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Portrait aktuell: Ernst Lemke (Gruppe Express) (aus Melodie & Rythmus 10/1978. Bericht: H.P.)
Praktische Erfahrungen holte sich der junge Musiker bei "Muggen" in diversen Bands. Aus einer dieser Gruppen entwickelte sich 1972 Express. Anfangs war "Ernie" alles, musikalischer und organisatorischer Leiter. Jetzt konzentriert er sich aufs Musikalische, während die organisatorischen Belange der Perkussionist Heinz Zilliges mit Geschick wahrnimmt. Dem Hochschul-Unterricht in Kontrapunkt Theorie und Arrangieren hat Ernst Lemke viel zu verdanken. Noch heute bewundert er seinen Dozenten Hans-Joachim Gocht und dessen Souveränität, Arrangements zu schreiben. Auf der Hochschul-LP "Examen in Musik" (1973) ist Ernst Lemke mit zwei seiner ersten Kompositionen und Arrangements vertreten. Die Gruppe Express musizierte übrigens damals noch mit Bläsern. Der in dieser Zeit mit Kurt Demmler hergestellte Kontakt sollte sich als zukunftsträchtig erweisen. Der eigentliche Durchbruch von Express kam dann, wie so manches im Leben, per Zufall zustande. Es war nach einer Funkproduktion, als Walter Cikan den Vorschlag unterbreitete: "Macht doch mal ein lustiges Lied, 'nen richtigen Gag-Titel." Ernst Lemke überlegte daraufhin, welche Richtung zwar gefragt aber kaum im Angebot vorhanden ist. Er kam auf Geige und Country-Sound. Das Resultat hieß "Ein Wigwam steht in Babelsberg". Bei der Aufnahme hätte niemand gedacht, dass dies der "Durchreißer" für Express werden könnte, der anschließend sogar in einem Film Verwendung fand. "Freude am ungewohnten Sound und Spaß an der Sache - wobei Kurt Demmler dafür sorgt, dass dem Spaß immer eine Prise Nachdenkenswertes beigemischt bleibt - ließen uns den eingeschlagenen Weg weitergehen. Ich schrieb: 'Petrus stell die Sonne ab', 'Wenn Musikanten heimwärts fahren' und 'Liebling, ich verspeise dich zum Frühstück'. Die Resonanz des Publikums war so bemerkenswert, dass wir beschlossen, eine Country-Schau aufzubauen". Mit dem in Karl-Marx-Stadt "eingekauften" Interpreten Peter Tschernik wurden die Lemke-Kompositionen "Ich hab' zu Haus ein Pusselspiel" und "Schlaf schön, Rosmarie" (Texte Kurt Demmler) produziert. Zwischendurch hatte "Ernie" Gelegenheit, an einem Speziallehrgang des Komitees für Unterhaltungskunst unter Leitung von Walter Kubiczeck in Geltow teilzunehmen. Für ihn und Kollegen wie Lothar Stuckart, Peter Paulick und andere war es überaus nützlich, einmal ungestört über Probleme des Komponierens und Arrangierens nachdenken zu können. Da Ernst Lemke bereits während seiner Studienzeit Arrangements für die Hochschul-Bigband geschrieben hat und seine "Fugen" vom Studenten-Sinfonieorchester durchgespielt wurden, verfügt er über Erfahrungen, die ihn befähigen, über das Express-Instrumentarium hinaus zu komponieren. So konnte er den Auftrag annehmen, für den DEFA-Film "Achilles-Ferse" die gesamte Musik zu komponieren. Die Gelegenheit, für Express und das DEFA-Sinfonieorchester zu schreiben, hat er redlich genutzt, und die Musikanten waren sehr angetan. Seine Aufgeschlossenheit ungewohnten Klangfarben und Musizierweisen gegenüber kommt in erster Linie der Gruppe Express zugute. Mitte August zogen sich die sieben Musiker - Peter Berliner (Gitarre), Lutz Forstbauer (Gitarre), Frank Görke (Bass), Ernst Lemke (Keyboards, Violine), Reiner Nawrath (Gesang), Klaus Neumayer (Schlagzeug) und Heinz Zilliges (Perkussion) - zu einer 14-tägigen "Klausurtagung" zurück, um Neues einzustudieren. Ohne die Country-Erfolge aus dem Auge zu verlieren, werden sich Ernst Lemke und seine Express-Kollegen künftig stärker der "gefragten Richtung" zuwenden, die auf eine tanzbar-losgehende Kombination rockiger und schlagerhafter Elemente hinausläuft. Was sich Express dazu ausgedacht hat, verspricht eine Fortsetzung des Weges zu Anerkennung und Erfolg. Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus" |