eavgelacht 20161118 2043055838 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"Was haben wir gelacht"
Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV)
Ariola/SONY
21. Oktober 2016

1. Was haben wir gelacht
2. Lonesome Cowboy
3. Ich tät's noch einmal
4. Barbie
5. Schweinefranz
6. Der blöde Hein
7. #*ck Dich
8. Halali
9. Das Auge Basedows
10. Nummer
11. Stemmerking
12. Schecksymbol
13. Weh dem der pflügt
14. Komm her
15. Tanzbaron
16. Ein Koch
17. Neandertal 2016
18. Das letzte Hemd





Hört man „Küss’ die Hand schöne Frau, ihre Augen sind so blau“ aus dem Radio, weiß man sofort: Die ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG aus Österreich ist wieder am Werk. Seit Jahren verschönen sie uns mit meist „nonsensischen“ Blödeleien und oft deftigen Kalauern trübe Tage. Unvergessen sind Charterfolge wie „Ba-Ba-Banküberfall“, „Märchenprinz“ oder „Fata Morgana“. Fast möchte man es nicht glauben, dass sie bereits seit 1977 bestehen und offenbar nicht gedenken, erwachsen zu werden. Thomas Spitzer ist als Komponist und Texter für die musikalischen Streiche verantwortlich. Den Sänger kennt man namentlich, akustisch und visuell sofort: Trotz vieler Wechsel in der Bandbesetzung ist er DIE Stimme der EAV in Person des früher blonden und jetzt weißkopfigen Irrwisches Klaus Eberhartinger.

Man darf die Band aber nicht nur als unterhaltsame Blödelgruppe abqualifizieren. Von wegen: Sie zeigten und zeigen durchaus auch die Zähne, engagierten sich mit Songs wie z.B. „Neandertal“ oder „Eierkopf-Rudi“ gegen Rechtsextreme und rechte Gewalt. Etliche Lieder wurden wegen kirchen- und gesellschaftskritischer Texte von Radiosendern boykottiert. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ihre Single „Burli“ aus dem Jahr 1988 (Der Burli hat links und rechts drei Ohrli / an jeder Hand zehn Finger, und Hände hat er vier / keiner spielt so schnell Klavier), der mögliche mutative Folgen von Kernkraftwerk-Supergaus thematisiert. So viele Proteste (es gibt noch mehr) kann beileibe nicht jede Band aufweisen.

Bleiben wir aber bei der aktuellen Platte. Sie beschreiben sie selbst als „Larifaritäten-CD“, die alte gesangliche Fundsachen und lustige Studiofragmente aus ihrem Skurrilitätenarchiv zu Tage fördert, natürlich klanglich aufpoliert. Insgesamt 18 bunt gemixte Geniestreiche enthält die Scheibe. Es geht los mit dem Titelsong, wo die Cannabis-Gemeinde in Tiefenbach am Rhein mit Hans Hanf, Maria Wank eine lustige Lachsession feiert. Nach dem Countrysong „Lonesome Cowboy“ in perfektem Westernstyling folgen weitere köstliche Anekdoten, wie z.B. „Barbie“, den Schlankheits-Wahn vieler Models karikierend („Du bist dünner als ein Hering, den man luftgetrocknet hat“). Herrliche weitere Textfontänen sprudeln aus Klaus Eberhartinger heraus. Interessant, dass der Song in mehreren Etappen entstand, aktualisiert wurde und in seiner Urform auf das Jahr 1994 zurückgeht. Der „Schweinefranz“ lässt an Schlüpfrigkeit nichts zu wünschen übrig. Würde man selbst in dieser Zeit kaum im Radio spielen. Dies gilt logischer Weise auch für „#*ck dich“, das balladesk-harmlos beginnt und, naja, dann zur Sache geht. Die EAV nimmt kein Blatt vor den Mund. Ihr spätpubertäres Getöns kann man ihnen aber auch nicht krumm nehmen. Ausgelassenes „Halali“ ist auf der Pirsch zu hören. „Wir sehen Doppel-Kimme nach jedem Dreifach-Korn“. Besonders überraschend ist eine an die berühmte Bolero-Komposition von Maurice Ravel stark angelehnte „Nummer“ (so der Songtitel). Sogar mit einer kurzen Dudelsack-Einlage. Und ein weiteres exotisches Instrument, das australische Didgeridoo, wird bei „Stemmerking“ eingesetzt. Da geht’s in allen Variationen um die oft verhängnisvollen Auswirkungen des Gerstensaftes.

Mein Tipp: Sich unbedingt die Lyrics vornehmen, die auch online zu finden sind. Es ist erstaunlich, was den EAV’lern so alles vor die gedankliche Flinte rennt. Auch wenn es sich um eine Art Recycling-Album handelt, ist es ein vielfältiges, unterhaltsames und leicht verdauliches Potpourri geworden. Der Wortwitz dieser CD ist wirklich entwaffnend. Da kommt keine Langeweile auf. Nachdem die Karneval- oder Faschingszeit angebrochen sind, empfiehlt sich diese kuriose Sammlung besonders für die Hausparty.
(Gerd Müller)



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