Melodie & Rhythmus informiert: Michael Heubach
(aus Melodie & Rythmus 3/1981. Autor: Heidi Wedel)


Michael Heubach (Foto: Günter Gueffroy)

Michael Heubach studierte von 1967 bis 1971 an der Musikhochschule in Leipzig (Fagott, Schlagzeug, Klavier, Komposition). Er war Mitglied verschiedener Bands, u.a. Bürkholz-Formation, Horst-Krüger-Band, Lift, Elefant. Seine wichtigsten Kompositionen: "Tagesreise" (1972), "Wasser und Wein" (1976), die Che Guevara Suite (1978).

Seit Anfang des Jahres bist Du nun ausschließlich als Komponist tätig. Zuletzt hast Du bei Ute Freudenberg und Gruppe Elefant an den Keyboards gesessen und vor allem - zahlreiche Titel für sie geschrieben.
Ich kam im Dezember '79 mit zehn Liedern zu ihnen. Davon haben wir vier für die erste Elefant-LP ausgewählt, die demnächst bei Amiga erscheinen wird. Ich wollte in meinen neuen Titeln Rock- und Liedelemente verbinden, bis hin zu einem 7-Minuten-Stück. Die Titel sind ganz unterschiedlich: "Einmal ganz oben" lief in den Rundfunkwertungssendungen recht erfolgreich. "Böse Zungen" behaupten, es sei ein Diskolied. Man kann danach tanzen, ja, aber ich habe versucht, ein bißchen mehr mit reinzubringen, so wie ich es bei den anderen Titeln auch gemacht habe, also: Bekanntes aufnehmen und neue, eigene Gedanken dazutun, die dann auch von den Zuhörern als solche erkannt werden können. Als Gegensatz zu diesem tanzbaren Titel haben wir ein längeres Werk produziert, "Wo das Meer beginnt", bei dem Ute viel zeigen kann und wir als Sänger und Musikanten ebenfalls gefordert werden. Das Lied "Wieder einmal zu Haus" ist etwas verhalten, aber rhythmisch interessant, mit einem Chorusteil, in dem viele Taktwechsel passieren. "Auf der Suche nach Liebe" heißt das vierte Lied - übrigens wie die anderen mit Texten von Burkhard Lasch. Mir ist dieses von den vieren vielleicht das liebste; Ute hat das auch sofort gepackt, es bei der Produktion ohne Korrekturen aufs Band gesungen.

Welche Aufgaben stehen jetzt als Komponist vor Dir?
Natürlich werde ich auch weiterhin für Ute und Elefant schreiben. Aber wenn man ausschließlich an eine Band gebunden ist, kann man nur für sie schreiben, nicht so vielseitig sein. Das sieht jetzt anders aus, ich kann die verschiedensten kompositorischen Ideen verwirklichen - das bedeutet ganz einfach, nicht eingeengt zu sein, da kann alles entstehen, vom kleinen Lied bis zur Rockoper. Außerdem werde ich meine Erfahrungen aus zehn Jahren in der DDR-Rockmusik auch als Mentor an andere weitergeben. Gerade als Komponist und Musikant kann man auf diesem Gebiet sicher sehr nützlich sein.
Übrigens glaube ich, dass wir Anfang der siebziger Jahre experimentierfreudiger waren; es wurden in der Live-Szene und in den Medien viel probiert, manches mit Recht wieder verworfen. Aber das Publikum nahm die Experimente aufgeschlossen entgegen. In den letzten Jahren, so mein Eindruck, ist in dieser Weise forderndes Publikum kaum noch anzutreffen. Die Neugier konzentriert sich vorwiegend auf Äußerliches, einfache Motorik genügt oft. Doch es wäre ungerecht, dem Publikum allein den "Schwarzen Peter" zuzuschieben. Mitunter wird von den Musikanten auch allzu schnell der bequeme Weg des leichten Erfolges gewählt.




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"