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Melodie & Rhythmus stellt vor: NEUMIS ROCK CIRCUS (aus Melodie & Rythmus 3/1981. Bericht: Roswitha Baumert)
So war es sicher für beide von Vorteil, sich zu trennen – notwendiger Schritt in Richtung künstlerischer Selbsterkenntnis, er hat zur Profilierung zwei ganz unterschiedlicher, eigenständiger Angebote in unserer Rock- und Popszene geführt. Nun ist es schon über ein Jahr her, dass ich Neumis Rock Circus zum ersten Mal hörte. Drei weitere Anhörungen, besser Live-Erlebnisse, folgten. Keines gleichte den vorangegangenen. Und so warte ich schon auf die nächste Gelegenheit, einer Neumis Rock Circus-Veranstaltung beiwohnen zu können. Wie ein Lauffeuer hatte es sich verbreitet, dass da Ungewöhnliches auf der Bühne geschehe: "Die Rocksensation aus Berlin!" (so auch Neumis draufgängerische Ansage). Das Spektakel nun selbst in Augen- bzw. Ohrenschein zu nehmen, strömten nahezu alle anwesenden Fachleute während des vorjährigen Interpretenwettbewerbes in Karl-Marx-Stadt zum Luxorpalast. Trotz vereinzelter "Für", "Wider" und "Aber" - allgemeine Verblüffung, Begeisterung, Zustimmung: Diplom des Ministers für Kultur! Es war klar – eine völlig neue Art rockmusikalischer Unterhaltung ist da entstanden! Musik, Parodie, Clownerie, Kabarett, Theater und Show in einem Unternehmen vereint. Hans-Joachim Neumann hat die für ihn absolut stimmige Art der Interpretation gefunden. Durch die völlige Identifikation mit dem Gezeigten, seinen bedingungslosen physischen (und psychischen) Einsatz – man muss ihn auf der Bühne in Aktion gesehen haben – wird er geradezu umwerfend glaubhaft. Seine komödiantische Begabung (auf der Bühne!) ist nahezu verblüffend (man denke nur an den "Schlapphut-Blues"). Das Bedürfnis nach solcher Art musikalischer Unterhaltung ist groß, jedes neue NRC-Konzert beweist es. Mir scheint, drei für den Erfolg der Show wesentliche Dinge kommen bei Neumi zusammen: Spaß an der Schauspielerei, das Bedürfnis, bestimmte Dinge mitzuteilen, auf seine Art zu kritisieren, zu diskutieren und nicht zuletzt – der Spaß am Musizieren, am Singen, am musikalischen Miteinander. Sicher, es ist keine neue musikalische Erfindung, was da in Tönen, Text und Sound angeboten wird. Aber die Art der Aufbereitung, die von Neumi gewählte Art der Verpackung ist neu, ungewöhnlich, interessant – unterhaltsam.
Natürlich verlangt das Ideen, Phantasie, Engagement – Einsatz. Die Ideen – es sind vor allem menschliche Verhaltensweisen, menschliche Schwächen, aber auch Alltagsprobleme an sich, die Neumi auf seine Art verarbeitet. Schon die Begrüßungsansage nimmt Anleihe bei so manch kleinkariertem, einfallslosen, nur auf Abliefern zielendem Tourneeprogramm, karikiert so manch "nett plaudernden" Conférencier: "Und wir haben Ihnen heute einen Strauß bunter Melodien mitgebracht, aus dem wir sogleich eine Blüte herausziehen werden..." Überzeugend einer der neuesten Titel, der falsche Erziehungsmethoden wohlmeinender Eltern auf's Korn nimmt und schließlich zu der "kindlichen" Frage führt: "Hey Mama, hey Papa , was habt ihr euch gedacht? in der Schule werde ich doch ausgelacht. Ja, ihr müsst mir schon verzeih´n, doch wir Kinder wollen Kinder sein! Da sagt Mama zu dem Papa: Was ist los, ist das unser liebes Kind aus meinem Schoß, haben wir uns für das Kindchen nicht geplagt, haben wir verdient, dass unser Kind heut fragt? Hey Mama, hey Papa, was habt ihr euch gedacht?..." Wollt ihr das Publikum aktivieren, wartet ihr im Konzert auf Reaktionen des Publikums? "Das stimmt insofern, dass wir erst einmal eine Bereitschaft erwarten, etwa so: 'Tri, tra, trallala, hier ist das Kasperle, seid ihr alle da?' Natürlich möchte ich erst mal ein 'Ja' haben. Und dann arbeitet das Kasperle und erzählt die Geschichte von der Oma... an dieser Handlung soll das Publikum dann Anteil nehmen. Wir möchten da unbedingt Reaktionen haben. Wir wollen nicht nur abliefern." Und die Reaktionen kommen – die Barriere zwischen Bühne und Saal einzureißen, gelingt bei jedem NRC–Konzert. Du schreibst die Musik (auch Rainer Oleak steuert Kompositionen bei), schreibst die Texte, bist eigener Dramaturg und Regisseur. Ist dieses "Viererlei" nicht zuviel? "Es ist sehr viel. Wenn jemand kommt, der´s besser kann, der mich überzeugt, würde ich gern auf diese 'Alleinherrschaft' verzichten. Wichtig ist doch, was von der Bühne kommt, die Leute im Saal interessiert doch nicht, wer's gemacht hat." Zu guter Letzt: Bewundernswert, wie engagiert die Band (Keyboard: Rainer Oleak, Gitarre: Stefan Schirrmacher, Bass: Hans–Joachim Schweda, Schlagzeug: Ingo Politz) auf der Bühne agiert, Neumi musikalisch und komödiantisch hervorragend in seinem Anliegen unterstützt, das sie wohl längst zu ihrem eigenen gemacht haben. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |