kaisersehnsucht 20130107 1364631619 Titel:
Label:
VÖ:

Titel:

"Wir sind Sehnsucht"
GLORIELLA/SONY
30.01.2009

1. Wir Sind Sehnsucht
2. Das Alte Spiel
3. Was Willst Du Hier
4. Wann Werden Wir Uns Begegnen
5. Mein Freund
6. Du Gehörst Zu Mir
7. Ich Hab Deine Tränen Nicht Verdient
8. Du Kommst Zu Spät
9. Leg Nicht Auf
10. Von Liebe War Bei Uns Nie Die Rede
11. Carlos Ist Traurig
12. Wir Sind Sehnsucht (Remix)


Vor 20 Jahren hieß es lautstark "Wir sind das Volk!", im Frühsommer 2005 vernahm man aller Orten "Wir sind Papst!" (woran sich derzeit, aufgrund der bekannten, aktuellen Vorkommnisse, keiner mehr so recht erinnern mag…), ein Jahr darauf tönte es landauf, landab "Wir sind die Fußballweltmeister der Herzen". Ja, und nun sind wir Sehnsucht. Denn genauso - ergo, "Wir sind Sehnsucht" (GLORIELLA/SONY) - nennt sich das hervorragende neue Album von ROLAND KAISER.
Die unverrückbare Tatsache, daß es sich bei "Wir sind Sehnsucht" um Rolands erfolgreichsten Longplayer seit 1984 - von Null auf Rang 14 in den offiziellen "Media Control"-Charts - handelt, sagt eigentlich alles. Der edle Gentleman-Entertainer aus Berlin hat mit "Wir sind Sehnsucht" ein wahrhaft (nahezu) perfektes Album vorgelegt: 11 feurige Titel (plus einen rhythmisch aufgepeppten Remix des Titelsongs) voller Sinnlichkeit, Erotik und eben Hundertprozent Sehnsucht, überwiegend von Jack White komponiert und vom Interpreten, in Kooperation mit seiner langjährigen Arbeitspartnerin Silvia Gehrke, selbst betextet, die vielmehr gehobenen Deutschpop/Deutschrock darstellen, als schlichten, traditionellen Mitklatsch-Schlager.
Als erste Radiosingle koppelte GLORIELLA den Titelsong "Wir sind Sehnsucht" aus, einen Klasse Ohrwurm, prickelnd, sexy, anregend ausgestaltet - Klar, daß diese phänomenale Up-Tempo-Nummer seit einigen Wochen die Rundfunkstationen dieses unseren Landes ganz schön aufwirbelt.
Ebenso rockig, gitarrenlastig erklingt "Das alte Spiel" - eine hocherotische Geschichte über einen Mann, der sich einen "One Night Stand" nach dem anderen gönnt, sich aber in Wirklichkeit eine richtig feste Beziehung mit einer umwerfenden Traumfrau wünscht und daher selbstkritisch eingesteht: "Ich will auch mal kuscheln / Die Liebe in mir spüren / Und ich will nicht andauernd / irgendeine Frau verführen" (Textzitat). Einen ähnlichen Plot behandelt der treffliche Pop/Rocker "Wann werden wir uns begegnen?": Ein Lebemann, alles andere, als ein Kind von Traurigkeit, hofft, eines Tages die genau auf ihn zugeschnitzte Lebenspartnerin zu finden, damit sein bisheriges ‚Lotterleben' endlich ein Ende findet.
In der drallen Pop/Rock-Ballade "Mein Freund" trifft sich das Lied-Ich mit einem alten Kumpel, mit dem er in seiner Jugend, um 1968 herum, wilde Nächte, heiße Partys durchlebte - der Freund ist lebenslang ein liebenswerter "Chaot" geblieben, das Lied-Ich hingegen hat inzwischen Frau und Familie, ist also bürgerlich und brav geworden - wünscht sich zwar ab und zu mal, für ein paar Sekunden nochmals so frei und ungebunden zu sein, wie es sein Freund noch heutzutage ist; letzten Endes aber beneidet er seinen Jugendfreund nicht um dessen Freiheit und Ungebundenheit, sondern steht zu seinem konventionellen Familienleben.
Feschen, fetzigen Boogie-Rock vernehmen wir in "Was willst Du hier?". Darin geht es um einen Mann, der eine neue Partnerin gefunden hat, die ihr Exfreund allerdings nicht los- und gehen lassen mag. Somit belagert der Typ stets und ständig das Haus seines Nachfolgers in Sachen Liebe. Doch statt Strafanzeige wegen "Stalking" (§ 238 StGB) oder Hausfriedensbruch (§ 123, 124 StGB) zu stellen, feuert der Protagonist genannten Radikalohrwurm gegen den nervigen ehemaligen Lebensgefährten seiner neuen Flamme los!
Kraftvoll gerockt wird gleichsam in der ultraeingängigen Melodie "Du gehörst zu mir", im so treibenden, wie abgeklärten, potentiellen Tanzflächenfüller "Du kommst zu spät" oder im voranpreschenden, leicht gehetzt wirkenden Hymnus "Von Liebe war bei uns nie die Rede", während "Ich hab Deine Tränen nicht verdient" eine wundervolle, fraglos Bohlen'eske Powerballade bester Güteklasse darstellt.
Schwülstig-romantisch, leicht mediterran angehaucht wird es dagegen in der kessen, durchaus fordernden Mid-Tempo-Liebeselegie "Leg nicht auf". Augenzwinkernd und ironisch erklingt der im mittleren Tempo gehaltene, südamerikanisch geprägte Samba/Salsa-Verschnitt "Carlos ist traurig": Ein alternder Bandchef verguckt sich in eine heißblütige, jedoch wesentlich jüngere Tänzerin, die sich eines schönen Tages, nach einem gemeinsamen Auftritt, mitsamt der Kasse auf und davon macht. "Carlos" wird nun seitens seiner Musikkollegen vorgeworfen, sich ständig auf "junge Dinger" zu konzentrieren, weshalb dieselben ihn aus der Truppe ausschließen - so daß ihm nichts anderes bleibt, als seinen Frust per nächtlichen Gitarrenspiels abzureagieren.
"Wir sind Sehnsucht" beweist, daß Roland Kaiser, trotz seiner schweren Lungenerkrankung, weiterhin "Up to Date" ist und immer noch und immer wieder zu den besten, überzeugendsten, vielseitigsten und aufregendsten Vertretern des elitären Pop/Rockschlagers gezählt werden muß. Einwenig schade ist es jedoch, daß die Kompositionen von Jack White oft sehr ähnlich, eintönig durch die Boxen dringen. Hier sollte der Großmeister uss Kölle am Rhing durchaus experimentierfreudiger werden - zig Klasse Melodien in diversen Stilrichtungen hat der 68jährige Schlagermogul Zeit seiner seit 1967 währenden Karriere ja zur Genüge geschrieben und produziert. Auf diese Tugenden sollte Jack sich auch und gerade besinnen, wenn er mit einem so hochkarätigen Künstler, der Roland Kaiser zweifelsohne ist, zusammenarbeitet.
Davon abgesehen aber, ist "Wir sind Sehnsucht" nicht mehr und nicht weniger, als eine überaus gelungene Songkollektion eines konsequent mutigen und - gegen alle gesundheitlichen Widerstände - lebensfrohen Multitalents, von dem wir in den nächsten Jahren sicherlich noch viele tolle Lieder zuerkannt bekommen werden!
Epilog: Wir Hamburger Roland-Kaiser-Fans mußten vor kurzem eine WEITERE Konzertabsage betreffs eines Auftritts von Roland in der Hansestadt erdulden. Vielleicht sollten wir uns zusammenschließen und vor dem Firmensitz mancher, mehr als nur fragwürdiger Konzertveranstalter eine Großdemo organisieren und dabei lauthals rufen "Wir sind Sehnsucht - Hoch die Internationale Sehnsucht"… Damit wir Roland ganz bald wiederum ‚live' in unserer Heimatstadt begrüßen dürfen!
Gesamtnote: 1 - 2
(Holger Stürenburg)

 


   
   
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