IC Falkenberg: "Staub" (Album)

lp22 20220919 2049580255VÖ: 09.09.2022; Label: Mollwerk/Buschfunk; Katalognummer: BF 05282; Musiker: IC Falkenberg (Gesang, Gitarren, Piano, Keys, Bass); Bemerkung: CD im aufklappbaren Pappcover inklusive Booklet;

Titel:
"Taufrisch", "Mann im Mond", "Eine Nacht", "Dein Herz", "Da wo die Abenteuer sind", "Piraten", "Land", "Osten 3.1", "Wetter", "Am Ende der Euphorie", "So nah vom nächsten Meer", "Still und schön", "Immer bei mir", "Staub", "Tunnel unter den Brücken", "Brot und Beton", "Vollmond, Federn und Sand"


Rezension:
 
 
Eine Meinung der Redaktion:


"Ich will Staub sein über den Wellen
und der Sturm bringt mich wieder hier raus …"


Niemand mag Staub. Er findet jeden noch so unzugänglichen Weg, um sich niederzulassen. Egal wie gründlich man es versucht ihn zu entfernen, er kommt immer wieder zurück. Auf der anderen Seite ist Staub sehr zerbrechlich. Allein durch einen Windstoß kann er zerstreut werden. Nein, Lieder von Falkenberg müssen nicht entstaubt werden. Sie sind zeitlos und aktuell. Von daher ist "Staub" auch kein typisches Best-of Album. Das würde nicht zu IC Falkenberg passen. Er entschied sich lieber dafür, einen Song von jedem seiner bisher veröffentlichten Alben auszuwählen und neu einzuspielen. Sagenhafte 17 Titel sind es geworden, komplex und stimmgewaltig. Nachdenklich stimmende Themen, verpackt in tiefgründigen Worten und stilistisch vielfältigen Melodien.

IC, mit bürgerlichem Namen Ralf Schmidt, hat sich nie gescheut, auch sozialkritische Themen anzusprechen. In seinen Liedern singt er kraftvoll und energiegeladen seine Emotionen dazu direkt hinaus. Er weiß um die Vielschichtigkeit des Lebens. Themen aus dem Alltag, Politik, Umwelt, Soziales - vermischt und miteinander verbunden, authentisch und inspirierend - packt er in einzigartige Texte, die einen nicht wieder loslassen. Die Philosophie ist vielleicht, dass er einfach nicht versucht anders sein zu wollen und dadurch hebt er sich ab. Er bleibt sich treu.

Wir hören hier 17 Songs, 69:53 Minuten Musik. Tiefgehende Worte und Gedanken wurden in einem neuen Gewand in die Welt gestreut. Ein herausragendes Album, aktuell, modern und ausdrucksstark - wie eine reinigende Dusche für die Seele. IC Falkenberg ist ein genialer Texter und Komponist. Alle seine musikalischen Ideen sind ausgereift und nicht auf Effekthascherei ausgelegt. Er ist einer dieser Musiker, der einfach mal sein komplettes Album alleine einspielt. "Staub" ist von beeindruckender Qualität und Kreativität. Ein roter Faden zieht sich durch und lässt nicht vermuten, dass es sich teilweise um Lieder handelt, die vor etlichen Jahrzehnten entstanden sind.

"… ich wünsche mir ein Leben ohne Hass und Gier …"
(Dajana Presser-Gehn)
 
 
 
 
 
Eine weitere Meinung der Redaktion

 
Es gibt Musikanten, die im Laufe ihrer Karriere teilweise mehrere Metamorphosen durchlaufen haben und mit Wechseln im Stil und Auftreten überraschten. Gary Moore war so einer, der vom Blues zum Heavy Metal und später wieder zurück wechselte. Joachim Witt – um mal im eigenen Land zu bleiben - ist auch so einer. Stillstand gab und gibt es bei ihnen nicht, und das oft verwendete Wort „Weiterentwicklung“ ist da nicht einfach nur ein Begriff der hinein geworfen wird, weil aus Plan- oder Ideenlosigkeit veröffentlichungstechnisch irgendwas Halbgares in Umlauf gebracht wird, das es schon im Pressetext prophylaktisch zu entschuldigen gilt. Auch über Ralf Schmidt, alias IC, alias IC Falkenberg, alias Falkenberg kann man sagen, dass er mehr als nur ein Häutung hinter sich hat. Von der Pop-Gruppe STERN MEISSEN kommend, startete er Mitte der 80er eine Solokarriere mit elektronischer Musik. Die Wahl dieser Richtung hatte auch Einfluss auf den Künstlernamen, denn zur elektronischen Musik gehört als Name auch ein Begriff aus diesem Bereich (integrierter Schaltkreis = integrated circuit = IC). Aus IC wurde dann IC Falkenberg, als er der Elektronik noch lupenreinen Rock zur Seite stellte und für die nächsten Jahre und Platten im Deutschrock-Bereich unterwegs war. Als er mit seinem Umzug in seine Geburtsstadt musikalisch bzw. stilistisch schließlich zu Halles Antwort auf Jacques Brel wurde und teils düstere Chansons auf Deutsch produzierte, wurde das Kürzel „IC“ komplett aus dem Namen gestrichen wohl auch, weil von der „Elektronik“ ncihts mehr übrig blieb. Vom äußeren Erscheinungsbild des Herrn Schmidt, dem all diese künstlerischen Veränderungen über all die Jahre auch äußerlich abzulesen waren, haben wir da noch gar nicht gesprochen … Wo Ralf Schmidt, der sich im Jahre 2022 wieder IC Falkenberg nennt, derzeit steht und in welcher Form der Verpuppung er heute steckt, bildet nun das Album „Staub“ ab, das in diesem Monat erschienen ist und auf dem er einige seiner bekanntesten Lieder in neu produzierten und dem derzeitigen Stand der Dinge angepassten Klang kompiliert hat.

„Staub“ auf seinen Liedern ansetzen lassen hat IC Falkenberg eigentlich noch nie. Egal in welchen Fahrwassern er künstlerisch gerade schipperte, er hat seinen voraus gegangenen Hits stets die gerade bei ihm angesagte Idee von Musik als Anstrich verpasst und sie so live präsentiert. „Eine Nacht“ oder „Mann im Mond“ klangen seit Jahren schon nicht mehr so, wie sie in den 80ern geklungen haben, und wurden im Laufe der Jahre der Farbgebung des jeweils aktuellen Werks angeglichen. Nun nutzt er aber erstmals ein neues Album dazu, Veränderungen und Weiterentwicklungen in seinen Liedern zu dokumentieren und es für die Nachwelt festzuhalten. Von jedem bisher erschienenen Album hat er dafür einen Titel ausgewählt und neu arrangiert. Und weil seit längerer Zeit auch erstmals wieder ein Synthesizer beim Musizieren Verwendung findet, taucht plötzlich das Kürzel „IC“ vor seinem Falkenberg wieder auf. Ist ja auch nur logisch.

„Taufrisch“ aus seiner Stern-Meißen-Zeit eröffnet das 17 Lieder umfassende Programm und kommt in einem wesentlich zeitgenössischerem Klangbild, als es das Original aus den 80ern aus heutiger Sicht besitzt, daher. Ein sich bis heute immer weiter entwickelter Geschmack und andere technische Raffinessen beim Instrumentarium und in der Handwerkskunst machen dies möglich. Dass auch die Stimme von Ralf mit den Jahren gereift ist und sich verändert hat, ist ebenfalls deutlich zu hören. Schlechter ist sie bei dem Alterungsprozess aber nicht geworden, das kann man wirklich nicht behaupten.
Eine deutliche Veränderung hat auch der schon erwähnte „Mann im Mond“ erfahren. Hat das Original deutliche EBM- und Wave-Elemente in seiner DNA, gleitet die 2022er Fassung eher auf der Schiene dahin, auf der auch Bands wie MONO INC. unterwegs und erfolgreich sind. Das klingt knackig, frisch und eröffnet der Komposition neue Möglichkeiten, auch andere Seiten von sich zu zeigen.
„Eine Nacht“, 1987 im dem Zeitgeist folgenden Pop/Rock-Arrangement mit feiner Rockgitarre von Stern Meißen gereicht, wird 35 Jahre später von IC Falkenberg in einer entschleunigten und auf die Grundidee reduzierten Version präsentiert. Ein paar Takte langsamer und von den Instrumenten her wesentlich gechillter in Szene gesetzt, wirkt der Klassiker nunmehr anders aber nicht weniger schön.
Und so geht die Rundfahrt durch des Künstlers Portfolio weiter und zeigt in weiteren Remakes die Falkenberg’sche Wandlungsfähigkeit und die Möglichkeiten eines Weiterspinnens seiner kompositorischen Fäden.

„Staub“ – der gleichnamige Song stammt vom 2015er Album „Geliebtes Leben“ - ist für diese Platte eigentlich ein irreführender Name, wenn man da eine Botschaft heraus lesen möchte. Wäre es ein normales „Best Of“-Album, auf dem die Originale mit ihrer inzwischen angesetzten Patina zu finden wären, könnte man sicher von einer guten Wahl sprechen, aber die Musik auf dieser CD ist weit weg von Staub oder vom eingestaubt sein. IC Falkenberg hat seine Lieder aus seiner Karriere nochmal neu erfunden, darum kann man auf „Staub“ auch so einiges erkunden und Neues entdecken. Einziger Makel, den ich an dieser CD gefunden habe ist, dass mein Falkenberg-Lieblingslied „Erdbeer‘n im Schnee“ fehlt. Aber das hat seinen Grund, denn IC Falkenberg sagt zur Idee seines neuen Albums: „Von jedem Album habe ich mir den einen Song herausgesucht, der den Moment der Entstehung des jeweiligen Albums am besten manifestiert. Es sind nicht unbedingt immer die Lieder, die den Vielen gefallen, manchmal sind es auch die Außenseiter, die wenig Beachteten.“ Damit viel Spaß beim Neuentdecken!
(Christian Reder)
 
 
 
 

   
   
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