Winni 2: Bernd Sarfert & Thomas Spillner
(aus Melodie & Rythmus 11/1977)

Wenn es einen Geheimtipp gibt, welche unserer Gruppen in absehbarer Zeit zur Spitze vorstoßen wird, so bleibt Winni 2 nicht unerwähnt. Und in der Tat: Mit ihren Titeln "Was soll ich mit dem Akkordeon", "Mundharmonika", "Du mußt wohl eine Hexe sein", "He, kleines Fräulein" und dem zündenden Lied auf unseren Fußballmeister "Dynamo" haben sich die fünf Musiker der in Potsdam beheimateten Gruppe eine bemerkenswerte Publikumsresonanz sichern können. Was Winfried Piepenburg (Orgel, Mellotron), Bernd Sarfert (Bass), Thomas Spillner (Gesang, Perkussion), Michael Stapenbeck (Gitarre) und Klaus Bachmann (Schlagzeug) seither anzubieten haben, ist zweifellos das Ergebnis hervorragenden kollektiven Zusammenwirkens.

Wenn wir zwei aus diesem Kollektiv herausgreifen, so lediglich, um sie als federführende Komponisten und Arrangeure unseren Lesern näher vorzustellen. Die künstlerische Leitung von Winni 2 liegt nicht ohne Grund in den Händen von Bernd Sarfert. Geboren am 1. September 1950 in Leubnita bei Werdau, hat er einen interessanten künstlerischen Werdegang aufzuweisen. Mit 10 Jahren kam er auf die Leipziger Thomas-Oberschule. Dem berühmten Thomanerchor gehörte er volle acht Jahre an (von 1961-69). Aus dieser Zeit resultiert seine Liebe zur Barockmusik. Inzwischen verfügt er über eine Sammlung von rund 330 Schallplatten, unter denen mit 80 Prozent die klassischen Aufnahmen überwiegen. Die Aufgeschlossenheit der Dozenten und Schüler an der Thomas-Oberschule erlaubte es, das eine Beatband gegründet wurde, der auch Bernd Sarfert angehörte.
Dennoch führte sein Weg 1969 nicht direkt in eine Kapelle, sondern in die Leipziger Karl-Marx-Universität, wo er ein Pädagogikstudium der Fächer Germanistik und Musikerziehung aufnahm. Die Freude am Musizieren löste zuguterletzt aber noch einen Wechsel zur Leipziger Hochschule für Musik aus, wo er in der Tanzmusikabteilung "klassischen Kontrabass" und Bassgitarre studierte.

Als Bernd Sarfert 1976 das Diplom In Empfang nehmen konnte, hatte er bereits in mehreren Bands - vom Blasorchester bis zur Soul- und Rockgruppe - praktische Erfahrungen sammeln können. Seine Kenntnisse im Klavierspiel, die er vom 6. Lebensjahr an erworben hatte, sowie die Ausbildung seiner Stimme, kamen ihm dabei sehr entgegen. Im Oktober 1975 gehörte Bernd Sarfert dann zu den Gründern von Winni 2. Wer es genau wissen will: Er und Thomas Spillner kannten sich bereits aus der Schulzeit.
Vor seiner Winni 2-Zeit hat Bernd Sarfert kaum komponiert. Seine Aufmerksamkeit galt anfangs dem Arrangieren. Es entstanden u.a. für das Tanzorchester Rostock, dem er zwischen 1974 und '75 angehörte, einige Arrangements. Sein geschultes Gehör ermöglichte es ihm schon damals, gefragte Sounds fehlerfrei in Noten umzusetzen.

Was Bernd Sarfert mit Thomas Spillner seit eh und je verband, das ist ihre Liebe zur Country-Musik und zum Blues. Darauf aufbauend, gaben sie Winni 2 das unverkennbare musikalische Profil; wobei die Zusammenarbeit beider Komponisten geradezu ideal ist. Bernd Sarfert schrieb "He, kleines Fräulein" und "Dynamo". Gemeinsam mit Thomas Spillner entstand "Du mußt wohl eine Hexe sein". Die Melodie für den Titel "Was soll ich mit dem Akkordeon" hatte Thomas Spillner bereits 1974 komponiert. Nach der Gründung von Winni 2 schrieb Bernd Sarfert das treffliche Arrangement dazu. Der Titel wurde beim Sender Leipzig produziert und setzte sich rasch republikweit durch. Auf gleiche Weise entstand das Lied von der "Mundharmonika" (Komponist Spillner, Arrangement Sarfert).

Der bisherige Lebensweg von Thomas Spillner ist rasch erzählt, obgleich er nicht minder "gewichtig" ist: Geboren am 5. September 1948 in Leipzig. 1967 Abitur, von 1973 bis 1977 Studium an der Fachschule für Ökonomie in Plauen (Fachrichtung Ing.-Ökonomie). Ab 1963 autodidaktisch Gitarre erlernt, danach in verschiedenen Leipziger Amateurbands mitgespielt.
Ab 1972 mit Winfried Piepenburg zusammen Musik gemacht, was erklärt, warum Winni 2 bereits kurze Zeit nach seiner Gründung ein so hohes künstlerisches Niveau erreichen konnte. Zu seiner ersten Komposition, dem "Raucherlied", das 1973 entstand, hatte Thomas Spillner den Text selbst verfasst. Heute gibt er (wie übrigens auch Bernd Sarfert) den Kurt­Demmler-Texten den Vorzug; bis auf eine Ausnahme: Den Text zur "Hexe" schrieb Werner W. Wallroth.

Wer in den letzten Wochen versuchen wollte, Bernd "Erich" Sarfert oder "Spilli" zu erreichen, dem mussten Wunder gelingen. Es hat den Anschein, als würden sie jede freie Minute nutzen, um sich Intensiv schöpferischen Fragen zuzuwenden. Und das hat seinen Grund: Wie wir erfuhren, soll Anfang '78 eine Winni 2-LP vorliegen. Das aber setzt harte Arbeit voraus. Doch soviel dürfte schon heute gewiss sein: Winni 2 wird seine Freunde nicht enttäuschen.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"