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Auf Tournee im Land des Roten Oktober Mit den PUHDYS durch fünf Sowjetrepubliken (aus Melodie & Rythmus 8/1977, Bericht: Monika Fehlberg)
"Guten Abend, liebe Freunde! Wir freuen uns sehr, heute Ihr Gast zu sein. Am Anfang spielten wir unsere Komposition 'Sturmvogel' nach einem Poem von Maxim Gorki. Und jetzt: 'Lebenszeit'" In fließendem Russisch, wenn auch nicht akzentfrei, hat Peter Meyer das Publikum im ausverkauften Saal begrüßt. Die weiteren Ansagen aber wird Asa Lenk, die sympathische Moskauer Schauspielerin und Sprecherin, übernehmen. Sie und die Dolmetscherin Ludmilla Gawrilowna haben die PUHDYS vom 1. April bis zum 17. Mai d. Js. auf allen Stationen der großen Tournee begleitet. Und beide haben durch ihren selbstlosen freundschaftlichen Einsatz mit dazu eigetragen, dass sich jedes der insgesamt 39 Konzerte für das "Vokal- und Instrumental-Ensemble PUHDYS", wie unsere fünf Musikanten in wörtlicher Übersetzung angekündigt werden, zu einem außerordentlichen Erfolg gestaltet. HERZLICHE AUFNAHME Ob in Turkmenien, Tadshikistan, Kirgisien, Kasachstan oder in der RSFSR, überall dieselbe herzliche Aufnahme: Bereits die ersten Mitteilungen über die Beat-Musiker aus der DDR werden mit anhaltendem Beifall bedacht. Er steigert sich mit jedem Titel zu enthusiastischem Taktapplaus. Um Zugaben lassen sich die PUHDYS nie lange bitten. "Ot schevo" singt Quaster (Dieter Hertrampf) in russischer Sprache und alles singt, summt und klatscht mit. Es ist ein Erfolgstitel der Gruppe "Fröhliche Burschen", die mit Alla Pugatschowa zusammen arbeitet. Neben der eigenwilligen Interpretation der PUHDYS honoriert man natürlich auch die freundschaftliche Geste der Musikanten aus der DDR. Sie haben diese Tournee gut vorbereitet. Auch der "Offizierswalzer", eine während des Krieges entstandene Komposition von Fratkin/Dolmatowski, in der Sowjetunion heute ein Evergreen, begeistert in der PUHDYS-Fassung die Zuhörer. Aber vor allem wird das anerkannt und gefeiert, was die PUHDYS an Eigenem zu bieten haben. In Aschchabad, Dushanbe, Frunse oder Alma Ata herrscht vom ersten Augenblick an eine Bombenstimmung, und mit südlichem Temperament bewirft man die Musikanten mit Blumen und Luftballons. In Irkutsk, Nowosibirsk oder Akademgorodok wirkt das Publikum anfangs zurückhaltender, doch schon mit dem 4. Konzerttitel, "Steine", haben die PUHDYS auch hier das Publikum gefangen. Nach dem Chile-Lied, zu dem Asa eine kurze Erläuterung gegeben hat, folgt "Wie ein Pfeil", bei dessen Darbitung "Udarnik" (Schlagzeuger) Gunther Wosylus minutenlang mit dem Publikum ganz allein auf der Szene ist. Wie er den Saal mitreißt, mit den Zuhörern gemeinsam eine große Rhythmusgruppe aufmacht, gehört zu den vielen Höhepunkten im Konzert. Jeder der fünf hat sein Solo, wird mit Beifall überschüttet, und auch die lichttechnischen und akustischen Effekte, für die Dieter Ehrlich und Roland Magnussen verantwortlich sind, kommen ganz groß an. Inszenierte Späße, wie z.B. die Schnulzenparodie "Lolita" samt schillernder Seifenblasen oder improvisierte Ulks, Purzelbaumschießen im Manegenrund des imposanten Zirkusgebäudes von Kemerowo, tragen viel zum Rundum-Vergnügen des Publikums bei. "Es ist noch nie eine Musikgruppe bei uns gewesen", sagen Studenten der Universität, die im 3. Studienjahr Germanistik studieren, "die so perfekt ist und obendrein so sympathisch." Und das ist auch die übereinstimmende Meinung der Presse. FRAGEN ÜBER FRAGEN Immer wieder müssen die 5 vor Vertretern der Zeitungen, des Rundfunks und des Fernsehens Rede und Antwort stehen. "Werden Sie bald einmal wiederkommen?", "Wieso halten Sie schon acht Jahre zusammen?" "Wer unterstützt Sie in Ihrer künstlerischen Arbeit?", "Für welches Publikum spielen Sie?" Fragen über Fragen werden gestellt. Mit gleichbleibender Freundlichkeit, auch wenn ihnen schon Müdigkeit und Überanstrengung im Gesicht geschrieben stehen, geben sie Auskunft, schreiben ihre Namen auf Fotos, Poster, Schallplattenhüllen, versuchen, sich auf russisch zu verständigen, reden mit Händen und Füßen. AUF SCHRITT UND TRITT NEUE FREUNDE GEWONNEN Sechs Wochen sind sie quer durch die Sowjetunion gereist, haben eine Flugstrecke von rund 24.000 Kilometern zurückgelegt und von den großen Städten aus auch Abstecher per Bus und Lastwagen bewältigt. Dennoch bei jedem Konzert sein Bestes zu geben, das kostet Kraft und Nerven. Auch hieß es ja, sich den besonderen klimatischen Bedingungen, großen Temperaturschwankungen und Zeitverschiebungen anzupassen. "Eigentlich finden hier alle unsere Konzerte um 11:00 Uhr vormittags statt...", sagt Harry Jeske, als sie um 20:00 Uhr in Chaborowsk auf der Bühne stehen. Ungewöhnlich ist es auch, vor wenigen Tagen noch in Aschchabad bei 30° Celsius in der Sonne gelegen zu haben und bei der Ankunft in Nowosibirsk die Wintersachen hervorholen zu müssen. Von der sowjetischen Agentur GOS-Konzert hervorragend organisiert, gab das Gastspiel auch Gelegenheit, Land und Leute näher kennen zu lernen. Selbst einmal am "Heiligen Meer" Baikal gestanden zu haben, mit eigenen Augen zu sehen, wie unter härtesten Bedingungen Asphaltstraßen durch die Taiga gelegt und Brücken über Flüsse gebaut werden, das sind Eindrücke fürs Leben. Künstler können sie anregen zu Gedanken und Empfindungen, die in neue Schöpfungen ihren Ausdruck finden. Auch von vielen persönlichen Gegegnungen wäre zu erzählen. In Nowosibirsk feierten wir gemeinsam mit sowjetischen Bürgern am 9. Mai den Tag des Sieges. In Jurga, der letzten Tournee-Station, schenkte ein alter Arbeiter den jungen Musikanten aus der DDR zur Erinnerung eine selbstgemalte sibirische Landschaft. Auf Schritt und Tritt wurden neue Freunde gewonnen, Einladungen ausgesprochen. Als wir am 16. Mai in Moskau bei GOS-Konzert ankommen, liegen dort die ersten Glückwunschtelegramme zur Verleihung des Kunstpreises der DDR. Abends geben die frischgebackenen Preisträger in Moskau noch ein kostenloses Konzert vor den Mitarbeitern der Vertretung der sozialistischen Länder im RGW-Haus. Für den nächsten Tag ist der allererste Flug nach Berlin gebucht. Im Gepäck haben sie Geschenke, Erinnerungen, Adressen neuer Freunde und Kollegen, Einladungen, insbesondere die von GOS-Konzert zu einer neuen Tournee und noch etwas sehr Wertvolles: Fertige Titel für eine neue AMIGA-LP, die im Herbst produziert werden soll. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |