nullzwostrom 20160612 1447515108 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"Strom"
NullZwo
Hey!blau Records
1. Juli 2016

1. Neues Gesicht
2. Dreimal
3. Regen
4. Stark
5. So oder so
6. Ungleichgewicht
7. Von spät bis früh
8. Weiter spielen
9. Anker
10. Heute nicht
11. Vorbei
12. Eines Tages


Anmerkung: Auch auf Vinyl (Schallplatte) erhältlich!





Ich greife morgens in mein Postfach und ziehe eine Ansichtskarte raus. Vorn drauf ein alter Opel Kadett, hinten ein Gruß von "unterwegs" und sie ist direkt an mich adressiert. Pitti und Dschingo schreiben mir da und ich freue mich darüber, dass jemand an mich denkt und mir von "unterwegs" eine Karte schickt. Sowas kommt in Zeiten von Smartphone und Internet ja nicht mehr allzu häufig vor, dass ein solcher Gruß auf Papier per Post kommt. Meine Freunde Lisa und Torsten machen sowas noch. Aber sonst ...?! Doch bei aller Freude über die unverhofft eintreffende Karte frage ich mich auch, wer denn Pitti und Dschingo sind, die mir hier schreiben. Naja ... die Karte liegt erstmal eine Weile auf dem Küchentisch. Auch daheim weiß niemand, wer die beiden Reisenden sind. Ein paar Tage später gibt es wieder Post. Diesmal digital per Mail mit dem Hinweis, dass die beiden Reisenden noch immer unterwegs sind. Kurz darauf ist auch wieder etwas im Postfach: Ein silberner Umschlag ohne Absender, dafür mit einer CD der Gruppe NULLZWO namens "Strom" und einer weiteren Postkarte - allerdings nur eine Hälfte davon, auf der eine "To-Do-Liste" von (na, von wem wohl?) Pitti und Dschingo zu finden ist, auf der sie u.a. sich selbst daran erinnern, sich bei mir "wegen Strom zu melden". Aha ... es ist also eine PR-Aktion. Hier schicken mir also Musiker ihre neue CD und die Postkarte war eine Vorankündigung. Somit haben die beiden auf jeden Fall schonmal meine volle Aufmerksamkeit, denn der Kreis schließt sich jetzt. Die Postkarte ergibt Sinn und auch klärt sich, wer Pitti und Dschingo sind ...
NULLZWO nennt sich ein Indie-Pop-Rock-Duo aus Hamburg. Pitti Weidenhof (Gitarre, Bass) und Dschingo Herrendienst (Gesang, Schlagzeug) sind die beiden Musiker, die unter diesem Namen musizieren und NULLZWO ein Gesicht geben. Und dies nicht erst seit gestern. Bei Recherchen im Netz finde ich mit "Schalter" ein weiteres Album, das bereits im Jahre 2013 veröffentlicht wurde. "Strom", das mir hier nun als Promo vorliegt, ist also bereits das zweite Werk der Jungs. Mehr ist erstmal nicht zu erfahren. Kein Begleitschreiben, keine Album-Info ... nix. Ok, dann hören wir da mal rein, denn das Ganze hier macht mich absolut neugierig. Ist auch logisch, denn wer sich vorab schon soviel Mühe gibt, um auf sich und seine Musik aufmerksam zu machen, weckt eben sowas wie Interesse und Neugier.

Es wird sofort klar, dass "Strom" das Produkt eines hochkreativen Musiker-Duos ist, das mit tollen deutschen Texten und beeindruckend schöner Musik zu überzeugen weiß. Damit stelle ich das Fazit gleich an den Anfang meiner Beschreibung, um Dich, den Leser, hierzubehalten. Denn Du sollst nicht wegklicken, weil sich das Weiterlesen hier lohnt. Ich weiß, dass gerade der Bereich "Indie-Rock" und "Indie-Pop" ein großes Sammelbecken ist, aus der viel Musik kommt, die beim Hören handgreiflich wird. Die von NULLZWO tut das nicht, sondern sie schmeichelt den Ohren und der Seele. Und das auf eine ganz erfrischende und überraschende Art und Weise, und davon möchte ich Dir berichten. NULLZWO erzählen in ihren Liedern von Begegnungen und Alleingängen, von Gefühlen verschiedenster Art und - so meine ich zu hören - auch von der inneren Zerrissenheit in Bezug auf bestimmte Dinge. Die zu den Texten gewählte Musik ist dabei stets entspannt, melancholisch und berührend. Nur keine Hektik verbreiten, selbst dann nicht, wenn es auch mal etwas "lauter" wird. Die Mischung aus Inhalten und Musik lädt zum genauen Hinhören und Träumen ein. Allein das Entdecken der Ideen, die hier offenbar beim Komponieren und Verbinden mit dem Text zugrunde liegen, ist eine Herausforderung, die richtig viel Spaß macht. Hier werden Stimmungen erschaffen, die plötzlich ein Eigenleben entwickeln. Man klebt an ihnen, lässt sich von ihnen mitnehmen und empfindet zum Schluss ein Gefühl der Enttäuschung, dass diese Reise nicht länger als nur über 12 Geschichten (Lieder) geht. Geschichten und Bilder, die zum Leben erweckt werden und bei denen man meint, das dort Gehörte genau zu spüren, zu riechen und zu schmecken ("... warte einfach den Regen ab. Das Geräusch und den Geruch danach ...", aus dem Song "Regen"). Richtig erwischt hat mich gleich der das Album eröffnende Titel "Neues Gesicht". Die 70er lassen musikalisch grüßen und das Lied zieht einen sofort in seinen Bann. Ein sphärischer Gesang auf einer Flower-Power-Pop-Welle aus feinsten Retro-Tönen. Die der E-Gitarre scheinen nicht von dieser Welt zu kommen, schweben im Raum und versetzen den Hörer in eine angenehme Stimmung. Auch "Regen", aus dem ich gerade eben schon zitiert habe, nimmt einen umgehend gefangen. Die hör- und auch fühlbare Dunkelheit in der Komposition sollte unbedingt mit geschlossenen Augen und im Idealfall auch laut genossen werden um den Moment in der Mitte, wo das Grau der Wolken plötzlich und kurzzeitig aufreißt, als wunderschöne Erinnerung mitzunehmen. Noch erwähnen möchte ich das Lied "Ungleichgewicht", das zu Beginn so herrlich schleppend seine Bahnen zieht und dem Hörer einen Rausch ohne die Einnahme von Drogen beschert. Wenn dann die schrägen und teils wütend klingenden Gitarren einsetzen, befindet man sich schon in einer anderen Welt und die Härchen am Arm stellen sich völlig automatisch auf. Ob man das nun will, oder nicht! Die neun weiteren Lieder solltest Du besser selbst entdecken und erkunden. Da möchte ICH jetzt mal die Neugier in DIR wecken!

Die beiden Musiker sagen über ihr neues Album selbst: "STROM ist ein persönliches Album. Eine rote Laterne. Ein Schatz. Die zwölf Lieder erzählen von der Zeit, die in uns reist, während wir mit Riesen kegeln. Wir haben heute von allem mehr: Fragen und Antworten. Und wir haben mehr Bilder als Rahmen." Von mir gibt es nur die Empfehlung, das nächste Reisebüro in Form eines Plattenladens anzusteuern und Dir ein Ticket in Form dieser Platte zuzulegen, um damit auf eine Reise zu gehen, von der Du noch Jahre später berichten wirst. Es ist ein Urlaub vom Alltag, vom Stress des Tages und von den Belanglosigkeiten der Party-Gesellschaft um einen herum. Ein Urlaub mit Sightseeing in Bezug auf Gefühlswelten und Klanggebilden. Viel Spaß dabei - ich hatte ihn schon mehrfach!
(Christian Reder)



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