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KARAT in Rumänien (Ich erinnere mich gern) (aus Melodie & Rythmus 8/1978. Autor: Waltraud Brünnig)
In vier Stunden steht die Anlage, ist auch das letzte Kabel verlegt. In der Garderobe singt Herbert sich ein. Micha bearbeitet unentwegt ein Gummibrett mit den Schlagstöcken, um sich locker zu machen. Als die ersten Gäste in den Saal einrücken - es ist eine Kompanie Soldaten - beginnt Uwe übers Band frühere KARAT-Hits einzuspielen. 19.30 Uhr. Das Saallicht erlischt ... Schon die ersten Hard-Rock-Titel von KARAT, "Rock 'n' Roll Fan", "Das Monster", durch die Lichtshow wirkungsvoll untermalt, entfachen wahre Temperamentsausbrüche im Publikum. Sie wechseln in bewundernde Aufmerksamkeit beim Chorus zwischen Synthesizer und Gitarre während der interessanten Bearbeitung des internationalen Titels "Time Takes My Life", bei Hennings exzellentem Baßsolo oder dem Michas am Schlagzeug. Die leisen Töne der "Märchenzeit" oder des Liedes "Und ich liebe dich" wecken Melancholie, die in dem lyrischen, musikalisch kraftvollen "König der Welt" ihren Höhepunkt findet. Nach dem Konzert wird die Bühne gestürmt, die Jungs sind umringt, verteilen Poster und Autogrammkarten. "Wo werdet ihr morgen spielen?" - "In Timisoara" - "Wir kommen hin!" Und so kommt es, daß KARAT in so mancher Stadt alte Bekannte, Freunde wiedertrifft; und natürlich überall viele neue findet, mit großem Interesse für Musik und vor allem auch immer wieder für die aussagekräftigen Texte der Eigen-kompositionen. In Timisoara, einem Universitätszentrum, besteht der größte Teil der Zuschauer in der großen, modernen Sporthalle aus Studenten. Ihrer Aufgeschlossenheit für die KARAT-Musik stehen die Hüttenwerker aus Hunedoara in nichts nach. 1500 junge Arbeiter des größten Hüttenzentrums Rumäniens sitzen und stehen in den Gängen des Kultursaales der modernen Arbeitersiedlung, der eigentlich nur für 900 Platz hat. Überall auch finden sich nach dem Konzert rumänische Musikanten ein (zumeist aus Volksmusikorchestern), um mit KARAT zu fachsimpeln. Viel mehr Zeit hätten sich alle gewünscht, die interessante Geschichte des Landes, seine Menschen, seine reiche Folklore und vor allem die herrliche Landschaft näher kennenzulernen. Aber eine Tournee im Ausland ist in erster Linie anstrengende Arbeit, verlangt Stehvermögen, den Einsatz aller Kräfte, Disziplin von jedem einzelnen. Ich habe die Atmosphäre in der Band während der ganzen Tournee bewundernd genossen. Passiert auf der Bühne auch mal eine kleine Verzettelung (das ist zum Beispiel, wenn Micha über einen Ständer stolpert, Herberts Gitarre "knackt", das Licht unplanmäßig kommt), gibt's zwar anschließend Kritik, aber ruhig, sachlich, immer herzlich. Ich glaube, zusammen mit dem hohen musikalischen Können eines jeden basiert eben auf dieser schöpferischen Atmosphäre der jetzt dreijährige erfolgreiche Stand von KARAT. Am 19. Mai sind wir im Herzen des Landes, im am Rande der Südkarpaten gelegenen Brasov, 1800 Meter über dem Meeresspiegel. KARAT gibt ihren Einstand in einer Halle, wo schon Omega, Fonograf, englische und italienische Rockgruppen spielten. Und steht ihnen - wie mir die Brasover bestätigten - in nichts nach. Der "König der Welt" wird mitgesungen, und zum "Sommerlied", das den XI. Weltfestspielen gewidmet ist und von Herbert in spanisch gesungen wird, tanzen die jungen Leute sogar. Auf dem Wege nach Bukarest leisten wir uns einen Aufenthalt in Sinaia. Serpentinen winden sich durch die Berge. Die Seilbahn trägt uns in eine Höhe von 2400 Metern. Eds Kamera surrt. Bannt die Gruppe KARAT auf dem Schneegipfel des Berges auf die Filmmeter. Letztes Konzert. Letzte Erinnerung. Zum achten Mal nun erlebe ich KARAT-Rock-nonstop. Noch immer kaum ein Moment der Langeweile bei mir. Das liegt im klugen Aufbau der Show, die ungeheuer rockig losgeht, ihre Ruhepunkte hat und den Höhepunkt im "König der Welt". Ein Kollege vom Bukarester Rundfunk sorgt durch einen Funkmitschnitt dafür, daß Karat-Titel auch in Rumänien noch lange im Ohr bleiben. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |