carolinno2014 20141115 1675555491 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Backstage"
Carolin No
Fuego
10. Oktober 2014

01. All Of Me
02. Loveland
03. Rain Rain Go Away
04. Mary's Song 1 (Make It Last)
05. I'll Wait For You
06. The Poor Man's Version Of The Physics Of Waves
07. Sick Of Home Blues
08. Wayfaring Stranger
09. Mary's Song 2 (Let Me Go)
10. Hands
11. Crystal Ball
12. Claremont Revisited
13. November
14. Time Is Flowing East
15. Wenn ich ein Vöglein wär
16. River/Guten Abend, gut' Nacht





Ich fange gleich mit dem Schluss an:
Ist es glaubwürdig, wenn man eine Platte rezensiert hat und kein "Haar in der Suppe" fand? Im vorliegenden Fall komme ich selbst bei kritischster Betrachtung zu keiner anderen Beurteilung. Es ist erstaunlich, was Carolin No zwischen September 2013 und September 2014 auf ihrer "Favorite Sin-Tour" und später in einer mehrmonatigen Auszeit in den USA teilweise in Hotel- und Wohnzimmern aufgenommen haben. Zurzeit touren sie noch und werden in Konzertkritiken geradezu euphorisch gelobt. Kein Wunder, denn es sind einfach wunderschöne Kompositionen, die von und durch Caros anrührende und auch hörbar gereifte Stimme in idealer Weise zur Geltung kommen. Unverwechselbar ist ihre Stimme und ihr Gesangsstil sowieso. Mit Ihrem Mann Andi Obieglo hat sie einen Partner, der selbst ein begnadeter Musiker ist und Caro einfühlsame Songs quasi auf die Stimmbänder schreibt. Sie haben sich von einem Geheimtipp zu einem klangvollen Namen entwickelt. Ihre Konzerte sind so gut wie immer ausverkauft.

Die CD (Laufzeit 55:01) beginnt mit dem als Jazz-Standard bekannten beschwingten Titel "All of me". "Loveland", der Titelsong aus der 2011er Studio-CD ist eine mit wunderschöner Gitarrenbegleitung, auch mit Pedal Steel ausgeschmückte geschmeidige Version geworden. Den dritten Song "Rain rain go away" kenne ich aus ihrer ersten CD "Carolin No" (2007), als beide die ersten musikalischen Schritte nach einigen gewonnenen Wettbewerben wagten. Für "Mary's Song" in zwei auf der Scheibe enthaltenen Versionen verwendeten die Musiker einen Text, der von Andis in den Staaten lebender Tante stammt. Ein nettes Interview von Andi mit Mary McDonald ist auf YT enthalten (siehe am Ende dieser Seite). Eine schöne stimmliche Symbiose mit dem Sänger Todd Hannigan zeichnet die luftige Duett-Nummer "I'll wait for you" aus. Mit dem Wellenschlag des Ozeans und der quäkenden Radio-Stimmeinlage von Paul Sweazey beginnt "The poor man's version of the physics of waves". Ein absolut faszinierendes Instrumental mit dem Thema "Wellenreiten", gespielt von Andi auf der Bariton Lap Steel. Das sollte man am besten mehrmals hintereinander hören - mit gleicher Faszination. Im bluesigen "Sick of Home Blues" zeigt Caro, dass sie alle Facetten ihrer stimmlichen Modulation perfekt beherrscht. Mit seiner markant-sonoren Stimme lädt Colin Brown zur Zweitstimme von Caro zum "Wayfaring Stranger", zum fremden Wandersmann-Lied ein. Eine erste unerwartete Überraschung bot sich mir, als ich den Titel "Hands" anklickte. Flamenco-Musik! Mit der Flamenco-Gitarre von Alex Kilian. Auch das gelingt Caro mit spürbarer Freude an den Klatschrythmen. "Crystal Ball" führte mich wieder in die Zeit meiner ersten akustischen Begegnung mit Carolin No zurück. Es ist eine wunderbare Version mit üppigem Band-Arrangement, das dem Titel eine neue Dimension verleiht. Nach einem kurzen instrumentalen Intermezzo von Andi Obieglo ("Claremont revisited") war die nächste Überraschung die von Caro mit deutschem Text versehene Fassung von "Year of November", die sich jetzt schlicht "November" nennt und mit dunklen Cello-Klängen in Anbetracht der nur noch selten lichtdurchfluteten Jahreszeit schon mal eine Sinnfrage aufwerfen kann. Aber die Aussicht auf das kommende Frühjahr lässt die Klänge wieder optimistischer werden. "Time is flowing" ist ein intimes Zwiegespräch zwischen dem sensiblen Klavierspiel von Andi und dem feinsinnig gespielten Cello von Tilmann Wehle, der schon beim Würzburger Hafenfestival in Würzburg 2012 dabei war. Hiervon gibt es eine empfehlenswerte DVD. Eine dritte nicht erwartete Überraschung ereilte mich, als das alte Volkslied "Wenn ich ein Vöglein wär" angestimmt wurde. Mich haute es fast vom Hocker, als Caro in leicht verfremdetem Klangteppich eingetaucht, zu singen begann und das Lied zu einer fast orgiastischen Prog-Rock-Nummer mutierte. Das fetzte und die Post ging ab! Respekt zu diesem mutigen Unterfangen! Mit dem sonst bei Tourneen gespielten Hinausschmeisser "River/Guten Abend, gute Nacht" endet eine äußerst abwechslungsreiche CD, die ich so nicht erwartet hätte.

Man kann dem Duo nur empfehlen, weitere Möglichkeiten der musikalischen Fortentwicklung auszuloten. Das Potential dazu besitzen sie. Die Scheibe mit dem Westcoast-Sound ist, wie stets bei ihren bisherigen Produktionen, hervorragend abgemischt und besticht durch satten, warmen Klang.
(Gerd Müller)

 


Beitrag kommentieren: Dieses Album oder die Rezension kommentieren? Das kannst Du HIER




Videoclip:

Mary McDonald im Interview mit Andi Obieglo

   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2017)