|
Barbara Thalheim (Bericht: Lilo Mühling / aus Melodie & Rythmus 12/1976)
Jeder spürt, gleich nach den ersten Liedern, dass sie eine besondere Art hat, Chansons zu machen. Denn ihr eigenes Erleben muss sich als allgemeingültig erweisen, will sie die Menschen erreichen. Und sie erreicht sie. Spätestens hier muss etwas über die Gruppe gesagt werden. Wenn es nach Barbara ginge, gehörte das Streichquartett, mit dem sie seit drei Jahren konzentriert arbeitet, gleich an den Anfang. Denn sie meint, sie hätte schon mit zig Gruppen zusammengearbeitet, aber noch nie so gut und mit so hervorragenden Könnern, wie ihre Klassiker es sind: Holm Birkholz ( 1. Geige und künstlerischer Leiter ), Christian Trompler ( 2. Geige ), Roswitha Pop ( Bratsche und Blockflöte ) und Jens Naumilkat ( Cello ). Holm und Christian sind internationale Wettbewerbskader der Hochschule "Hanns Eisler" in Berlin, Jens studiert dort noch und Roswitha gehört seit Oktober `76 dem Orchester des Metropol-Theaters an. Alle vier machen die Arbeit mit Barbara also nebenbei. Das ist schwer, aber sie sagt, sie könne nie mit Leuten zusammenarbeiten, die es nur des Geldes wegen tun. Barbara hat es nicht leicht gehabt, ihren Weg zu finden., und als sie ihn hatte, sich durchzusetzen. Die Goldmedaille auf der Leistungsschau für Unterhaltungskunst 1975 war, wie sie meint, auf die Schockwirkung zurückzuführen. Chansons von einem klassischen Quartett begleiten zu lassen, das hatte noch keiner gemacht. Im gleichen Jahr erhielten sie und ihr Mann, Fritz-Jochen Kopka (er ist Diplomjournalist), zur Kulturkonferenz in Weimar den Kunstpreis der FDJ für Lieder und Texte. Fast alle Chanson-Texte stammen von ihm, an der Ideenfindung ist Barbara mit beteiligt. Sie komponiert selbst, hat zwei Jahre Komposition bei Prof. Heicking an der Berliner Musikhochschule studiert. Und eigentlich beweist ihre Entwicklung, wie sich ein Talent in unserem Staat entfalten kann, welch große Förderung es erhält. Ursprünglich hatte sie Stenotypistin gelernt, konnte dem Beruf aber nichts abgewinnen, ging mit 16 zum Oktoberclub, machte dort vier Jahre lang den für sie wesentlichen Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung durch und brach dann aus, wurde eine Suchende, künstlerisch und beruflich. Denn das musste sie damals noch voneinander trennen. Eines ihrer Lieder heißt auch "An meine suchenden Freunde", andere "Als ich vierzehn war", "Abschied von den Eltern", "Geschichte eines jungen Ehepaares", "Kein Tag ist sicher vor der Nacht". Wenn sie in Schulen und vor Studenten auftritt, weiß sie immer, dass sie ihre Zuhörer packt. Lange Zeit glaubte sie überhaupt, nur junge Menschen wären ihr Publikum, weil sie aufgeschlossen, unvoreingenommen, kritisch sind. Der Erfolg bei Älteren hat sie umgestimmt. Ihre Programme geben heute jedem etwas, auch dem Musikfreund und -kenner. Denn so manche Variation zu einem klassischen Thema sagt sie nur an, ohne auf der Gitarre und mit Gesang zu begleiten. Die Gruppe hat dann den Vortritt, und Barbara verlässt die Bühne. Die fünf werden im Januar 1977 an der Leistungsschau für Unterhaltungskunst in Leipzig teilnehmen. Sie arbeiten seit langem intensiv an etwas neuem, ohne darüber jetzt schon sprechen zu wollen: ein Programm, dessen Inhalte sie durch eine ungewöhnliche Form ergänzen und emotional vertiefen wollen. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |