Die Zöllner: "Zack Zack Zessions" (Album)

lp18 20191020 1251711757VÖ: 04.10.2019; Label: A&O Records; Katalognummer: 425128760074; Musiker: Dirk Zöllner (Gesang, Gitarre), André Gensicke (Keyboards, Gesang), Oliver Klemp (Bass), Andreas Bayless (Gitarre), Lars Kutschke (Gitarre), Stephan Salewski (Schlagzeug), Frank Fritsch (Saxophon), David "Skip" Reinhqre (Trompete), Gerald Meier (Posaune), Rubini Zöllner (Gesang), Anna Marlene Bicking (Gesang, Keyboard, Percussion), Marcel Wicher (Gesang); Bemerkung: CD und DVD im aufklappbaren Digipak, inkl. Booklet. Das Album ist außerdem auf Schallplatte und als Standard-CD ohne DVD erschienen;

Titel:
CD:
Herzschlagen • Tanken • Rangehängt • Ich & das Glück • Zwei Sonnen • Keine schweigt wie du • Zack!zack! • Zwischen den Stühlen • Olympia • Alles oder nichts • Lass mich rein • Allein • Ich kann dich nicht riechen • Rosarote Segel • Viel zu weit
DVD:
EPK • Alles oder nichts • Was geht ab • Rosarote Segel • Tanken • Rangehängt • Gut aus • Lass mich rein • Allein • Die Dritte • Zack Zack • Ich kann Dich nicht riechen • Viel zu weit • Herzschlagen


Kurzfassung:
"Die Zöllner - 30 Jahre mit Pauken und Trompeten. Steroide, Endorphine, Adrenalin, Testosteron und Benzodiazepin. Gute Musik, gute Texte - besser als die anderen", heißt es in "Rangehängt" auf dem neuen Zöllner-Album "Zack Zackk Zessions". Schön, dass einem inzwischen schon vom Künstler die Arbeit abgenommen und die passenden Worte für die zu veröffentlichende Rezension mitgeliefert werden. Danke schön und darum schließe ich hier dann auch gleich … natürlich noch nicht, denn es gibt ja noch zwei bis zehn interessante Details zu dieser Veröffentlichung zu sagen.

Entstehung:
Etwas über 30 Jahre ist es her, dass André Gensicke und Dirk Zöllner DIE ZÖLLNER gegründet haben. Zwischendrin gab es mal eine kurze Pause, die aber nicht mehr weiter erwähnenswert ist, in der aber trotzdem fleißig, aber unter anderem Namen musiziert wurde. Kurz: es gibt reichlich Stoff für die Ohren, den der unermüdliche Soul-Man aus Berlin-Köpenick bisher auf Platten und CDs veröffentlicht hat. Aber eins gab es bisher noch nicht: Ein DIE ZÖLLNER-Live-Album. Mit Hilfe von "Onkels, Tanten, Freunden, Fans, Sympathisanten, Musikliebhabern und Mäzenen (dicke, dünne, große und die kleenen)" wurde dieser Mangel nun behoben und "Zack! Zack! Zessions" für die Ewigkeit konserviert. Vorab konnten insgesamt 30 Fans bei einem kleinen, kuscheligen Live-Konzert im Tonstudio von Schloss Röhrsdorf dabei sein und die Entstehung dieser Platte nicht nur direkt vor Ort verfolgen, sondern sich auch auf dem Mitschnitt verewigen. Diese Menschen waren für den Live-Charakter zuständig, der ja bekanntermaßen auf einen Live-Mitschnitt dazu gehört. Nun gibt es ja verschiedene Wege, so ein Live-Album letztlich auf CD und Platte herauszubringen. Zum Einen kann man bei einer Plattenfirma anklopfen, etwas Kleingeld (ja, die fetten Jahre sind vorbei) für so eine Produktion erbitten und darf sich dann, wenn der Scheck ausgestellt ist, von wichtigen Menschen, die selbst keine Musik machen, aber Wirtschaft studiert und zumindest schon mal was von Musik gehört haben, erklären lassen, wie denn so ein Live-Album zu klingen und was drauf zu sein hat. Es wird Dir als Künstler also rein gequatscht, bis von der ursprünglichen Idee am Ende womöglich nichts mehr übrig ist. Und wenn es ganz doof läuft, kriegst Du als Künstler für Dein Werk eine "Verpackung", an die man mal rasch den Praktikanten ran gesetzt hat. Besondere Wünsche? Nix da. Das darf ja auch nicht viel kosten und wird intern gelöst. Und dann willste auch noch `ne Auflage davon auf Schallplatte? Geht gar nicht. Dafür kann sich der Fan das Ding downloaden oder als Stream bei Spot(tpreis)ify und Konsorten anhören. Aber man kann als Musiker auch einen anderen und viel angenehmeren Weg gehen - und hier sei dem Internet mal Dank: Er führt über die Eigen- bzw. Vorfinanzierung durch die Fans zum Ziel. "… es wird auch nicht darum gebeten, uns irgendwas zu schenken … Doch jetzt ist Schluss mit dem Gezeter: Ihr zahlt jetzt, wir liefern später." - so der Auszug aus Dirk Zöllners kleinem Gedicht, aus dem ich hier gerade schon einmal zitiert habe, und das im April dieses Jahres die Fans um Unterstützung für diese Aktion bat. In einer Crowdfunding-Aktion sollte fleißig Geld für etwas gezahlt werden, was noch gar nicht fertig war. Je nach Höhe des eingezahlten Betrages konnte man das Album in verschiedenen Versionen als Gegenleistung bekommen. Dieses würde direkt nach Ende der Crowdfunding-Aktion beim Presswerk in Auftrag gegeben und anschließend an die Menschen verschickt. Hier standen eine einfache CD, eine Deluxe-Edition mit CD und Bonus DVD, eine Schallplatte … Ja, sogar eine streng limitierte Vinyl-Scheibe mit bisher unveröffentlichtem Material zur Auswahl. Und so ging die Aktion im April los. Das erste Ziel von Scholle, wie ihn seine Fans und Freunde nennen, und seiner Band war, die Schallmauer von 18.000,00 EUR zu durchbrechen. Ein sportliches Ziel, das aber mühelos erreicht wurde. Also erhöhte man das Ziel auf 24.000,00 EUR und … landete im Juli schließlich bei 30.620,00 EUR, mit denen man das erste Live-Album der Bandgeschichte in verschiedenen Versionen pressen lassen konnte. Natürlich sind bei dem Betrag, der da zusammen gekommen ist, noch weitere Exemplare des Live-Albums entstanden, die man nun auch kaufen kann, wenn man sich nicht an der Vorfinanzierung beteiligt hat. Es ist bei A&O Records erschienen und im gut sortierten Fachhandel erhältlich.

Inhalt:
Genug von der Theorie! Was ist denn nun drauf, auf der Platte? Das hier eingefangene Konzert beginnt mit dem Stück "Herzschlagen". Dabei handelt es sich um einen ganz neuen Song von DIE ZÖLLNER und gleichzeitig auch um den letzten Text vom Dichter Andreas Hähle, der seit 2012 einige Beiträger zu Scholles Liedern geliefert hat und der Ende April verstorben ist. Gerade deshalb ist es für Dirk auch ein besonderer Song, wie er in einem Interview beim mdr vor ein paar Tagen erzählte. Der Beat - zuerst vom Schlagzeug, dann vom E-Bass - klingt dann auch wie ein Herzschlagen, und verläuft sich schließlich in eine druckvolle Ballade mit entspannt gezupfter Gitarre, dem heißen Sound der Zöllner-Horns und dem sirenenhaften Gesang der Zöllner-Chicks. Der Start in das Programm kann sich nicht nur hören lassen, er greift direkt nach Dir und zieht Dich förmlich mit. Etwas flotter und mit einer gehörigen Portion Funk geht es dann mit "Tanken" weiter. Es handelt sich dabei um eine Version des gleichnamigen Stücks von Scholles Solo-Album "Wo ist der Hund", das man hier erstmals in der großen Besetzung von DIE ZÖLLNER hören kann. Ursprünglich als Deutschrock-Nummer produziert ist daraus jetzt ein Funk-Stampfer geworden, dem die laute Gitarre genommen und das Gebläse der ZÖLLNER-Horns implantiert wurde. Apropos Stampfer: Den gibt es auch in der Live-Version von "Ich und das Glück" von Scholles letztem Studio-Album, auf dem sich diverse Vertonungen von Werner Karma-Texten befinden. Blubbernder Bass, straff nach vorn gehender Beat und leckere Hammond-Orgel-Ingredienzen lassen beim im sitzenden Zustand erlebten Hörgenuss kräftig das Tanzbein jucken. Die Nummer geht ab und still sitzen ist eigentlich unmöglich. Gleiches Hörerlebnis hat man bei "Zack Zack", "Alles oder nichts", "Lass mich rein", "Allein" und "Rosarote Segel", die allesamt zu den flotteren Nummern dieses Albums gehören. Dazwischen gibt es immer wieder die ruhigen und erhaben dahin gleitenden Stücke, wie etwa "Viel zu weit", das das Album beschließt, und die vorher schon für entspannte Momente sorgenden "Zwischen den Stühlen" oder "Ich kann Dich nicht riechen". Zu "Zwischen den Stühlen" sei noch angemerkt, dass hier am Ende ein wunderbarer Teil mit Saxophon und Chorgesang angehängt wurde, und dem mit "Olympia" ein orchestrales Stück wie angegossen passend folgt, und das wie eine bombastische Zugabe zum zuvor gehörten Titel wirkt. Auch "Keine schweigt wie Du" ist eher ruhiger angelegt, wobei Dir der Song - bei der richtigen Lautstärke angehört - ordentlich in der Magengegend wühlt, während dir die Bläser-Sektion spürbar über die aufsteigende Gänsehaut streicht. Eine großartige Nummer.

Fazit:
"Zack Zack Zessions" ist ein wahrer Freudenspender. Die Scheibe groovt, sie lässt Dir keine Ruhe - sowohl in den lauten als auch in den ruhigen Momenten - und sie holt Dich vom ersten Ton an ab. Da suchen seit Jahren irgendwelche Experten "The Voice Of Germany", dabei haben wir davon doch schon längst eine ganze Menge guter Ausgaben. Diese "Voice", über die wir gerade sprechen, sogar schon seit über 30 Jahren. Man muss ihr nur mal zuhören und die Gelegenheit geben, sich zu zeigen. Zu dieser wie eine Naturgewalt über Dich hinweg fegenden Stimme haben sich im Laufe der Jahre außerdem erstklassige Instrumentalisten gesellt, die längst nicht mehr nur die Sättigungsbeilage zur backofenheißen "Scholle" sind. Hier ist das komplette Menü eine Delikatesse. Während die neue "Voice of Germany" stimmlich und musikalisch genauso klingt wie die anderen davor, kann man hier wirklich eine der außergewöhnlichsten Stimmen aus unserem Land hören. Dazu großartige Musik, die Du nicht an jeder Ecke gereicht bekommst und die Dich absolut begeistern wird. Bisher konnte man - besonders wenn man weit weg wohnt - immer nur vom Hörensagen davon und von der Fulminanz der Live-Band DIE ZÖLLNER erfahren und sich nur theoretisch ein Bild davon machen, wieso die Leute nach einem Konzert dieser Band so hin und weg sind. Das kann man jetzt auch über diesen Tonträger tun und sollte es auch unbedingt. Ich hätte es - wie gesagt - mit der auf der CD zu hörenden Beschreibung, die ich eingangs wiedergegeben habe, schon belassen können, denn sie sagt ja nix anders aus als das, was ich hier seitenweise zu Papier gebracht habe. Aber ich schreibe mich ob so einer hammergeilen Platte auch gerne mal in Rage. Unbedingt kaufen das Ding und anschließend selbst mal hingehen … auf ein Konzert von Scholle und seinen ZÖLLNERn!
(Christian Reder)





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