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40 Jahre Puhdys - Die Puhdys in Rock
(Erinnerungen von Reinhard Baer)

 

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Neulich hatte ich am späten Nachmittag einen Termin in Bad Saarow. Da meine Fahrstrecke über das Städtchen Storkow führt dachte ich daran, etwas früher loszufahren und mir mal die Ausstellung "40 Jahre Puhdys" anzusehen. Über diese Schau auf der Burg Storkow war in letzter Zeit viel berichtet worden, und dies machte mich neugierig. Die Burg Storkow war 1978 bis auf die Grundmauern abgebrannt und in den Folgejahren dem Verfall preisgegeben. Erst nach 1990 wurde das Gemäuer aus dem Mittelalter wieder aufgebaut und was da entstanden ist, kann sich sehen lassen. In der oberen Etage des Pallas haben die Puhdys ihre 40-jährige Geschichte in Bildern, Exponaten und per Video dargestellt. Man sieht, nachdem man von einem Foto der Band in Überlebensgröße gewissermaßen begrüßt wird, Bildmaterial aus allen Phasen der Bandgeschichte bis zur Gegenwart. Desweiteren sind alle im In- und Ausland (dazu gehörten ja vor 1990 auch die alten Bundesländer) vertriebenen Tonträger zu sehen. Ein Gipsabdruck zeigt die Gesichter der Bandmitglieder gewissermaßen "In Rock" (siehe das erste Foto auf dieser Seite). Jedes Bandmitglied hat dann eine eigene Nische, wo auf Tafeln Informationen stehen und wenn man die Nische betritt, erscheint der jeweilige Musiker auf einem Bildschirm und erzählt über sich. Zu sehen sind Quasters erste Gitarre (siehe das erste Foto unten), eine Akustikklampfe von Maschine (siehe Bild links), welche wohl bei den Wurf- und Fangkunststücken aus früheren Jahren mal zu Boden gefallen ist. Auch eine Eigenbau-Gitarre, welche Feuer sprühen konnte, ist zu sehen. Über die wechselnden Bühnengarderoben entsprechend der jeweiligen Mode (Schlaghosen, Plateauschuhe) erfährt man einiges.
Beim Betrachten eines Bühnenoutfits auf einem Foto musste ich an meine ersten beiden Begegnungen mit den Puhdys denken. Im Jahre 1972 spielte die Band in der Mensa der Uni Rostock zum Tanz. So ein Tanzabend ging etwa 5 bis 6, ein heutiges Konzert nur 2 Stunden. Damals baute die Band noch ihre Technik selbst auf. Ich weiß gar nicht, ob damals schon ein Techniker dabei war. Eine Bühne war auch nicht da. Man spielte quasi zu ebener Erde auf gleicher Höhe mit dem Publikum. Als die Band zu spielen begann, rannten alle erst mal auf die Tanzfläche. Man sah vor allem einen Musiker (Maschine), der fast einen Kopf größer war, als die Massen. Er sang in sein Mikrophon und spielte auf seiner Fender-Stratocaster. Der erste Titel klang schon irre, harte Riffs und der Vibratohebel wurde arg strapaziert. Deep Purple hatte damals gerade die LP "Mashine Head" rausgebracht, die Puhdys hatten schon "Smoke On The Water" drauf. Weitere internationale Titel an diesem Abend waren von Uriah Heep "Gipsy", von Led Zeppelin "Emigrant Song", die Deep Purple-Version von "Hey Joe" u.v.a.m. Das sind alles Songs, nach denen kein Mensch tanzen kann, also blieb man auf der Tanzfläche stehen und hörte nur zu. So wurde das alles dann doch noch zu einem Konzert.
Natürlich hatten die Puhdys damals schon eigene Titel wie "Türen öffnen sich zur Stadt", "Geh dem Wind nicht aus dem Weg" oder "Manchmal im Schlaf". Auch "Shela" von Tommy Roe wurde gespielt und ein Walzer (irgendwas von einer Washington Bar) war dabei. Inwieweit Titel doppelt gespielt wurden - der Abend war ja lang - kann ich nicht sagen. Damals spielten bei den Puhdys neben "Maschine" Dieter Birr, "Quaster" Dieter Hertrampft und Peter Meyer noch am Schlagzeug Gunther Wosylus und am Bass Harry Jeske.
Einige Monate später sah ich die Puhdys dann in einem Konzert im Klubhaus der Neptunwerft in Rostock. Peter Meyer trug einen weinroten Anzug und eine Fliege (so glaube ich mich zu erinnern). Er machte die Ansagen. Dazu trat er immer hinter seiner weißen Hammondorgel hervor an ein Mikrophon. Natürlich stellte er seine Mitarbeiter auch sehr humorvoll vor. Die Puhdys spielten ihre eigenen Titel, wovon inzwischen schon eine Menge entstanden waren. Die erste LP bei Amiga stand unmittelbar vor der Veröffentlichung. Für ein ausschließlich eigenes Programm reichte es aber noch nicht, so dass auch internationale Titel gespielt wurden (z.B. "With A Little Help From My Friends" in der Joe Cocker-Version oder von Deep Purple "Highway Star"). Ein Höhepunkt des Konzertes war der Titel "Vineta". Peter Meyer spielte dabei nicht auf seiner Orgel, sondern auf einem Mini-Synthesizer, etwa so groß wie ein Gameboy, und die Töne wurden erzeugt indem er mit einem Stift auf einer Fläche tippte bzw. strich, wie heutzutage auf einem Timer oder Handy. Am Titelende hielt Maschine seine Fender hoch über dem Kopf, drehte sich dann um und hielt die Gitarre vor den Lautsprecher. Dies erzeugte die Rückkopplungen, welche in dem Titel zu hören sind. Meyers Orgel hatte an diesem Abend einige Aussetzer, aber kein zusätzlicher Techniker, sondern Quaster begann an dem Instrument zu basteln. In der Zwischenzeit erzählte Peter Meyer irgendetwas oder Maschine schnitt Grimassen. Er sagte auch ein Gedicht auf (etwa so: Die Rehlein beten zur Nacht...). In der Zwischenzeit funktionierte die Orgel dann wieder und es wurde weitergespielt. Es wurden z.B. "Ikarus", "Zeiten und Weiten" oder "Lolita" zum Vortrag gebracht. Nach reichlich Zugaben ging das Konzert zu Ende. Für mich war es vor der Wende das letzte Puhdys-Konzert. Eigentlich schade, die Puhdys entwickelten sich in der DDR zur Kultband, aber ich hatte nicht die Gelegenheit, noch mal ein Konzert von Ihnen zu besuchen.
Nach der Wende erlebte ich die Band dann beim Rockpalast auf der Berliner Waldbühne und danach noch etliche male. Heute haben zwei Mitglieder der Band bereits den Rentenbescheid, der dritte wird ihn in diesem Jahr auch noch erhalten, und wenn man dem Terminplan auf der Puhdys-Homepage glauben darf, haben sie noch reichlich zu tun.
 
 
Foto-Erinnerungen:
"Quasters" erste Gitarre...

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Die Puhdys bei einem Auftritt im neuen Millennium:

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