monokel4070 20160819 1569119354 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"1976 bis 2016"
Monokel 40/70
Eigenvertrieb
19. August 2016

1. Wie die Großen
2. Das Lumpenlied
3. Spannersau
4. Der Schreier
5. 40 Jahre
6. Nie wie Vater (Live - Bonustrack)
7. Rettungsboot (Live - Bonustrack)





Rezension:
2016 ist für Speiches Monokel ein besonderes Jahr, denn es gibt gleich zwei Jubiläen zu feiern. Monokel wurde 1976 gegründet, ist also heuer 40 Jahre alt, und im Herbst feiert Bandgründer Jörg "Speiche" Schütze seien 70. Geburtstag. Extra für die Tour in diesem besonderen Jahr wurde eine Jubiläumsband zusammengestellt: MONOKEL 40/70.

Mit Gala und Zuppe sind die beiden Sänger der 70er und 90er, bzw. der 80er Jahre mit an Bord, und Monokel-Urgestein und Gründungsmitglied Basti Baur kehrte für die Tour zurück. Entstanden ist die Idee für die jetzige Band zur Jubiläumstour vor 4 Jahren. Im Herbst 2012 standen MONOKEL mit vier von fünf Gründungsmitgliedern als UR-MONOKEL für zwei Konzerte in Thüringen auf der Bühne, und wurden beim Konzert auf dem Zwiebelmarkt in Weimar von über 4.000 Fans begeistert gefeiert. Anstelle von Wille Borchert spielt nun Peter Schmidt (East Blues Experience, Handarbeit) in Speiches Band. Eigentlich muss man ihn keinem Bluesfan mehr groß vorstellen. Die Rhythmusfraktion besteht seit vielen Jahren aus Olli Becker und Bandgründer Speiche.

Anfang des Jahres traf man sich im Studio und spielte die nun vorliegende Jubiläums-CD ein, die dieser Tage erschien. Es sind die ersten neuen Aufnahmen von Speiches MONOKEL seit 2008, die damaligen Neuaufnahmen (entstanden im Proberaum von der Band von Speiches Sohn). "Das Feuer war schon aus", "Lumpenlied" und "Kindertraum" hatten über 40.000 Klicks, waren aber nur über die damalige Internetseite aufrufbar. 2012 veröffentlichten Speiches MONOKEL eine Picture Vinyl-LP mit "Das Feuer war schon aus" und "Memento". Diese ist beim Hersteller vergriffen und zur Zeit noch bei den Konzerten erhältlich - die Auflage ist limitiert.

Für die Jubiläums-CD, eingespielt in der jetzigen Tourbesetzung, griff die Band tief in die Raritätenkiste. Der erste Titel ist "Wie die Großen", ein zeitkritischer Text, der nicht an Aktualität verloren hat. Bei den Konzerten wird er meist am Anfang der Zugaben gespielt. Zuppe und Gala teilen sich den Gesang - toller Groove, fast durchgängig mit Harp eingespielt.
Der zweite Titel auf der CD, "Das Lumpenlied", ist eine echte Perle, tief aus der Raritätenkiste und erscheint so zum ersten Mal offiziell. Der Text stammt ja bekanntermaßen aus dem "Totentanz" von B.Traven, einem gesellschaftskritischen Roman, erschienen 1926, der sich mit dem untergehendem Spätkapitalismus und seinen Folgen daraus und aus der Perspektive eines staatenlosen Seemanns und seiner Irrfahrt beschäftigt. Dieses "Tanzlied des Totenschiffs" war - von Gala gesungen - schon Ende der 70er Jahre im MONOKEL-Programm. Die schon erwähnte Studioversion - im Jahre 2008 von Zuppe gesungen - kennen sicherlich nicht viele, aber eine Live-Version ist auf der DVD "Live auf dem Alex" zu finden. "Ich liebe mich, nicht euch, in dieser Welt, in euren Himmel will ich gar nicht rein, viel lieber in der Hölle sein" - Der Text saß, und die Fans verstanden ihn. Er entwickelte sich schnell zu einer inoffiziellen "Tramperhymne", und überall wo MONOKEL damals auftraten lösten sie halbe Völkerwanderungen aus. In den Sälen war die Hölle los. Dies war natürlich den "oberen Herrschaften" ein Dorn im Auge, und es gab dann später keine Möglichkeit mehr diesen Titel anzumelden. An eine Produktion oder gar Veröffentlichung war erst recht nicht zu denken!
Gleiches trifft auch auf den nächsten Titel zu: "Spannersau", von Gala 1977 betextet. "Seit zwei, drei Jahren wohnst du da drüben, mir gegenüber, Haus Nr. 7, und jeden Abend fast bist du bei mir´n ungeladener Gast. Mit deinem Glas schaust du fern, mein Freund, glaub mir, das hab ich gar nicht gern. Und wo ich drauf lieg, das ist meine Frau, das weißt du doch wohl ganz genau - du Spannersau." Eine textliche Doppeldeutigkeit, von Gala so gewollt, die damals jeder verstand. Im Jahre 2000 erschien eine Raritätensammlung mit 3 CDs in einer Kleinstauflage im Eigenvervetrieb. Auf der dritten CD "Schnapsideen" ist der Song unter dem Titel "Spanner" in einer Demoversion, eingesungen von Zuppe, vertreten. Offiziell erschien er bereits 1995 auf der CD "Monokel" (Buschfunk). Diese ist allerdings seit Jahren vergriffen und wird von vielen Fans gesucht. Noch ein Argument mehr, sich jetzt diese CD zuzulegen. In der jetzigen Version, gesungen von Gala, ist er 30 Sekunden länger und kommt vor allem gitarrenmäßig deutlich knackiger und mit mehr Druck rüber.
Auch den "Schreier" bzw. "Und ich schrei, weil ich lebe" kennen die Fans, Gala schrieb den Text dazu 1978. Allerdings war die Band nie so richtig mit dem Arrangement zufrieden und so wurde er nie für eine Veröffentlichung eingespielt. Live blieb er im Programm, und so gibt es auch auf den schon angesprochenen Raritäten CDs je eine Liveversion, gesungen von Gala 1981, und eine von Zuppe aus den 80ern. Gerade aber textlich gewann er nach dem tragischen Unfall bei Speiches MONOKEL 2006 an Bedeutung. Er entwickelte sich zu einem Fanfavoriten und war bei den Konzerten nicht mehr wegzudenken. Liveversionen findet man auf der DVD "Live auf dem Alex" und der CD/DVD zum großen Jubiläumskonzert "35 Jahre Monokel". Jetzt für die erstmals eingespielte Studioversion wurde er gründlich umarrangiert und gestrafft. Er beginnt mit akustischen Gitarren, Gala und Zuppe teilen sich den Gesang, später kommt die Harp dazu und hinten raus geben Peter und Basti gitarrenmäßig Vollgas.
"40 Jahre" ist der Jubiläumtitel zur Tour, getextet von Gala. Er wirft einen ironischen Blick auf eine bewegte Vergangenheit zurück: "Das ist 'ne Band, die 's eigentlich gar nicht geben kann. Schon fünfmal tot, dann steht 'se wieder wie'n Mann. Dann ging mal der, dann kam ein anderer hinzu, nun jibt et zwee, mann wat sachste denn dazu ..." In vier Strophen kann man natürlich nicht 40 Jahre unterbringen, aber die Band steckt voller Feuer und Tatendrang, wovon man sich auf den aktuellen Konzerten überzeugen kann. "Nun jibt es zwee", auch die Kollegen von Kraftblues touren durch die Lande, die Fans fahren halt nun beiden Bands hinterher. 40 Jahre, eigentlich wäre es nun mal Zeit einen Schlussstrich unter die alten Geschichten zu ziehen und vielleicht mal in ferner Zukunft was gemeinsam zu machen. Viele Fans würden es sich wünschen.
Die beiden letzten Titel der CD, "Nie wie Vater" und "Rettungsboot" sind ein kleiner Auszug aus dem aktuellen Liveprogramm und wurden im Februar in Luckenwalde mitgeschnitten. Vor allem "Nie wie Vater" werden viele MONOKEL-Fans nur von den Kraftbluesern kennen, jetzt bei der Jubiläumstour haben ihn auch Speiches MONOKEL erstmals im Programm.

Die Spiellänge der CD beträgt knapp 36 Minuten, die fünf Studioversionen wurden im Proberaum aufgenommen und anschließend von Peter Schmidt in seinem Studio fertiggemischt. Sie ist nicht nur ein schönes Souvenir zur aktuellen Tour, sondern sollte, aufgrund der Raritäten und Erstaufnahmen, in keiner Sammlung eines Blues- bzw. MONOKEL-Fans fehlen. Am 27. Dezember 2016 ist dann in Berliner Kulturbrauerei das große Jubiläumskonzert und zugleich der Abschluss dieses ereignisreichen Jahres. Logisch, dass da viele Weggefährten und Freunde aus 40 Jahren mit auf der Bühne stehen werden. Man sieht sich!
(Michael Labitzke)




   
   
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