Mick Szutor: "Unbekannt Verzogen" (Album)

szutor2021 20211219 1014326856VÖ: 10.12.2021; Label: MEDI-Records; Katalognummer: MM 2021033; Musiker: Mick Szutor & Freunde; Produzent: Mick Szutor, Castermania Studio; Bemerkung: CD im Jewel-Case (Plastikhülle) inkl. Booklet mit Abdruck der Songtexte; Bezugsquelle HIER;

Titel:
Der Felsen • Schön, dass es dich gibt • Useless • Unbekannt verzogen! • Maggie • Im Chor • Teil meiner Liebe • All die Farben • God's Gonna Cut You Down • Im Garten


Rezension:
Künstler sind von der seit nahezu 2 Jahren andauernden Situation zweifellos besonders betroffen. Es gäbe für sie genügend Anlass zu Kritik oder auch zum Jammern. Ein guter Freund von mir, Mick Szutor, hat die ungewollt freie Zeit sehr kreativ genutzt und nun sein erstes Solo-Album veröffentlicht. Grund genug für mich, das Werk etwas näher zu beleuchten, natürlich - wie immer - aus meiner Laien- und Fan-Sicht.

Mick dürfte zumindest in Ost-Thüringen musikalisch kein Unbekannter sein. Wir (Cordelia & ich) haben ihn vor ca. 10 Jahren als Sänger von SALON WINTER kennengelernt. Außerdem ist er viele Jahre Gitarrist Rolling-Stones-Tribute-Band TUMBLING DICE sowie Kopf von EXILE und des BBC (Blues Brothers Club). Während bereits SALON WINTER eigene deutsche Texte präsentierte, standen im Übrigen zumeist englischsprachige musikalische Helden Pate.

Nun also ein Album mit weitgehend eigener Musik und deutschen Texten, ergänzt um zwei Tribute-Songs. Begleitet wird Mick dabei von seinen Freunden der BBC (Rene Gumpert, Mr. Skepper, Thomas Böhmer und Aurelius Kernbach) und weiteren befreundeten Musikern, u.a. Tobi Hillig, Robert Ackermann oder Nancy Szutor. Eine Besonderheit bei den Texten ist dabei, dass jedes Band-Mitglieder von BBC einen Songtext beigesteuert hat. Und ich nehme es vorweg: entgegen dem Stil der aktuellen Diskussionskultur ist die Sprache dabei durchgehend von positiven Gedanken beseelt - schon das ist extrem wohltuend.

Eröffnet wird die Scheibe mit dem rockigen Song "Der Felsen". Hier lassen sich deutlich die musikalischen Wurzeln erkennen, die im Übrigen auch schon bei der Wahl des Coverfotos anklingen. Die Sprache ist von Dankbarkeit an einen menschlichen "Felsen" geprägt, den man Jedem nur wünschen kann: "denn diese Hand, die tut mir gut". Für mich war dieser Text die erst große positive Überraschung.
"Schön, dass es dich gibt" beginnt - schön kontrastreich - sehr sparsam instrumentalisiert, dennoch bluesrockig. Die Zielrichtung des Songtexts ist natürlich schon aus dem Titel erkennbar. Es ist aber nicht nur gelungen, dass der Text an keiner Stelle "schmalzig" wirkt. Nein, es regt auch zum Nachdenken über manch Aspekt des Miteinander an, den wir oft vergessen oder falsch deuten: "ich möcht ein Teil von deiner Hoffnung sein".
Mit "Useless" folgt der erste Tribute-Titel - im Original von Depeche Mode. Spannend aus meiner Sicht (ich bin nicht der Größte DeMo-Jünger und kannte fast nur die Radio-Songs): deutlich gitarrenlastiger, als man es von DeMo üblicherweise kennt. Das ist zwar auch schon beim Original so, hier aber nochmal deutlich stärker - auch ein klein weniger stoneshafter.
"Unbekannt verzogen" ist dem leider viel zu früh verstorbenen Betreiber eines Musik-Clubs gewidmet. Gerade bei solchen Themen find ich es wohltuend, wenn - wie hier - auf jegliches Pathos verzichtet wird. Die Musik geht vorwärts und der Text malt schöne Bilder der Erinnerung: "unbekannt verzogen, abgehoben, weggeflogen".
Ganz im Gegensatz wird mit "Maggie" ein neuer Mensch erdig-bluesig begrüßt, der schon vor der Geburt die ersten Hürden zu überwinden hatte. Einfach nur schön: "du bist der Grund, ein Wunder so schön".
"Im Chor" kommt eher sanft daher und beschreibt eine Art Lebensgefühl, das ich nur voll unterschreiben kann. Ich bin leider unfähig, viel darüber zu schreiben - das muss man einfach anhören … ein Song zum dahin schwelgen: "uns trotzt der Morgen, der auch ohne uns startet".
In "Teil meiner Liebe" wird thematisiert, dass nicht jede Liebe immer nur Freude pur ist. Manchmal sind Handlungen, Erklärungen, Entwicklungen usw. kaum nachvollziehbar … man sollte dabei aber nie vergessen: "Ich bin ein Teil von dir. Du bist ein Teil von mir."
"All die Farben" ist wieder Zeile für Zeile Lebensfreude pur. Da passt natürlich ein Reggae-Groove wie die Faust aufs Auge. Hier haben nicht nur viele Musiker-Freunde mitgewirkt, sondern im dazu gehörigen Video auch Nicht-Musiker (wer sucht, findet vielleicht auch uns). Sprachlich eine Absage an jede Art von Gejammer, denn: "ich bin verliebt in die Sonne und den Regen".
Der zweite Tribute-Song "God`s gonna cut you down" ist ein traditioneller Gospel in der Art von Johnny Cashs American-Reihe. Handwerklich nah am Original, dazu die Stimme, die den Song zwar in die Cash-Nähe rückt, aber stets eigen bleibt.
Den Abschluss bildet "Im Garten". Ein klassischer Singer-Songwriter-Titel. Es wird nochmals daran erinnert, dass es uns bei allen Widrigkeiten doch recht gut geht. Mich erinnert die Erzählweise - mal wieder - etwas an die Poetik des von mir sehr verehrten Stefan Stoppok: "Es gibt so viele Gründe, mal dankbar zu sein".

Was soll ich groß sagen: ich find die Scheibe einfach nur rundum gelungen. Liegt sicher auch daran, dass unser Musikgeschmack viele Überschneidungen aufweist. Aber auch beim wiederholten Anhören kann ich mich an der Sprache extrem erfreuen, zum Abschluss noch ein Beispiel:

"Jeden Morgen singen Vögel aus vollen Kehlen
den gesammelten Staub von Ihren Seelen".


Zu guter Letzt: Auch die optische Gestaltung kommt sehr professionell rüber. Die Fotos im Booklet sind einfach nur klasse. Wer - wie ich - Musik abseits des Alltagsgedudels aus dem Radio mag und vielleicht noch ein Geschenk sucht: HIER
(Mario Lengtat)





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