Zehn Jahre Electra: Premiere für "Die Madonna"
(aus Melodie & Rythmus 6/1979. Bericht: Roswitha Bauert, Fotos: Christian Andretzky)

Sie ist nicht die einzige, aber eine der wenigen Pop-Gruppen, die auf eine zehnjährige Bandgeschichte verweisen kann — mit Nachspiel-, Adaptions- und nun vorwiegend "eigenen" Zeiten, womit gesagt sein will, daß es mehr und mehr Titel gibt, die den Namen electra auf Anhieb assoziieren. Daß dazu eine ausgewogene Programmkonzeption, ein "runder" Sound und nicht zuletzt der Mut zum Spaß kommt, wurde auf der VI. Leistungsschau der Unterhaltungskunst im Januar dieses Jahres mit einer Goldmedaille und wenige Wochen später mit dem Kunstpreis der FDJ honoriert. Wie groß die electra-Anhängerschar inzwischen ist, bewies das Jubiläumskonzert am 24. April im Dresdner Kulturpalast, dessen Platzkapazität bei weitem nicht ausreichte, um alle Kartenwünsche zu befriedigen. Ein nicht alltägliches Konzert (mit typisch Dresdner Zutaten), wie man es sich hin und wieder auch zu anderer Gelegenheit wünschte: Neben Titeln aus dem "alten" electra-Repertoire, solche aus dem aktuellen Konzertprogramm (hervorragend in Text — Demmler —, Komposition - Aust — und Interpretation durch den Gitarristen Gisbert Koreng, der sich hier als Sänger vorstellt, das Lied "Vor dem Spiegelglas"!), Fotos aus der "Jugendzeit" an einer Projektionswand, dazu Gespräche (Christine Dähn von DT 64 mit Bernd Aust) über Wegstrecken und Wegbegleiter (mit besonderem Dank an die langjährige Produzentin der Gruppe beim Rundfunk der DDR, Luise Mirsch), Studenten der Dresdner Musikhochschule mit einem Geburtstagsständchen an diversen Schlagwerken; die Dresdner Tanzsinfoniker unter Leitung von Günter Hörig spielten auf und "Mampe" (Peter Ludewig) stieg als Sänger ein. So standen Lehrer und Schüler (vier electra-Musiker wurden von Mitgliedern der Tanzsinfoniker an der Musikhochschule "Carl Maria von Weber" unterrichtet) gemeinsam auf der Bühne.
"Tritt ein in den Dom" nahmen die Fans schließlich als Aufforderung und belagerten die Bühne, saßen im Halbkreis vor "ihren" Musikanten, klatschten, trommelten im Takt, vollführten einen wahren Freudenreigen auf der Bühne. Und — Premiere für "Die Madonna", Auftragswerk des Zentralrats der FDJ und der KGD Dresden für das Nationale Jugendfestival (inzwischen also bereits zum zweiten Mal aufgeführt). Eine dreiteilige Rocksuite mit dem Text von Kurt Demmler, Komposition Bernd Aust, der zur Wahl des Themas (Gemälde von Raffael "Die sixtinische Madonna") sagt: "Es mußte etwas sein, was mich selbst, was meine Stadt, meine Heimat betrifft, was mich auch ganz persönlich anspricht, mit mir zu tun hat".
Hervorragend unterstützt duurch den Chor der TU Dresden, gefiel dieses Werk vor allem durch sein inhaltliches Anliegen. Trotz Textverständnisschwierigkeiten im Kulturpalast blieben mir im Gedächtnis Zeilen wie: (Refrain) "Frau, Frau, herrliche Frau, Himmel und Erde in eins. Frau, Frau, herrliche Frau, ist das noch unsre Frau? Frau, Frau herrliche Frau, jeder Mensch sieht in ihr Seins. Frau, Frau herrliche Frau, sie ist auch unsre Frau" oder "wie sie lebt, wie sie lebtohne Heiligenschein, ist Fleisch und ist Blut...", "wenn du dahin hetzt, vergiß die Deine nicht...", "wie lange Zeit schon sahst Du ihr nicht ins Gesicht?" und "Tief fällst du auf die Knie - das ist sie ganz genau, das ist die Frau!"


Manuel von Senden (voc)

Peter "Mampe" Ludewig (dr)


Rainer Uebel (key)

Wolfgang Riedel (bg)


Gisbert Koreng (git)

Bernd Aust (key, fl)




Übernahme des Textes mit freundlicher Genehmigung der "Melodie & Rhythmus"