Was macht eigentlich...
Carsten Görner

Neben Ingo Koster und Burkhard Neumann zählte Carsten Görner zur Besetzung des legendären Trios DREI. Görner war musikalisch beim Oktoberklub, bei den Alexanders, bei Brot & Salz und natürlich - wie eingangs erwähnt - bei der Gruppe DREI.
Zwischen 1978 und 1988 war diese Formation erfolgreich unterwegs. Kurz vor der Wende trennten sich die Wege der DREI-Musiker nach zahlreichen und erfolgreichen Live-Konzerten und der Veröffentlichung ihrer LP "Steigen wie ein Falk". Während z.B. Ingo Koster als Begleitmusiker für Gaby Rückert aktiv war und bis heute mit ihr gemeinsam Konzert spielt, widmete sich Carsten Görner anderen Projekten zu.
Im Jahre 2000 gab es ein Wiedersehen mit der Gruppe DREI. Zwar nannte sich die Band nun DIE DREI, aber mit Carsten Görner und Burkhard Neumann waren zwei der Gründungsmitglieder der Ursprungsformation dabei (verstärkt durch Vlady Slezak). Leider war das nur ein kurzes Intermezzo. Grund genug für unseren Freund Jens Kurze bei Carsten Görner mal nachzufragen, was er heute so macht. Beide Gesprächspartner warfen auch einen Blick auf Gröners Karriere...

Hallo Carsten, wir versuchen, einige "weiße Flecken" in der ehemaligen Musiklandschaft aufzuarbeiten - und da erinnerten wir uns an die Folkband "Ostkreuz". Ich weiß, dass du mit dabei warst. Hilf mir doch bitte weiter... Wie kamst du in dieses Projekt? Vom Oktoberklub bin ich zu den Alexanders gekommen, die vollzogen damals eine Umstrukturierung von der Band mit den Panta Rhei- (und späteren Karat-) Musikern zur Bigband, und haben Karin Maria und Siegfried König als Showband begleitet. Ich war eigentlich als Geiger engagiert, aber sie haben ziemlich schnell gemerkt, dass ich auch singen kann... und so habe ich in der Show dann auch drei oder vier Coversongs gehabt, z.B. "Piccola E Fragile" von Drupi... Dieses Projekt war nur für ein Jahr mit der Konzert- und Gastspieldirektion verhandelt, und danach haben wir Ostkreuz gegründet.

Wie kann man den Stilwechsel von einer Begleitband, die in - entschuldigung - musikalisch seichtem Gewässer fuhr, zu einer klassischen Folkrockband erklären?
Ostkreuz wurde 1975 nach einer Party-Idee von Herrmann Naehring und mir mit Manfred Wagenbreth, und Reinhard "Mischwald" Buchholz gegründet.

Wer war mit dabei?
Carsten Görner (voc, acc.git.)
Manfred Wagenbreth (acc. git.), heute Folkländer und mdr-Redakteur
Rainer "Mischwald" Buchholz (git.), heute Pension Volkmann
Michael "Hacki" Höft (bg)
Herrmann Naehring (dr)
Peter "Pebu" Butschke (Technik), heute ebenfalls Pension Volkmann

Ich weiß noch, dass gerade diese Art der Musik von einer großen Fangemeinde geliebt wurde (und immer noch geliebt wird). Habt ihr "nur" gecovert (was bei diesen Gesangssätze wirklich nicht einfach ist) oder auch Eigenes gebracht?
Wir haben nicht nur gecovert, sondern haben richtig viel Wert auf eigene Kreativität gelegt. Kurt Demmler hat viel geschrieben und Manfred Wagenbreth ist auch ein richtig guter Textautor... auch später für "Drei" ("Doch in Gedanken", "Nur ein Wort", "Ein frohes Fest").

Gibt es Rundfunkaufnahmen aus dieser Zeit?
Wir haben einen Titel im Rundfunk aufgenommen, der hieß "Bahnof Ostkreuz". Wie auch sonst!? Aber ich denke nicht, dass der noch existiert. Es gab auch einen Konzertmitschnitt, vielleicht existiert der noch im mdr-Archiv, keine Ahnung...

Wie kam es zum Ende der kurzen Ostkreuz-Zeit?
Ingo Koster hat Brot & Salz, nachdem die Erstbesetzung mit Thomas Natschinski weg war, mit neuen Musikern weiter geführt, und Anfang `77 neu besetzt... Da rief er mich und Burkhard Neumann an. Herrmann Naehrinng war vorher schon ausgestiegen und hat sich ganz Percussion & Jazz verschrieben. Und Ostkreuz war leider Geschichte...

Aber auch die neue Brot & Salz-Bestzung gab es nicht allzulange, oder?
Nein, leider nicht. Wir hatten mit B&S Ende ´77 ein desaströses Konzert im Palast der Republik, wo unser rumänischer Basser nach einer Feier mit Landsleuten ausgerastet ist, Teile der Anlage und Instrumente zerschlagen hat und von der Stasi verhaftet wurde. Wir wussten nur, "so geht es nicht weiter".
Einen Tag später haben wir uns mit Kerzen, Rotwein und Schallplatten getroffen, Crosby Stills Nash & Young gehört und wussten dann, wie es weiter geht, nämlich ohne Bass und Drums...

So entstand also die Gruppe DREI...
...mit Ingo Koster, Burkhard Neumann und Carsten Görner, richtig!

DREI habe ich sehr geschätzt - und etliche Male live erlebt. Euer Satzgesang - sowohl bei den Coversongs als auch bei den eigenen Titeln - fasziniert mich noch heute. Wenn ich Titel nennen müsste, der deinen Gesangsstil charakterisieren, dann wären das "Doch in Gedanken", "Erwartung" und "Du kannst doch nicht einfach so gehen" - sanft, etwas kratzig, immer ein wenig laid, mit dem typischen Tremelo in der Stimme... Und dann fehltest du plötzlich auf der Bühne. Man munkelte von einer langen Krankheit, andere wiederum erzählten vom Ausstieg wegen einer angestrebten Solo-Karriere, wieder andere meinten, du wolltest nicht in der "Gaby-Rückert-Begleitband" arbeiten... Wie war es wirklich?
Von allem etwas... Ich war lange krank und musste 1987 für ein paar Wochen ins Krankenhaus, wo ich sehr viel Zeit zum Nachdenken hatte. Die Zusammenarbeit mit Gaby beruhte auf einem Deal, der sich nicht wie geplant umsetzen ließ, und so wurden wir tatsächlich zur Begleitband. Das wollte ich nicht.
Ausserdem gab es nach zehn Jahren "Aufeinanderhängen" ein paar Unstimmigkeiten innerhalb der Band, die ohnehin mindestens eine Pause erforderlich gemacht hätten.
Die Solo-Karriere war die einzige Alternative, denn ich war zwanzig Jahre aus meinem Beruf raus. Viele Veranstalter und Kulturmanager rieten mir dazu. Ingo Politz hat mit mir einige sehr gute Songs produziert, und es lief für mich alles nahtlos weiter mit Live-Auftritten, Radio, TV etc. Aber eine Erfahrung für mich in der Zeit war, dass ich diese Einsamkeit nicht mag. Ich würde es nicht noch einmal tun.

Mit großer Freude hielt ich im Jahr 2000 eine Single in der Hand, das Unternehmen nannte sich "dieDrei", und endlich konnte ich mal wieder deine unverwechselbare Stimme hören. Produziert wurde das ganze von Heinz-Jürgen "Gotte" Gottschalk. Ein kurzer Comeback-Versuch... und dann?
Produzenten waren Willy Klüter und Gotte Gottschalk. Die Texte waren von Bernd Meinunger, der die Produktion auch finanziert hat. Ich denke, es kam was Gutes dabei raus. Aber wir fanden keinen Manager, und wir verstehen nur was von Musik, aber leider nichts vom Klinkenputzen...

Der Teufelskreis ist tückisch: wirst du nicht in den Medien gespielt, bekommst du kaum Live-Gigs, spielst du aber nicht draußen, wird keiner auf dich aufmerksam... es sei denn, jemand kennt jemanden Wichtiges und pusht dich...
In jedem Fall gehört neben Talent und Können jede Menge Ausdauer und Glück dazu. Vitamin B ist ggf. sehr hilfreich... in manchen Fällen auch tückisch für die Ohren anderer, wenn Talent und/oder Können fehlen...

Bist du heute noch musikalisch aktiv - und was machst du außerdem?
Gemeinsam mit Vlady bin ich als Duo Avalon sporadisch unterwegs. Ansonsten arbeite ich in den Valicon-Studios (Ingo Politz), und tue als Gitarrenlehrer was für den Nachwuchs, wie übrigens Burkhard auch, der Keyboard- und Klavierunterricht gibt.

Dankeschön, Carsten!

Interview: Jens Kurze
Vorwort: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv