Die "Melodie & Rhythmus" berichtet: Jürgen Walter
(aus Melodie & Rythmus 6/1975, Autor: "ro")

Keine Tagesschlager oder Erfolgstitel machten das Publikum auf ihn aufmerksam. Man kennt ihn als einen Interpreten, der seine Lieder mit echtem Engagement vorträgt, keine Lieder zum Mitklatschen, selten zum Mitsingen, immer zum Zuhören.

Oktoberklub, ehemaliges Zentrales Studio für Unterhaltungskunst, 3. Platz beim Schlagerfestival der Ostseeländer 1972 mit "Muß ich denn ein Clown sein" sind markante Stationen seiner Entwicklung als Sänger. Wer ihn in dem Programm "Hits - hier und heute" (auf der IV. Leistungsschau in Leipzig mit einer Silbermedaille ausgezeichnet), das er nach eigener Idee und fast ausschließlich mit eigenen Titeln und Hanna-Maria Fischer als Partnerin bestreitet, gesehen hat, weiß mehr über ihn. Mit einer Vorliebe zu chansonhaften Titeln singt er nicht nur schlechthin, sondern interpretiert seine Lieder mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, und das sind nicht wenige. Gesang, Mimik, Gestik und tänzerische Bewegung werden von ihm gekonnt eingesetzt. Es gibt nicht viele Sänger, die über diese Fähigkeit verfügen, noch weniger, die sie uns mit solcher Intensität servieren, wie Jürgen Walter es tut.

Dabei macht er es sich nicht gerade bequem als Sänger, auch dem Publikum nicht. Sein Rezept: "Ich singe nur Lieder, die zu mir passen, die mir Spaß machen, am liebsten eigene." Und er weiß, was zu ihm passt, weiß seine Mittel genau zu platzieren. "Es muss alles stimmen, was ich singe, muss für mich und das Publikum glaubhaft sein. Deshalb haben auch alle meine Lieder mit mir zu tun; ich habe nie andere gesungen." Keine Konzessionen? "Nein, wenn ich Lieder nachsinge, dann so, wie ich sie empfinde, nie als Kopie des Originals; sie müssen mir nahe stehen als hätte ich sie selbst geschrieben."

Konkrete Pläne? "Habe ich nicht. Es gibt noch so vieles, was ich nicht ausprobiert habe - 'Viele Lieder kennt der Wind' mit dem Ostseestudio Rostock habe ich im April gemacht, Deutsch-Sowjetisches Jugendfestival in Halle im Mai, ein Schlagerstudio in diesem Jahr steht für mich noch auf dem Plan, meine erste Single wird aufgenommen. Zur Zeit singe ich Lieder zur Gitarre in einer kleinen Bar in Rostock, weil es mir Spaß macht."

Der Spaß ist auf beiden Seiten, denn es wird nie langweilig Jürgen Walter zuzuhören und zusehen, und man fühlt in jeder Phase, daß es ihm wirklich Spaß macht. Da ist echte Sing- und Spielfreude, gepaart mit solidem Können.









Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"