gitarre virtuos die wunderbaren charakteristischen Instrumentalpassagen zwischen den gesungenen Strophenzeilen (Harrison-getreu) zu Gehör und das im exzellenten, dezenten Zusammenspiel gemeinsam mit der Band. Ich bin wiederum sehr angetan und finde diesen Song auch vom Programmverlauf her sehr gut platziert, um danach - noch leiser werdend - unsere spezielle Coverversion von "If I fell" darzubieten.

Hm - jetzt bin ich wohl dran. Axel und ich, wir hatten uns ja etwas zu diesem Lied einstudiert, was auch für mich gesanglich zu bewältigen ist. Meine künstliche Beatmung setzt mir ja immer gewisse Grenzen. Sie kann übrigens durch das alleine Üben zu Haus inzwischen bestimmt "ein Lied davon singen" (von "If I fell"). Die wesentliche, wirklich tragende Unterstützung zum etwas Freiersingen und zur moderateren Gestaltung dieses sehr melodiösen Liedes (vom Original her genial gesetzt, zweistimmig zu singen) bietet mir Axel. Er rollt mir geradezu einen Teppich aus, indem er mir, langsamer als gewohnt, ebenfalls freier gestaltet, mit seiner Art, Gitarre zu spielen, ein gefühlvolles instrumentales Entrée hinlegt und meinen Gesang entsprechend weiter begleitet, so dass mein Pflegebett mit mir ganz leicht, nicht sichtbar, "ins Schweben" geraten und ich mit meiner nunmehr zarteren Stimme dieses Lied wohl doch ganz gut allein zum Tragen bringe. (Dazu äußere ich mich hier nicht weiter.) Sehr musikantisch und wohltuend begleitet uns (Axel und mich), dezent im Verlauf des Songs Eugen Braumann mit sparsamen Basstönen und ab und zu mit der genialen zweiten Stimme Gesang (Woher hat er das bloß? - Wir hatten es nicht geübt). Gerald Zaczyk am Schlagzeug kann sich nicht zurückerhalten und spielt, ebenfalls unserer speziellen Version entsprechend, spontan einzelne "grammschwere Pfunde" (Hihat und Kick). Selten erlebt, aber wahr. "Frankie goes to Liverpool" und ich, wir lachen uns zu, ich ziehe mich wieder zurück und nehme aus der Ferne ein Lächeln wahr, weit hinter'm Fenster, ein sinniges Lächeln von George, John, Paul und Ringo.

Die Herren von "Frankie goes to Liverpool" setzen ihr Beatles-getreue, zugleich authentisches Konzert mit ihrer Frische und Hingabe fort, zum allgemeinen Wohlgefallen der Freunde des Beat Archivs, die sich nach und nach von der weiter hinten befindlichen Tafel erheben und sich mit dem Stuhl unter'm Arm einen Platz weiter vorn in der Nähe des Live-Geschehens sichern. Es läuft nun ein aufgelockertes Konzert in angenehmer Beat Archiv eigener Clubatmosphäre Ich erlebe weiterhin eine unbeschwerte, gelöste Stimmung einer Gemeinschaft von Freunden des 20-jährigen Vereins, von Fans der vier Jungs aus Liverpool, John, Paul, George und Ringo, deren Mitstreiter aus Gründungszeiten, Toni und Rod und heute beehrt von langjährigen Partnern des Beat Archivs aus Glauchau auch weitgereiste aus Hamburg und aus z. B. Litauen und ich bleibe dem Geheimnis des Abends auf der Spur: Worauf beruht diese spürbare Offenheit, ja Nähe zwischen den Leuten, diese Gelassenheit und Unbeschwertheit, welche Magie liegt in der Luft, oder kommt das alles mehr aus der Tiefe?

Zwischendurch habe ich Smalltalk mit Bekannten aus früheren Begegnungen zu Anlässen des Beat Archivs, treffe kurz Thorsten Dahlberg, den Amtsleiter für Kultur der Stadt Glauchau, dem ich damals auch zum Meeting mit Pete Best begegnete. Das war im Rahmen einer Beatles-Fan-Konvention des damaligen Beatles-Fanclubs "Sgt. peppers club - e. V." von Edmund Thielow. .Mir lag auch eine wichtige Frage zwecks Würdigung der Vereinstätigkeiten zum "20sten" z. B. seitens der Stadt Glauchau auf der Zunge. Ich komme im Moment nicht dazu. Wir wollen uns später am Abend gern weiter unterhalten. Mit Andreas Geffarth tausche ich mich etwas aus über eigene Authentizität bei Bearbeitungen und Coverversionen von Songs. Edmund Thielow teilt mir mit, dass mich Tony Sheridan etwas später bei seinem Live-Part zum Klassiker "Georgia on my mind" gesanglich dabei haben möchte. Oy-Yoy-Yoy! schießt mir durch den Kopf, würde Bob Marley singen. Das könnte aber gut gehen. (Ich hatte ja schon einmal vor etwa drei Jahren die Ehre, zu einem privaten Anlass in Glauchau ein paar Töne gemeinsam mit Tony zu singen.) Günter Queck, mein Freund aus Glauchau, kommt ebenfalls während des "Frankie goes to Liverpool"-Konzerts noch kurz vorbei, fragt, ob er denn die nächsten Highlights für mich per Handkamera dokumentieren soll."Ja, unbedingt!" Inzwischen ist die Stimmung weiter angeheizt.

g 20130124 1802957723

Edmund Thielow kündigt Tony Sheridan an. Der kommt mit seiner Gitarre an die Front (Lutz R. Frostbauer positioniert, wie heute schon des Öfteren gehabt, schnell ein Mikro, Gitarrenstecker rein, Eugen Braumann checkt die Pegel...).

Los geht's. Ich erlebe einen Tony Sheridan, ganz natürlich, fast scheu und völlig frei von irgendwelchen Allüren - wie er party- und clubszenemäßig als Musikant zunächst mit verbindlichen Worten die Freunde anspricht und dann live mit Gitarre und Gesang und mit ein paar Rock'n'Roll-Steps zunehmend zum Kind wird, wie wohl einst in den 60er'n auf der Bühne. Er holt, für mich ziemlich unerwartet, begleitend zum Gesang, Harmoniestrukturen und Übergänge auf der Gitarre in unterschiedlichsten Lagen aus'm Ärmel, die ich einfach mal als anspruchsvoll Jazz Blues-artig empfinde. Seine im nächsten Moment einladende musikantische Offenheit mir gegenüber gibt mir nun animierende Impulse, sein "Georgia on my mind" mit meinen spontanen, ich denke dann einigermaßen passenden Gesangspassagen, zu begleiten. Tony ist offenbar davon angetan, die Freude sitzt natürlich sehr tief in mir und mir fehlen jetzt - gebotener Maßen - weitere Worte. Tony lädt nach einem weiteren anspruchsvollen, eigenen Song zum gemeinsamen weiteren Losmusizieren ein, auch eingeläutet von Edmunds Ankündigung des nun bevorstehenden großen Live-Finales, nun auch gemeinsam mit Rod Davis von den "Quarrymen". Es ist eine wahre Freude, dem nun folgenden urwüchsigen Skiffle beizuwohnen, mit all seiner Lebendigkeit, mit oder ohne Waschbrett und mit all seinen innewohnenden kleinen unkonventionell und ungewohnten Kadenz- und Rhythmuswechseln (z. B. in dem lebendigen Song "Midnight Special"). Die jugendlich wirkendenden, natürlich zweifellos älteren Herren, Rod und Tony, unterstützt von "Frankie goes to Liverpool", werfen sich nun musikantisch die Bälle zu, zwischendurch auch mal auf missverständliche Weise: "Welchen Song spielen wir jetzt eigentlich?" Es ist ein Riesenspaß! Ich kann mir sehr lebendig und bildhaft vorstellen, wie damals alles begann, Anfang der 60er und kurz davor, in den Szenen der jungfräulichen englischen Beatmusik. Es ist, wie schon gesagt, eine Freude, fernab von den Wurzeln dieser Musik, hier in Glauchau im tiefsten Sachsen diesem ab und zu aufkommenden ursprünglichen "britischen Chaos" zuzusehen, manchmal musikalisch nur zusammengehalten von den Grundstrukturen des Rythm'& Blues, Skiffle und old english-Folk der frühen Jahre, des Mersey-Beats aus Liverpool von den "Quarrymen" mit Rod Davis und dem Beatles-Sound aus den Hamburger Gründerzeiten mit Tony Sheridan. Da kann ich nur sagen, das ist ein wahrhaftiger Kultur-Crash und zugleich ein grandioses Finale des Abends zu "20 Jahre Beat Archiv Glauchau".

Es herrscht eine sichtlich zufriedene, ausgelassene und angenehme Ausklangstimmung. Man prostet sich zu, Glückwünsche und Anerkennungen werden rumgereicht, Gespräche setzen sich fort. Ich treffe mich noch einmal kurz mit Rod und seiner Frau, auch mit Tony, wir reden kurz über mögliche künftige Anlässe, Begegnungen und Projekte. Ich treffe mich mit Edmund und seiner Frau und teile meine Freude und meine Dankbarkeit mit - für die großartige und großzügige Vorbereitung. Ich treffe mich mit Günter und Undine. Dann verständige ich mich halb englisch, halb russisch mit Sergey Radshenko aus der Ukraine, einem Aktivisten dortiger Beatles-Fan-Konventionen. Ich treffe Vivien. Sie ist überwältigt vom Abend und ich platze fast vor Stolz. Hoffentlich merkt das keiner...

Ich komme auch noch mal mit den Musikern von "Frankie goes to Liverpool" ins Gespräch, während des Abbaus ihrer Musikinstrumente. Und am folgenden Morgen - Smalltalk über Projekte, Freude, Anerkennung über den gelungenen Abend. Ohne Übertreibung, einfach eine Mitteilung gegenseitiger Würdigung auf Augenhöhe - kollegial und freundschaftlich. Kurz vor'm allgemeinen Aufbruch der noch anwesenden Freunde wird im kleinen Saal ein Abschiedsfoto "geschossen" (ich schon wieder in der Mitte - na. was soll's).

Bei all dem wird noch einmal klar und es klärt sich meine Frage, die mich ja den ganzen Abend begleitet hat, dass dieses einfache, private Treffen von Freunden ohne weiteren verpflichtenden Hintergrund, etwa durch Druck eines öffentlichen Anlasses möglicherweise noch hochgestylt mit entsprechend medialer Präsentation usw., dass solch ein Treffen ohne jeden kommerziellen Hintergrund, eine wesentliche Ursache ist für die Großartigkeit dieses Abends mit all seiner Gelassenheit, mit einer Offenheit, aufeinander zugehen zu können, sich frei von Konkurrenzgedanken vorbehaltlos begegnen zu können, um auf diese Weise ungebremst miteinander zu musizieren, Freundschaft wahrzunehmen und einiges mehr, was einfach nur erwärmt! Und das ist möglich und geschieht an diesem Abend, indem Freunde des Beat Archivs ganz einfach diese einmalige Club-Atmosphäre "Beat Archiv Glauchau" selbst leben.

Und wer trägt letztendlich "Schuld" an dieser M A G I E?

It's easy, ganz einfach - die B E A T L E S! Tja, wenn sie das nur wüssten… Dem möchte ich eigentlich nichts hinzuzufügen. Es sei mir aber an dieser Stelle gestattet, wenige, persönliche Gedanken zu den vier Jungs aus Liverpool, John, Paul, Ringo und George niederzuschreiben.

Die vier Jungs aus Liverpool, John, Paul, Ringo und George haben Quartier bezogen im Gedächtnis und in den Herzen vieler Menschen.

Sie wohnen in uns und wir werden sie einfach nicht mehr los, es gibt nicht so was, wie einen "Mietvertrag", sie haben es sich bei uns aber "gemütlich gemacht", nachdem sie sich bei uns, wie auch immer, eingeschlichen und eingenistet haben und ich meine, mit gebührender Power!

Sie sind aber auch keine "Hausbesetzer", die gegebenenfalls "entsorgt" werden können.

Alles vergeblich, das gelingt eh' nicht. Rausschmeißen, ich meine, einfach vergessen können, es gelingt nicht. Wieso nicht?

Weil die Beatles inzwischen zu uns gehören, weil wir sie in unsere Liebe eingeschlossen haben!

Ich habe mein Herz für sie auch öffnen können, weil ich den Aktivitäten während der 20 Jahre Beat Archiv beiwohnen und mich mit zunehmender Leidenschaft als Sänger und Musiker in einige Projekte der Beatles-Fan-Konventionen mit einbringen konnte. Dabei habe ich wertvolle Bekanntschaften gemacht und gute Freunde kennengelernt. Ich bin dem Beat Archiv Glauchau und seinem Initiator und Gründer, Edmund Thielow, sehr dankbar.

Nachhall und Ausblick

Die Korrespondenzen mit den Freunden des Beat i 20130124 1507868365Archivs setzen sich fort. Von Edmund Thielow und Günter Queck erhalte ich Dokumente, also Bilder, CDs und DVDs vom Treffen. Edmund Thielow sendet mir einen von ihm veröffentlichten Zeitungsartikel des Stadtkurier Glauchau mit dem Titel "Beat Archiv informiert" mit einem Bericht über das Jubiläums-Meeting zu.

Von Edmund erfahre ich auch einen Link, über den Anfang Dezember ein Beitrag über das Treffen von Rod Davis auf einer englischen Beatles-Fan-Clubseite zu öffnen war.

Es gibt nach unserem Treffen einige E-Mail-Kontakte mit Rod Davis.

Ich bekomme kürzlich, wie schon des Öfteren, Besuch von Axel Stammberger. Wir reden über das eine und andere kleine künftige gemeinsame Vorhaben in Sachen Musik.

Ziemlich aktuell, zum Jahresbeginn 2013, erfahre ich von einer gebührenden Auszeichnung für Edmund Thielow in Anerkennung seiner 20-jährigen Arbeit in Sachen Würdigung der Beatles durch Vorträge, Ausstellungen und Events in Glauchau und umgebenem Kulturbereich, im Rahmen seiner Vereinsaktivitäten des Beat Archivs Glauchau. Es handelt sich um eine Ehrennadel der Stadt Glauchau, überreicht vom Oberbürgermeister der Stadt. In meinen Augen eine längst fällige Anerkennung seiner langjährigen, vorrangig gemeinnützigen Arbeit im Rahmen seiner Vereinstätigkeit.

Ich erfahre durch diese nicht abreißenden Kontakte zu den Freunden auch immer wieder etwas über die allgemeine Stimmung unter den Freunden als Nachhall des Treffens zum Anlass "20 Jahre Beat Archiv Glauchau". Etwas, was ich als bleibendes, als Nachhaltigkeit aus dem Jubiläumstreffen des Beat Archivs zu seinem 20-jährigem Jubiläum ansehe, der Zuruf:

Man sieht sich! - "Come Together!"

Anhang
Für interessierte Leserinnen und Leser, die nun gern noch etwas mehr über das Beat Archiv Glauchau und über dessen Aktivitäten erfahren möchten, auch über das Ereignis "20 Jahre Beat Archiv", teile ich hier noch den Link der Einrichtung mit und zwar mit den Worten meines Freundes Edmund Thielow:

"Ein Blick lohnt sich immer auf: www.beatarchiv.de."

Abschließend möchte ich den deutsche-mugge-Leserinnen und Lesern noch alles Gute für das neue Jahr 2013 wünschen!

 


   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2017)