elena2016 20160518 1443468601 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"Elena"
Elena
DEAG Music
13. Mai 2016

1. Flugmodus
2. Sonntag
3. Wünsch dir was
4. Irgendwann
5. Leichter
6. Ryan Gosling
7. Zuhaus
8. Unbesiegbar
9. Die Suche
10. Doppelt falsch
11. Nie da
12. Ein Fall für zwei
13. Kratzer auf der Platte
14. Flugmodus (Madizin Single Mix)





Eigentlich wollte ich die CD von ELENA gleich wieder beiseitelegen und mich der nächsten widmen. Wenn ich im Pressetext als Haupterkennungsmerkmal für eine neue Platte schon sowas lese wie, "Die kleine Schwester von ...", dann habe ich damit so meine Probleme. Dabei ist nicht wirklich mal was Gutes um die Ecke gekommen. Besonders dann nicht, wenn der "große Bruder" mit der Platte so gar nix zu tun hat und dieser Fakt ganz offensichtlich nur dazu verwendet wird, kräftig Werbung für das Produkt zu machen. Aber die Neugier ist dann doch größer und es dauert nicht lange, bis sich der Silberling im CD-Player dreht. "Elena" heißt nicht nur die Künstlerin, sondern auch ihr Debüt-Album, von dem ich hier spreche. Die 27-jährige Sängerin - um das mal aufzuklären - ist die kleine Schwester von David Garrett, dem Mainstream-Publikum bestens als Helmut Zacharias der Neuzeit bekannt, der sich gern auch mal an Nummern von AC/DC und Michael Jackson vergreift, um sie mit seiner Geige munter nachzuspielen. Während Garrett mit seinem Lieblings-Schwiegersohn-Charme den Vormittag von Mutti aufhellt, wenn sie seiner Musik lauschend die Wohnung putzt und das Essen kocht, möchte nun auch die Schwester die Musikwelt erobern, hat sich dafür allerdings die Popmusik-Szene ausgesucht.

Gleich beim ersten Song kratze ich mich fragend am Kopf und überlege, ob die Sängerin auch den TV-Werbespot von überflieger.de eingesungen hat (Ihr kennt den sicher ... das ist der mit den Katzenbabies). Der nervt mich schon seit Wochen und auch hier dauert es nicht lange, bis mir die Stimme auf den Zeiger geht. Natürlich ist es volle Absicht der Künstlerin, den Titel so zu singen, aber es kommt total gelangweilt rüber - als hätte sie gar keinen Bock auf dieses Lied. Da kann man sich auch nicht mit seinen Wurzeln, dem Jazz, heraus reden. Partout nicht zueinander passen wollende Töne werden hier in Reihe gesungen, während der Song an sich gar nicht so schlecht ist. Ein munter blubbernder Bass gräbt sich bei richtiger Lautstärke in die Magengegend und eine Gitarre versprüht den Charme der 80er. Nicht übel!
Das folgende "Sonntag" setzt - zumindest gesanglich - das fort, was der Opener schon losgetreten hat. Die Sängerin erreicht mich mit ihrer Stimme überhaupt nicht, und erschwerend hinzu kommt, dass hier unbedingt noch der Rap eines gewissen "Curlyman" rein geschraubt werden musste, den wirklich kein Mensch gebraucht hätte. Aber was macht man nicht alles, um hip und trendy zu sein, und vielleicht im Radio gespielt zu werden. Inhaltlich geht es - der Name verrät es ja schon - um einen Sonntag, an dem man für gewöhnlich die Beine baumeln lässt. Dazu gibt es dann jetzt auch das passende Lied. Womit wir beim Inhalt und der Textdichtung sind: Auch hier kann man nicht wirklich von etwas Besonderem sprechen. Der Umgang mit dem Smartphone, Faulenzen am Sonntag (s.o.) oder das Schwärmen für Ryan Gosling sind nun wirklich keine Themen, mit denen man Begeisterungsstürme beim etwas anspruchsvolleren Publikum auslöst. Aber auch für den Partykeller will das Material nicht so richtig taugen. So wie sich die Sängerin beim Singen anhört, so fühlt man sich beim Hören spätestens nach dem dritten Song der Platte ...
Im Verlauf der CD verschwindet der Eindruck des Gelangweiltseins bei der Sängerin - zumindest nimmt man es nicht mehr so wahr, wie direkt bei den ersten Tönen. Mit fettem Beat ("Leichter"), Glockenspiel ("Ryan Gosling"), sachten und elektronischen Momenten ("Unbesiegbar") oder auch dunklen Farben in der Musik ("Die Suche", "Kratzer in der Platte") zieht die Künstlerin zumindest musikalisch alle Register. Hier lebt die Abwechslung - man hat der Phantasie beim Arrangieren freien Lauf gelassen. Ein absoluter Pluspunkt! Es gibt sogar ein Lied, bei dem sie mich mit ihrer Stimme zumindest kurzzeitig überzeugen kann ("Unbesiegbar"). Im Großen und Ganzen macht hier eigentlich aber nur die Musik Spaß.

Das Album "Elena" ist zumindest vom darauf zu hörenden Gesang her nicht der Knaller. Diese Stimmen ohne Wiedererkennungswert haben wir inzwischen genug. So viele, dass sie sogar zu Hauf bei DSDS für feuchte Augen bei den Juroren sorgen und auch im Werbefernsehen zum Einsatz kommen (da kann man dann schnell mal was verwechseln). Und wenn diese Stimmen dann so gar nichts mitbringen, was einen anderweitig an sie bindet, wie z.B. bei Lena, dann verpufft auch die noch so gut umgesetzte Idee im Nichts. In diesem Fall bleiben dadurch die wirklich tollen Arrangements und Songideen auf der Strecke. Meine Erfahrung, dass Platten/CDs nie ein Highlight sind, wenn im Pressetext mehr Wert auf das Drumherum - in diesem Fall das eingangs erwähnte "Die kleine Schwester von..." - als auf den Inhalt gelegt wird, wird hiermit wieder einmal bestätigt. "Ich stehe hinter jedem Text und jedem Ton", sagt die Künstlerin im Text auf dem Beipackzettel der Promo-CD. Ich würde mich bei einigen Songs lieber schnell davor stellen ...
(Christian Reder)



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