Rosalili: Mit dem Kopf durch die Wand
(aus Melodie & Rythmus 9/1987. Bericht: Michael Meyer)

Sie sind jung, schön. In ihren Augen funkeln noch die Träume, und in ihren Liedern schaukelt eben jene Spur von loser Traurigkeit, jene Puderzucker-Melancholie, die direkt aus der Seele zu kommen scheint. Rosalili.
Rockmusik in Kniestrümpfen, Romantik-Rock? Das auch. Aber nicht nur. Sie besingen die zarten Pflänzchen einer ersten Liebe, Behutsamkeit ist angesagt, Zartheit, Zärtlichkeit. Das nimmt man ihnen ab, das funktioniert. Mit Jörn Güttler und Alexander Dietz sitze ich an einem Kantinentisch im Fernsehstudio, ein Video ist abgedreht, für "Stop! Rock!" Sie schieben mir ein Info Blatt über den Tisch. Lustig aufgemacht. So erfahre ich, dass Bandchef Hendrik "Henne" Röder braune Augen hat, dass er auf frischgelocktes Feenhaar steht, gern fernsieht und döst, usw. Lieblingsfarbe, Geburtsdatum, Körpergröße... Derart aufgestrippt sind alle Musikanten der Band: Holger Jagsch, voc, g (Augenfarbe grau, Lieblingsspeise Spaghetti); Jörn Güttler, voc, g (Hobbys: Fernsehen und Träumen); Andreas Birr, dr (mag van Halen, David Lee Roth); Alexander Dietz, keyb, voc (Lieblingsfarbe dunkelblau) und eben der Boss. Die Geburtsdaten sind ohne Jahresangaben. Schon kokettieren mit Jahreszahlen? So um die 19 sind sie - etwas aufwärts, etwas abwärts.

Aufwärts ging es mit dieser Band gleich von Anfang an. Einst versuchten sie sich als Marathon, nannten sich später May-Day, kamen schließlich auf Rosalili. Alex, Henne, Gütt und Holger drückten zusammen die Schulbänke einer Klasse. So in der neunten hatten sie schon ein passables Orchester zusammen. Zwei Klassen tiefer trommelte Andy Birr. So fand sich der Kern zusammen. `85, im November, dann die erste Einstufung: Sonderstufe.
"Darauf waren und sind wir unheimlich stolz, gleich so auf Anhieb." Seit September `86 hat Rosalili die Band um einen Keyboarder angereichert. Jörn: "Nur mit zwei Gitarren kann man nicht so richtig Krach machen."
Dieser Zuwachs kam den Liveauftritten der Band besonders zugute. Spielte doch bisher "Henne" die Tastenpassagen bei den Studioarbeiten hilfreich ein. Jörn Güttler: "Unsere Studiosachen waren gut, aber live konnten wir die damit gesetzten Erwartungen nicht durchstehen. Alles allein, mit eigener Kraft, mit dem Kopf durch die Wand."

Zum Rocksommer `86 hatte die Band nicht gerade ihre stärkste Phase, ihr Auftritt zu diesem Rockspektakel ging schlicht gegen einen der zahlreichen Parkbäume. Das führte zu Umdenken. Auch gegenwärtig wird das Programm noch ergänzt, verändert, aufpoliert. "Wir wollen nicht nur unsere Titel studiomäßig anbieten, nein, Showelemente einbringen, Bewegung, Farbe, Veränderung. Die Leute sollen mit offenen Mündern da stehen und sagen: stark."
Rosalili, mit dem Kopf durch die Wand? Durch wessen Wand? "Erst einmal durch unsere eigenen Wände. Wir machten immer unser Zeug alleine, ließen uns nie reinreden, aber Beratung ist schon angebracht. Wir haben Titel erarbeitet, sie Maschine vorgelegt, sind mit hängenden Ohren aus dem Studio raus, wieder an die Instrumente, wieder hin zu Maschine, bis er gesagt hat: okay, den nehm' ich." Der das zu mir sagte, ist Sohn eines bekannten Chirurgen, Hennes Vater ist ein Puhdy, Andys Vater ist ein Puhdy usw. Dennoch versuchte Rosalili den Alleinstart. Der Bandehrgeiz ist sehr ausgeprägt. Nicht an Stellen helfen lassen, die auf Grund von Beziehungen nur umsetzbar sind. Aus eigner Kraft. Mit dem Kopf durch die Wand.

Der erste Titel, den Maschine als Produzent akzeptierte, hieß "Rosalili". Alex: "Rosalili ist ein Mädchenname aus unserer Phantasie. Wir kennen kein Mädchen dieses Namens, aber wir stellen es uns unheimlich geil vor."
Die `86er Rocksommer-Erfahrung brachte auch andere Veränderungen ein: Abkehr vom Playback. Hinwendung zu einer Band, die durch ihre Außergewöhnlichkeit in Stilistik und Repertoire gut zum Teenie-Rock passt: "Zebra". Im Block sind sie zu verkaufen, Rosalili kommt bestens über eine gut sortierte PA. Keine Abhängigkeit entstand, sondern eine Erweiterung der Angebotspalette für pfiffige Veranstalter, die mit einem Zuschlag mehrere Altersgruppen und Interessenfächer bedienen wollen. Jörn: "Wir haben nun mal kein Geld für eine eigene Anlage, und wir finden diese Kopplung Spitze."

Der neue Rosalili-Titel heißt "Keine Sterne", er reiht sich ein in die eingangs beschriebene Stimmung. "Texte entstehen bei uns immer aus einer ganz bestimmten Stimmung heraus, meist schwingt da eben Traurigkeit mit. Wir versuchen, optimistischer zu sein, aber manchmal ist das schwierig. Wenn man sich wohl fühlt, greift man selten zur Feder."
Rosalili, Rockmusik in Kniestrümpfen? Vorbei, glaube ich, ist diese Phase. Selbstbewusst und straff tritt die Band an, sich im Profi-Umfeld zu behaupten.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"