Eva Kyselka: Der Dinge Sinn
(aus Melodie & Rythmus 12/2007. Bericht: Waltraud Heinze, Foto: Ronny Marzok)

Eva Kyselka widmet ihr neues Album ihrem langjährigen Produzenten Mathias Schramm. "Ein leiser Ruf, ein fremder Duft, ein Blatt im Wind / der Dinge Sinn liegt in uns verborgen" heißt es im Titelsong des neuen Albums von Eva Kyselka, einer schwebenden, hitverdächtigen und zeitlosen Ballade. Sie wurde produziert vom erst jüngst verstorbenen Musiker Mathias Schramm, dem die Sängerin diese CD gewidmet hat.
Die Aussage des Textes, den Sinn im Jetzt und Hier zu suchen, sich dem Moment hinzugeben, gehört zur Lebenshaltung der Sängerin: „In meiner ewigen Rastlosigkeit muss ich mich immer wieder darauf besinnen, den Moment zu leben. Das gelingt vor allem, wenn ich singe, wenn man mit der Musik und dem Publikum für einen Augenblick verschmilzt und somit die Zeit anhält." Die Kyselka besitzt eine starke Stimme. Sie kann in der Höhe strahlen, sich von hell bis dunkel färben und in die tiefste Tiefe tauchen. Dennoch ist die gestandene Schöne mit den dunklen Augen und langen Haaren eine Art Geheimtipp. "Vielleicht habe ich nicht den nötigen unverwechselbaren Stil", versucht die studierte Interpretin eine Erklärung. "Ich ließ mich schon früher nicht einordnen, trotz meines Wiedererkennungseffektes in der Stimme. Keiner, auch ich nicht, fand die passende Schublade. Obwohl ich viele Songs und Live-Mitschnitte von früher heute noch richtig gut finde, erlebe ich doch ständig Neues und will einfach wissen, was das mit mir und meinem Gesang macht. Dann wechselte ich halt einfach die Richtung." Sie hat viele ambitionierte Projekte angeschoben in ihrer Karriere, beachtete und angenommene wie versandete. Seit 2006 tritt sie vorwiegend „zweispurig" auf. Zum einen gibt es die besinnliche Auftritts-Version mit, nennen wir sie Popchansons, und einem Trio aus Cello, Piano und Percussion, zum anderen Rockband-Power mit Eva.Chaotica. Beides gehört zum Wesen der Sängerin. Neben eigenen Songs singt sie live mit der Band mutig auch Coverversionen von legendären Werken wie „How The Gipsy Was Born" (Frumpy) oder „Am Fenster" (City). Im vergangenen Jahr schrieb der Texter Michael Sellin in Evas Auftrag eine sehr poetische deutsche Nachdichtung zum Welthit „One Of Us" von Joan Osborne. "Einer von uns" in neuem Arrangement, produziert bei Blue Orange Musik Berlin Anfang des Jahres, gehört zu den Highlights des Albums. "Leider kam es nicht mehr dazu, dass ich Matze den Titel vorspielen konnte - seine Meinung war mir immer wichtig", betont Eva Kyselka.
Mit einer Neuauflage von Titeln, die sie mit Schramm zwischen 2000 und 2004 produzierte, will sie dem "genialen Musiker und Produzenten" eine letzte Ehre erweisen. Als Bonustitel wählte sie mit "Alibi" die erste Produktion mit ihm aus dem Jahre 1987 aus. Er fällt stilistisch aus dem Rahmen, ebenso "Die Erde dreht frei", ein viersprachiger Reggae, für den sich Eva mit Mc. Kinley Black (USA), Ricardo Moreno (Kuba) und Bernard Mayo (Kongo) hochkarätige Solisten ins Studio holte - seit Monaten läuft das Lied im Radio Multikulti. "Auch dieser Song", erzählt sie, "hat mit Mathias zu tun, weil er an der Urversion schon herum bastelte und ihm meine Idee gefiel, ihn mehrsprachig zu singen. Er war immer für alles Neue sehr offen. Das verband uns."




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"