Tino Eisbrenner & Tatanka Yotanka: "Kalumet" (Album)

lp19 20220915 1003217164VÖ: 09.09.2022; Label: Manana Records; Katalognummer: 4260024250171; Musiker: Tino Eisbrenner (Gesang, Akustikgitarre, E-Gitarre, indianische Flöte, Mundharmonika), Jan "Chessman" Schachmann (Gitarre, Mandoline, Chor), Alejandro Soto Lacoste (Keyboards, Akustikgitarre, Akkordeon, Chor), OIiver Siegmann (Bass), Olli Becker (Schlagzeug); Bemerkung: Ausschließlich auf CD erschienen. Im aufklappbaren Pappcover inkl. Booklet mit Abdruck der Songtexte. Erhältlich im Shop des Künstlers (HIER);

Titel:
"Indianerland", "Gras", "Medizinmann", "Irgendwo in Mexiko", "Amerika", "Viele Sommer, viele Winter", "Wovoka", "Ach, wie arg brannte die Sonn'", "Das Recht zu leben in Frieden", "Vater der Berge - Mutter der Meere", "Sternenfrau", "Weitergegangen", "Hinterland"


Rezension:


Es ist Herbst 2022 und die Kulturbranche erlebt immer noch eins ihrer schwersten Jahre seit Beginn von Pandemie, Ukrainekrieg und Energiekrise. All das hält zum Glück Songpoeten wie Tino Eisbrenner nicht davon ab, weiter kreativ zu sein und somit sein 22. Album zu veröffentlichen: „Kalumet“. Zudem ist es das dritte Album, das er unter dem Namen „Eisbrenner & Tatanka Yotanka“ veröffentlicht.

13 Songs, die musikalisch und textlich eine Einheit bilden und eine Reise in ein fernes Land thematisieren. Eisbrenner selbst ist seit seiner Kindheit ein Weltenbummler und bereiste erstmals ’89 den amerikanischen Kontinent und die Welt der Indianer, die vor allem auf diesem Album präsent ist. Übersetzt bedeutet „Kalumet“ die Friedenspfeife der nordamerikanischen Indianer, womit der Albumtitel das Hauptthema aller Songs bereits beinhaltet: Frieden.

Musikalisch gesehen ist es ein Verschmelzen von Akustikrockpassagen und indianischen Klängen, gepaart mit deutschen Texten. Tino Eisbrenner ist nicht nur ein Singer/Songwriter sondern auch ein Songpoet, was auch bei diesem Album sehr deutlich wird, da einige Songs mehr gesprochen als gesungen werden. Absolut untypisch ist zudem, dass der erste Song und Opener „Indianerland“ eine Länge von fast acht Minuten aufweist. Durch die Interpretation des Textes neben dem musikalischen Aufbau des Songs kommt es einem am Ende allerdings nicht wie fast acht Minuten vor, sondern wie ein normaler Durchschnittssong von 3:30 Minuten. Das zu schaffen, ohne dass es dem Hörer zu lang wird, ist ein hohes Maß an Können und ein absolut durchdachter Aufbau des Songs von Anfang bis Ende.

Eisbrenner schweift bei seiner Wortwahl nicht groß umher oder wird zu poetisch, im Gegenteil. Er findet klare, direkte Worte und trotzdem bleibt ein Spielraum um zwischen den Zeilen eigene Interpretationen zuzulassen. Das ganze Werk orientiert sich thematisch an einer Zeitreise, die in der Indianerzeit beginnt und im Jahr 2022, besser gesagt mit dem was im Februar 2022 begann, endet. Es ist kein Album welches man nebenbei hören sollte, sondern es ähnelt einem Hörbuch das Geschichten erzählt und absolute Aufmerksamkeit fordert um es zu verstehen. Zudem enthalten die Songs, die oftmals länger als ein normaler Durchschnittssong sind, viele Instrumentalparts und nahtlose Übergange zum Anschlusssong. Der Beginn es Albums mit den Songs „Indianerland“, „ Gras“ und „Medizinmann“ lässt ein verträumtes, in die Ferne schweifendes Gefühl aufkommen. Jedoch wird im weiteren Verlauf ein direkterer Ton hörbar, der besonders in den Songs „Das Recht zu leben in Frieden“ und „Sternenfrau“ zum Vorschein kommt. Unerwartet wird der Ukrainekrieg zum Thema. Obwohl „Sternenfrau“ höchstpolitisch und aktuell ist, ist er ebenso zeitlos, denn Frieden ist niemals out.

Wenn man sich das Booklet etwas genauer ansieht, tauchen noch zwei andere nicht allzu unbekannte Namen auf, die an „Kalumet“ direkt oder indirekt mitgewirkt haben: André Drechsler (ZÖLLNER, JESSICA) und Georgi „Joro“ Gorgow (CITY). Bereits in den 1980ern spielten André Drechsler und Tino Eisbrenner zusammen bei JESSICA. Diese Zusammenarbeit hat sich auch nach dem Ende ihrer gemeinsamen Band fortgesetzt und Drechsler steuert auf diesem Werk drei weitere Kompositionen bei, wie z.B. „Viele Sommer, viele Winter“. „Wovoka“ ist eine Coverversion des 2001er Songs der Band DER WILDE GARTEN, mit dem Joro und Eisbrenner ein gemeinsames Bandprojekt auf die Beine stellten. Die Komposition des CITY-Geigers wird hier nochmals aufgegriffen und neu arrangiert.

Abschluss dieses Werks bildet der Song „Hinterland“, der als Liveversion auf dem Album zu hören ist. 13 Songs die eine Zeitreise über 100 Jahre zurück in die Vergangenheit bis ins Heute bilden. Mal verträumt melancholisch, mal direkt unverschönt und mal melodisch mit Ohrwurmcharakter. Soundmäßig gibt es keinen Bruch und ein roter Faden zieht sich durch das ganze Album, das trotzdem ein bewusstes Zuhören erfordert und viel Aufmerksamkeit um verstanden zu werden.
(Lisa Walter)







   
   
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